Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Wanted: Nach diesem Schweizer fahndet die brasilianische Bundespolizei. Im Hintergrund ein Bild, das je zur Hälfte die Brasilien- und die Schweizer-Flagge zeigt. Bild: Screenshot Fernsehsender R7

Ein Schweizer zählt in Brasilien zu den 10 meistgesuchten Verbrechern

Die brasilianische Bundespolizei fahndet nach einem Schweizer. Sie will ihn zur Rechenschaft ziehen für die brutale Tat an seiner Ex-Partnerin.

10.06.17, 13:03 10.06.17, 15:43


Die brasilianische Bundespolizei führt eine Liste mit den zehn meist gesuchten Verbrechern im Land. Darunter eine Mutter, die ihre siebenjährige Tochter getötet hat; ein Vater, der seine beiden Töchter sexuell missbrauchte und ein Mann, der einen brasilianischen Polizisten erschoss. Alle auf dieser Liste sind flüchtig, ihre Taten liegen teils schon Jahrzehnte zurück.

Die Mehrheit der Gesuchten sind Brasilianer. Drei davon haben aber eine andere Staatsangehörigkeit. Einer ist Kolumbianer, einer Chilene und einer kommt aus Europa, genauer, aus der Schweiz.

Die brasilianische Bundespolizei sucht nach diesem Schweizer

Das Fahndungsbild. Foto: Polícia Federal brasil

Wir schreiben das Jahr 2004. Der damals 41-Jährige Schweizer lebt in Brasilien und hat sich frisch getrennt von seiner brasilianischen Freundin. Mit ihr war er zuvor sieben Jahre zusammen, gemeinsam führten sie auch ein Restaurant. Gemäss brasilianischen Medien waren letztlich seine Trinksucht und seine Aggressionen Schuld am Beziehungsende. 

Das eigentliche Drama ereignet sich an einem Märzabend 2004. Die Ex-Partnerin des Schweizers ist gemeinsam mit Kollegen in einer Bar, als sich das einstige Liebespaar über den Weg läuft. Es kommt zum Streit, bei dem der Schweizer auch Morddrohungen gegen seine Ex-Partnerin ausspricht. Die Situation kann aber beruhigt werden und die Auseinandersetzung geht einigermassen glimpflich aus.

Das Verbrechen verübt R. U. erst einige Stunden später. Er dringt gemäss der Fahndungsausschreibung der brasilianischen Bundespolizei in die Wohnung seiner früheren Partnerin ein, versucht sie zu vergewaltigen und schlägt ihr letztlich eine Holzbank über den Kopf. Danach wirft er sie aus dem Fenster.

Die Frau fällt drei Meter in die Tiefe und verletzt sich dabei an der Wirbelsäule. Seither ist sie querschnittgelähmt und auf den Rollstuhl angewiesen. Bis zu einer rechtskräftigen Verurteilung gilt die Unschuldsvermutung.

Aus diesem Fenster soll der Schweizer seine Ex-Partnerin geworfen haben

Aus diesem Fenster warf der Schweizer R. U. seine Ex-Partnerin. Sie ist heute querschnittgelähmt.

Bild: Screenshot Fernsehsender R7

So schrecklich die Tat, so rätselhaft, was danach passierte: R. U. und seine Ex vereinbarten Stillschweigen, wobei er versprach im Gegenzug alle Arztrechnungen zu bezahlen. Der Deal hielt aber nicht lange. Der Schweizer brach sein Versprechen und verliess fluchtartig das Land. Seither wird er von der Polizei gesucht. Bislang ohne Erfolg. 

Das sagt die Ex-Partnerin

Das Eidgenössischen Justiz- und Polizeidepartement äussert sich nicht zum konkreten Fall. Fahndungs- und Auslieferungsersuche seien vertraulich und würden dem Amtsgeheimnis unterstehen, teilt die Behörde auf Anfrage mit. Auch die brasilianische Bundespolizei schreibt watson, man kommentiere keine laufenden Untersuchungen.

Falls sich R. U. in der Schweiz aufhält, könnte Brasilien die Schweiz darum ersuchen, die Strafverfolgung zu übernehmen. Im Falle einer Festnahme würde der heute 54-Jährige aber nicht an Brasilien ausgeliefert. Davor schützt ihn seine Schweizer Staatsbürgerschaft – aber nicht vor einer allfälligen Strafe. Er müsste sich vor einem Schweizer Gericht für seine Tat verantworten.

R. U. ist von der Bildfläche verschwunden, sein Verbrechen in Brasilien aber noch nicht vergessen. Anfang Juni widmete der brasilianische Fernsehsender R7 der Tat einen 18-minütigen Beitrag. Darin kam auch die Ex-Partnerin des Schweizers zu Wort. Zur Tatnacht sagt sie: «Ich war im Bett, neben mir lag mein Sohn. Um Mitternacht kam er, sturzbetrunken und wollte Sex. Es war schrecklich.» Sie zeigte dem Fernsehteam den Tatort und Fotos von der gemeinsamen Zeit mit dem Schweizer.

Bild: Screenshot Fernsehsender R7

Auch warum sie sich nach sieben Jahren von ihm trennte, berichtet sie dem Fernsehsender. «Wir hatten viel Streit und ich hatte überall Verletzungen von seinen Schlägen.»

Dass sich die beiden tatsächlich auch nach dem Fenstersturz noch sahen, soll das folgende Foto beweisen: Die Ex-Freundin sitzt auf dem Bild bereits im Rollstuhl.

Bild: Screenshot Fensehsender R7

Von Mördern, Opfern und Gerichtsmedizinern

Das könnte dich auch interessieren:

Das essen wir alles in einem Jahr

Das passiert, wenn Manchester-Fans beim FC Basel nach Champions-League-Tickets fragen 😂

Trump Jr. postet dieses Fake-Bild – und wird vom Moderator komplett demontiert

iOS 12 ist hier – das sind 13 nützliche Tipps für iPhone-User

Instagram vs. Realität – wie es hinter den perfekten Fotos wirklich aussieht

Mehr als nur Sex zwischen Bäumen: Wie dieser Wald im Aargau zum «Schwulewäldli» wurde

Wir haben kürzlich dieses BMW-Plakat gesehen – und hatten da ein paar Fragen

Sex, Lügen und Politik: Der Fall Kavanaugh erinnert an die Hetze gegen Anita Hill

«NACHBARN AUFGEPASST» – Wie eine Touristin in Deutschland zur Einbrecherin erklärt wurde

Genital-Check bei jungen Flüchtlingen: Jetzt intervenieren Fachleute und Politik

Autistin flüchtet aus Angst vor SBB-Ticket-Kontrolle – und wird hammerhart bestraft

Diese 19 Comics zeigen, wie sich Depressionen und Angst anfühlen

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

Abonniere unseren Daily Newsletter

13
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
13Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Henzo 11.06.2017 16:18
    Highlight Schreckliche Geschichte und ich hoff, dass er geschnappt wird.
    Ich kenn nicht die ganze Geschichte aber etwas bringt mich doch zum grübeln... warum vereinbart man zuerst ein stillschweigen und lasst sich nebeneinander sitzend und lächelnd mit dem man fotografieren, der dich vergewaltigen wollte und dich aus dem fenster schmeisst, so dass du jetzt im rollstuhl sitzen musst?

    wie gesagt, ich kenn von der geschichte nur so viel wie watson geschrieben hat ...aber was wäre wenn diese version gar nicht stimmt und die frau sich sonst wie verletzt hat und vom schweizer geld wollte? Nur so ne idee...
    6 3 Melden
  • lichtler 10.06.2017 15:50
    Highlight Na dann hoffe ich, dass es die Brasilianer machen wie die Schweizer: einsperren und danach ausschaffen ins Heimatland...
    71 10 Melden
    • Telomerase 11.06.2017 22:17
      Highlight Den dürfen sie ruhig behalten.
      5 2 Melden
    • shine 11.06.2017 22:43
      Highlight Das Denken die anderen Länder auch, desswegen dürfen so viele Ausländer in der Schweiz bleiben.
      1 1 Melden
  • panaap 10.06.2017 15:19
    Highlight Will nicht politisieren, würde mich wunder nehmen wieso wieso entschieden wurde , dass er unerkenntlich gemacht wird, da er gesucht wird
    123 6 Melden
    • alana 11.06.2017 11:16
      Highlight Hat mich zunächst auch irritiert. Aber nehme an, dass das gemacht wird, weil er nicht rechtsgültig schuldig gesprochen wurde und deshalb die Unschuldsvermutung gilt.
      14 1 Melden
  • SJ_California 10.06.2017 15:16
    Highlight Demnach wird nicht international nach ihm gefahndet? Es wäre doch naheliegend, Fotos und Name auch in den CH-Medien zu veröffentlichen um die Chance, ihn zu finden, erhöhen zu können...
    77 6 Melden
    • Donaldo Perez 10.06.2017 16:14
      Highlight Wenn du (und ein paar andere Kommentierer) ums verrecken ein Foto und den Namen haben willst, dann findest du diese Infos auch anderswo im Netz. Ist ja nicht so schwierig.
      Es ist nicht die Aufgabe von newsportalen, Polizei zu spielen.
      11 4 Melden
  • Toerpe Zwerg 10.06.2017 15:08
    Highlight Mekwürdige most wanted Liste. Keine Bosse von Drogenkartellen und Auftragsmörder drauf?
    239 1 Melden
    • Greet 11.06.2017 12:10
      Highlight Brasilien halt.
      6 2 Melden
  • Pasch 10.06.2017 13:46
    Highlight Seit wann werden Fahndungsbilder unkenntlich gemacht?
    95 6 Melden
  • ujay 10.06.2017 13:25
    Highlight Hoffentlich wird er in Brasilien geschnappt und kommt dort in den Knast....dann mal viel Spass....
    169 12 Melden

Autor Linder: «Mit meinem Buch kann man nirgendwo mitreden oder an Partys auftrumpfen»

Eigentlich hat die Schweiz ihn ja schon seit 34 Jahren, aber bisher hat Lukas Linder ausschliesslich fürs Theater geschrieben. Nun endlich ist sein Erstlingsroman erschienen – ein Anlass für uns, ihm 37 höchst existentielle Fragen zu stellen.

Die NZZ hat ihn einen «aufstrebenden Erzähler» genannt, ich nenne ihn ein Phänomen. Das wage ich zu sagen, weil ich Lukas Linder kenne. Nur, dass ihr gleich Bescheid wisst und hinterher nicht klagt, ich hätte hier schamlos Schleichwerbung für einen guten Freund betrieben. 

Überdies hat Reich-Ranicki einmal gesagt: «Es gibt Menschen, die auf eine hinreissende Weise Blödes von sich geben.» 

Ich bin mir allerdings nicht sicher, ob er damit Linder gemeint hat. Jedenfalls ist Reich-Ranicki …

Artikel lesen