Schweiz

Darum ist Basel die kriminellste Stadt der Schweiz

28.03.17, 13:12 28.03.17, 13:31

Dass Basel-Stadt die statistische Gewalt-Hochburg der Schweiz ist, erklärt der Kanton mit Zentrumseffekten und der Grenze. Die Bevölkerungs- und Siedlungsstruktur sei anders als auf dem Land, und das Landvolk feire den Ausgang in der Stadt – zunehmend bis zum Exzess.

Schlagzeilen wie «Basel kriminellste Stadt der Schweiz» habe er ungern gelesen, sagte der baselstädtische Leitende Staatsanwalt Beat Voser am Dienstag vor den Medien. Städtische Zentrumseffekte schlügen in Basel-Stadt mit nur zwei Landgemeinden stärker zu Buche, insbesondere die heutige «Ausgeh- und Spassgesellschaft».

Auch der Bund, dessen Kriminalitätsstatistik 2016 am Montag publiziert wurde und besagten Schlagzeilen-Schatten auf Basel warf, hatte auf solche Effekte hingewiesen. Basel-Stadt hatte da mit 13,1 Gewaltstraftaten pro tausend Einwohner die höchste Quote, gefolgt von den Kantonen Neuenburg (8,5) und Genf (7,9) – Basel-Landschaft hatte 2.6 und am wenigsten Appenzell Innerrhoden mit 2,0.

Ländlicher Gewalt-Export

Voser empfahl zur Ursachenforschung die Benutzung eines Agglo-Zuges in die Stadt an irgendeinem Freitagabend; da könne man das Vorglühen des Partyvolkes eindrücklich erleben. Wen die Polizei dann in den Morgenstunden nach Schlägereien oder anderen Delikten fasse, sei fast immer betrunken und oder verladen.

Unter dem Strich summierten sich 2016 in Basel Stadt 21'118 Delikte nach Strafgesetzbuch (StGB) plus 3708 nach Betäubungsmittelgesetz. Das bedeutet ein Prozent mehr StGB-Fälle und 14 Prozent mehr Drogenfälle. 70,3 Prozent der StGB-Fälle betrafen Vermögensdelikte, 6,7 Prozent Leib und Leben sowie 12,5 Prozent Freiheitsdelikte.

Bei den Gewaltdelikten wurde in Basel-Stadt entgegen dem leicht rückläufigen Schweizer Trend eine Zunahme von 2 Prozent auf 2515 Fälle verzeichnet. Reduziert auf Gewalt im engeren Sinne sei jedoch die Deliktzahl um 6 Prozent gesunken, sagte Voser. Häusliche Gewalt habe es in Basel-Stadt entgegen dem Schweizer Trend weniger gegeben.

Asylbewerber und FCB-«Pseudofans»

Stark zugenommen hat Gewalt gegen Beamte: Die 248 Fälle waren fast eine Verdoppelung. Ein Faktor ist laut Voser das Empfangszentrum für Asylbewerber, wo Streit regelmässig ausarte und Beamte betroffen seien. So ein Zentrum stehe nicht in jedem Kanton. Zudem verwies er auf Autonomen-Saubannerzüge und marodierende FCB-«Pseudofans».

Ein weiterer Sonderfaktor von Basel-Stadt ist die Landesgrenze – rund zwei Drittel des direkten Umlands sind Ausland. Dies macht sich beispielsweise bei vielen gestohlenen Velos bemerkbar, die oft nach Frankreich gingen, oder illegalen Einreisen, die etwa bei Jugendlichen stark zugenommen haben.

Im Übrigen haben Einbruchdiebstähle um ein Prozent abgenommen auf 1339 Fälle. So bilanzierte Voser, die Gesamtzunahme der StGB-Fälle sei zwar unschön, doch liege man weiter klar unter dem letzten Peak von 2012. Kriminalitätsstatistisch sei Basel-Stadt derzeit durchaus «auf gutem Weg». (whr/sda)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Farson 28.03.2017 18:58
    Highlight Meine Bilanz nach 5 Jahren in Basel:
    Minus 2 Velos und eine gestohlene PS4 als bei uns eingebrochen wurde.. Nichtsdestotrotz bringt mich hier nichts so schnell weg :)
    21 5 Melden
    • DerRaucher 28.03.2017 22:47
      Highlight Jemand brach bei dir ein und nahm nur eine Ps4? Wie alt waren die, 12?
      4 0 Melden
    • Farson 29.03.2017 20:33
      Highlight Die PS4, alle Pads und einige games, sonst nichts. Kein witz. Dies dem Polizisten am Telefon zu erklären war auch spannend..
      3 0 Melden
  • lucasm 28.03.2017 15:59
    Highlight Je mehr die polizei hinschaut, desto mehr vergehen und verbrechen sind in der statistik. Die polizeipräsenz hat hier in bs in den letzten jahren merklich zugenommen.
    22 1 Melden
    • Pasch 29.03.2017 08:07
      Highlight Jeden der da neu dabei ist würd ich jetzt auch nicht Polizist nenne, netmal Hilfssherif ...
      1 3 Melden
  • Euklid 28.03.2017 15:45
    Highlight Alles was hier als Gründe und Ausreden angegeben werden, kann man fast 1 zu 1 (ausser FCB) auch auf Genf übertragen. Trotzdem gibt es in Basel fast doppelt so viele Gewaltstraftaten. Und im Jahr 2017 haben wir ja auch schon bereits zwei Tote (Drogen-Cafe) zu verzeichnen. Vielleicht wäre es mal an der Regierung geeignete Massnahmen (Videoüberwachung öffentlicher Plätze, mehr Polizei, mehr Prävention) zu ergreifen. Geld ist in Basel genug vorhanden.
    6 34 Melden
  • Hinkypunk 28.03.2017 14:28
    Highlight Ich wohne bei Basel und bin eigentlich jedes Wochenende unterwegs, auch im Kleinbasel. Unsicher habe ich mich noch nie gefühlt.
    61 7 Melden
  • Pasch 28.03.2017 13:50
    Highlight Wieviel davon haben sich um Parkplätze geprügelt???
    58 8 Melden
  • henkos 28.03.2017 13:43
    Highlight War ja klar, dass man die Schuld auf die Ausländer schieben würde :D

    Ich habe 7 Jahre in Basel gelebt und mit Ausländern dort nie schlechte Erfahrung gemacht. Im Gegensatz zu den Basel-Städtern und noch schlimmer den Basellandschaftlichen. Provinziell und überheblich wohin man sah.
    21 71 Melden
    • ostpol76 28.03.2017 16:01
      Highlight Lies den Text bitte nochmals durch. Es kommt kein einziges mal das Wort Ausländer vor.
      30 1 Melden
    • AL:BM 28.03.2017 23:35
      Highlight Henkos:
      Zeig bitte an diesen Modellen wo sie dir weh gemacht haben.
      4 2 Melden
  • Alain Iylehadrezs 28.03.2017 13:37
    Highlight Sone Hafechäs! 😂
    25 13 Melden
    • pat86 28.03.2017 13:47
      Highlight Inwiefern?
      12 4 Melden

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