Schweiz

Gespräche mit Tarifpartnern: Bundesrat Berset macht sich Gedanken im Streit um die Ärztetarife.
Bild: KEYSTONE

Neues Kapitel im Ärztetarif-Streit: Innenminister Berset gewährt Nachfrist für Tarmed-Einigung

19.06.16, 03:44 19.06.16, 04:05

Bis Ende Juni sollen Ärzte, Spitäler und Krankenkassen eine neue Version des Ärztetarifs Tarmed vorlegen. Nach dem Scheitern eines Einigungsvorschlags will Bundesrat Alain Berset eine Nachfrist gewähren, macht sich aber schon Gedanken, wo er die Preise senken könnte.

Während die Nachfrist laufe, wolle er mit den Tarifpartnern Gespräche führen, sagte Gesundheitsminister Berset im Interview mit «SonntagsZeitung» und «Le Matin Dimanche». «So könnten sie sich noch auf eine Tarifstruktur einigen oder zumindest zu überteuerten Leistungen Änderungen einreichen». Wie lange die Nachfrist dauert, will Berset nicht sagen.

«Es wird schwierig»

Es hatte ein Tarmed-Vorschlag vorgelegen, doch lehnten die Mitglieder der Ärzteverbindung FMH diesen in der vergangenen Woche ab. Die Ärzte lehnen die Kostenneutralität ab, die der Bundesrat verlangt. Berset macht sich deshalb «keine Illusionen», dass es doch noch zu einer Einigung kommt: «Die Tarmed-Revision läuft seit fünf Jahren; es wird schwierig.»

Der Bundesrat sei daher «bereit» selbst aktiv zu werden: «Wir prüfen schon während der Nachfrist, wo wir zu teure Leistungen mit einer Verordnung anpassen können, falls sich die Tarifpartner nicht einigen.» Als Beispiel nennt er Operationen, die heute nur noch einen Bruchteil der Zeit dauerten wie früher - aber immer noch nach altem Tarif abgerechnet würden, etwa beim Grauen Star.

Einen eigenen Tarmed-Vorschlag will der Krankenkassenverband santésuisse einreichen, der sich nicht an der Revision beteiligt hatte. Der Vorschlag setzt auf Pauschalen. Solche Überlegungen findet Berset «interessant». Es sei aber «unrealistisch, generell für alle Leistungen Pauschalen einzuführen». (kad/sda)

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
2
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
2Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • _kokolorix 19.06.2016 07:40
    Highlight Es ist ja schon unglaublich, was unsere bürgerlichen Politiker, die sich bei jeder Gelegenheit über die linke Regulierungswut beschweren da verbrochen haben. Dieses ganze Tarifwesen kann doch unmöglich funktionieren. 5 Jahre Verhandlungen! Da hat sich die Ausgangslage ja mind. vier mal verändert!
    Entweder wir zahlen die Löhne der Ärzte und Pflegenden gleich direkt mit Steuergeldern, oder es läuft wie sonst auch: Ärzte und Spitäler sollen Offerten machen, oder den Preis selbst bestimmen. Das ganze Tarifgemauschel sorgt doch nur für weiterhin fette Gewinne der Ärzte und hohe Kosten für uns
    5 2 Melden
    • DonPedro 19.06.2016 13:44
      Highlight Wenn es nur so einfach wäre!
      Noch gilt nach KVG die Vertragsautonomie. Die Vesicherer und die Leistungserbringer sollen sich in mühsamen Verhandlungen auf einen gemeinsamen Tarif (Struktur) einigen. Erst wenn das nicht gelingt hat der BR seit kurzem die Kompetenz einen Tarif zu verordnen!
      Eine Fristerstreckung gibt den Parteien die Chance, doch noch eine einvernehmliche Lösung anstelle eines staatlichen Tarifs zu finden.



      0 0 Melden

#MeToo: Behinderte gingen vergessen – dabei sind sie viel öfter Opfer von sexueller Gewalt

#MeToo – mit dem Hashtag machten Frauen auf sexuelle Gewalt aufmerksam – und die ganze Welt sprach davon. Nur von Frauen mit Behinderung war nie die Rede. Dabei sind sie von sexuellen Übergriffen besonders häufig betroffen. 

Der Fall sorgte landesweit für Ent­setzen: Ein Berner Sozialtherapeut zog fast 30 Jahre lang von Heim zu Heim und missbrauchte über 100 Menschen, die fast alle geistig oder körperlich schwer behindert waren. Der Mann habe sich für seine Taten gezielt Behinderte ausgesucht, die nicht sprechen konnten, teilten die Strafverfolgungsbehörden des Kantons Bern damals im Jahr 2011 mit. 

Es handelte sich um einen Extremfall. Doch sexuelle Übergriffe auf Menschen mit einer körperlichen oder …

Artikel lesen