Schweiz
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Ein Kuss-Verbot im Bundeshaus? Echt? Wir haben nachgefragt

Letzte Woche erhielt das Personal des Bundessicherheitsdienstes (BSD) an einem Rapport eine neue Weisung: Die Sicherheitsleute, sowohl Frauen wie Männer, wurden vom Vorgesetzten angewiesen, körperbetonte Begrüssungsarten wie die französische (Küsschen links, Küsschen rechts) im Bundeshaus zu unterlassen.

Henry Habegger / Nordwestschweiz



Einem Beobachter fiel es sofort auf am Mittwoch letzter Woche. Da wurde Alain Berset (SP) von der Bundesversammlung glänzend zum Bundespräsidenten 2018 gewählt, aber es fehlte etwas. Statt mit Küsschen links, Küsschen rechts erhielt Berset den Blumenstrauss von Ständeratspräsidentin Karin Keller-Sutter (FDP) mit distanziertem Händedruck ausgeliefert.

Nicht besser erging es dem Vize Ueli Maurer. Der Beobachter vermutete im Vorgang eine Ausgeburt der Affäre um Yannick Buttet, der Frauen zu nahe getreten sein soll. Sollten im Bundeshaus nun puritanische Sitten im Umgang der Geschlechter Einzug gehalten haben?

Staenderatspraesident Karin Keller-Sutter, links, gratuliert dem neu gewaehlten Bundespraesidenten Alain Berset, waehrend der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Mittwoch, 6. Dezember 2017 in Bern. (KEYSTONE/Peter Klaunzer)

Karin Keller-Sutter gratuliert dem neuen Bundespräsidenten Alain Berset – per Händedruck ohne Küsschen.  Bild: KEYSTONE

Alltägliches Abküssen

So oder so: Ebenfalls letzte Woche erhielt das Personal des Bundessicherheitsdienstes (BSD) an einem Rapport eine neue Weisung, wie der «Nordwestschweiz» berichtet wurde. Die Sicherheitsleute, sowohl Frauen wie Männer, wurden vom Vorgesetzten angewiesen, körperbetonte Begrüssungsarten wie die französische (Küsschen links, Küsschen rechts) im Bundeshaus zu unterlassen.

Solcherart Begrüssung, etwa zwischen Sicherheitspersonal und Parlamentsmitgliedern oder Verwaltungsangestellten, gehörte im Bundeshaus bisher zum alltäglichen Bild.

Liebe Schweiz, ich checke deine Begrüssungs-Rituale nicht

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Video: watson/Emily Engkent

Aber das Personal, das die Eingänge zum Bundeshaus, zu den Ratssälen bewacht, ist nun angehalten, das Begrüssungs- oder Verabschiedungszeremoniell auf den züchtigen Händedruck oder rein verbalen Austausch zu beschränken: Der Abküss-Ukas.

Die Weisung, so wird vermutet, sei aus Sorge um den guten Ruf des Bundessicherheitsdienstes erlassen worden, der im Fedpol (Bundesamt für Polizei) im Departement von Simonetta Sommaruga (SP) angesiedelt ist. Man weiss ja nie, ob aus der französischen Begrüssungsmodalität ein Belästigungsfall werden könnte.

«Fake News» – really?

Frage, bereits letzte Woche, ans Fedpol: Gab es einen derartigen Ukas, und was wird damit bezweckt? Eine Fedpol-Sprecherin machte sich intern kundig und beschied: «Fake News». Eine Rückfrage im Bundeshaus ergab allerdings: Die Weisung habe es sehr wohl gegeben, erlassen an einem Morgenrapport in der zweiten Sessionswoche.

Eine Weisung also, so sensibel oder je nach Standpunkt so kurios, dass sie geheim bleiben muss? Die Leute vom Sicherheitsdienst im Fedpol würden ohnehin mit straffer Hand geführt, man gönne ihnen nicht viel, nicht mal einen anständigen Aufenthaltsraum, sagt eine Parlamentarierin. Überraschen würde sie gar nichts.

Erneute Nachfrage beim Fedpol: Halten Sie daran fest, dass es kein Abküss-Verbot gab? Fedpol-Sprecherin Lulzana Musliu sagt nach neuerlicher interner Abklärung, man finde keine Spur eines derartigen Ukas: «Weder die Leitung noch die Gruppenchefs haben eine solche Weisung mündlich oder schriftlich abgegeben.»

Sie hält aber auch fest: «Für Fedpol ist es generell sehr wichtig, dass sich unsere Mitarbeitenden respektvoll und korrekt verhalten. Als Bundespolizei, welche für die Sicherheit der Parlamentarier und Besucher da ist, erwarten wir von unseren Mitarbeitenden zu jeder Zeit ein professionelles Auftreten.» (aargauerzeitung.ch)

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26
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26Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • einmalquer 15.12.2017 10:49
    Highlight Highlight Die Zeiten werden immer schlechter:

    Keine Küsse mehr
    und Beate Uhse meldet Konkurs an
  • poga 15.12.2017 10:18
    Highlight Highlight Wurde hier nicht mal ein Kommentar gepostet, Männer schaltet euer Gehirn ein? Solange die sexuelle Belästigung vom Opfer definiert wird, reicht das Gehirn schlicht schlicht nicht aus. Darum muss man solche Erlasse machen. Mir graut vor einer Zeit, in der das Zusammenleben so genormt ist. Dabei wäre doch das Parlament der ideale Platz um zu zeigen, dass so etwas miteinander funktioniert. Wenn sich nur alle zusammenraufen würden.
  • Barracuda 15.12.2017 09:45
    Highlight Highlight Wenn ich das recht verstehe geht es ja nur um das Sicherheitspersonal. Aus Gründen der Professionalität kann ich das sogar nachvollziehen. Oder wo sonst werden Gäste und Angestellte so begrüßt von der Security? Alle anderen dürfen ja ungehemmt weiter schmüselen :) Sehe das Problem nicht.
    • steeny 15.12.2017 18:29
      Highlight Highlight Absolut richtig! Endlich einer der den Artikel richtig gelesen hat!
  • Karl33 15.12.2017 09:38
    Highlight Highlight Jetzt beginnt diese feministische Hysterie nach den USA auch bei uns zu grassieren. Momol, Chapeau. Toll habt ihr das erreicht.
  • amore 15.12.2017 09:37
    Highlight Highlight Wenn das so ist, können wir Junker nicht mehr einladen.
  • N. Y. P. D. 15.12.2017 09:34
    Highlight Highlight Ich schlage vor,
    wenn sich im Bundeshaus Vieraugengespräche zwischen Mann und Frau in der Wandelhalle oder in der Kantine etc. ergeben, umgehend ein Protokoll zu erstellen ist.
    Darin entlastet die Frau mit ihrer Unterschrift den Mann sie nicht sexuell belästigt zu haben.

    #Entlastungsprotokoll
  • Fräulein Fensterplatz 15.12.2017 09:12
    Highlight Highlight Er hier muss wohl dafür verantwortlich sein xD
    User Image
  • Fräulein Fensterplatz 15.12.2017 09:10
    Highlight Highlight Ja warum nicht! Mir ist dieses 'Küsschen links Küsschen rechts' eher unangenehm - auch sehe ich nicht ein warum meine Mitarbeiter welche ich praktisch jeden Tag sehe mich am Weihnachtsessen plötzlich auf diese Art und Weise begrüssen und verabschieden müssen. Es fühlt sich für mich gewissermassen scheinheilig an und entspricht auch nicht dem Verhältnis von Nähe und Distanz zu meinen Mitarbeitern.

    Für mich hat das vor allem mit Gleichberechtigung zu tun. Ich möchte wie ein Mann begrüsst, verabschiedet oder gar ausgezeichnet werden - mit einem herzlichen Händedruck und einem wohlwollenden Wort.
    • Gustav.s 15.12.2017 13:18
      Highlight Highlight Je mehr dieses Küschenzeug verschwindet desto besser. Endlich kein raten mehr wer will es so, wer so und wer gar nicht.
  • Pascal1917 15.12.2017 08:52
    Highlight Highlight Aber könnten wir die Begrüssungsform nicht landesweit gesetzlich regeln, bitte?
    Gibt man die Hand, Küsse (Anzahl?) oder doch nur einen Wink in die Runde?
    Und Frauen küssen wir (auch Damen untereinander) aber Männern geben wir nur die Hand.

    Mich verwirrt das ganze ungehäuerlich...
    #teamemily
    • Emily Engkent 15.12.2017 09:33
      Highlight Highlight :)
    • einmalquer 15.12.2017 11:37
      Highlight Highlight Pascal, lass Dir doch einfach einen Bart wachsen, dann vergeht den Frauen das Küssen

      Problem gelöst
    • poga 15.12.2017 12:05
      Highlight Highlight Psst wenn du diese Taktik allen verrätst, ist sie nachher schwerer anzuwenden....
    Weitere Antworten anzeigen
  • Str ant (Darkling) 15.12.2017 08:35
    Highlight Highlight Der alltägliche Wahnsinn zwischenmenschliches ist pöse und muss gestrichen werden, es gibt ja nichts wichtigeres zu tun!
  • fairchild 15.12.2017 08:12
    Highlight Highlight Was ist ein ukas? Wir im Artikel 3 mal erwähnt, ohne auf die Erläuterung der Abkürzung einzugehen.
    • lilas 15.12.2017 08:25
      Highlight Highlight Anweisung- Erlass- Befehl- sagt google..habs auch noch nie gehört.
    • SemperFi 15.12.2017 09:59
      Highlight Highlight Allgemeinbildung?
    • Makatitom 15.12.2017 10:46
      Highlight Highlight Musste auch nachschauen. Wikipedia sagt:
      Ein Ukas war im Zarentum Russland und im Russischen Kaiserreich ein Erlass der zaristischen und kaiserlichen Regierung bzw. der orthodoxen Kirchenführung (Patriarch) mit Gesetzeskraft. Vergleichbar sind die Begriffe Edikt und Dekret.
  • Majoras Maske 15.12.2017 08:04
    Highlight Highlight Gut gemeint ist nicht gut gemacht. Ist ja nicht mehr soweit davon entfernt, dass Mann einer Frau "aus Sittsamkeit" den Handschlag verweigert...
  • ....ich weiss nicht aber: 15.12.2017 07:46
    Highlight Highlight ....übrigends: Die Puritanier im Mittelalter hatten Schottenröckchen an, was hatten die wohl darunter? Ein Griff....:-)
  • Gasosio 15.12.2017 07:39
    Highlight Highlight So weit ist nun bereits mit diesem übertriebenen #MeToo-Hype. Traurig, dass dadurch das Zwischenmenschliche und Traditionen auf der Strecke bleiben.
    • TheBean 15.12.2017 09:31
      Highlight Highlight Hast du etwas anderes erwartet nach den (berechtigten) Sexismusvorwürfen? Wenn konstant auf Männern rumgehackt wird, muss man damit rechnen, dass diese ihr Verhalten so anpassen, dass sich keine Angriffsfläche mehr bietet.
    • Gubbe 15.12.2017 10:31
      Highlight Highlight Also die Küsserei ist keine Tradition. Diese Bakterienübertragung wurde durch die "Bussigesellschaft" initiiert. Vor 20 Jahren war das Abknutschen noch nicht alltäglich. Selbst bin ich dieser "Tradition" nie gefolgt. Wieso sollte ich mir kaum Nahestehende küssen?

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