Schweiz

Meinisberg will keine Fahrenden – und steigt mit der Regierung in den Ring

Die Berner Regierung macht ernst mit ihrem Plan, in Meinisberg einen Platz für ausländische Fahrende zu schaffen. Meinisberg will sich bis zum bitteren Ende wehren.

17.06.16, 05:12 17.06.16, 07:17

Endlich geht etwas im Kanton Bern. Nachdem gestern bekannt wurde, dass der Kanton in Erlach, Muri und Herzogenbuchsee neue Stellplätze für Schweizer Fahrende sowie einen Transitplatz in Meinisberg für ausländische Fahrende plant, war ein Meilenstein erreicht. Lange genug lag man auf der faulen Haut. 2003 hatte der Bund die Kantone beauftragt, genügend Plätze für die Minderheit auf Rädern zu schaffen. Nichts ging – bis eben heute. 

Rückblick: Bis die Fahrenden in Witzwil das Feld räumten, dauerte es eine Weile. Berner Zeitung

Gute Nachrichten, könnte man meinen. Nicht für alle, wie sich zeigt. Als einzige Gemeinde ärgert sich Meinisberg grün und blau über die Pläne des zuständigen Regierungsrats Christoph Neuhaus (SVP). «Genau wie die Kantonsregierung sich vorbehält, mit allen rechtlichen Mitteln für diesen Standplatz zu kämpfen, tun wir dies auch, um uns dagegen zu wehren. Notfalls bis ans Bundesgericht», droht Christian Sahli, Vizegemeindepräsident von Meinisberg im Gespräch mit der «Berner Zeitung». «Sollte die Forderung im Grossen Rat tatsächlich durchkommen, ergreifen wir das Referendum.»

«Kosten sind viel zu hoch»

Ein Grund für den Ärger sind die Kosten, die seien viel zu hoch – der Regierungsrat beantragt einen Kredit von 9,2 Millionen Franken für den Platz in Meinisberg. Darin nicht eingeschlossen seien die Folgekosten von jährlich bis zu 60'000 Franken sowie die Kosten für die Polizeieinsätze. «Dafür müssen die Steuerzahler aufkommen», so der Gemeinderat. Dieser geht davon aus, dass sich ähnliche Szenen ereignen wie vor wenigen Wochen in Witzwil

Wie auf einer Chilbi: Meinisberg befürchtet viel Ärger. YouTube/Bieler Tagblatt

Die Meinisberger haben auch Angst. Angst, dass die Fahrenden ihrem Image schaden. Das befürchtet übrigens auch Lengnau, die Nachbargemeinde. Der Gemeinderat «sieht seine Bestrebungen zur Attraktivierung der Gemeinde als Wohn- und Arbeitsort sehr gefährdet», heisst es auf der gemeindeeigenen Webseite.

Ein Blick auf die Webseite zeigt: Das Komitee «Kein Transitplatz Meinisberg» mobilisiert mit scharfen Worten gegen die Pläne. keintransitplatzmeinisberg.ch

Noch ist es wohl zu früh für schlaflose Nächte. Sagt die Finanzkommission «Ja» zu den Anträgen des Regierungsrats, kommt das Geschäft wohl im September in den Grossen Rat. Bis dahin versuchen die Meinisberger Politiker und das Komitee «Kein Transitplatz Meinisberg», möglichst viele Gegner zu mobilisieren.

Aufgrund des Diskriminierungsverbots muss der Kanton aber Plätze für einheimische und ausländische Fahrende schaffen. Der Regierungsrat will deshalb bei der Autobahnausfahrt in Meinisberg auf einer 12'500 Quadratmeter grossen Parzelle rund 40 Standplätze mit Platz für 120 bis 200 Personen schaffen. (rwy)

Das könnte dich auch interessieren:

Amerika ist verloren – und YouTube der Beweis dafür

6 Argumente der No-Billag-Ja-Sager, die wir nicht mehr hören können

15 Retro-Cocktails, die schleunigst ein Comeback verdienen

Das Flintenweib der NRA: Dana Loesch ist das Gesicht der US-Waffenlobby

So sähe es (etwa) aus, wenn wir unser echtes Leben wie das im Internet leben würden

Kanada holt Eishockey-Bronze +++ Wenger gibt zu früh Gas und wird 4.

Hier werden zwei Olympia-Skicrosser spektakulär durch die Luft geschleudert

Rumantsch, du hast die schönsten Fluchwörter! Errätst DU, was sie bedeuten?

Apple veröffentlicht Notfall-Update für iPhone, Mac und Watch (und TV)

Die Geburtsstunde einer Legende: Jamaika hat 'ne Bobmannschaft!

Zum Wochenstart gibts Dauerfrost und Bise

Schweizer Jihadist plante Terror-Anschlag in Nizza

Die Reaktionen dieser Basler Fussball-Reporter nach ihrer falschen Prognose? Unbezahlbar

«Vorwärts Marsch!» – hier findest du die schönsten Laternen des Morgestraichs

Die irische Rebellin, die lieber stirbt, als auf die britische Krone zu schwören

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • malu 64 18.06.2016 21:06
    Highlight Ich kenne viele Schweizer Fahrende. Das sind sehr interessante und einfache Leute.
    Die Vorurteile die weitläufig verbreitet sind, sind aus der
    Luft gegriffen. Alle sind selbständig Erwerbend und arbeiten hart für ihren Lebensunterhalt. Während der Sommermonate müssen die Kinder nicht zur Schule, müssen aber trotzdem den Schulstoff eigenständig lernen und bekommen von Zeit zu Zeit neue
    Aufgaben von den Lehrern, per@ Post. Die Familie ist das größte.
    Viele sijmkjno
    1 2 Melden

Jung-SVP macht Stimmung gegen Fahrende und kassiert Anzeige wegen «rassistischer Hetze» 

Am 25. März wird im Kanton Bern ein neue Regierung und ein neuer «Grosser Rat» gewählt, wie das bernische Parlament heisst. Auch die Junge SVP (JSVP) des Kantons möchte Sitze im Grossen Rat erobern. Um ihre Kandidaten zu bewerben, greift sie zum Holzhammer: «JSVP-Kandidaten wählen – Transitplätze für Zigeuner verhindern» betitelte sie am Mittwoch eine Medienmitteilung.

Die Jungpartei versucht damit Kapital zu schlagen aus dem Widerstand eines Teils der Bevölkerung in den Ortschaften Wileroltigen …

Artikel lesen