Schweiz
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Jetzt spricht Alain Roth über seine Verletzung an der Demo in Paris und seinen Rauswurf von der Kandidatenliste der SP Langenthal.
Bild: zvg

«Das sind für mich keine Sozialdemokraten» – jetzt schiesst JUSO-Politiker gegen seine Genossen

Vor zwei Monaten wäre JUSO-Politiker Alain Roth bei einer Demonstration in Paris fast ums Leben gekommen. Danach folgte der Ausschluss von der Kandidatenliste der SP Langenthal. Nach all dem meldet er sich jetzt zu Wort.

08.08.16, 05:13 08.08.16, 06:07


Alain Roth hat einiges hinter sich. An einer Demo in Paris gegen die Arbeitsmarktreform riss eine Tränengasgranate der Polizei ein Loch in den Rücken des 23-Jährigen. Der Vorfall kostete ihn fast das Leben: Er hatte viel Blut verloren. Hinzu kamen grossflächige Verbrennungen und ein Wirbelbruch, weshalb er notoperiert wurde.

Die Tränengasgranate verletzte Alain Roth schwer. bild: epa

Roth lag noch im Spitalbett im fernen Frankreich, als hierzulande die SP Langenthal seine Aktion in den Medien kritisierte – ohne mit Roth selbst gesprochen zu haben. Sie strich ihn auch von den Kandidatenlisten für den Gemeinde- und Stadtrat. Die ganze Zeit über schwieg der JUSO-Politiker. Damit ist jetzt Schluss.

«Das sind für mich keine Sozialdemokraten.»

Alain Roth, Präsident JUSO Oberaargau

Roth rechtfertigt sich für Vermummung

«Ich lag schwer verletzt im Spital, hatte Angst, nie wieder gehen zu können. Da rief mich die Parteileitung an und sagte: ‹Entweder du ziehst dich umgehend zurück, oder wir streichen dich noch heute von der Liste›», sagt er im Interview mit der «Sonntags Zeitung».

Er hätte sich gewünscht, dass die Parteileitung ihn fragen würde, wie es ihm gehe und sich nach seinen Beweggründen erkundigt hätte. Ihn enttäusche das panische Verhalten der Ortspartei – «nur weil ein paar Journalisten anrufen». «Das sind für mich keine Sozialdemokraten», so Roth. Er hat angekündigt, aus der SP Langenthal auszutreten.

Kein Strafverfahren

Roth wehrt sich auch gegen die Kritik aus SP-Kreisen an seiner Vermummung: «Irgendwann habe ich mir ein Tuch vor den Mund gebunden. Das Tränengas war einfach unaushaltbar.» Der JUSO-Politiker betont im Gespräch auch, dass Gewalt für ihn nicht in Frage käme. «Ich habe nichts Illegales getan, es läuft auch kein Strafverfahren gegen mich.»

«Wir hätten über alles reden können – so wie wir es früher auch getan haben.»

Stefan Ryser, Präsident SP Langenthal

Vermummung als Ausschlussgrund

Die Vorwürfe lässt die SP Langenthal nicht auf sich sitzen. Gegenüber 20 Minuten Online sagt SP-Sektionspräsident Stefan Ryser, die Partei habe mehrmals versucht, mit ihm Kontakt aufzunehmen – Roth habe dies jedoch verweigert. Deshalb habe man nach drei Wochen auch beschlossen, ihn von den Kandidatenlisten zu streichen.

SP-Sektionspräsident Stefan Ryser wehrt sich gegen die Vorwürfe von Roth.
bild: www.spbe.ch

Ryser betont, das Foto von Roth mit Handschuhen, Sonnenbrille und Tuch vor dem Gesicht sei ein Grund für den Ausschluss gewesen. Ohne dies «wäre die Geschichte wohl anders ausgegangen». Er sei persönlich sehr «enttäuscht von Alain». «Wir hätten über alles reden können – so wie wir es früher auch getan haben.»

Für Roth selbst steht fest, dass er trotz geplantem Austritt aus der Ortspartei politisch aktiv bleibt. Bereits kündigt er an, für seine Anliegen auch weiterhin auf die Strasse zu gehen. «Jetzt erst recht.» (rwy)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.

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28Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • suchwow 09.08.2016 04:43
    Highlight "Er hätte sich gewünscht, dass die Parteileitung ihn fragen würde, wie es ihm gehe und sich nach seinen Beweggründen erkundigt hätte."

    Ach nein, was, sie haben ihn nicht gefragt, ob er warme Milch und Honig erhalten hat?

    Jesus Christ.
    5 2 Melden
  • Stichling 08.08.2016 23:28
    Highlight Ich glaube, es lag ein Missverständnis vor. Die Sozialdemokraten sind keine Sozialisten. Die Sozialisten kämpften, hundert und mehr Jahre ist es her, um bessere Arbeits- und Lebensbedingungen für die Proletarier. Das tun die Sozialdemokraten nicht.
    Die Sozialdemokraten die kämpfen doch nicht! Die kuschen! Vorallem vor der EU. Und manchmal diskutieren sie bei einem Cüpli über ihr ach so hartes Beamtendasein, das dringend mit staatlichen Zuwendungen weiter versüsst werden soll.
    Hier suchte ein Kämpfer für das Proletariat sich in der total falschen Partei seine politische Heimat.
    6 4 Melden
  • Heinz Moll 08.08.2016 14:38
    Highlight Von einer schweren Verletzung & "fast ums Leben gekommen" kann doch keine Rede sein.
    7 9 Melden
  • ElendesPack 08.08.2016 11:53
    Highlight Da fällt mir eigentlich nur ein: Crybaby.
    11 5 Melden
  • Chummerbueb 08.08.2016 09:42
    Highlight Ich bin enttäuscht von Herrn Roth, dass es (falls ich mich nicht täusche) offenbar notwendig war eine "Suisse" T-Shirt zu tragen.
    Sollte es nicht keine Rolle spielen von wo man kommt, wenn man sich gegen soziale Missstände engagiert?
    Zudem möchte ich durch eine Partei seriös in der Politik vertreten werden. Personen welche in ihrem Koffer einen schwarzer Schal, Pullover, Brille und Handschuhe packen um Gesinnungsgenossen zu unterstützen, unterstelle ich eine gewisse Absicht, Gewalt auszuüben. Ebendieses Gewaltdenken, welches ich mit meiner Wahl an der Urne verhindern möchte.
    34 10 Melden
  • winglet55 08.08.2016 07:17
    Highlight Auch dieses Bürschchen lernt seine Lektion noch
    45 40 Melden
  • dracului 08.08.2016 07:05
    Highlight Gibt es in der Schweiz für die Juso wirklich keine Betätigungsfelder mehr?
    36 18 Melden
    • meine senf 08.08.2016 10:48
      Highlight Die gäbe es. Aber leider besteht die Jusos vor allem aus privilegierten Studis, die lieber am laufenden Band irgendwelche Utopie-Initiaven, bei denen sie selbst wissen, dass sie keine Chancen haben, produzieren, nach dem Motto "Hauptsache man hat darüber geredet", statt dass sie sich um die Anliegen der Arbeiter zu kümmern, die irgendwie nur noch theoretische Hintergrund-Folklore sind. Heutzutage ist es manchmal schwierig links zu sein ohne Matura. Warum nicht mal eine 5-Wochen-Ferien-Initiave?
      Die Rechtspopulisten nützen diese linke Abgehobenheit nämlich brutal aus.
      24 7 Melden
    • karl_e 08.08.2016 11:27
      Highlight Die letzte Ferien-Initiative wurde von den Werktätigen vor noch nicht allzu langer Zeit abgelehnt. Die wollen keinen Mindestlohn, keine Arbeitszeitreduktion, keine tieferen Steuern für den Mittelstand. So sind sie, die Eidgenossen, fleissig und behämmert.
      18 8 Melden
    • meine senf 08.08.2016 11:40
      Highlight Ich glaube 5 Wochen hätten im Gegensatz zu 6 eben eine Chance. Sehr viele haben schon 5 Wochen Ferien. Es ist viel schwieriger gegen eine leichte Angleichung zu argumentieren, als gegen eine allgemeine Erhöhung für alle.
      Ich glaube, eine Arbeitszeitfestlegung auf 40 oder 42 Stunden hätte auch eine Chance. Das mag sich nach wenig anhören, für viele wäre es besser als heute.
      Manche der Juso fordern aber 25 Stunden. Und das hat sicher keine Chance.
      Und wenn das abgelehnt wird, können die Rechten argumentieren, das Volk will *generell* keine Verbesserung, was aber vielleicht gar nicht stimmt.
      11 1 Melden
    • Fabio74 08.08.2016 16:33
      Highlight Mein senf: kaum dass 5 Wochen durchgekommen wäre. Der Schweizer ist privilegiert mit seinen Möglichkeiten nutzt sie aber nicht.
      Die Argumente wären dieselben gewesen
      2 5 Melden
    • meine senf 08.08.2016 16:47
      Highlight Ich glaube, es hätte einen grossen Unterschied gemacht. "5 Wochen für alle" hätte man als gerecht und vernünftig verkaufen können. Es wäre viel schwieriger gewesen zu argumentieren, dass deswegen die Wirtschaft untergehen würde, weil 5 Wochen sind für viele normal sind.
      Lieber mit kleinen Schritten was erreichen als mit dem Kopf durch die Wand Abwehrreaktionen auszulösen, die nur den Gegnern nützen.
      Aber wenn schon die Linken überzeugt sind, dass auch kleine Schritte nichts bringen und deshalb lieber bei ihren akademischen Utopien bleiben, dann haben die Rechten wirklich gewonnen :(
      6 1 Melden
  • Hierundjetzt 08.08.2016 06:55
    Highlight Ja klar, schwarze Handschuhe, Schutzbrille schwarze Kapuzenpulli, Mundschutz alles für ihn voll normal.

    Er kann seine Juso Freunde für dumm verkaufen, im realen Leben nennt man das Agiator vom schwarzen Block.

    Und sowas ist Offizier in der Armee 😑
    111 27 Melden
    • PuRpLE_KusH 08.08.2016 09:28
      Highlight Natürlich, ist für mich auch voll normal, wer het das schon nicht immer dabei? Ich geh auch immer so zu Fussballspielen, auch wenn ich Firmenplätze habe, man weiss ja nie.
      18 4 Melden
    • Utopiot 08.08.2016 15:48
      Highlight ... wer schon mal an einer linken Demo war weiss, dass es SEHR von Vorteil sein kann diese Dinge dabei zu haben. Auch in der Schweiz kriegt man schnell mal Gummischrott ins Auge (obwohl die Polizisten nicht auch Kopfhöhe schiessen dürfen; alles auch schon passiert) aber hier sprechen wir von Frankreich!! Das sind nochmals ganz andere Polizisten!!
      8 4 Melden
    • PuRpLE_KusH 08.08.2016 16:43
      Highlight Ja von mir aus ne Brillen für die Augen, aber Handschuhe, für die Fingernägel oder wie?

      Und wenn es üblich ist das bei einer linken Demo Gummischrott fliegt, sollte man sich vielleicht mal fragen wieso es nicht friedlicher geht. Und ob diese Demos überhaupt noch Sinn ergeben.
      8 4 Melden
  • Schnurri 08.08.2016 06:34
    Highlight Ähä isch klar.... Irgendwann hab ich mir ein Tuch umgebunden wegen dem Tränengas.... Und warum war er denn dort wo es Tränengas brauchte und ist nicht einfach gegangen? Für mich sind Sie kein Sozialdemokrat!
    108 33 Melden
  • Calvin WatsOff 08.08.2016 06:30
    Highlight Aussage gegen Aussage... Das Sommerloch kommt doch noch zu seinem Schmierentheater :)
    23 32 Melden
  • maxi 08.08.2016 06:09
    Highlight Er soll sein tuch bei seinem weiteren kampf nicht vergessen....wegen dem tränengas und so...
    68 23 Melden

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