Schweiz

Gambischer Ex-Minister: Bern eröffnet Untersuchung wegen Verbrechen gegen Menschlichkeit

26.01.17, 16:56 26.01.17, 18:35

Ousman Sonko

Die Berner Justiz hat am Donnerstag einen ehemaligen gambischen Minister von der Polizei anhalten lassen. Zudem hat sie formell eine Untersuchung wegen des Verdachts auf Verbrechen gegen die Menschlichkeit eröffnet.

Christof Scheurer, Informationsbeauftragter der bernischen Generalstaatsanwaltschaft, sagte auf Anfrage, die Anhaltung sei nach der Prüfung der umfangreichen Strafanzeige erfolgt. Der Minister - laut der Sendung «Rundschau» des Schweizer Fernsehens der ehemalige gambische Innenminister Ousman Sonko - befinde sich nun in Polizeihaft.

Es gehe nun darum, diese Person zu befragen und zu identifizieren. Danach werde - aufgrund der Befragung - das weitere Vorgehen zu bestimmen sein.

Die Anhaltung fand in Lyss statt, wie eine Sprecherin der Berner Kantonspolizei auf Anfrage sagte. Im kantonalen Durchgangszentrum Kappelen/Lyss hielt sich Sonko seit November 2016 auf. Eingereicht hat die Strafanzeige gegen Sonko die Genfer Nichtregierungsorganisation Trial.

Foltervorwürfe gegen Sonko

Trial wirft Ousman Sonko vor, für Folterungen im westafrikanischen Land verantwortlich zu sein. Als Innenminister von 2006 bis 2016 habe Ousman Sonko davon mindestens wissen müssen. Sonko sei einer der starken Männer im Regime von Yahya Jammeh gewesen, der kürzlich zurücktreten musste und ins Exil ging.

Laut Trial reiste Sonko nach seiner angeblichen Absetzung durch Jammeh im Herbst zuerst nach Schweden und ersuchte dort um Asyl. Im November sei er dann in die Schweiz eingereist. Dann wurde er dem Kanton Bern zugewiesen, was beim bernischen Polizei- und Miltiärdirektor Hans-Jürg Käser für Erstaunen sorgte.

Dazu sagte das Staatssekretariat für Migration (SEM) am Donnerstag auf Anfrage, es habe bei der Eröffnung des Asylverfahrens die Bedeutung des Falles gekannt. Das SEM habe «die zuständigen Stellen bei Bund und Kanton rechtzeitig und sachgerecht informiert.»

Die Frage, ob Sonko zuerst in Schweden um Asyl ersuchte, beantwortete das SEM aus Datenschutzgründen nicht. (sda)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Calvin WatsOff 27.01.2017 11:33
    Highlight Den Haag einfach bitte für diese Person. Danke
    3 0 Melden
  • K3tsch 26.01.2017 19:13
    Highlight Das heisst also, dass Obama bei seinem nächsten Besuch in der Schweiz verhaftet wird?

    Alles andere wäre ungerecht.
    11 15 Melden
    • http://bit.ly/2mQDTjX 27.01.2017 10:55
      Highlight Ein Rechtsgrundsatz lautet:
      Wo kein Kläger, da kein Richter.

      Falls du Obama wegen Verbrechen gegen die Menschlichkeit verdächtigst, dann kannst du entsprechende Anzeige bei der Polizei oder der Staatsanwaltschaft einreichen.

      Gesetzesgrundlage hier:
      https://www.admin.ch/opc/de/classified-compilation/19370083/index.html#id-2-12bis

      Ich meine, Guantanamo erfüllt den Tatbestand von StGB Art. 264a, Buchstabe d, völkerrechtswidrige Freiheitsberaubung.

      Und ich meine, die Schweiz als Depositärstaat der Genfer Konvention wäre verpflichtet, Völkerrecht durchzusetzen. Sie dürfte nicht wegschauen.
      4 0 Melden
  • Mnemonic 26.01.2017 19:11
    Highlight Er ist ein Schlächter!
    9 1 Melden
  • Thinktank 26.01.2017 18:21
    Highlight Terroristen (Berlin) und nun Massenmörder suhlen sich in unserem Asylsystem und werden nur per Zufall entdeckt. Sommaruga macht unser Land unerträglich und lächerlich. Warum tritt sie nicht zurück?
    21 15 Melden
  • rundumeli 26.01.2017 17:37
    Highlight bravo! ... für einmal war eine NGO die vierte macht im staat ... wär noch cool, würdet ihr näheres über "trial" berichten ... recherchieren halt ;-)
    40 1 Melden
  • MaxHeiri 26.01.2017 17:31
    Highlight Es ist tragisch. Einer der die Menschen in Gambia zum flüchten bringt, denkt aller Ernstes er habe auch Anrecht auf Asyl.
    Vielleicht sollten wir wirklich unser Asylsystem in Europa stark umstellen, damit unsere Grosszügigkeit nicht so verkehrt wahrgenommen wird.
    53 4 Melden
    • Globidobi 26.01.2017 17:59
      Highlight Jeder Mensch hat ein anrecht einen Asylantrag zu stellen. Würde er von Interpol gesucht, wäre dies ein anderer Fall, gegen Ihn lag aber kein Haftbefehl vor und er wäre jetzt wohl im eigenen Land in Lebensgefahr.
      5 20 Melden
    • Enzasa 26.01.2017 19:48
      Highlight Das Asylsystem hat doch bestens funktioniert. Der Übeltäter ist erkannt und wird der Gerichtsbarkeit überstellt.
      8 14 Melden
    • Enzasa 26.01.2017 21:51
      Highlight Warum die Blitze? Es gibt einen Erfolg oder nicht?
      Ja natürlich wäre es besser die Übeltäter direkt an der Grenze zu identifizieren. Das sollte auch das Ziel sein. Aktuell ist es aber ein Erfolg einen Verbrecher überhaupt zu erkennen und zu verhaften. Trotz Computersysteme im schengenraum. Jeder festgesetzte Verbrecher ist ein Erfolg. Auch der Attentäter von Berlin n war aktenkundig und was hat es genutzt?
      3 7 Melden
    • atomschlaf 26.01.2017 22:13
      Highlight @Enzasa: Da hat gar nichts "bestens" funktioniert.
      Die Asylbehörden hatten ja offenbar keine Ahnung bis die Rundschau den Fall aufgedeckt hat.
      Zudem stellt sich die Frage, weshalb nach einer Ablehnung des Gesuchs im Schengen-Land Schweden in der Schweiz nochmals ein Gesuch geprüft wird.
      14 0 Melden
  • N. Y. P. 26.01.2017 17:27
    Highlight Der Hellste scheint er nicht zu sein. Vermutlich wird er später nach Den Haag überstellt. Ich bin zufrieden, wie die Behörden das tun, was zu tun ist.
    41 4 Melden
    • Eskimo 26.01.2017 19:57
      Highlight Leider brauchte es zuerst einen Bericht in der Rundschau bis die Behörden etwas unternahmen. Ein weiteres Indiz dafür dass es dringenden Handlungsbedarf bei Grenzkontrollen und im Asylwesen gibt. Es ist halt doch so dass einfach jeder mal in die Schweiz einreisen kann und auf Staatskosten mal ein paar Monate oder Jahre hier leben kann. Ohne die Rundschau hätte er wohl noch Asyl bekommen.
      19 1 Melden
    • N. Y. P. 26.01.2017 21:18
      Highlight @Eskimo,
      mein Bauchgefühl sagte mir, dass es vermutlich so ist, wie Du geschrieben hast. Habe mich also zu früh gefreut, dass die Schweiz freiwillig Stärke zeigt.
      Es sind genau diese Dinge, die mich so gewaltig stören an der offiziellen Schweiz.
      7 0 Melden

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