Schweiz
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Die letzten Schlagzeilen des Jahres 2017.  Bild: KEYSTONE

Schweiz als «Crypto-Valley», EU-Zoff und warmer Winter: Das schreibt die Sonntagspresse

31.12.17, 06:15 31.12.17, 09:20


Die Schweiz, das neue Blockchain-Zentrum

Die Schweiz entwickelt sich zu einem Zentrum für die weltweite Szene der Blockchain-Technologie, die als Grundlage für neue digitale Währungen wie Bitcoin dient. Im Kanton Zug wurden 2017 rund 14 Prozent mehr solche Firmen aus der Taufe gehoben, wie die «NZZ am Sonntag» berichtet. Zug empfange im Wochentakt Delegationen aus dem kalifornischen Silicon Valley und aus China. Die Anfang Jahr gegründete Crypto Valley Association zähle bereits 550 zahlende Mitglieder. Zur Szene gehörten Startup-Firmen, etablierte Unternehmer, Anwälte, Berater, Ex-Banker und Programmierer.

«Geht es um Blockchain, dann reisen Entwickler und Investoren nicht mehr aus der Schweiz ins Silicon Valley. Im Gegenteil: Man kommt zu uns ins Crypto Valley»

Matthias Michel, Volkswirtschaftsdirektor

Ein Grund für die Goldgräberstimmung sind dem Zeitungsbericht zufolge «Initial Coin Offerings» – auf Kryptowährungen beruhende Finanzierung von Jungfirmen. Vier der weltweit zehn grössten Finanzierungstransaktionen dieser Art seien in der Schweiz erfolgt. Der Wert aller Coins betrage zurzeit 600 Milliarden Franken.

Die Behörden in Bern reagieren auf die Entwicklung. Die Bundesräte Johann Schneider Ammann und Ueli Maurer lancieren laut «NZZ am Sonntag» mit Regierungsräten aus Zug und Zürich eine Taskforce, die unter anderem Rechtssicherheit schaffen soll. Auch die Finanzmarktaufsicht hat laut «SonntagsZeitung» ein scharfes Auge auf Kryptowährungs-Projekte, nachdem Unternehmer mit digitalen Börsengängen via Internet in der Schweiz Hunderte Millionen Dollar abgeholt haben. Ein Projekt für eine neue Kryptowährung namens Milic der deutschen Fernsehgruppe «Welt der Wunder TV» und der Swisscom als Partnerin hängt deshalb derzeit in der Schwebe.

Berset weibelt für EU-Rahmenabkommen

Wie die Schweiz ihre Beziehung zur Europäischen Union regeln soll, darüber sind sich die Spitzenpolitiker des Landes uneinig. Der künftige Bundespräsident Alain Berset (SP) kritisiert im Interview mit der «SonntagsZeitung» den Umgang der EU mit der Schweiz, macht aber klar, dass «geregelte Beziehungen» mit der EU im Interesse des Landes seien. Hierfür gehe die Schweiz den Weg via Rahmenabkommen, sagt der 45-Jährige. Wie allerdings mit dem Kohäsionsbeitrag von rund 1,3 Milliarden Franken zu verfahren sei, dazu wollte er dem Bundesrat nicht vorgreifen.

Die Präsidenten der vier Bundesratsparteien hingegen äusserten sich im «SonntagsBlick» unterschiedlich. Christian Levrat (SP) verlangte, dass Aussenminister Ignazio Cassis (FDP) das Abkommen mit der EU rasch fertig verhandelt und dem Volk vorlegt, damit dieses entscheiden könne, ob der Preis angemessen sei. In der internationalen Politik würden keine Geschenke verteilt, Wohlstand und Sicherheit hätten ihren Preis. Gerhard Pfister (CVP) plädierte weiter für den bilateralen Weg und eine souveräne Schweiz. Der Bundesrat müsse die Interessen der Schweiz gegenüber der EU selbstbewusst, einheitlich und pragmatisch vertreten. Die EU dürfe nicht einseitig die Wettbewerbsfähigkeit der Schweiz schwächen.

MeteoSchweiz prognostiziert warmen Winter

Das Jahr verabschiedet sich am Sonntag mit frühlingshaften Temperaturen von bis zu 15 Grad. Glaubt man den Wetterfröschen, werden auch die kommenden Wintermonate überdurchschnittlich warm, berichtet der Sonntagsblick. Die Saisonprognose von MeteoSchweiz zeigt: Von Januar bis März können die Deutschschweizer im Schnitt mit Temperaturen über 3,5 Grad rechnen. Das langjährige Mittel liegt bei 2,8 Grad. Ein Bibber-Winter dürfte uns erspart bleiben: Die Wahrscheinlichkeit, dass die Durchschnittstemperatur in der Deutschschweiz unter zwei Grad fällt, liegt bei weniger als 20 Prozent. Doch wie können die Wetterfrösche eine Prognose für eine ganze Saison abgeben, wenn oft nicht einmal die Vorhersage für die nächsten Tage stimmt? Indem sie nicht Einzelereignisse, sondern das mittlere Wettergeschehen, das Klima berechnen, so der SonntagsBlick. Dabei lassen sie Daten von global verteilten Meeresbojen, Flugzeugen und Bodenstationen einfliessen. Die Resultate werden dann mit lang­jährigen Messungen abgeglichen.

HIV-Tests sollen günstiger werden

Das Bundesamt für Gesundheit (BAG) und die Eidgenössische Kommission für sexuelle Gesundheit (EKSG) erwägen eine Senkung der Preise für Tests zu sexuell übertragbaren Krankheiten wie HIV, Syphilis und Chlamydiose. Das Angebot könne sich an gefährdete Gruppen richten, sagte Daniel Koch, Leiter der Abteilung übertragbare Krankheiten beim BAG, der Westschweizer Zeitung «Le Matin Dimanche». Der Bund wolle nicht, dass Menschen einen Test nur aus finanziellen Gründen ausbleiben lassen. Die gemeldeten Fälle solcher Infektionen haben seit mehreren Jahren zugenommen, im letzten Jahr sogar stark. Die Anzahl der Fälle von Gonorrhö hat sich 2016 um 20 Prozent (2270 Fälle), die der Syphilis um 15 Prozent (733) und die der Chlamydiosen um 8 Prozent (11'013) erhöht. Bei HIV stabilisiert sich die Zahl mit 542 neuen Fällen leicht. Heute kostet ein HIV-Test zwischen 60 und 70 Franken.

SBB: Sicherheitsdefizite bei der Zugabfertigung

Das Bahnunternehmen habe letztes Jahr rund 980 Güter- und Passagiertransporte – im Schnitt mehr als zwei pro Tag – anhalten müssen, weil ein Sicherheitsrisiko bestand, berichtete die «SonntagsZeitung» unter Berufung auf eine Ereignisdatenbank, an die öV-Unternehmen Störungen und Zwischenfälle melden müssen. Grund für die Probleme seien Fehler bei der Zugabfertigung wie eine offen gelassene Türe oder ein unbemerkter Defekt an einem Wagen. Zu den riskanten Zugfahrten und Betriebsunterbrüchen komme es wegen Fehlern des Personals, das Zugkontrollen vornimmt und Angestellten von Firmen, die Güterwagen beladen. Seit 2010 führten die Fehler dem Bericht zufolge zu Kollisionen von Zügen mit Gegenständen, zwei Bränden, einer Entgleisung und weiteren Vorfällen. Auch Güterzüge mit leicht entflammbaren, explosiven oder umweltschädlichen Waren müssten immer wieder gestoppt und aus dem Verkehr gezogen werden. Aus zwei dieser Züge sei Gefahrengut ausgetreten. Das Katastrophenpotenzial sei enorm. Die SBB arbeiten derweil an intelligenten Güterzüge mit Sensoren etwa zur Überwachung von Türsicherungen. Zudem sollen Zugkontrolleinrichtungen aufgerüstet werden.

Wirtschaftsbosse glauben an starkes 2018

Die Chefs der grossen Schweizer Unternehmen sehen 2018 optimistisch entgegen. Mehr als 80 Prozent der Wirtschaftsführer rechnen mit positiven Konjunkturaussichten für die Schweiz, wie die neuste Managerumfrage der «SonntagsZeitung» unter 47 Topmanagern zeigt. Vor einem Jahr war nur jeder dritte Manager zuversichtlich für die Wirtschaftsentwicklung. Knapp 30 Prozent der Firmen wollen die Investitionen aufstocken, im Vergleich zu 19 Prozent im Jahr zuvor. Allerdings rechnet nur etwa ein Drittel der Firmenchefs damit, 2018 zusätzliche Stellen zu schaffen – im Vordergrund steht vielfach die Auslastung der Produktionskapazitäten. Mit Bundesbern sind die Wirtschaftsführer mehrheitlich zufrieden. Der Notenschnitt des Gesamtbundesrats verbesserte sich von 4,1 auf 4,4. Grundsätzlich stellen sich die Manager aber gegen die Einmischung des Staats. Eine strikte Frauenquote (81 Prozent Nein-Stimmen) oder einen gesetzlichen Vaterschaftsurlaub (70 Prozent Nein) wollen sie sich nicht aufzwingen lassen.

Kopftuch nur mit Bewilligung in Schuhläden

Der Verband der Schweizer Schuhbranche erlaubt Frauen das Tragen von Kopftüchern in seinen überobligatorischen Lehrlingskursen nur, wenn die Betroffenen eine Bestätigung ihres Lehrbetriebs vorweisen können, dass sie dies auch dort tun. Wie der «SonntagsBlick» berichtet, hat Schuhschweiz ein entsprechendes Merkblatt herausgegeben. Verbands-Ehrenpräsident Dieter Spiess sagte der Zeitung, so wie die Jugendlichen im Geschäft gekleidet seien, so sollten sie auch in den Kursen gekleidet sein. Das bedeute etwa auch keine Caps und Trainerhosen. Den Kursleitern sei aufgefallen, dass zunehmend junge Frauen Kopftuch tragen würden. Der Verband wolle aber dem Umstand Rechnung tragen, dass die Schweiz eine offene Gesellschaft sei, in der in der Regel kein Kopftuch getragen werde. Für Ausnahmen müssen demnach die Ausbildungsbetriebe den Lehrtöchtern schriftlich eine Bestätigung mitgeben. Die Föderation Islamischer Dachorganisationen Schweiz und der ehemalige Bundesrichter Giusep Nay halten die Regelung für diskriminierend. In den Kursen hätten die Mädchen keinerlei Kundenkontakt, sagte Nay. Die Dachorganisation sieht die Religionsfreiheit eingeschränkt.

Mehlwürmer teurer als Entrecôte

Die seit kurzem für Profi- und Hobbyköche erhältlichen Schweizer Mehlwürmer sind nach wie vor eine teure Delikatesse – sogar teurer als etwa Entrecôte. Wie die «SonntagsZeitung» berichtet, kostet das Kilo gefrorene Mehlwürmer beim bislang einzigen Anbieter von Schweizer Ware, Entomos, 87 Franken. Die gleiche Menge Schweizer Entrecôte gibt es für rund 80 Franken. Für Grillen und Heuschrecken müssen Konsumenten noch tiefer in die Tasche greifen. Entomos-Chef Urs Fanger begründet den Preis mit der aufwendigen Herstellung, die im Gegensatz zu anderen Lebensmitteln nicht hoch industrialisiert sei. Die Fütterung der Insekten erfolge von Hand, genauso wie die Sortierung und die Kontrollen. Er rechnet damit, dass mit steigenden Mengen auch die Preise sinken. Für einen Schub sorgen könnte dem Bericht zufolge Coop. Die beim Grossverteiler erhältlichen Burger, Bällchen und Riegel aus Insekten enthalten bislang vor allem Tiere aus Belgien. Langfristig will das Unternehmen jedoch alle Insekten aus dem Inland beziehen. (sda)

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Brikne, 20.7.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • ströfzgi 31.12.2017 09:01
    Highlight Wüsste jetzt grad nicht wie man den Gegensatz Johann Schneider Ammann und Ueli Maurer vs Kryptowährungen beschreiben soll. So vielleicht?
    8 0 Melden

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