Schweiz
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Nicht repräsentative Repräsentanten

Zu reich, zu männlich, zu alt, zu schweizerisch: Unser Parlament in Bern taugt nicht als Abbild der Gesellschaft 

02.06.14, 07:06 24.06.14, 09:26

Noch-Nationalrat Christoph Blocher findet, seine Ratskollegen würden zu fürstlich für ihren Dienst am Volk entlöhnt. Durchschnittlich 140'000 Franken pro Jahr betrugen die Entschädigungen der National- und Ständeräte zuletzt – deutlich mehr als viele Bürger verdienen.

Einige Parlamentarier werden monieren, die 140'000 seien ein Durchschnittswert, den sie persönlich unterschreiten. Allerdings lässt sich nicht bestreiten, dass ihre Bezüge im Verlauf der vergangenen 40 Jahre deutlich stärker gestiegen sind als die Nominallöhne des Normalbürgers. 

1. Grosszügig mit sich selbst

Bild: watson; Quelle: BFS/parlament.ch

Doch nicht nur bezüglich Lohn klafft eine grosse Lücke zwischen den Volksvertretern und dem guten Schweizer Durchschnitt. 

2. Überalterung

Grafik: watson; Quelle: BFS

Zwei Drittel aller Parlamentarier sind zwischen 50 und 70 Jahre alt, also eher in der oberen Hälfte der Schweizer Alterspyramide angesiedelt. In den Jahrgängen unter 40 beruhigt sich der Geschlechterkampf, was uns zum nächsten Punkt bringt.

3. Herrenverein

Grafik: watson; Quelle: BFS

70 National- und Ständeratssitze (29%) werden von Frauen besetzt, 174 von Männern (71%). In der Bevölkerung sind die Frauen hingegen leicht in der Mehrheit. Dass die Schweiz in diesem Punkt anderen europäischen Ländern hinterherhinkt, hat mit der späten Einführung des Frauenstimmrechts zu tun. Bis 1971 konnten Frauen weder wählen noch gewählt werden.



4. Wo sind all die Büezer?

Grafik: watson; Quelle: parlament.ch

Verfechter des Milizparlaments betonen gerne, wie wertvoll es sei, wenn Abgeordnete gleichzeitig in der Privatwirtschaft verankert seien. Neben den Berufspolitikern scheinen in Bern aber vor allem Unternehmer, Juristen, Berater und Landwirte zu legiferieren. Dafür sind unzählige andere Berufe überhaupt nicht vertreten.

5. Wo sind all die Secondos?

Bild/Quelle: watson

Gemäss Recherchen von watson sitzen im National- und Ständerat 13 Personen mit Migrationshintergrund, was laut der international gebräuchlichen Definition heisst, dass sie eingebürgert wurden oder beide Eltern im Ausland geboren wurden. Das entspricht einem Anteil von etwas über fünf Prozent.

Bild: watson; Quelle: BFS

35 Prozent der ständigen Wohnbevölkerung im Alter von 15 und mehr Jahren in der Schweiz haben einen Migrationshintergrund. 13 Prozent haben den Schweizer Pass und einen Migrationshintergrund. Ohne Zuwanderung würde die Schweiz langsam aber sicher wegsterben. Was uns zum nächsten Punkt bringt.

6. Gebärfreudiges Parlament

Grafik: watson; Quelle: parlament.ch

Durchschnittlich 2,3 Kinder müssten Paare haben, um ein Schrumpfen der Gesamtbevölkerung zu verhindern. Das ist hierzulande nicht der Fall, die Quote liegt bei 1,5 Kindern. Bevölkerungs- und Wirtschaftswachstum ist in der Schweiz nur über Einwanderung zu erreichen. Es gibt allerdings eine Gruppe, welche die «Reproduktionsvorgabe» erfüllt: National- und Ständerätinnen haben im Schnitt 2,3 Kinder. Nimmt man ihre männlichen Ratskollegen dazu, sind es sogar 2,7. 

Braucht es mehr Diversität im Parlament?

Fazit: Die 246 Parlamentarier in Bern repräsentieren die Bevölkerung politisch, aber statistisch nicht annährend. Immerhin stellt die Verfassung sicher, dass die Bundesversammlung geografisch ein getreues Abbild der Bevölkerung ist (siehe Grafik unten): Der Nationalrat bildet die Bevölkerung proportional zu den Kantonen ab, im Ständerat sind alle gleich stark vertreten.

Wohnorte der Parlamentarier

Bild: BFS/watson 

Eine repräsentative Vertretung etwa für Frauen und Junge ist hingegen nicht gewährleistet. Ist das ein Problem für die Demokratie? Lesen Sie dazu das Interview mit Politologin Sarah Bütikofer.

Umfrage

Wer sollte in Bern stärker vertreten sein?

  • Abstimmen

98 Votes zu: Wer sollte in Bern stärker vertreten sein?

  • 10%Frauen
  • 41%Junge
  • 18%Arbeiter
  • 12%Secondos
  • 16%Ich finde es gut, wie es ist.

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18
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    Alle Leser-Kommentare
  • Schneider Alex 04.06.2014 10:41
    Highlight Die Jungen sind selber schuld, wenn sie nicht abstimmen und wählen gehen!
    1 0 Melden
  • hpm 04.06.2014 10:21
    Highlight Ich finde dieser Artikel verdreht alles im grossen Rahmen - sorry nicht wirklich hilfreich.
    0 0 Melden
  • Rinaldo Meier 02.06.2014 15:22
    Highlight Das Parlament hat noch ein anderes Problem. Es sind viel zu viel Politiker auf das Einkommen aus ihrer Tätigkeit in der Politik angewiesen und das ist sehr schlecht für eine politische Meinungsbildung !
    Das beste Beispiel ist die EU und wenn wir auch einen solchen Selbstbedienungsladen haben wollen,nur weiter so !
    3 1 Melden
  • Matthias Studer 02.06.2014 12:52
    Highlight Die Frage ist berechtigt, repräsentiert das Parlament die Bevölkerung? Wie man sieht nicht.

    Aber wäre es sinnvoll? Auf jeden Fall.

    Zum ersten. Sie erhöhen Gebühren, entscheiden über Sozial schwächere usw. Aber sie haben keine Ahnung wie es ist, in einer solchen Situation zu leben. Klar gibt es Richtlinien, nur hat die Erfahrung gezeigt, diese Richtlinien sind nicht nach einem Ist-Wert ermittelt sondern nach einem Soll-Wert.
    Wie soll ein Parlamentarier entscheiden können, ob eine weitere Gebühr noch zahlbar ist, wenn er mit 60% Beschäftigung mehr verdient als der Durchschnittsschweizer?

    Zum zweiten. Wie man sieht, sind vor allem Berufe vertreten, die ein gewisses Einkommen haben. An und für sich nichts schlechtes. Aber wieso werden diese gewählt? Anscheinend ist ein Wahlkampf relativ teuer und es können in erster Linie nur die genug bekannt werden, die auch Geld in den Wahlkampf stecken können. Auch das führt zu einer Verzerrung der direkten Demokratie.
    3 4 Melden
  • Pieter 02.06.2014 12:26
    Highlight Hört endlich auf mit dem Thema zuwenig Frauen, es nervt total. Es gab Dritt Welt Länder, die hatten Präsidentinnen (z.b. Pakistan, Indien) da hat die Schweiz nicht mal über das Frauenstimmrecht gedacht.
    4 1 Melden
    • Baba 02.06.2014 13:56
      Highlight Ich seh' den Zusammenhang nicht ganz, Pieter... Was haben Golda Meir, Indira Ghandi & Co. mit der Untervertretung von Frauen in Schweizer Parlamenten UND Regierungen zu tun? Nur weil andere Länder vor der Schweiz Frauen in den Regierungen (oder gar als Regierungschefinnen) hatte soll die grösste Bevölkerungsgruppe für die nächsten Dekaden untervertreten sein?

      Es sollten sich einfach mehr Frauen in der Politik aktiv engagieren und Frauen auch konsequent Frauen wählen... Aber viele Frauen (mich eingeschlossen) interessiert halt die PARTEIpolitik nicht, SACHpolitik ist was ganz anderes und auf nationaler Ebene ist leider oft die Parteipolitik wichtiger als die Sachpolitik - auf kommunaler Ebene ist das glücklicherweise (noch) nicht so.
      1 0 Melden
  • juba 02.06.2014 11:41
    Highlight Die Redaktion von WatsOn taugt nicht als Abbild ihrer Leserschaft.
    4 4 Melden
  • Slowsmoker! 02.06.2014 10:15
    Highlight Wieso sollte das Parlament ein Abbild unserer Gesellschaft sein?

    Es sollte ein Rat der Weisen sein, mit Betonung auf "Weisen"!

    Allgemein wird zuviel an Problemen rumgewerkelt, die gar keine sind. Und dabei machen mehr Junge, mehr Frauen, mehr Secondos keinen Qualitätsunterschied. Die Anforderungen an einen Parlamentarier sollten sein:
    - Mit beiden Beinen auf dem Boden
    - Bescheiden
    - Gesunder Menschenverstand
    - keine absurden Ideen vertretend
    - wenig Abhängigkeiten (auch monetär)
    - erfahren (Lebenserfahren)
    - verantwortungsvoll

    Und vor allem nicht das ganze Leben beim Staat verbracht!! (Erwerbsleben)

    Gruss
    5 3 Melden
    • Zeit_Genosse 02.06.2014 11:31
      Highlight Trifft meinen früheren Beitrag unten. bei den Anforderungen habe ich höhere Ansprüche.
      1 0 Melden
  • GaWI 02.06.2014 10:11
    Highlight Interessante Statistik
    1 2 Melden
  • Adonis 02.06.2014 09:33
    Highlight ...auf jeden Fall braucht es keine Milliardäre, weniger Juristen und vor allem: Leute welche wissen was ein z.B. Kilo Fleisch kostet. Oder anders, Leute welche aus der realen Gesellschaft kommen.
    5 2 Melden
  • tobver 02.06.2014 08:59
    Highlight allgemein kann ich nicht verstehen, warum es im Parlament kein Rentenalter gibt. Warum sollten diese Personen über die Zukunft eines Landes bestimmen, in welchem andere Personen noch eine längere Zukunft vor sich haben?
    (Weisheit und Erfahrung sind keine guten Argumente dafür...)
    3 4 Melden
    • Baba 02.06.2014 12:40
      Highlight Warum sie bestimmen sollen? Weil sie sich zur Verfügung stellen und weil sie demokratisch gewält werden. Darum!
      5 0 Melden
  • Romeo 02.06.2014 08:54
    Highlight Ich bin zwar 48 J alt, würde aber behaupten, dass ich manchmal jünger bin als jüngere Personen.
    2 3 Melden
  • Crosby87 02.06.2014 08:53
    Highlight Das nennt man dann wohl einen unnötigen Artikel.. Das SCHWEIZER Parlament ist zu SCHWEIZERISCH, uhhhhh! Machen wir doch ein Parlament mit 10% Deutsche, 5% Franzosen, 15% Italienern, 20% Türken, 20% Kosovaren und noch 30% Schweizern. Oder noch besser, treten wir doch gleich der EU bei.
    Und was will mit der Geburtenrate gesagt sein? Die bösen bösen Parlamentarier gehören weg, weil sie durchschnittlich 0.8 Kinder mehr haben als andere Schweizer und damit die Schweizer (oder die Secondos, welche ja auch mehr vertreten sein sollen) nicht repräsentieren? Lächerlich..
    5 6 Melden
  • Zeit_Genosse 02.06.2014 08:22
    Highlight Muss das Parlament ein Abbild der Bevölkerung sein, oder reicht es, dass das Parlament weise Entscheidungen für die Bevölkerung trifft? Führt mehr
    Diversität auch automatisch zu besseren Lösungen? Nichts gegen Seniorität und Erfahrung, doch wäre es schon eher ideal, wenn Parlamentarier Entscheide treffen würden, die sie noch selbst erleben dürfen/müssen und so etwas näher an den Betroffenen wären. Gibt es z.B. Untersuchungen, die zeigen, dass bei den heutigen Parlamentarierinnen eine andere Meinung vorherrscht und sie anders als ihre männlichen Kollegen stimmen. Und was würde das bedeuten, wenn 51% weiblich im Parlament wären. Dazu noch jünger und internationaler. Gäbe das eine andere Schweiz? Statistik ist eine dargestellte Analyse, doch die Synthese oder Szenarien aufgrund der Analyse interessieren noch mehr.
    4 2 Melden
  • Baba 02.06.2014 07:36
    Highlight Tja, wo sind all diejenigen, die bereit sind, sich in Behörden (von kommunal bis national) zu engagieren, sich einzubringen und (viel) Zeit zu opfern? Und wo sind all die Wählerinnen und Wähler, die nicht reiche, nicht männliche und nicht überalterte Kandidatinnen und Kandidatinnen wählen???

    Das Parlament ist das Ergebnis einer direkten Volkswahl! Wenn sich aber dabei über 50% der Stimmberechtigten als "nicht zuständig" verhalten und ihre Rechte nicht ausüben, darf nachher nicht gejammert werden (http://www.bfs.admin.ch/bfs/portal/de/index/themen/17/02/blank/key/national_rat/wahlbeteiligung.html). Der Spruch "die in Bern machen ja eh was sie wollen" sticht einfach nicht! Aber auch hier fehlt's an Interesse und Engagement. Jetzt zu sagen, das Parlament repräsentiere die Gesellschaft nicht, ist ein bisschen zu einfach. Wir alle haben es in der Hand - jeder Stimmbürger hat EINE Stimme, vom Büezer bis zum Milliardär...leider nutzen Viele diese Stimme nicht.
    5 0 Melden

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