Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und die Werbung von watson und Werbepartnern zu personalisieren. Weitere Infos: Datenschutzerklärung.

Ignazio Cassis, Isabelle Moret und Pierre Maudet beim Roadshow-Auftritt am Montag in Zug. Bild: KEYSTONE

Cassis, Moret und Maudet on the Road: Das Bundesrats-Trio im watson-Check

Die FDP-Bundesratskandidaten Ignazio Cassis, Pierre Maudet und Isabelle Moret touren durch die Schweiz. Beim Auftritt in Basel hinterliessen sie einen durchzogenen Eindruck. Einer enttäuschte besonders.

25.08.17, 06:10 25.08.17, 15:28

Im US-Wahlkampf sind die Fernsehdebatten ein besonderes Highlight. Die Kandidaten schenken sich in der Regel nichts. Ein ähnliches Format führt die FDP Schweiz mit ihren Bewerbern für die Nachfolge von Bundesrat Didier Burkhalter durch. Der Tessiner Nationalrat Ignazio Cassis, die Waadtländer Nationalrätin Isabelle Moret und der Genfer Staatsrat Pierre Maudet touren diese Woche im Rahmen einer Roadshow durch drei Schweizer Städte.

Am Mittwoch machte der «Wanderzirkus» Halt in Basel. Die Intensität einer US-Debatte erreichte das vom Basler FDP-Regierungsrat Baschi Dürr moderierte Podium aber zu keiner Zeit. Das mag daran liegen, dass ein Bundesrat nicht vom Volk, sondern von der Bundesversammlung gewählt wird. Und man in der Schweiz eher den Kompromiss als die Konfrontation pflegt.

Ein wichtiger Grund war auch die drückende Hitze im Saal, die ein lebhaftes Gespräch erschwerte. Aufschlussreich war der Auftritt des Kandidaten-Trios jedoch allemal. So haben sich die drei geschlagen:

Ignazio Cassis

Cassis hat gut lachen, er ist mehr denn je der Favorit. Bild: KEYSTONE/TI-PRESS

Auftritt: Mit seinem Tessin-Pin am Revers sorgt er für einen Farbtupfer im dunklen Business-Einheitslook des Trios. Seinen Auftritt absolviert Cassis mit der Souveränität eines Mannes, der sich seiner Favoritenrolle bewusst ist. Und der kein spezielles Lobbying braucht, weil er als FDP-Fraktionschef in Bundesbern bestens vernetzt ist. Er kokettiert mit seiner Rolle als Quereinsteiger («Ich war jung, aber nicht freisinnig») und bemüht sich in erster Linie, präsidial zu wirken.

Sprache: Für einen Südländer ist die Körpersprache von Ignazio Cassis zurückhaltend. Seine Positionen bringt er auf Deutsch gut herüber. Er formuliert die präzisesten Sätze und erntet als Einziger wenigstens ab und zu einen Lacher («Der Bundesrat berät, er regiert nicht»).

Vision für die Schweiz: Die Schweiz in 20 Jahren soll Wohlstand bieten, frei, sicher und international vernetzt sein.

Bester Spruch:

«Wie schaffen Sie es, Amerika via Twitter zu führen?»

Cassis auf die Zuschauerfrage, worüber er sich mit Donald Trump unterhalten würde

Kurzinterview mit Ignazio Cassis:

Pierre Maudet

Pierre Maudet ist ein politischer Senkrechtstarter. Bild: KEYSTONE

Auftritt: Mit 39 Jahren verfügt er bereits über zehn Jahre Exekutiverfahrung, was der Genfer gebührend hervorhebt. Seinen Bekanntheitsgrad versucht Maudet aufzupolieren, indem er seit Tagen Kontakte mit Parlamentariern und Journalisten pflegt. Sein Auftritt in Basel aber bleibt hinter den Erwartungen zurück. Pierre Maudet argumentiert unverbindlich und lässt sich nur einmal auf die Äste hinaus, als er sich als Befürworter der von der FDP vehement bekämpften Altersvorsorge 2020 outet. Um anzufügen, dies entspreche der Position der Genfer Kantonsregierung.

Sprache: Von den drei Bewerbern beherrscht Pierre Maudet die deutsche Sprache am besten. Er hat sie unter anderem bei einem Aufenthalt in Basel gelernt. Insgesamt aber ist er auf dem Podium zu defensiv, auch in der Körpersprache. Als Aussenseiter müsste er angriffiger agieren. Im persönlichen Gespräch kommt der Genfer Sicherheitsdirektor deutlich besser an.

Vision für die Schweiz: Eigenverantwortung, Souveränität mit Partnerschaft, Prosperität dank guten Rahmenbedingungen.

Bester Spruch:

«Ich habe nicht verstanden, wer im Bundesrat für die Europapolitik verantwortlich ist.»

Maudets Aussage kann als Seitenhieb an den abtretenden Didier Burkhalter interpretiert werden

Kurzinterview mit Pierre Maudet:

Isabelle Moret

Isabelle Moret will nicht nur dank Frauenbonus gewählt werden. Bild: KEYSTONE

Auftritt: Neben den Alpha-Männchen hat es die einzige Frau nicht leicht. Umso mehr, als die Waadtländerin keinesfalls auf den Frauenbonus festgenagelt werden will. Moret verweist auf ihre Erfahrung und ihren Leistungsausweis als Nationalrätin, auch um die Kritik an ihrer angeblich schwachen Performance zu kontern. In den letzten Tagen ist Isabelle Moret verstärkt unter Druck geraten, auch wegen ihrer dünnhäutigen Reaktion auf kritische Fragen.

Sprache: Zu Beginn ist Moret sichtlich nervös, sie gestikuliert heftiger als ihre Mitbewerber. Die deutsche Sprache fällt ihr schwerer als den beiden Männern. Mit der Zeit legt sich ihre Anspannung, sie wirkt souveräner, was in der Basler Sauna durchaus beachtlich ist.

Vision für die Schweiz: «Wir sind stolz auf unser Land, die direkte Demokratie und unsere Vielsprachigkeit. Darüber hinaus müssen wir für die Zukunft bauen, durch Offenheit. Ich bin klar gegen einen EU-Beitritt, aber die Schweiz liegt mitten in Europa

Bester Spruch:

«Der Bundesrat muss führen. Es ist nicht normal, dass das Parlament die ganze Arbeit gemacht hat.»

Moret zur Umsetzung der Masseneinwanderungs-Initiative

Kurzinterview mit Isabelle Moret:

Fazit

Wenn es in Basel einen Sieger gab, dann war es Ignazio Cassis. Der Tessiner hat mit einem staatsmännischen Auftritt seine Favoritenrolle weiter gestärkt. Pierre Maudet besitzt das Format für den Bundesrat. Gemessen an den Vorschusslorbeeren, die er erhalten hat, enttäuschte er jedoch. Isabelle Moret fiel weder positiv noch negativ auf. Das dürfte für den Bundesrat zu wenig sein.

Bundesratswahl

Die FDP-Roadshow gastiert am Freitag im Hôpital des Bourgeois in Fribourg. Eine Woche später wird die Bundeshausfraktion entscheiden, ob sie ein Zweier- oder ein Dreierticket nominiert. Die eigentliche Wahl dürfte am 20. September stattfinden. Noch ist dieses Datum nicht fix.

Die sieben bisherigen Tessiner Bundesräte

Vom Putin-Besuch bis zum Atomabkommen: Burkhalter in Review

Video: srf/SDA SRF

Bundesratswahlen 2017

Aussendepartement in SP-Hand? Leuthards «Verzicht» macht es wahrscheinlich

Quotenstreit um Bundesrat: «Es gibt mehr Frauen als Tessiner in der Bevölkerung»

Dieses Flussdiagramm zeigt, weshalb Filippo Lombardi nie Bundesrat wird

Der «Kranken-Cassis» und Morets «problematische» Rüstungs-Lobby

Cassis, Moret und Maudet on the Road: Das Bundesrats-Trio im watson-Check

Der neue Burgunder-Krieg: Zwei Berner und zwei Waadtländer im Bundesrat?

«It's the biography, stupid!» – Die Doppelbürger-Diskussion um Cassis & Co. ist lächerlich

«Herr Cassis, warum ist ein Tessiner im Bundesrat wichtiger als eine zusätzliche Frau?»

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Griffin 25.08.2017 14:09
    Highlight Etwas entäuschend wieviel Zeit der Watson-Check auf Oberflächlichkeiten verschwendete, ich erwartete vielmehr ein politisches Profil der Bundesratsanwärter*innen.

    Mit der Wiedergabe von SVP-Propaganda ("fremde Richter") hat sich nun auch Moret, als letzte der drei vorgestellten Kandidat*innen, als unwählbar herausgestellt.

    Danke dafür!

    Hätte mir trotzdem einen anderen Fokus gewünscht.
    8 9 Melden

«Man hält uns nicht mehr für Spinner»: Mitgliederboom bei Tierrechtlern

Im Juni lanciert der Thinktank «Sentience Politics» eine Volksinitiative, die die Massentierhaltung in der Schweiz abschaffen will. Der Verein und ähnliche Tierrechtsorganisationen verzeichnen einen stetigen Anstieg von Sympathisanten.

In der Schweiz soll es bald keine Pouletflügeli zu Billigpreisen mehr geben. Dafür will die Denkfabrik «Sentience Politics» sorgen. Sie wird ihre Volksinitiative «Keine Massentierhaltung in der Schweiz» Anfang Juni lancieren, wie Co-Präsidentin Meret Schneider gegenüber watson bekanntgibt. 

Sentience Politics versteht sich als Teil der antispeziesistischen Bewegung. Antispeziesisten verurteilen die Überlegenheit der Menschen gegenüber der Tierwelt. 

Sentience Politics und …

Artikel lesen