Schweiz
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Wie mir der Brief eines Unbekannten aus Holland ein Strafverfahren aufhalst – eine Tragikomödie in 5 Akten

Selbst wenn das Postzollamt nur 3,1 Gramm Haschisch in einem Brief findet, ist die Staatsanwaltschaft gezwungen, ein Strafverfahren zu eröffnen. Eine tragische Komödie in 5 Akten.



Der Schweizer Schriftsteller Friedrich Dürrenmatt meinte einst, die Tragikomödie «sei die einzig mögliche dramatische Form, heute das Tragische auszusagen». Auch bei der folgenden Geschichte brauchte ich eine gehörige Portion Humor, um nicht zu verzweifeln.

Prolog

Holland, August 2015: In einem Coffeeshop? Ich weiss es bis heute nicht. Ein Unbekannter packt Tütchen mit Haschisch in einen Brief, schreibt meinen Namen darauf und bringt ihn zur Post.

1. Akt: Jugendsünden

Die wilden 2000er-Jahre: Gekifft habe ich in meiner Jugend, im Gymnasium. Unvergessen, die letzten Schulwochen vor den Ferien. Jeden Tag ging's nach dem Unterricht sofort in den Ziegel in der Roten Fabrik, wo dazumal noch herzhaft gepafft wurde. Mit rubinroten Augen sind mein Jugendfreund und ich anschliessend in den rappelvollen Bus gestiegen – und sind sofort ertappt worden haben uns nichts anmerken lassen. Auch nicht später beim Nachtessen mit der Familie. Gell Mama?

Ich, in der Mitte, auf den Bus laufend:

Animiertes GIF GIF abspielen

gif: imgur

Bald habe ich merken müssen, dass meine Aufmerksamkeitsspanne umgekehrt proportional zum Cannabis-Konsum stieg. Also hab ich dem Kraut abgeschworen und nahm nur noch sporadisch einen Zug von der Haschisch-Tüte – für den Gout versteht sich.

2. Akt: Eingeschriebener Brief – selten ein gutes Zeichen

11. September 2015: Abholungseinladung für einen eingeschriebenen Brief – es gibt schönere Überraschungen, wenn man am Freitagabend aus den Ferien nach Hause kommt. Erst recht, wenn sich der Brief am Montag als «Vorladung zur Einvernahme als beschuldigte Person» erweist. Ein Strafverfahren betreffend Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz? Ich? Einer der Wenigen aus dem Bekanntenkreis, der Drogen weder konsumiert noch dealt? 

Die Vorladung:

gras gericht

Bild: watson

Am nächsten Morgen erreiche ich Korporal Hans Huber* von der Kantonspolizei Zürich.

«Guten Morgen Herr Aeberli, ja wegen Einfuhr, das ist ja nur etwas Kleines.» Eine Vorladung als Beschuldigter wegen Einfuhr von Betäubungsmitteln – etwas Kleines? Ich versteh' die Polizei wirklich nicht.

Eine unruhige Nacht steht mir bevor.

3. Akt: Das Verhör

16. September 2015: Mit einem mulmigen Gefühl im Magen stehe ich am Mittwoch also an der Kasernenstrasse 25. Im zweiten Stock begrüsst mich Huber und teilt mir in seinem Büro mit, warum ich genau hier bin. Jemand hat mir aus den Niederlanden 3,1 Gramm Haschisch geschickt. Ob ich davon etwas weiss? Natürlich nicht. Weder kiffe ich noch deale ich geschweige denn erwarte ich einen Brief mit Haschisch aus Amsterdam.

«Herr Aeberli, das macht doch keinen Sinn. Wer soll es denn gewesen sein?» Ob Sinn oder nicht, denke ich, spielt doch keine Rolle! Da hat sich jemand einen schlechten Scherz erlaubt.

A man walks past the coffeshop

Bild: KEYSTONE

«Herr Aeberli, das gäbe im Falle einer Verurteilung nicht einmal einen Eintrag im Strafregister, das ist bloss eine Übertretung – falls ihnen doch noch was in den Sinn kommt ...» Ein leichtes Schmunzeln ob diesem kleinen Trick kann ich mir nicht verkneifen, gebe die verlangte Schriftprobe ab und frage, wie es nun weitergehe. «Ich leite ihre Aussage nun weiter, sie werden von uns hören.»

«Am 26. August 2015 wurde durch das Postzollamt Zürich, Briefzentrum Zürich-Mülligen, eine Briefpostsendung aus den Niederlanden, adressiert an den Beschuldigten mit insgesamt 3,1 Gramm Haschisch sichergestellt ...»

Auszug aus der Verfügung.

4. Akt: Warten, warten, warten

Die Wochen verstreichen – nichts geschieht. Ich warte. Schlendere durch den Alltag. Fahre an die Rugby-WM nach England und bin froh, dass es weder bei der Aus- noch bei der Einreise Probleme am Zoll gibt. 

5. Akt: Gerechtigkeit siegt

13. Oktober 2015: Wieder zurück aus den Ferien – wieder eine Abholungseinladung für einen Brief. Da neuerdings keine Postleitzahlen des Absenders mehr auf den Einladungen stehen, lassen sich keine Rückschlüsse ziehen, ob es sich wieder um die Polizei handelt. Doch tatsächlich ist der Brief von der Staatsanwaltschaft Zürich-Limmat.

«Einstellungsverfügung Art. 319 ff. StPO» – hurra, hurra! 

«Dem Beschuldigten kann weder aufgrund von Sachbeweisen noch aufgrund von konkreten Belastungen rechtsgenügend nachgewiesen werden, die durch das Briefzollamt sichergestellten Betäubungsmittel in den Niederlanden bestellt und eingeführt zu haben, weshalb das Verfahren gegen Laurent Aeberli, wegen Widerhandlung gegen das Betäubungsmittelgesetz ohne Weiterung einzustellen ist.»

Auszug aus der Einstellungsverfügung

Es wird verfügt:

Die  Einstellungsverfügung:

gras gericht

Bild: watson

Epilog

Das Postzollamt macht seinen Job, ich erlebe ungemütliche Wochen, die Staatskasse wird geleert – und der Depp, welcher den Brief verschickte, bleibt unbekannt.

Dafür wisst ihr jetzt, wie ihr eure Feinde in eine wirklich missliche Lage bringen könnt.

*Name geändert

Diese Bilder hat die Polizei geschossen: Wem gehört dieser Schmuck?

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16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • gurix 30.10.2015 15:55
    Highlight Highlight Geile Idee. Muss man sich merken. Solange niemand beweisen kann, dass du da ne Bestellung aufgegeben hast.
  • one0one 30.10.2015 14:53
    Highlight Highlight Immer diese Drogengeschichten beim Laurent... ;)
    Lehrreicher Beitrag. Er bestätigt dass man nicht Haftbar ist für "ungewollte" Sendungen und falls mir tatsächlich so ein Quatsch in den Sinn kommen sollte frage ich jemanden im Coffeeshop ob er mir meine Adresse auf den Umschlag schreiben kann ;)
    Warum hat die Polizei eigentlich nicht einfach überprüft ob Laurent damals wirklich in Amsterdam war? Ich denke das hat sie und die Antwort war ja. Ansonsten macht die Schriftprobe ja keinen Sinn... Wenn Laurent aber schreiben würde er war in Adam dann würde die Geschichte unglaubwürdig... Schlitzohr ;)
    • Laurent 30.10.2015 14:56
      Highlight Highlight ach, das haben sie natürlich gefragt. ich war aber das letzte mal 2014 in adam, am abgesagten miley cyrus konzert (kein witz!)
    • one0one 30.10.2015 15:28
      Highlight Highlight Miley Cyrus!? Naja, dann mussten sie wohl davon ausgehen das du konsumierst :D
  • Hr. Döpfel 30.10.2015 12:41
    Highlight Highlight Wer's glaubt. Du hast das Zeug bestellt, hattest Pech, hast dir vor Angst in die Hose gemacht und dich bei deinen Kifferkumpels ausgeheult. Dann hattest du auch mal Glück, und markierst jetzt den Helden mit deiner tollen Story, die du sogar einem breiten Publikum präsentieren kannst, da du zufällig für eine Zeitung arbeitest. Du erzählst auch noch stolz, wie dein toller Freund und du damals gekifft habt, obwohl das diesem Verfahren gar nichts zur Sache tut. Werd erwachsen...
    • Gleis3Kasten9 30.10.2015 13:10
      Highlight Highlight Natürlich, jemand der in Zürich wohnt bestellt sich Gras aus Amsterdam. Warum nicht gleich noch eine Kuh aus Argentinien einfliegen lassen weil man Bock auf ein speziell leckeres Steak hat?
    • frankyfourfingers 30.10.2015 13:23
      Highlight Highlight @Stitches - vor allem 3.1g - ich lach mer en schranz in buch :D

      @jon - da fragt man sich, ob doch nicht eher der, der andere grundlos beschuldigt und anf***t, erwachsen werden soll.
    • 's all good, man! 30.10.2015 13:48
      Highlight Highlight Chli hässig underwägs hüt?

      Hier, ein GIF zum entspannen für dich:
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  • TanookiStormtrooper 30.10.2015 12:31
    Highlight Highlight Ich war's nicht!
    Es muss ja aber offensichtlich jemand sein, der deine Adresse kennt. Wenn die Polzei vor der Haustüre steht hört der Spass auf.
    Bei Laurent Aeberli, Journalist musst ich aber schon schmunzeln. ;)
  • frankyfourfingers 30.10.2015 12:30
    Highlight Highlight geile kollegen hast du :D
  • pun 30.10.2015 11:59
    Highlight Highlight Dabei weisst doch jedeR, dass man Haschisch aus Amsterdam in kleinst-Mengen einfach unter die Briefmarke der Postkarte pappen kann. :-) *tüüdelüüü*
    • Blutgruppe 30.10.2015 12:34
      Highlight Highlight LSD passt da jedoch noch besser drunter ;-)
  • Miicha 30.10.2015 11:54
    Highlight Highlight Boa sag mal, was hast du dem Absender angetan?? Exfreundin? So fies sind meistens nur Frauen. Zum Glück nochmal gut ausgegangen.
    • Miicha 30.10.2015 13:21
      Highlight Highlight Was denn? Bin ja selber ne Frau, muss es ja wissen :-D
  • The fine Laird 30.10.2015 11:30
    Highlight Highlight Hahaha au backe. Nochmals Glück gehabt!

Wir haben Uno unser Leben lang falsch gespielt! 😱

Du lebst dein Leben nach deinen eigenen Regeln? Dann wirst du erstaunt sein, was im Regelheft von Uno eigentlich steht.

Sie ist die meistgefürchtete Karte im Uno-Universum:

Der Spieler, der über diese mächtige Karte verfügt, bestimmt nicht nur die darauf folgende Farbe, er zwingt seinen Nachfolger dazu, nicht weniger als 4 Strafkarten aufzunehmen und seinen Zug auszusetzen.

Und das Schlimmste: Er kann die Karte, so wie die Wunschkarte, jederzeit spielen, da sie keine bestimmte Farbe hat.

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FALSCH! Denn laut den offiziellen Uno-Regeln darf man die +4-Karte nur dann spielen, wenn man keine andere Karte …

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