Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Tödliche Polizeikontrolle

Freiheitsstrafe für Polizisten: Unprofessioneller Alleingang mündete im tödlichen Schuss 

16.04.14, 10:18 16.04.14, 17:52

Der Schwyzer Polizist, der 2012 einen unbewaffneten Einbrecher erschossen hat, hat fahrlässig gehandelt. Dies hat das Strafgericht festgestellt. Es wirft dem Polizisten vor, sich mit einem Alleingang selbst in eine bedrohliche wirkende Lage gebracht zu haben. 

Die Strafrichter sprachen den 38-Jährigen der fahrlässigen Tötung und der fahrlässigen Körperverletzung schuldig und verurteilten den Polizisten zu einer bedingten Freiheitsstrafe von 15 Monaten. Die Probezeit beträgt zwei Jahre. Zudem muss der Beschuldigte 25 Prozent der Verfahrenskosten übernehmen. Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig.

Schuss aus nächster Nähe

Der tödliche Zwischenfall hatte sich am frühen Morgen des 12. September 2012 beim Windstock zwischen Schwyz und der Ibergeregg ereignet. Der Polizist öffnete mit der Dienstwaffe in der Hand die Beifahrertür eines gestohlenen VW-Busses, der vor einem Rotlicht wartete.

Gegen die Erwartung des Polizisten befand sich im Bus nicht nur ein Fahrer, sondern auch ein Beifahrer. Dieser machte eine Bewegung mit dem rechten Arm, worauf der Polizist einen Schuss aus seiner Pistole Glock 17 abgab. Das Deformationsgeschoss durchbohrte den Kopf des 24-jährigen Beifahrers und den Arm des 25-jährigen Lenkers.

Der Polizist war, nachdem er die Beifahrertür des VW-Busses geöffnet hatte, von den Opfern nicht angegriffen worden. Das Strafgericht anerkannte aber, dass er aufgrund der konkreten Umständen davon ausgehen konnte, dass ein Angriff auf ihn bevorstehe. Er habe sich in einer vermeintlichen Notwehrsituation befunden.

Polizeitaktische Grundsätze nicht eingehalten

Dass das Gericht dem Antrag des Verteidigers auf Freispruch nicht folgte, begründet es damit, dass der Angeklagte sich durch sein nicht korrektes Vorgehen selbst in diese vermeintlich gefährliche Lage gebracht habe. Wären die polizeitaktischen Grundsätze eingehalten worden, wäre es nicht zum polizeilichen Schusswaffengebrauch gekommen, schreibt das Strafgericht.

Mit dem Urteil folgte das Gericht dem Eventualantrag der Staatsanwältin. Im Hauptantrag hatte diese auf vorsätzliche Tötung und fahrlässige Körperverletzung plädiert und eine Strafe von fünf Jahren und drei Monaten verlangt. 

Für den Streifenpolizisten, der in den rückwärtigen Dienst versetzt worden ist, hat der Schuldspruch noch keine weiteren beruflichen Folgen. Erst wenn ein rechtskräftiges Urteil vorliege, werde eine interne Untersuchung zeigen müssen, ob Massnahmen zu treffen seien, sagte Florian Grossman, Sprecher der Kantonspolizei, auf Anfrage. 

Verteifiger nicht gänzlich unzufrieden

Ob die Parteien das Urteil akzeptieren, ist noch offen. Die Staatsanwaltschaft erklärte, das Gericht sei mit dem Schuldspruch ihrem Eventualantrag gefolgt. Im Hauptantrag hatte die Staatsanwaltschaft auf vorsätzliche Tötung und eine Strafe von 5 Jahren und 3 Monaten plädiert.

Das gefällte Strafmass, die minimale Probezeit und die tiefe Kostenbeteiligung zeigten, dass das Gericht das Verschulden seines Mandanten im unteren Bereich ansiedle, sagte Verteidiger Hansheini Fischli. Fischli hatte für seinen Mandanten einen Freispruch wegen Notwehr gefordert. Er betonte, dass trotz des Schuldspruchs auch die Richter dem Polizisten eine Notwehrsituation zugestanden hätten. (rar/viw/sda)



Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Nothilfe-Tipps per Handy: Die Telemedizin rettet einem Wanderer in Uri das Leben

Die Telemedizin hat am Samstag einem Wanderer im Kanton Uri das Leben gerettet. Der 60-Jährige erlitt einen Herz-/Kreislaufstillstand und wurde von einem Paar gefunden, das den Mann nach Instruktionen der Rega-Einsatzleitung über das Handy erfolgreich reanimierte.

Der Wanderer befand sich alleine auf dem Abstieg von der Sidelenhütte UR, als sich sein Zustand kurz nach Mittag verschlechterte, wie die Rega am Sonntag mitteilte. Per Zufall rief ihn zu diesem Zeitpunkt eine Bekannte an. Weil er …

Artikel lesen