Schweiz
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Nationalrat Yannick Buttet, CVP-VS, links, spricht mit Ratskollege Thomas Egger, CVP-VS, an der Wintersession der Eidgenoessischen Raete, am Donnerstag, 30. November 2017, in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Nationalrat Yannick Buttet (CVP/VS) ist schockiert über das Bild, das von ihm gezeichnet wurde. Bild: KEYSTONE

«Ich bin kein Stalker» – CVP-Nationalrat Buttet bricht sein Schweigen 

CVP-Nationalrat Yannick Buttet geht in die Offensive. Er sagt, er habe sich mit seiner Familie versöhnt – doch der Druck auf ihm bleibt hoch. Die Parteien befürchten weitere Fälle von Sexismus. In Bundesbern geht man davon aus, dass das politische Überleben für Buttet nicht einfach wird.

Othmar von Matt / Schweiz am Wochenende



Noch am Donnerstag hatte CVP-Nationalrat Yannick Buttet den Eindruck, jedes Wort, das er verlauten lasse, könnte gegen ihn verwendet werden. Zwar sass er am Morgen im Nationalratssaal. Aber er schwieg.

Am Nachmittag fuhr er nach Zürich – zu Andreas Meili. Buttet ist zwar selbst Anwalt. Doch in der Situation, in der er sich wegen Ermittlungen im Zusammenhang mit Belästigung befindet, braucht er Hilfe. Meili gilt als Mann für schwierige Fälle. Er vertrat Geri Müller, Ex-Stadtammann von Baden, in der Nacktselfie-Affäre. Meili half auch dem Professorenpaar Philipp Sarasin und Svenja Goltermann gegen die «Weltwoche».

Geri Mueller, links, spricht neben seinem Anwalt Andreas Meili anlaesslich einer Medienkonferenz am Dienstag, 19. August 2014, in Zuerich. Die Badener Stadtregierung hatte am Sonntagabend entschieden, dass der wegen Nackt-Selfies in die Schlagzeilen geratene Gruenen-Politiker seine Fuehrungs- und Repraesentativaufgaben als Stadtammann von Baden vorlaeufig abgeben muss. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Wie einst Geri Müller (links) holt sich auch Buttet Hilfe bei Andreas Meili (rechts). Bild: KEYSTONE

Vor allem aber stand der Medienanwalt Ex-CVP-Präsident Christophe Darbellay zur Seite, als dieser vom «SonntagsBlick» mit Fakten konfrontiert wurde, die er hatte verschweigen wollen: dass er nach einem Seitensprung Vater eines ausserehelichen Babys wurde. Darbellays gute Erfahrungen mit Meili mussten Buttet bewogen haben, ebenfalls auf ihn zu setzen.

Buttet gilt als enger politischer Wegbegleiter von Darbellay. Als Gerhard Pfister im April 2016 CVP-Präsident wurde, liess sich Buttet zum Vize wählen. Mit Pfister als Präsidenten gebe es «ein Risiko, dass die Partei sich stärker nach Zürich ausrichtet und sich der SVP annähert», sagte er «Le Matin Dimanche». Insider vermuten, dass es Darbellay persönlich war, der Buttet zu diesem Schritt motiviert hatte.

«Ich habe mich mit meiner Frau und der Familie versöhnt»

Yannick Buttet

Meili riet Buttet offensichtlich dazu, seine Strategie des Schweigens ein Stück weit aufzugeben. Nach der «Blick»-Schlagzeile «CVP-Heuchler will nicht abtreten» schien eine kontrollierte Offensive zwingend. So segnete Meili gestern Zitate ab, die Buttet gegenüber der «Schweiz am Wochenende» gemacht hatte. «Ich habe mich mit meiner Frau und der Familie versöhnt», sagte er. «Und ich setze nun alles daran, dass die Familie intakt bleibt.» Buttet betont, dies dürfe nicht als Indiz für einen Rücktritt gewertet werden. Einen solchen fasse er nur ins Auge, wenn er verurteilt werden sollte.

Gestern Abend äusserte er sich auch im Westschweizer Radio RTS. Er sei schockiert über das Bild, das Medien und Parlamentarierinnen von ihm gezeichnet hätten. Man wolle sein Leben zerstören. «Ich bin kein Stalker.» Man vergleiche ihn mit dem US-amerikanischen Filmproduzenten Harvey Weinstein. «Das tut mir und meiner Familie weh», sagte er. Er aber sei unter Alkoholeinfluss einfach «ein wenig derb» geworden.

50 SMS pro Tag

«Le Temps» hatte am Donnerstag publik gemacht, dass Buttet eine ehemalige Geliebte vor ihrem Wohnhaus in Siders gestalkt hatte und von der Polizei dabei gestellt worden war. Er soll die Frau, mit der er knapp 18 Monate lang ein aussereheliches Verhältnis hatte, zeitweise mit bis zu 50 SMS pro Tag belästigt haben. Sie reichte Strafanzeige ein.

Buttet soll auch im Parlament auffällig geworden sein. Mehrere Politikerinnen und Journalisten berichteten in «Le Temps» von unangemessenen Handlungen und «unkontrolliertem sexuellem Drang». Wenn er trinke, verändere sich seine Persönlichkeit.

In Bundesbern sind die Zweifel gross, ob der Walliser CVP-Nationalrat diese Geschichte übersteht. «Buttet hat ein Problem», sagte gestern Bundespräsidentin Doris Leuthard, ebenfalls CVP, gegenüber RTS. «Das ist inakzeptabel für einen Politiker.»

Das Ratsbüro hat schnell reagiert

Die Parteien sind alarmiert. Sie befürchten weitere Fälle. In der SP-Fraktion wurden schon vor Monaten Checks zu möglichen Problemen sexueller Belästigung durchgeführt – im Zuge der Belästigungsaffäre im französischen Parlament. Nach dem Fall Buttet kam es zu weiteren Checks.

Nachdem SVP-Vizepräsidentin Céline Amaudruz ebenfalls von sexueller Belästigung sprach, setzt sich auch Fraktionschef Thomas Aeschi mit der Situation auseinander: «Die SVP hat keine Kenntnis von sexueller Belästigung oder von Stalking durch eigene National- oder Ständeräte», sagt er. «Wir erwarten, dass sich belästigte Personen umgehend und eigenverantwortlich an die Strafverfolgungsbehörden wenden.»

SP-Nationalraetin Yvonne Feri nach der verlorenen Wahl in den Aargauer Regierungsrat, am Sonntag, 23. Oktober 2016, in Aarau. (KEYSTONE/Walter Bieri)

Auch Yvonne Feri, Nationalrätin (SP/AG), wird aktiv. Bild: KEYSTONE

Schnell reagiert hat das Ratsbüro des Parlaments. Es prüft Massnahmen zur Prävention von sexueller Belästigung. «Eine Melde- und Anlaufstelle könnte infrage kommen», sagt Marina Carobbio, Vizepräsidentin des Nationalrats. «Dafür sind verschiedene Optionen denkbar. Wir werden wohl noch in dieser Session einen Entscheid fällen.» Aktiv wird auch SP-Nationalrätin Yvonne Feri. Sie schlägt eine Charta vor, «in der alle Mitglieder des Parlaments eine Art Verhaltenskodex unterschreiben», wie sie sagt.

«Die Charta sollte das respektvolle Verhalten im Ratssaal umfassen, wie auch den respektvollen Umgang miteinander. Der Kodex sollte auch explizit Verletzungen der persönlichen Integrität verurteilen.» Eine Anlaufstelle für Betroffene wäre auch für Feri «sicher sinnvoll». Feri weist auch auf das US-Repräsentantenhaus hin, das für alle Abgeordneten ein Anti-Sexismus-Training beschlossen hat. «Das ist eine spannende Idee», sagt sie. «Sollte etwa Alliance F diese Idee lancieren, werde ich sie unterstützen.»

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    Alle Leser-Kommentare
  • Urs Wohler 04.12.2017 11:31
    Highlight Highlight Das hat nun aber lange gedauert, Herr Buttet. Ich empfehle Ihnen, ganz schnell von Ihren öffentlichen Ämtern zurückzutreten, denn so einen Volksvertreter möchte ich nicht, verstehen Sie? - Da braucht es auch keine teuren Berater.
  • Erklärungsbedarf your limits 02.12.2017 18:36
    Highlight Highlight Schade, dass auch in diesem Artikel Buttet de facto wieder nicht zu Wort kommt und dass das wieder keinen stört.
    -> Es ist schäbig, ihn auf dieser Basis (ohne ihn anzuhören) zu verurteilen
    -> Ebenfalls ist es schäbig, ihm sein durch eine gröbere Lebenskrise ausgelöstes (Fehl-)Verhalten 1:1 gegen sein normales Leben und - noch schäbiger - gegen die CVP aufzurechnen.

    (Ich verteidige keineswegs sein handeln, aber sein Recht auf Gehör und sein Recht auf ein gewisses Verständnis).
    • Brunhilde 03.12.2017 11:11
      Highlight Highlight Er kann sich ja äussern. Aber er wollte lange nicht.
    • Urs Wohler 04.12.2017 11:34
      Highlight Highlight Ach. Mitleid? Als Nationalrat sollte man sein Tun abschätzen können, ansonsten ist er eh im falschen Film.
  • Brunhilde 02.12.2017 17:58
    Highlight Highlight Auch Rechtsanwalt Meili hat Geri Müller übrigens nicht vom politischen Absturz retten können. Das wird auch NR Buttet blühen. Zumal Wasser predigen und Wein trinken halt nicht zusammen gehen. Gerade wenn die CVP eine Wertediskussion führen will.
  • let,s go 02.12.2017 14:14
    Highlight Highlight Ich möchte hier an einen der übelsten Fälle von sexueller Belästigung, jüngerer Zeit, erinnern:

    An den Vorfall, Nathalie Rickli, die von "Rappern" sexuell auf unterstem Niveau brutal angegangen wurde.


    https://www.blick.ch/news/schweiz/rapper-attackieren-svp-nationalraetin-uebelster-sexismus-gegen-natalie-rickli-id7250314.html

    Ich war damals erstaunt, vieviele Watson Kommentarschreiber, den Fall als Bagatelle, oder sogar als "Kunst" abtaten.

    Bei vielen der jetzt "Entsetzen" hatte ich damals, das ungute Gefühl, das sie sich heimlich über den Vorfall noch freuten.
  • Zeit_Genosse 02.12.2017 14:03
    Highlight Highlight Es ist eine Frage der Toleranz, wenn ein scheinbarer Alker zum scheinbaren Stalker wird. Man muss jetzt das Verfahren abwarten. Und interessant wird, wie die C-Partei jetzt reagiert. Wird jetzt christliche Nächstenliebe geboten und dem scheinbar verlaufenen Schäflein geholfen oder stösst man es eigennützig aus der christlichen Herde und damit geradewegs zum Schlachter.
  • HansDampf_CH 02.12.2017 13:16
    Highlight Highlight Eine Charta... Ein Verhaltenskodex
    HALLO??? DAS SOLLTE STANDARD SEIN
  • N. Y. P. D. 02.12.2017 12:04
    Highlight Highlight Wieso wird eigentlich überall geschrieben, dass Yannick Buttet unter Alkoholeinfluss seine Persönlichkeit wechselt ?

    Er wechselt sie nicht, sondern sie kommt zum Vorschein.
  • Ökonometriker 02.12.2017 11:57
    Highlight Highlight Mir gefällt diese Amerikanisierung der Politik in der Schweiz nicht. Müller, Spiess-Häglin, Buttet, ... klar, wer sich daneben verhält, gehört bestraft. Aber dafür haben wir Gerichte - nicht die Medien.

    Ein Politiker sollte nach seinen Leistungen beurteilt werden. Politiker sollten gegenseitig die Politik diskutieren, nicht Personen. Ein Politiker sollte mit guten Projekten Einfluss gewinnen, nicht in dem er dreckige Details aus dem Privatleben seiner Gegner an den Tag fördert.
    Aber es scheint wohl ein globaler Trend zu sein, dass Politik immer mehr in den Boulevardmedien bestimmt wird...
    • pedrinho 02.12.2017 12:26
      Highlight Highlight im sinne von, er ist zwar ein nazi, aber ...oder er bewundert stalin, aber....

      Ich bin der ansicht, es ist eine aufgabe der medien, der vierten gewalt auch und erst recht die dunkle seite zu zeigen.

      Jemand der sich zur wahl stellt bzw. fuer sich in anspruch nimmt die richtung und den weg der anderen zu bestimmen muss sich auch ohne spezielle regulierung an die spielregeln halten, mit denen die gesellschaft "schurkensicher" gemacht wird.
    • doggo 02.12.2017 12:29
      Highlight Highlight In diesem Fall macht es aber teilweise Sinn, da sich Buttet (der christliche-Werte-Hardliner) mit dieser Geschichte selbst als Heuchler outet. Ich finde schon, dass das von öffentlichem Interesse ist.
    • Bruno S. 88 02.12.2017 12:50
      Highlight Highlight Völliger Unsinn! Durch seine Politik möchte er Einfluss auf unser Privatleben nehmen, also ist auch sein Privatleben relevant! Zudem ist es von öffentlichem Interesse was der Christdemokrat so unchristliches in seiner Freizeit treibt. Er steht für Werte die er auch selber gefälligst einzuhalten hat! Logisch, oder?!
    Weitere Antworten anzeigen
  • pedrinho 02.12.2017 11:25
    Highlight Highlight "Sie schlägt eine Charta vor, «in der alle Mitglieder des Parlaments eine Art Verhaltenskodex unterschreiben»"

    traurig, dass es scheinbar so was wie eine anstands-charta braucht und das bei leuten die an der spitze stehen und ein land fuehren sollten.
    • blumenstraussenfleisch 02.12.2017 11:52
      Highlight Highlight Dasselbe wollte ich auch gerade schreiben; wenn wir mittlerweile so weit sind, dass unsere gewählten (!) Volksvertreter ein "Anti-Sexismus-Training" absolvieren sollen bzw. dies nötig ist, dann weiss ich auch nicht mehr weiter...
      Vielleicht sollten wir trotzdem wieder auf die gute alte Diktatur setzen, jedoch mit einem netten Diktator, haha. (Ironie-off)
  • sherpa 02.12.2017 10:53
    Highlight Highlight Das wirkliche Problem von Buttet scheint wohl in seinem über massigen Alkoholkonsum zu liegen, Ist aber bei einigen Politikern hier zu Lande jedoch nichts außergewöhnliches. Nicht nur auf Gemeinde oder Kantonsebene wird an verschiedenen Anlässen kräftig zugelangt, auch im Bundes Bern ist dies immer wieder ein Thema. Kommen dann noch anzügliche Bemerkungen oder gar Übergriffe vor, muss man sich schon fragen, welche Kriterien für einen Wahlvorschlag durch die Partien Priorität haben, wenn es denn solche überhaupt geben sollte.
    • Saraina 02.12.2017 17:36
      Highlight Highlight Das sehe ich teilweise auch so. Alkohol auf persönliche Probleme ist Gift. Die hohe Akzeptanz, die Saufen hierzulande geniesst ist mir unverständlich. Fehlverhalten und Unfälle werden billigend in Kauf genommen, nicht nur bei Politikern. Zumindest dieser Alkoholiker wird sein Problem mittlerweile eingesehen haben und behandeln.

      Ich bin aber der Meinung, dass eine erkannte und behandelte Sucht kein Hinderungsgrund sein sollte, jemanden zu wählen. Auch besteht ein Alki nicht nur aus seiner Sucht.
  • Angelo C. 02.12.2017 10:51
    Highlight Highlight Was nützen nun die wortreichen Verrenkungen Buttets, was können die schlauen Ratschläge von spezialisierten Anwälten und Kommunikationsberatern noch bewirken, wenn man die Fakten bedenkt?

    "Ich bin kein Stalker", sagt heute Einer, der praktisch alles erfüllt hat, was stalking beinhaltet : einer Ex-Geliebten täglich 50 unerwünschte SMS zu senden, ihr besoffen nachts um 2 Uhr minutenlang Sturm zu läuten usw.usw.

    Und dass ihm seine bedauernswerte Frau innert 24 Stunden alles verziehen habe, ist wohl auch nur PR.

    Ob Müller oder Buttet: alle schwanzgesteuert und politisch verzichtbar.
    • Corahund 02.12.2017 12:51
      Highlight Highlight Kompliment, alles auf den Punkt gebracht.
      Dieser „CVP Familienmensch“ soll einfach zurücktreten, basta. Als Bürger möchte ich mich von solchen Typen politisch vertreten fühlen.
  • Gubbe 02.12.2017 10:34
    Highlight Highlight Dieser "Sexismus" artet aus. Es ist bemühend für einen Mann zu lesen, dass ein langer Blick auf eine für ihn schöne Frau, als "Starren" und sexistisches Verhalten unterstellt wird. Dieses scheinheilige Getue von Frauen, die sich "schön" machen und wenn sie angeschaut werden, zu klagen. Oft sind es Frauen, welche die Mens hinter sich haben, und vor 20 Jahren mal am Hintern angefasst wurden. Wir nähern uns so der Verhüllung. Dann erleben wir, wie europäische Männer notgeil werden (Stichwort Einwanderer), und jedem Knöchel nachlechzen. Eine Charta mit Verhaltenskodex...Wahnsinn!
    • doggo 02.12.2017 12:32
      Highlight Highlight Für dich ist die Frau also selbst Schuld, wenn sie Belästigt wird? Oder gibt es Belästigung gar nicht? Implizierst du nur, oder willst du auch tatsächlich etwas sagen? (Stichwort dummes Geschwätz)
    • Gubbe 02.12.2017 12:52
      Highlight Highlight Doggo
      Bellst du nur, oder hast du eine Meinung?
    • Fabio74 02.12.2017 14:17
      Highlight Highlight Find dieses Opfergetue von dir bisschrn sehr langweilig
    Weitere Antworten anzeigen
  • infomann 02.12.2017 10:13
    Highlight Highlight Irgendwie schon auffallend.
    Was alles in der katholischen Kirche abgeht, sexuelle Übergriffe auf Kinder, Priester die ihre Homosexualität heimlich ausleben.
    CVP in letzter Zeit die zwei Walliser Herren, vor Jahren der Herr Lombardi was der sich alles erlaubt hat.
    Bei beiden eine einzige Heuchelei?!

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