Schweiz

Der prominente Berner Imam Mustafa Memeti sieht im Burka-Verbot kein Zeichen gegen Muslime generell. Bild: KEYSTONE

«Zeichen gegen Ultrakonservative» – einflussreicher Imam stellt sich hinter das Burka-Verbot 

Der prominente Berner Imam Mustafa Memeti begrüsst den Entscheid des Nationalrats,die Burka zu verbieten. Andere Verbände wollen sich dagegen noch nicht festlegen.

28.09.16, 04:55 28.09.16, 06:06

KONRAD STAEHELIN / Aargauer Zeitung

Einflussreiche Vertreter der gemässigten Muslime haben den Entscheid des Nationalrats, die Burka auf nationaler Ebene zu verbieten, positiv aufgenommen. «In einer offenen Gesellschaft sollte eine Frau ihr Gesicht und damit ihre Identität zeigen. Deswegen sollten Muslime nicht negativ auf ein Verbot der Burka reagieren. Dieses stellt kein Problem dar», sagt Mustafa Memeti, Imam des Muslimischen Vereins Bern und Präsident des Albanisch Islamischen Verbands Schweiz, der «Nordwestschweiz».

«Ein Kopftuch-Verbot wäre dagegen ein Problem.»

Mustafa Memeti, Imam des Muslimischen Vereins Bern

«Ich habe Vorbehalte gegenüber der Burka; sie ist absurd. Sie ist theologisch nicht zu begründen und gehört nicht zu den islamischen Verpflichtungen. In der Schweiz lassen sich die Frauen, die sie tragen, an einer Hand abzählen. Ein Kopftuch-Verbot wäre dagegen ein Problem.»

Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, sagt: «Wir müssen diskutieren, was für einen Islam wir in der Schweiz wollen. Wenn das Parlament das Vermummungsverbot beschliesst, setzt es ein klares Zeichen gegen die Obszönitäten des politischen Islams. Es geht um mehr als ein blosses Stück Stoff, es geht um die Frauenfeindlichkeit der Salafisten.»

«Dieses Mal ist es kein Zeichen gegen Muslime, höchstens gegen Ultrakonservative.»

Mustafa Memeti, Imam des Muslimischen Vereins Bern

Keinen vor den Kopf stossen

Dass mit der SVP eine Partei hinter der parlamentarischen Initiative steht, die in der Vergangenheit mit ihren Vorstössen auch moderate Muslime gegen sich aufbrachte, spielt für einmal keine Rolle. «Ich habe diese Position vertreten, bevor die SVP sie aufgenommen hat», so Keller-Messahli. «Dass es jetzt diese Partei ist, die damit Politik macht, kümmert mich wenig.» Imam Memeti sagt: «Dieses Mal ist es kein Zeichen gegen Muslime, höchstens gegen Ultrakonservative.»

Andere Organisationen tun sich schwer, in der Burka-Frage Stellung zu beziehen und damit möglicherweise Mitglieder vor den Kopf zu stossen. Die wichtige Föderation Islamischer Dachorganisationen der Schweiz (FIDS) wird ihre Position erst in Kürze kommunizieren.

Auch die Schweizer Bischofskonferenz gab sich auf Anfrage unentschieden: «Zum einen ist es für das Zusammenleben in einer Gesellschaft wichtig, dass sich ihre Mitglieder zu erkennen geben. Andererseits achten wir die Religionsfreiheit. Wir haben noch keine klare Stellung bezogen; eine interne Kommission arbeitet diese aktuell aus», sagt Sprecher Walter Müller.

Auch Silvia Hofmann, Präsidentin der Schweizerischen Konferenz für Gleichstellungsfragen (SKG), sagt: «Die SKG hat sich 2005 grundsätzlich gegen Kleidungsvorschriften ausgesprochen, doch die Meinungsbildung zur Burka ist aktuell noch im Gang.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Rabbi Jussuf 28.09.2016 09:56
    Highlight Gerichtet ist das Verbot gegen die Uniformierung und Zurschaustellung von extremistischen Ideologien. Dadurch werden aber ohne eigentliche Not, wenigstens theoretisch, individuelle Freiheiten eingeschränkt. Damit meine ich nicht, dass Niqabtragen eine individuelle Freiheit darstellen würde!
    Niqab, Burka und Vergleichbares ist immer Ausdruck einer Ideologie aus der jeweiligen Herkunftsregion, die hier nichts zu suchen hat, ganz gleich ob freiwillig getragen, oder nicht!
    4 3 Melden
  • Rabbi Jussuf 28.09.2016 09:46
    Highlight 2/2
    Solange die "fortschrittlichen Muslime" also keine Spaltung bewirken, tragen auch sie als Nährboden für islamische Fundamentalisten jeglicher Couleur bei.
    Das einzige, was wir hier machen können, ist mit allen Kräften einer Gettoisierung entgegen zu wirken. (Das ist der Schweiz bisher ganz gut gelungen, im Vergleich zu anderen europäischen Staaten.) Es reicht aber noch nicht. So ist das Burkaverbot ein winziger Schritt in die richtige Richtung, wenn auch mit etwas fraglichen Methoden.
    2 1 Melden
  • Rabbi Jussuf 28.09.2016 09:36
    Highlight 1/2
    Saïda Keller-Messahli, Präsidentin des Forums für einen fortschrittlichen Islam, sagt: «Wir müssen diskutieren, was für einen Islam wir in der Schweiz wollen.»
    Ich will eigentlich gar keinen Islam in der Schweiz.
    Meinen die wirklich sie könnten den Islam fortschrittlich machen?
    Was bei solchen reformatorischen Bewegungen herauskommt, dafür haben wir in der Geschichte genügend Beispiele. Es kann nur zu einem führen: Spaltung/Schisma. Selbst dazu braucht es Fundamentalisten. (Die wenigstens haben wir hier nicht.) Der althergebrachte Islam wird aber bleiben und sich noch deutlicher formieren.
    5 1 Melden
  • Gelöschter Benutzer 28.09.2016 09:24
    Highlight Uups, was sagen all die freigeistigen Schreiberlinge hier? Ideologischer Balken weg?
    6 2 Melden
  • N. Y. P. 28.09.2016 09:10
    Highlight Yonni Meier:
    Ich finde es löblich, wenn man ein solches Verbot zum Schutze der Frau aussprechen will. Nur greift es meines Erachtens in diesem Belang daneben.

    Imam Mustafa:
    In einer offenen Gesellschaft sollte eine Frau ihr Gesicht und damit ihre Identität zeigen. Deswegen sollten Muslime nicht negativ auf ein Verbot der Burka reagieren. Dieses stellt kein Problem dar.

    Muslim befürwortet Verbot. Nichtmuslimin ist gegen ein Verbot.
    Hier sieht man exemplarisch, wie uneins man sich in dieser Debatte ist. Der Königsweg (im Westen) ist noch nicht gefunden.
    4 2 Melden
  • Nevermind 28.09.2016 09:10
    Highlight Die wenigen, die sich freiwillig vor der Öffentlichkeit verbergen werden dann das verlassen der Wohnung auf ein Minimum beschränken. Diejenigen die von ihrem Mann dazu gezwungen werden, werden dann gezwungen das Verlassen der Wohnung auf ein Minimum zu beschränken.
    Und ein anderer Teil merkt von alleine, dass sie hier frei sind. Nur merkt man das besser, wenn man sich frei bewegen kann, egal wie man angezogen ist.

    Frauenrechte Hurra!

    Wenigstens muss ich dann Nora Illi nicht mehr in Talkshows sehen, da sie den Paradiesvogel-Bonus verliert.

    Lex Illi.
    3 3 Melden
  • Hirnwinde 28.09.2016 07:19
    Highlight Danke Herr Mustafa Memeti, dass Sie sich ihm Namen aller Schweizer Muslime gegen die Ultrakonservativen unter Euch stellen. Sie haben dadurch klar gemacht, dass Einigkeit im Kampf gegen Extremismus unablässig ist.
    84 7 Melden
    • CASSIO 28.09.2016 09:14
      Highlight Wo genau hat sich Memeti "ihm Namen aller Schweizer Muslime" gegen die Ultrakonservativen gestellt?
      3 4 Melden
    • MeineMeinung 28.09.2016 09:27
      Highlight Schön gesagt!
      4 0 Melden
  • rodolofo 28.09.2016 06:54
    Highlight Letzthin ist mir bei hintereinander stehenden Jugendlichen aufgefallen, dass auch diese Hiphoper-Jacken mit ihren Kapuzen in Richtung Kopftuch tendieren!
    Ich beobachtete also wachsam, wie sich die Islamisierung vor allem bei leicht beeinflussbaren jungen Menschen über den scheinbar unverdächtigen Weg eines Mode-Trends einschleicht!
    Vielleicht sollten wir uns mal überlegen, ob wir solche Hiphop-Kapuzenjacken auch verbieten wollen?
    Denn wehret den Anfängen!
    14 91 Melden
    • Firefly 28.09.2016 07:46
      Highlight Vielleicht beobachten sie ein bisschen zu wachsam, gonnen sie sich mal eine Auszeit!
      57 5 Melden
    • rodolofo 28.09.2016 08:19
      Highlight @ Firefly
      Entwarnung!
      Das war doch nur eine Karikatur des "wachsamen und besorgten Bürgers"!
      Neue Methode im Kampf gegen die "Wutbürger":
      Sie rechts überholen und hoffen, dass die Überspitzung ihres Verhaltens ihnen die Augen öffnet!
      Scheint aber im Falle von Dir noch nicht wirklich zu funktionieren.
      Ich werde also weiter daran arbeiten.
      Für mich ist Trump übrigens ebenfalls ein solcher "Augenöffner".
      Im Gegensatz zu mir meint er seine Überspitzungen allerdings ernst.
      5 3 Melden
    • lilie 28.09.2016 08:22
      Highlight @rodolofo: Das meinst du jetzt aber nicht ernst, oder? Die Hiphop-Kultur stammt aus den schwarzen Ghettos in Amerika, das hat nichts mit dem Islam zu tun.
      4 0 Melden
    • zsalizäme 28.09.2016 09:33
      Highlight Letzthin ist mir an einem verregneten Tag aufgefallen, dass auch diese Regenjacken mit ihren Kapuzen in Richtung Kopftuch tendieren! Vielleicht sollte man diese auch gleich verbieten.

      *Achtung, dieser Kommentar kann Spuren von Ironie enthalten.*
      2 2 Melden
    • Herr Schibli 28.09.2016 10:17
      Highlight Wow, ich staune ob der Antworten auf Rodolofos Kommentar. Vielleicht muss man in Zukunft ironische Kommentare in Tags einpacken. <Ironie>Achtung: Das ist jetzt nicht ernst gemeint</Ironie>
      1 2 Melden
    • zsalizäme 28.09.2016 13:37
      Highlight @rodolfo Hoppla, da hab ich den Kommentar wohl tatsächlich zu ernst genommen. In diesem Fall haben wir wohl auf das selbe abgezielt, nur bin ich noch auf ihren Kommentar "reingefallen". Ich nehme unter diesen Umständen auch mein Blitzli zurück. :D
      2 1 Melden
  • Stachanowist 28.09.2016 06:07
    Highlight Die Exponenten des modernen Islams bekommen die Gefahr der Zeloten am stärksten zu spüren. Memeti bei einen Anschlag auf sein Büro, Keller-Messahli via regelmässige Todesdrohungen.

    Die Gemässigten machen den Löwenanteil der Muslime in der CH aus. Zugleich bekommen sie am wenigsten mediale Aufmerksamkeit. Rechts stellt den Islam mit den Fundis gleich. Links wiederum macht sich mit seiner Toleranz gegenüber den Extremsten unfreiwillig zu deren Anwalt.

    Der Niqab ist kein blosses Kleidungsstück, sondern ein extremistisches politisches Statement. Er ist mit einer offenen Gesellschaft unvereinbar.
    83 1 Melden
    • kleiner_Schurke 28.09.2016 07:44
      Highlight Was kann am Islam modern sein?
      22 35 Melden
    • kleiner_Schurke 28.09.2016 07:59
      Highlight Für die Blitzer. Na kommt schon, erklärt mir das. Allah hat die Welt erschaffenem, nur so als Beispiel, was genau ist daran modern?
      4 3 Melden
    • Hirnwinde 28.09.2016 08:29
      Highlight @kl_Schurke: seine Säkularisierung.
      5 0 Melden
    • Sir Jonathan Ive 28.09.2016 08:33
      Highlight @Stachanowist
      Einverstanden, dass die Burka und die Niqab nicht in eine offene Gesellschaft passen, aber genausowenig passt ein Gesetzliches Burka-Niqab Verbot in dieselbe.
      Ich bin der Meinung, die Burka steht der Integration im Weg, deshalb muss sie weg, aber Integration durch Gesetze erzwingen ist keine richtige Integration. Diese muss aus Selbstwillen geschehen, nicht weil man keine Busse bezahlen muss.
      8 20 Melden
    • Olaf! 28.09.2016 08:47
      Highlight Der Islam kann so modern sein wie es das Christentum ist. Sollte man das Christentum auch verbieten? Mir wärs egal, aber ich denke nicht das es nötig ist. Gleiche Position beim Islam.
      4 1 Melden
    • Rabbi Jussuf 28.09.2016 09:20
      Highlight Aber es ist wenigstens ein Anfang.
      Anders geht es anscheinend nicht.
      5 0 Melden
    • kleiner_Schurke 28.09.2016 10:55
      Highlight @Hirnwinde Welchen Einfluss erwartest du auf die Wahhabiten in Saudi Arabien? Oder auf den Iran oder Yemen? Christliche Kirchen sind in Saudi Arabien verboten. Hat das einen Einfluss auf das Christentum?
      0 1 Melden

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