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Retter von Rechts: Pfister droht die CVP zu spalten

Gerhard Pfister gilt als rechtester Parlamentarier der CVP-Fraktion mit Wurzeln im katholischen Milieu. Seine Ambitionen haben den sozialliberalen Teil der Partei aufgeschreckt.

06.01.16, 22:33 07.01.16, 08:35

Sven Altermatt / Aargauer Zeitung

Das hat Gerhard Pfister doch noch sauber hinbekommen. Schon seit Monaten wurde darüber spekuliert, ob der Zuger CVP-Nationalrat der neue Präsident seiner Partei werden will. Immer wieder wurde sein Name genannt. Doch Pfister hat fast alle genarrt. Zuerst liess er im vergangenen März ausrichten, dass er eine Kandidatur ausschliesse. Er kenne seine Grenzen und Fähigkeiten, sagte er dem «Tages-Anzeiger». Dann kursierte sein Name im Spätherbst erneut, Pfister schwieg vieldeutig und das Rätselraten begann wieder.

Jetzt also doch. An der Dreikönigskonferenz der Zuger Kantonalpartei gab Pfister gestern seine Kandidatur bekannt. Die Schweiz könne nur dann erfolgreich bleiben, wenn es auch eine starke christdemokratische Partei gebe, sagte er vor den Medien. Die CVP versteht der 53-Jährige als Partei, die sich den abendländischen Werten verschreibt und diese hochhält.

Traditionell geprägt

Dass es ihm ernst ist mit seiner Kandidatur, machte Pfister mit einem Versprechen deutlich: Beruflich habe er sich so ausgerichtet, dass seine «Präsenz vor Ort» nicht mehr nötig sei. Und einige Mandate wolle er im Falle seiner Wahl abgeben. Pfister ist Lehrer für Deutsch und Philosophie, bis 2012 führte er eine eigene Privatschule.

Bis 2008 stand er während zehn Jahren an der Spitze der Zuger CVP. In dieser Zeit habe er der Kantonalpartei aus ihrer Krise geholfen, sagte der amtierende Parteichef Martin Pfister. Und Gerhard Pfister selbst betonte: «Dank einer klareren Positionierung kann die Partei wieder Wahlerfolge feiern.» Diesen Erfolg möchte er mit der Mutterpartei wiederholen.

Der rechteste CVP-ler: Pfister.
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Tatsächlich wird es nicht einfach sein, die Partei aus ihrem Tief zu führen. Die Christdemokraten schwächeln seit Jahren, Wahlsiege sind spärlich geworden. Auch dem abtretenden Präsidenten Christophe Darbellay ist es nicht gelungen, dies zu ändern. Das weiss auch Gerhard Pfister. Die Trendwende sei äusserst anspruchsvoll, sagte er. «Das wird nicht eine Sache von Monaten, sondern von Jahren.» 

Steigen auch Candinas und Bischof ins Rennen?

Noch ist unklar, ob sich neben Gerhard Pfister weitere Politiker für das CVP-Präsidium bewerben. Als heisser Anwärter gilt der Bündner Nationalrat Martin Candinas. Auf Anfrage sagt der 35-Jährige, er habe sich noch nicht entschieden. Seinen Entscheid werde er aber «spätestens Ende Januar» fällen, zumal er dazu ja ohnehin noch bis Mitte Februar Zeit habe. Als möglicher Kandidat gilt auch der Solothurner Ständerat Pirmin Bischof. Der 56-Jährige will ebenfalls erst in wenigen Tagen über eine mögliche Kandidatur orientieren; er weilt derzeit in den Ferien. In Parteikreisen gilt es jedoch als wahrscheinlicher, dass sich Bischof für den Bundesratssitz bewirbt, der noch in dieser Legislatur frei werden könnte, falls Doris Leuthard vorzeitig zurücktritt. (dbü/sva)

Nach den Wahlen agiert die CVP kaum mehr als Mehrheitsbeschafferin im Parlament, ihre Rolle als «Zünglein an der Waage» hat sie verloren. Allzu schlimm ist dieser Verlust in den Augen von Pfister aber nicht: «Es braucht keine Neupositionierung der Partei.» Vielmehr müsse die CVP genau erklären, wohin sie wolle.

Und genau das ist es, was manche Christdemokraten nervös werden lässt. Was meint Pfister, wenn er mehr Eigenständigkeit fordert? Wird eine Mitte-Allianz so unmöglich? Will er die Partei auf einen rechtskonservativen Kurs führen?

Schliesslich gilt Pfister als rechtester Parlamentarier der CVP-Fraktion. Der Zuger ist ein Vertreter der traditionell geprägten Christdemokratie, tief verwurzelt im katholischen Milieu. Mit Abtreibungen kann er nichts anfangen, er ist ein Freund von Privatisierungen und stimmt bei jeder sechsten Abstimmung anders als seine Partei. Die Energiewende, vorangetrieben von CVP-Bundesrätin Doris Leuthard, ist für ihn eher heisse Luft.

«Pfister würde CVP spalten»

Pfisters Vorpreschen hat den sozialliberalen Parteiflügel aufgeschreckt. Öffentlich mag sich derzeit kaum jemand gegen ihn stellen. Die Zürcher Nationalrätin Kathy Riklin etwa bezeichnet Pfister knapp als «sehr guten Moderator» und sagt diplomatisch: «Niemand steht Schlange für das Präsidium, jede Kandidatur ist gut.»

Als dezidierter Gegner einer Präsidentschaft Pfister outete sich bislang erst der Walliser Nationalrat Yannick Buttet. Gegenüber der «Nordwestschweiz» sprach er von einer Stilwahl. Selbst als Politiker, der eher rechts stehe und mit Pfister viele Haltungen teile, müsse er warnen: «Präsident Pfister würde die CVP spalten.» (aargauerzeitung.ch)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 07.01.2016 22:06
    Highlight als konservativer katholisch tief verwurzelter christdemokrat (was immer das heissen mag)und offenbar in gewissen punkten mit mittelalterlichen vorstellungen,sehe ich durchaus eine gewisse verwandschaft mit dem menschenrechtler und pfarrerssohn ch.blocher.hoffe,natürlich es handelt sich um eine täuschung meinerseits.
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  • Dewar 07.01.2016 09:55
    Highlight Pfister hat sicher Führungskompetenzen und ist ein schlauer Kopf, aber einer der am Rand der Partei politisiert kann die breite Mitte wohl nur schwer unter sich vereinen.
    Die CVP braucht eine klarere Position, aber diese wird sie nicht im rechten Milieu finden, denn das Land hat bereits eine profilierte Wirtschaftspartei und eine starke Rechtskonservative mit etabliertem Wählerstamm. Will sie erfolgreich sein, muss sie die gemässigten Mitte-Wähler hinter sich bringen, die weder speziell links noch grün noch liberal noch rechtskonservativ sind. Mit Pfister an der Spitze wohl kaum machbar.
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    • Dewar 07.01.2016 10:13
      Highlight Ergänzung: In vielen Fragen wird das C im Parteinamen nicht mehr allzu ernst genommen, und ich sehe nicht ein, wieso man in anderen Fragen nicht auch mit der Zeit gehen kann.
      Der CVP-Anhänger von heute wählt die Partei wohl v.a. aus traditionellen Gründen (siehe Wallis), ist eher älter und katholisch. Heisst: Die Wählerschaft stirbt der CVP langsam weg. Die jüngeren homophoben, abtreibungsfeindlichen und anti-islamischen Wähler sind längst zur SVP abgesprungen. Dies wäre auch eine Chance für die CVP, sich neu zu erfinden und zu entstauben. Tut sie dies nicht, wird sie wohl weiter verlieren.
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  • GreenBerlin 07.01.2016 05:42
    Highlight Bin politisch zwar eher im liberalen, agnostischen Flügel angesiedelt, schätze Herrn Pfister aber trotzdem als kompetenten, authentischen NR und attestiere ihm Führungsqualitäten.
    Traue ihm durchaus zu, ein Absacken der CVP auf unter 10% Wähleranteil verhindern zu können. Kurz- und mittelfristig signifikant an Wähleranteilen zu gewinnen halte ich aktuell jedoch für nahezu unmöglich. Dafür zehren Darbellays angerichtetes "Mini-Desaster" und die Grosswetterlage der Politik zu sehr an der Substanz dieser Partei.
    Eine Kandidatur von Pirmin Bischoff würde eine gute Alternative/Auswahl darstellen.
    6 6 Melden
  • Schwanzus Longus 07.01.2016 03:09
    Highlight Ein kleiner Rechtsrutsch der CVP durch Pfister als Präsi könnte der Partei mehr Stimmen verschaffen. Ausserdem ist Pfister ein Erfahrener Mann.
    7 16 Melden
  • Sandokan 06.01.2016 23:25
    Highlight Fürde es noch gut finden wenn die protestantistische/kalvinistische SVP und die katholische CVP sich beginnen zu zerfleischen, würde sicher noch interessant werden ..go for it..!!
    11 13 Melden
  • peeti 06.01.2016 23:23
    Highlight Immerhin gäbe das der CVP endlich mal etwas Profil. Und Dank dem Kurs von Müller bzw. wohl bald Wasserfallen junior gäbe es links der FDP auch neue Wählersegmente zu holen. Juhu, alles geht nach rechts - schöne neue Welt.
    Die CVP soll mir bei eine Wahl Pfisters aber ja nicht mit "Mir sind dänn dFamiliäpartei" kommen. Dieser Zug wäre dann def. abgefahren...
    23 4 Melden
  • Semper 06.01.2016 22:56
    Highlight Ist gegen die Energiewende?! Dieser Typ gefällt mir...
    8 29 Melden

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