Schweiz

Er erwürgte eine Eisverkäuferin  mit einem Seil, flüchtete nach Basel und gesteht 30 Jahre später vor Gericht: «Ich bin ein Mörder»

Vor fast 30 Jahren wurde eine Italienerin in der Nähe von Karlsruhe auf grausame Art ermordet. Am Dienstag gestand nun ein mittlerweile 48-jähriger Karlsruher vor Gericht die Tat. Dieser hatte sich nach dem Mord nach Basel abgesetzt.

07.10.15, 13:57 07.10.15, 16:48

Fast 30 Jahre nach dem gewaltsamen Tod einer jungen Italienerin hat am Dienstag vor dem Landgericht Karlsruhe der Prozess gegen einen 48 Jahre alten Mann begonnen. Ihm wird vorgeworfen, die 25-Jährige am 21. Juni 1987 in einem Karlsruher Waldstück vom Fahrrad gerissen und erdrosselt zu haben.

Die Tote war einen Tag später von Spaziergängern gefunden worden: malträtiert, missbraucht und gefesselt. 18 Monate lang suchten die Ermittler nach dem Täter. Rund 600 Verdächtige überprüften sie damals. Vergeblich, er wurde nie gefunden. Nun plötzlich die Wende: Ein 48-Jähriger gestand Ende Februar auf einer Polizeiwache in Basel die Tat.

Unvergessliche Horrorbilder

Dorthin war er wenige Tage nach der Tat ausgewandert; im Fokus der Ermittler stand er nie. Nun steht er vor Gericht. Den Gerichtssaal betrat der Angeklagte zu Prozessauftakt mit einem roten Ordner, hinter dem er sein Gesicht verborgen hatte. Laut der «Aargauer Zeitung» (AZ) machte der Angeklagte, ein hagerer, unauffällig wirkender Mann mit dunklen, halblangen Haaren und Brille, ein umfangreiches Geständnis und offenbarte detailgenaues Täterwissen.

«Ich bin ein Mörder. Ich habe mich nicht mehr wiedererkannt. Ich hatte Angst vor mir selbst»

Täter Pau P.

Weshalb er nach so langer Zeit erst gestand, erklärt er damit: «Es sind immer die gleichen Bilder. Ich kriege sie nicht mehr aus dem Kopf. Sie kommen fast jede Nacht. Ich will, dass das aufhört, dass ich bestraft werde», sagte Paul P., der mehrere Jahre in Heimen untergebracht war. Den Grossteil seines Lebens verbrachte er jedoch in Basel. Nicht vergessen könne er die Szene, die der Staatsanwalt in der Anklageschrift mit «roher, gefühlloser Gesinnung» beschrieb, mit dem «Willen, einen Menschen auf grausame Weise aufgrund seines Sexualtriebs zu töten».

Stock in Hals gerammt

Der Beschuldigte gab zu, dass er die Frau, Antonella B., mit einem Seil gewürgt hatte, bis sie sich nicht mehr rührte. Er habe einen Stock genommen und ihr in den Hals getrieben. Mit einem Stein habe er ihr den Pflock immer tiefer in ihren Rachen gerammt. Er könne sich an nichts mehr erinnern – nur noch an diese eine Szene. «Ich bin ein Mörder. Ich habe mich nicht mehr wiedererkannt. Ich hatte Angst vor mir selbst», zitiert ihn die AZ.

«Sie gefiel mir, ich wollte sie haben, um jeden Preis.»

Täter Paul P.

Sie schildert den Tathergang wie folgt: Am 21. Juni 1987 sei der Mann von einem Heim in der Nähe von Karlsruhe, wo er damals lebte, in den Schlosspark gefahren. Im benachbarten Wildpark-Stadion fand ein Konzert von Tina Turner statt. Dieses habe er vom Park aus mit anhören wollen. Er habe einige Bier getrunken, als eine junge Frau ihn nach «Cavallo» fragte. «Sie sprach gebrochen Deutsch, ich wusste, dass mit Cavallo Pferde gemeint sind. Ich deutete in eine Richtung und sie fuhr mit dem Rad los.» Er sei, wie er es ausdrückte, «spitz» gewesen.

«Sie gefiel mir, ich wollte sie haben, um jeden Preis», sagte Paul P., der zum Tatzeitpunkt 20 Jahre alt war. Er sei ihr mit dem Rad gefolgt, habe zu ihr aufgeschlossen und mit der Hand an ihre Brust gefasst. Dadurch sei die junge Frau gestürzt. «Sie hat mich beschimpft und als Hurensohn bezeichnet. Da habe ich rot gesehen, habe sie gewürgt und ins Unterholz gezogen.» Antonella B. habe sich nach Kräften gewehrt, hatte aber keine Chance. Die junge Frau aus Trient in Norditalien war erst wenige Monate zuvor nach Karlsruhe gekommen, um in einer Gelateria zu arbeiten.

Zerrüttete Familienverhältnisse

Gemäss eigenen Angaben stammt Paul P. aus einer zerrütteten Familie, wo die Eltern sich früh trennten, Schläge des Stiefvaters danach an der Tagesordnung waren und auch Alkoholmissbrauch ein grosses Thema war. In der Folge schaffte er den Hauptschulabschluss nicht, auch eine Ausbildung kam nicht in Frage. In Basel schlug er sich nach der Tat mit Gelegenheitsjobs durch. Der Angeklagte arbeitete als Aushilfe auf dem Bau, als Fensterputzer, bei der Brückenreinigung und der Schlammaufbereitung.

Nach einem Unfall seien sein Rücken und die Knie «kaputt». Er habe Steuerschulden im fünfstelligen Bereich in der Schweiz. Seine Wohnung in Basel wurde wegen Vermüllung geräumt. Nun habe er «reinen Tisch» machen wollen. Nach der Haft möchte er so schnell wie möglich wieder zurück in die Schweiz, wo seine Freundin lebt. Der Prozess wird heute fortgesetzt. Ein Urteil wird für den 16. Oktober erwartet. (sda/dpa/rwy.)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Silas89 07.10.2015 23:18
    Highlight Krass, der hat eine Freundin, da er gestanden hat muss sie es wissen. Ein Körpergewicht von 150 kg wirkt sich wohl schlimmer auf die Attraktivität aus, als ein Mörder zu sein.

    Auf mich wirkt es, als sei das Geständnis eigennützig. Er hat sein Leben nicht mehr im Griff. Im Gefängnis bekommt er genug Unterstützung, um seine Zelle nicht vollzumüllen.
    0 0 Melden
  • Fango 07.10.2015 23:00
    Highlight Gemäss eigenen Angaben stammt Paul P. aus einer zerrütteten Familie, wo die Eltern sich früh trennten, Schläge des Stiefvaters danach an der Tagesordnung waren und auch Alkoholmissbrauch ein grosses Thema war.

    Jopp .. Super .. Ist meiner ähnlich .. Und weiter ?? Mord ist Mord .. Da gibt es keine Entschuldigung.. Auch nicht durch fadenscheinige Gründe .. Ich hoffe, sein leid findet kein ende, denn ihre eltern finden wohl auch keins ..
    1 0 Melden

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