Schweiz

Ob wie hier im Zug, auf der Toilette oder während der Mittagspause: Mit Sprachapps kann man heutzutage überall Vokabeln pauken. (Symbolbild) © Thinkstock Bild: shutterstock

Vokabeln pauken im Zug: Kann man mit einer App eine Fremdsprache lernen?

Die bekannten Sprachapps von Babbel, Duolingo oder Busuu versprechen schnellen Erfolg. Doch ist es wirklich möglich, nur mit dem Smartphone eine Fremdsprache zu lernen? Sprachwissenschafter Thomas Studer klärt auf.

16.09.17, 22:03 17.09.17, 10:18

Nicola Imfeld / Schweiz am Wochenende

Ob für eine internationale Karriere in China, eine bevorstehende Reise nach Brasilien oder eine Lebenspartnerin aus Frankreich. Es gibt viele gute Gründe, um eine neue Sprache zu lernen. E-Learning-Plattformen liegen im Trend. Jeder siebte Schweizer hat schon einmal auf dem Smartphone oder dem Laptop eine Fremdsprache studiert, wie die Nutzerzahlen von Duolingo verraten. Dank anderen bekannten Online-Portalen wie Babbel und Busuu dürften es gar noch mehr sein.

Wenn es nach diesen Anbietern geht, kann man online mit kleinem Aufwand schnelle Fortschritte erzielen. Bei Babbel sollen Nutzer laut einer unabhängigen Studie von Wissenschaftern der City University of New York den Inhalt eines ganzen Spanischsemesters in nur 15 Stunden lernen können. Auch Busuu will mit geringem Zeitaufwand punkten, wirbt mit dem Slogan: «Lerne eine Sprache in nur zehn Minuten pro Tag».

Vokabeln pauken auf der Toilette

Die Sprachapplikationen treffen den Nerv der Zeit: Die Lerninhalte sind rund um die Uhr verfügbar, kurzweilig und günstig. Ein Jahresabonnement auf Babbel oder Busuu kostet mit etwa 80 Franken einen Bruchteil von dem, was klassische Sprachkurse verlangen. Auf Duolingo stehen den Nutzern sogar sämtliche Funktionen kostenlos zur Verfügung.

Je nach Anbieter dauert eine Sprachlektion zwischen zwei und zehn Minuten. Diese häppchenweise Portionierung ermöglicht es den Nutzern, leere Zeitfenster im Alltag sinnvoll zu füllen. So kann man im Zug, auf der Toilette oder während der Mittagspause Vokabeln pauken. Der Lernfortschritt wird dabei stets in der Cloud abgespeichert.

«Für mittlere bis höhere Niveaus sind die Lerninhalte ungeeignet oder oft überhaupt nicht verfügbar»

Nebst diesen Annehmlichkeiten bringen die Sprachapps auch einen didaktischen Vorteil mit sich: künstliche Intelligenz. Die Nutzer werden automatisch erinnert, wenn sie eine Vokabel repetieren müssen. «Das ist eine Funktion, die den Aufbau und Erhalt des Wortschatzes gezielt unterstützt», sagt Thomas Studer, Sprachwissenschafter von der Universität Fribourg.

Eingeschränkter Lernansatz

Doch ist es wirklich möglich, nur mit der Hilfe einer App sich einer Fremdsprache zu bemächtigen? Sprachwissenschafter Studer verneint. «Für mittlere bis höhere Niveaus sind die Lerninhalte ungeeignet oder oft überhaupt nicht verfügbar», sagt er. Online kann man zwar das Hör- und Textverständnis fördern, nicht aber das Kommunizieren in der Fremdsprache sinnvoll trainieren. Die Spracherkennungssoftware, die manche Anbieter benutzen, ist qualitativ nicht gut genug.

Ein weiterer Nachteil: Beim Büffeln vor dem Bildschirm fehlt der kollektive und kreative Lernansatz. Studer: «Es ist für die Entwicklung hilfreich, wenn Lernende gemeinsam eine Problemstellung lösen müssen oder entdeckend vorgehen können.» Applikationen kennen hingegen nur den individuellen Lernansatz, und die Reaktionsmöglichkeiten sind gleichzeitig sehr beschränkt.

Kein Feedback bei Fehlern

Die grösste Schwachstelle von Babbel und Co. ist das fehlende Feedback. Bei allen Sprachapps hat man nur zwei Möglichkeiten, wenn man einen Fehler begangen hat: Entweder der Nutzer versucht es erneut, oder er konsultiert die Lösungen. Wie die dazugehörige Grammatikregel lautet, wird nicht erläutert. «Für Lernerfolg ist ein differenzierter Umgang mit Fehlern besonders wichtig», sagt Studer. Bedeutet: Ein Kurs ist für die Perfektionierung der Sprachkenntnisse unumgänglich.

Die unabhängige Studie, die Babbel und Duolingo für Werbezwecke verwenden, hält somit nur teilweise ein, was sie verspricht. Studer kritisiert seine Berufskollegen für die Erhebungsmethodik: «Man hat einfach einen Anfangs- und einen Endpunkt bestimmt und dann den Lernfortschritt der Studienteilnehmer betrachtet, die allesamt Nullanfänger in der jeweiligen Fremdsprache waren.»

Für einen wissenschaftlich aussagekräftigen Vergleich hätte es aber zwingend mindestens eine Kontrollgruppe gebraucht, die in der gleichen Zeitspanne einen klassischen Sprachkurs besucht hätte, erklärt er. Der schnelle Lernfortschritt trifft demnach nur auf Nullanfänger zu. Also auf jene, die zuvor keine Kenntnisse der Fremdsprache hatten.

Ferien motivieren Schweizer

Ob man sich letztlich für einen Sprachkurs im Klassenzimmer oder für eine App entscheiden soll, hängt auch mit den persönlichen Zielen zusammen. Das Reisen wird gemäss einer aktuellen Nutzerbefragung von Babbel von den meisten Schweizern als Motivationsgrund angegeben. 61 Prozent wollen demnach eine Fremdsprache lernen, um sich später in den Ferien verständigen zu können. Dafür reicht eine App aus.

Apropos Ferien ...

Für die Karriere studiert hingegen nur jeder fünfte Schweizer Babbel-Nutzer eine Fremdsprache. Und dies, obwohl eine Mehrsprachigkeit beim Bewerbungsverfahren der ausschlaggebende Punkt sein kann, wie Susanna Häberlin, Leiterin Kommunikation bei ask!, dem Beratungsdienst für Ausbildung und Berufe des Kantons Aargau, sagt. «Weil es in der Schweiz immer mehr internationale Firmen gibt, gewinnen die Fremdsprachen an Bedeutung.» Da es online keine berufsorientierten Sprachlehrgänge gibt, lohnt sich aus Karrierezwecken die Investition in einen Sprachkurs.

Auch gesundheitliche Vorteile

Obwohl E-Learning-Plattformen also kein Allerheilmittel sind, stellen sie für die Gesellschaft eine positive Entwicklung dar. Denn noch nie zuvor waren Fremdsprachen einer solch breiten Öffentlichkeit zugänglich wie heute. Und das Sprachenlernen bringt auch gesundheitliche Vorteile. Forscher aus Luxemburg stellten in einer Studie mit 230 Frauen und Männern fest: Wer mindestens drei Sprachen kann, hat eine dreifach höhere Chance, im Alter nicht dement zu werden. (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Oliver Durrer 19.09.2017 11:13
    Highlight Eine neue Sprache online mit E-Learning zu lernen macht Spass. Ich kann flexibel überall und zu jeder Zeit lernen.
    Auch die Online Academy der Klubschule Migros https://online-academy.klubschule.ch bietet Online-Kurse an.
    Auf Wunsch kann das E-Learning mit persönlichem Coaching und Privat- oder Klassenunterricht (vor Ort oder online) ergänzt werden. Dadurch können auch beim Online-Lernen nachhaltige Lernerfolge erzielt werden.
    2 0 Melden
  • Vio Valla 18.09.2017 07:52
    Highlight Ich nutze eine App um Vokabeln zu büffeln, die ich da aber selber eingeben muss. Dann habe ich noch eine, mit Grammatikteilen bezüglich Zeitformen und ähnlichem (conditionals ect..) Die helfen mir für die Schule. Aber das reden selber muss man anders üben. zB Selbstgespräche führen und dazu einfach viel lesen und hören in der Sprache. Dann geht das irgendwann recht gut.
    1 0 Melden
  • redmug 17.09.2017 17:42
    Highlight Frage an Watson: "...dreifach höhere Chance im Alter nicht dement zu werden.."
    Erstaunlich, wie kommt man auf diese Rechnung?
    6 1 Melden
  • Pana 17.09.2017 11:15
    Highlight Hab mal einen Pimsleur 30 Stunden Kurs gemacht. Rein Audio basiertes App. Natürlich erlernt man so nicht eine komplette Sprache. Aber habe gestern beinahe akzentfrei ein Bier bestellen können. :D
    8 1 Melden
  • R. Peter 17.09.2017 10:31
    Highlight Also Duolingo erklärt die dazugehörige Grammatik beim ersten Auftreten und auf Anfrage. Senn auch eingeschränkt, aber die Aussage stimmt so nicht.
    8 0 Melden
  • Roro Hobbyrocker 17.09.2017 06:06
    Highlight Ich benutze Duolingo, Memrise und Lingvist. Ich weiss dass die Lernerfolge nicht so gross sind wie die Firmen preissen. Es geht bei mir nur das ich mein Englisch und Spanisch nicht vergesse. Und bei Französisch die Mails verstehe, welche ich von umserem Tochterbetrieb bekomme. Für das genügts.
    10 1 Melden
  • Silent Speaker サイレントスピーカー 17.09.2017 05:33
    Highlight Diese Universalsprachen-Apps taugen nichts. Spezifisch auf die zu erlernende Sprache spezialisierte Apps dagegen schon. Allerdings muss man die auch zuerst finden. Die sind nicht schlechter, um das theoretische Wissen zu erlangen als Kurse. Für die Praxis muss man sich in den "Käfig des Löwen" begeben und sich mit den Menschen dort unterhalten. Kurse sind bei mir unwirksam, da ich nicht gerne in zusammengewürfelten Gruppen etwas tue.
    6 3 Melden
  • Prolet Biertrinker 17.09.2017 00:41
    Highlight ... mit Bier gehts auch. Nach 2einhalb Wochen, meist sturzbetrunken in Brasilien, in lokalen Cabanas und abgef***ten Kneipen waren Unterhaltungen kein Problem für mich.
    Gramatikalisch nie korrekt aber für Unterhaltungen mit den Leuten, auch wenns mal tiefer geht ging.
    Und sonst gibts noch Hände wie Füsse und die Geduld des Gegenübers :)
    Wenn dann der/die andere noch den ein oder anderen Brocken Englisch oder Französisch drauf hat und Bier mag ist die Mischung perfekt!
    33 20 Melden
    • CASSIO 17.09.2017 10:45
      Highlight "und wenn's mal tiefer geht..." 😂😂😂
      11 0 Melden
  • Wasp1 17.09.2017 00:31
    Highlight Ziemlich nichtssagender Artikel meiner Meinung nach. Ist doch klar, dass eine App nicht reicht um eine Sprache zu meistern, aber helfen kann, ein "Ferien-Wortschatz" zu erlangen. Thats 5min of my life I won't get back.
    31 8 Melden
    • Eine_win_ig 17.09.2017 09:45
      Highlight Ich muss jetzt einfach klugscheissern: These are*
      8 3 Melden
  • Knety 16.09.2017 23:12
    Highlight Um ein paar Brocken polnisch zu lernen hats bei mir gereicht und die Polen waren alle recht happy das ich mir die Mühe machte.
    Aber um eine Sprache richtig zu lernen ist es denke ich nicht das Richtige.
    27 1 Melden
  • kleiner_Schurke 16.09.2017 22:51
    Highlight Nop, kann man nicht. Sprachen lernen ist immer eine Ochsentour. Nebst dem büffeln der Wortschatzes, muss man die Grammatik erlernen und üben. Der Test erfolgt nicht an der Prüfung sondern auf der Strasse. Kann man sich erst mal dort verständigen, klappt ach der Rest. Um eine Sprachen wirklich zu erlernen ist ein Aufenthalt im Sprachgebiet unumgänglich.
    46 13 Melden
    • Necib 16.09.2017 23:10
      Highlight Stimme ihnen zu. Diese Apps sind als Ergänzung nützlich, reichen jedoch bei weitem nicht um eine Sprache richtig zu erlernen.
      18 2 Melden
    • kleiner_Schurke 16.09.2017 23:47
      Highlight Blizis: der Trick liegt unter anderem beim Schrieben der Flashcards. Wer die Flashcards selber schriebt befasst sich mit der Materie. Wer sie kauft oder per App nutz eben nicht. Ein enormer Nachteil.
      14 7 Melden
    • Mss.Fork 16.09.2017 23:57
      Highlight Ich kenne diese apps nicht. Aber grundsätzlich verneinen sollte man nicht.
      Wenn die app qualitativ und quantitativ genügend inhalt bietet, was spricht dagegen?
      Effizienz ist ne andere frage, aber ich denke grundsätztlich ja. Heutzutage mit den zur verfügung stehenden datenbanken und sprachausgaben steht dem erlernen einer sprache nix im wege. Ausgehend davon, dass abgesehen von fleiss nur der klang des wortes, alle möglichen beudeutungen des wortes und grammatik benötigt wird eine sprache zu erlernen.
      9 5 Melden
    • Eine_win_ig 17.09.2017 09:49
      Highlight Bin teils-teils einverstanden. Um eine Sprache für die Ferien zu lernen (nach Schema: Wo Toilette?/"Wissen-was-ich-esse") reicht eine App. Will man sich unterhalten können, braucht es einen mündlichen/auditiven Aspekt den Apps nicht so effizient liefern können wie ein Sprachkurs. Falls man schlussebdlich wirklich sattelfest sein will, für den Arbeitsalltag gerüstet sein will, kommt man nicht um den Sprachkurs herum. Ich hatte einen Vorgesetzten, der via Online Kurs Englisch lernen sollte. Ich habe wöchentlich ca. 1-2h damit verbracht, ihm Sachen zu erklären/lernhilfen zu zeigen.
      3 1 Melden

Von wegen Käse, Schokolade und Uhren: Die Schweiz ist Vizeweltmeister im Waffenhandel

Laut einer neuen US-Studie liefert pro Kopf kaum ein Land mehr Waffen an Entwicklungsländer als wir Schweizer.

Die Schweiz ist ein Top-Exportland. Nicht nur bei Waren wie Käse, Schokolade und Uhren. Sondern auch bei Waffen. Vor allem bei Waffen an Entwicklungsländer.

Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des US-amerikanischen Congressional Research Service (CRS). Demnach war die Schweiz 2015 der weltweit siebentgrösste Rüstungslieferant an Entwicklungsländer: Sie lieferte Rüstungsgüter im Wert von 700 Millionen Dollar an sogenannte «developing nations».

Pro Kopf umgerechnet, belegt die neutrale Schweiz …

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