Schweiz

Gäbe es eine dieser Storys wirklich, würden wir Ärger bekommen.
Bild: Angela Vögtli

Bist du ein Bünzli? Wenn du bei diesem kultverdächtigen Spiel rot anläufst, dann ja

Mit einem politisch höchst unkorrekten Kartenspiel sagt die Luzerner Grafikerin Angela Vögtli dem Bünzlitum den Kampf an. Gelingt die Finanzierung auf Kickstarter, gehen 500 Exemplare unters Volk.

28.10.15, 13:47 29.10.15, 21:33
«Anthropologen haben im Wallis kürzlich einen primitiven Stamm entdeckt, der nackte Omas anbetet.»

Dem Bünzli bleibt bei solchen Sätzen der Cervelat im Hals stecken. Und genau das will die Luzernerin Angela Vögtli mit ihrem politisch höchst unkorrekten Kartenspiel «Kampf gegen das Bünzlitum» (KGB) erreichen. Sie ist auf Erfolgskurs: Auf der Crowdfunding-Plattform Kickstarter sind bereits 11'500 Franken zusammengekommen – zur Finanzierung fehlen noch knapp 3'500 Franken.

Das Prinzip ist simpel: Ein Spieler (der sogenannte Rundenboss) liest eine Frage vor, bei der eine Lücke gefüllt werden muss. Die anderen wählen aus ihrer Hand eine möglichst lustige/absurde/böse Antwortkarte aus. Der Rundenboss liest alle Antworten vor und wählt seinen Favoriten aus – der Gewinner erhält einen Punkt («zum Rumprollen», wie es auf Kickstarter heisst).

Entwicklerin Angela Vögtli: «Wir spielen, bis wir aus der Bar geschmissen werden.»
Bild: watson/Gina Schuler

Inspiriert ist der «Kampf gegen das Bünzlitum» vom Spiel «Cards Against Humanity», das es jedoch nur auf Englisch gibt. «Die US-Version macht zwar Spass», sagt Vögtli. «Wer der Sprache nicht mächtig ist, ist aber im Nachteil. Ausserdem ist es voller kultureller Anspielungen, zu denen wir Schweizer keinen Bezug haben.»

Die Schweizer Version mit 150 Frage- und 450 Antwortkarten hat tatsächlich Kultpotential, wie ein Test von einer Gruppe vermeintlich unverklemmter watson-Redaktoren zeigt. Wer kann sich bei solchen Sätzen – nach einem Moment des angeborenen bünzligen Unbehagens – ein Lachen verkneifen?

«Wer gegen das Schlampen-Gesetz verstösst, wird neu mit Francine Jordi bestraft.»

Prädikat: Lustig.
Bild: watson/Gina Schuler

Bei KGB treffen Schweizer Klischees und Persönlichkeiten auf Absurditäten und politische Unkorrektheiten: Genüsslich darf man Papa Moll, Murmi, Globi, die Muotathaler Wetterschmöcker, Sepp Blatter und Christoph Mörgeli mit grossen schwarzen Penissen, toten Eltern und zwanghaftem Masturbieren kombinieren. Dazu kommen einige Begriffe aus der Popkultur: «Lord of the Rings», «Star Wars», «Per Anhalter durch die Galaxis».

Eine Bieridee

Entstanden ist das Spiel an einem Wochenende im Tessin. Vögtli und ihre Freunde begannen in einer Bar unter grossem Bier-Einfluss zu brainstormen, und bald stand der ganze Ausflug im Zeichen des Kampfs gegen das Bünzlitum. Das Spiel dürfte sich sehr gut für eine feucht-fröhliche Umgebung eignen: Je mehr Hemmungen fallen, desto lustiger.

Das scheint auch Vögtlis bevorzugte Test-Umgebung zu sein. «Wir spielen meistens, bis wir aus der Bar geschmissen werden», antwortet sie auf die Frage, wann das Spiel denn zu Ende sei. Natürlich kann man sich auch andere Ziele wie ein Zeit-Limit oder eine Sieg-Punktzahl setzen.

Erst war das Spiel nur für Vögtli und ihren Freundeskreis gedacht, doch es stiess bei Aussenstehenden immer wieder auf grosses Interesse. So beschloss die 31-jährige Grafikerin, eine Produktion mit einer Finanzierung über Crowdfunding ins Auge zu fassen – dafür hat sie KGB über zwei Monate hinweg getestet, ausgebaut und verfeinert.

Ohne Hemmungen spielt es sich besser.
Bild: watson/Gina SChuler

Warum sie sich für die US-Seite Kickstarter statt für eine Schweizer Plattform entschieden hat? Die Schweizer Plattformen wollten uns nicht, sagt Vögtli. «Vielleicht ist ihnen das Spiel zu primitiv.»

Geplant ist eine Auflage von 500 Exemplaren, was insgesamt 15'000 Franken kosten soll. Kostenpunkt: 50 Franken. Kommerzielle Interessen hat Vögtli keine: «Ich verdiene nichts an diesem Projekt», sagt sie. Via Kickstarter kann sich jeder und jede, der das Projekt unterstützt, ein Exemplar sichern – geliefert wird jedoch nur in die Schweiz. Die Finanzierung läuft noch bis Montag, den 2. November.

Kampf gegen das Bünzlitum: Das politisch unkorrekte Kartenspiel

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
22
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
22Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Na 28.10.2015 22:23
    Highlight Meiner Meinung nach etwas mehr als nur "inspiriert von Cards Against Humanity"!
    28 0 Melden
    • Christian Hunziker 29.10.2015 09:36
      Highlight Ja, ist vom Konzept her ja scheinbar 1:1 kopiert.
      7 0 Melden
  • Kopold 28.10.2015 20:17
    Highlight Nice, der Watson Beitrag hat das Projekt über die Ziellinie gedrückt.
    Merci, jetzt krieg ich mein Spiel.
    17 2 Melden
  • shills-anonymous 28.10.2015 19:45
    Highlight nach 'cards against humanity' suchen; gibts gratis zum drucken und auch in deutsch - karten gegen die menschlichkei
    10 0 Melden
  • hoorli 28.10.2015 17:44
    Highlight Das Minderheiten-Quartett geht auch in die Richtung, ist ganz witzig. http://minderheiten-quartett.de/
    7 2 Melden
  • Der Halunke 28.10.2015 17:10
    Highlight sofort eins ergattert! tolle idee :)
    6 1 Melden
  • Kevegoal 28.10.2015 16:41
    Highlight Kennt niemand das Spiel Walter?
    Ähnliches Prinzip nur mit eigenen Antworten. Ist genial! ;)
    22 1 Melden
  • OnkelBen 28.10.2015 16:34
    Highlight Es gibt deutsche Übersetzungen für Cards against Humanity, sie stehen gratis als pdf zum download bereit. Man braucht halt eine Schere und etwas Geduld ;-)
    Aber zum spielen in einer Bar ist es gut geeignet, da ich meine orginal Karten nicht mit Bier überschütten will, was schnell einmal passiert :D
    13 1 Melden
    • deine_mutti 29.10.2015 13:28
      Highlight Du Büenzli!
      7 2 Melden
  • Zwingli 28.10.2015 15:55
    Highlight Auch mit gebacked :) noch 4 Tage denke das wird schon noch klappen.
    6 3 Melden
  • The Return of The King, Louie the Gscheidhaferl I. 28.10.2015 14:21
    Highlight Merci für dieses Beitrag. Sofort mitgemacht, jetzt hoffe ich, dass das Spiel auch hergestellt wird. So etwas hat echt gefehlt in meinem Freundeskreis.
    21 6 Melden
    • Zwingli 29.10.2015 10:33
      Highlight Geschafft! :D
      1 0 Melden
    • The Return of The King, Louie the Gscheidhaferl I. 29.10.2015 10:36
      Highlight Yes! Zwingli, treffen wir uns auf eine Runde? :-D
      1 0 Melden
    • Zwingli 29.10.2015 16:28
      Highlight au ja :D
      2 0 Melden
  • kyuss 28.10.2015 14:21
    Highlight Ripoff? Gibt es nämlich schon seit Ewigkeiten unter dem Titel "Wie ich die Welt sehe" vom Berner Verlag Fata Morgana. Kultspiel!
    27 2 Melden
    • PadPalon 28.10.2015 15:03
      Highlight Neu ist das Spielprinzip sicher nicht. Ist ja auch nicht sonderlich komplex, auf die Idee "Lustiges Wort in Satz einfügen" kommt schnell mal noch jemand. Für mich macht der Text auf den Karten den Wert des Spieles aus.

      Nicht jeder "Ripoff" ist auch gleich schlecht ;-)
      17 4 Melden
  • knight 28.10.2015 14:13
    Highlight super, aber sehr teuer...
    16 4 Melden
  • pixelqueen 28.10.2015 14:08
    Highlight Wäre grossartig, wenn die Finanzierung klappen würde!
    13 3 Melden
  • Gäry 28.10.2015 13:57
    Highlight Die frage die bleibt, kann es mit cards agains humanity mithalten?
    25 0 Melden
    • PadPalon 28.10.2015 15:06
      Highlight Auf der Kickstarter-Seite gibt es ein Update, in dem 2 Listen aller Karten veröffentlicht sind. Kann also bei Interesse vorevaluiert werden ;-)
      8 1 Melden
    • tschoo 28.10.2015 15:27
      Highlight Beim Titel haben sie meiner Meinung nach schon mal daneben gegriffen, aber wir werden sehen :)
      8 5 Melden
  • Asmodeus 28.10.2015 13:54
    Highlight Cards against Humanity ist ein absolut geniales Spiel in seiner bitterbösen Art.

    Eine deutsche Übersetzung davon ist daher absolut in Ordnung, auch wenn es in meinen Augen keine explizite schweizer Version davon gebraucht hätte :)
    17 4 Melden

Von wegen Käse, Schokolade und Uhren: Die Schweiz ist Vizeweltmeister im Waffenhandel

Laut einer neuen US-Studie liefert pro Kopf kaum ein Land mehr Waffen an Entwicklungsländer als wir Schweizer.

Die Schweiz ist ein Top-Exportland. Nicht nur bei Waren wie Käse, Schokolade und Uhren. Sondern auch bei Waffen. Vor allem bei Waffen an Entwicklungsländer.

Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des US-amerikanischen Congressional Research Service (CRS). Demnach war die Schweiz 2015 der weltweit siebentgrösste Rüstungslieferant an Entwicklungsländer: Sie lieferte Rüstungsgüter im Wert von 700 Millionen Dollar an sogenannte «developing nations».

Pro Kopf umgerechnet, belegt die neutrale Schweiz …

Artikel lesen