Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Ankunft des im Datendiebstalprozess angeklagten ehemaligen Mitarbeiter, links,  des Nachrichtendiensts des Bundes (NDB) vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona, am Mittwoch, 23. November 2016. Ein 48-jaehriger Informatiker muss sich seit Mittwoch vor dem Bundesstrafgericht verantworten, weil er bei seinem ehemaligen Arbeitgeber, dem Nachrichtendienst des Bundes (NDB), 2012 umfangreiche Daten entwendet haben soll, um sie anschliessend zu verkaufen. Der in Italien geborene Angeklagte verschaffte sich Zugang zu Informationen, die geheimdienstliche Operationen betrafen. (KEYSTONE/Ti-Press/Samuel Golay)

Ankunft des im Datendiebstahlprozesses angeklagten ehemaligen NDB-Mitarbeiter vor dem Bundesstrafgericht in Bellinzona. bild: keystone

Weil er Daten verkaufen wollte: 5 Jahre Gefängnis für ehemaligen NDB-Mitarbeiter gefordert

23.11.16, 13:16 23.11.16, 13:37


Die Staatsanwaltschaft hat für einen 48-jährigen Informatiker, der beim Nachrichtendienst des Bundes (NDB) 2012 umfangreiche Daten entwendet haben soll, eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren beantragt. Die Verteidigung plädierte dagegen für einen Freispruch.

Im Mittelpunkt des Prozesses stand am Mittwoch der psychische Zustand des Angeklagten: Vor Gericht sagte der 48-jährige Datenbankspezialist, dass er derzeit an seinem Wohnort in Italien in psychiatrischer Behandlung sei und Medikamente nehmen müsse. Er entschuldigte zudem für sich sein früheres Verhalten.

Ein vorgeladener Gerichtspsychiater gab an, dass der Angeklagte eine Wahnstörung habe. Diese äussere sich durch Angstgefühle und Bedrohungssymptome. Die geistige Verfassung des Beschuldigten ist besonders für einen Banktermin bei der UBS im Jahr 2012 entscheidend.

Zur Abwicklung des geplanten «Daten-Deals» vereinbarte der Angeklagte laut der Staatsanwaltschaft ein Beratungsgespräch, um ein Nummernkonto zu eröffnen. Dabei erklärte er gegenüber dem Bankangestellten, dass er Einnahmen von 100'000 bis einer Million Franken erwarte, die aus dem Verkauf von sensiblen NDB-Daten stammen sollten.

Die entwendeten Daten konnten bereits nach der Meldung der Grossbank an den NDB bei einer Hausdurchsuchung vollumfänglich sichergestellt und die Weitergabe so verhindert werden. «Wir haben den GAU verhindert», sagte der Staatsanwalt des Bundes am Mittwoch.

Das Aussageverhalten des Angeklagten sei widersprüchlich – er habe es an die jeweiligen medizinischen Gutachten angepasst. Dieser pflege einen «selektiven Umgang» mit der Wahrheit.

Zurechnungsfähigkeit laut BA gegeben

«Wir haben es mit einem voll zurechnungsfähigen Täter zu tun», so der Vertreter der Bundesanwaltschaft. Er sei geplant vorgegangen und es gebe keine Anzeichen einer spontanen Aktion. Wären die Daten an die Öffentlichkeit gelangt, hätte dies einen kapitalen Vertrauensverlust für den Schweizer Nachrichtendienst bedeutet. Dies habe durch einen rechtzeitigen Zugriff verhindert werden können.

Der Datenbankspezialist des NDB stahl im Frühjahr 2012 Datenmengen von rund 507 Gigabyte – es soll sich dabei um «geheime, klassifizierte und besonders schützenswerte Daten» gehandelt haben.

Dabei gelang es ihm ausserdem, den gesamten E-Mail Verkehr des NDB für seine Zwecke abzuspeichern. Davon sei auch die Geschäftsleitung und die Direktion betroffen gewesen.

Die Bundesanwaltschaft beantragte für die Straftatbestände des politischen Nachrichtendienstes und der versuchten Verletzung des Amtsgeheimnisses eine Freiheitsstrafe von fünf Jahren. Die Strafe sei angemessen, weil der Angeklagte mit seiner Tat eine Gefahr für die Sicherheit des Schweiz darstellte und er versuchte sie zu vertuschen.

Angeklagter als Mobbingopfer ?

Die Verteidigung zeichnete dagegen ein ganz anderes Bild des Angeklagten: Beim Datendiebstahl habe es sich um «einen demonstrativen Akt» gehandelt. Der Beschuldigte habe seinen Kollegen nachweisen wollen, dass er «besser» sei und habe gleichzeitig versucht, ihr Mobbingverhalten offen zu legen.

Zum letztendlich selbstentlarvenden Bankgespräch sagte der Verteidiger, dass niemand, der vernünftig und bei klarer geistiger Gesundheit sei, drei Tage bevor er die Daten entwenden wollte, einen solchen Termin vereinbart hätte. Ein Krimineller hätte sich auch niemals mit dem richtigen Namen vorgestellt.

Es gibt laut dem Anwalt ausserdem keine Angaben, welcher ausländische Staat für einen möglichen Verkauf kontaktiert werden sollte. Ausserdem wurden auch keine Informationen über Verbindungen zu fremden Agenten gefunden. Zudem sei bei dem gesamten Vorfall eine gewisse Mitschuld des NDB gegeben – in einer gewissen Weise habe die Tat seines Mandanten dem Nachrichtendienst geholfen, sicherer zu werden.

Er beantragte deshalb einen vollumfänglichen Freispruch. Sollten die Richter auf einen Schuldspruch entscheiden, schlägt der Verteidiger eine bedingte Freiheitsstrafe von sechs Monaten vor, die für eine ambulante Massnahme in Italien genutzt werden soll. Die Verfahrenskosten sollen vom Bund übernommen werden.

Ein Urteil in dem Prozess soll am heutigen Mittwoch um 17 Uhr verkündet werden. (gin/sda)

So richtig elegante Verbrecher: Australische Mugshots aus den 1920ern

Das könnte dich auch interessieren:

Ist Trump nun ein Faschist oder nicht?

Die 7 schlimmsten Momente, die du an einer Prüfung erleben kannst

Die Grünen sind die unverbrauchten Linken

Norilsk – no fun. Das ist Russlands härteste Stadt

«In einer idealen Welt wären Solarien verboten»

Diese Nachricht lässt jede Playstation 4 sofort abstürzen – so schützt du dich

30 Millionen Facebook-Profile gehackt. User-Daten weg. So merkst du, ob du betroffen bist

Diese Inder löschen Pornos und Gräuel-Bilder aus dem Netz – und leiden dabei Höllenqualen

Warum Tabubrecher triumphieren und was die Schweiz damit zu tun hat

Swisscom erhöht Abopreise um 191%: So reagieren die Kunden auf den erzwungenen Abowechsel

Mit diesen 10 Tricks und Tipps holst du das Beste aus Spotify raus

Wir haben die Kantonsgrenzen neu gezogen – so sieht die Schweiz jetzt aus

Diese 7 Frauen hätten einen Nobelpreis verdient – nur eine könnte ihn noch bekommen

GoT-Star Natalie Dormer meint: «MeToo war absolut notwendig!»

Alpentourismus kämpft mit Gigantismus um Gäste: Kann das gut gehen?

Der Staat soll Stillpausen für berufstätige Mütter bezahlen

Wie AfD-Weidel mit falschen Schweizer Asylzahlen Hetze gegen Ausländer macht

Diese Tweets zeigen dir, was mit Menschen passiert, wenn sie zu lange keinen Sex haben 😂

Sorry, Bundesrat Berset, aber es ist Freitag und wir hatten nichts Besseres zu tun ...

«Einmal Betrüger, immer Betrüger» – 7 Leute erzählen von ihrem Beziehungsende

11 Schritte für mehr Nachhaltigkeit in deinem Alltag

präsentiert von

Du denkst, du kennst die Kommaregeln? Ha!

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

5
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • oXiVanisher 29.11.2016 17:56
    Highlight Natürlich findet dieser Prozess erst nach der NDG Abstimmung statt. Oder die Abstimmung war vor den Prozess gedrückt, je nach Sichtweise. Alles nur Zufall...
    Ich finde daran besonders tragisch, dass das anacheinend niemandem beim Bund aufgefallen ist. Hätte die UBS das nicht gemeldet, hätte es wohl nie einer bemerkt. Das macht mir echt sorgen! Der selbe Verein wird ab nächstem Sommer jeglichen Internet Verkehr der Schweizer Bürger analysieren und kann nicht verhindern dass ein Angestellter Daten abkopier. Tolle Aussichten...
    0 0 Melden
  • Soulrider 24.11.2016 13:54
    Highlight Da sollte man den ganzen Hampelmann Verein vor Gericht stellen, inklusive Bundespolizei. Dieser Käse voller Löcher stinkt von A-Z und da ist das vergehen dieses Mannes noch völlig harmlos.
    8 3 Melden
  • Spooky 23.11.2016 22:24
    Highlight "Ein vorgeladener Gerichtspsychiater gab an, dass der Angeklagte eine Wahnstörung habe."

    Ist ja schon seltsam, dass vorher niemand im NDB gemerkt hat, dass der arme Mann eine Wahnstörung hat.

    Und was ist mit dem Personalchef des Nachrichtendienstes des Bundes? Ist ihm beim Anstellungsgespräch nicht aufgefallen, dass er es mit einem Gestörten zu tun hat?

    Anscheinend nicht. Warum nicht?

    Vielleicht sollte man bei diesen Schlapphüten des Bundes ein bisschen genauer untersuchen. Würde nicht schaden.
    Vielleicht hat es noch mehr mit Wahnstörungen 😁
    4 0 Melden
  • Wandtafel 23.11.2016 14:42
    Highlight 507 Gigabyte - Nicht schlecht
    6 1 Melden
    • PatCrabs 23.11.2016 16:10
      Highlight Kommt auf die Art der Daten an ;) 507 GB Text - chapeau! 507 GB Fotos, Videos, etc. - mäh
      7 0 Melden

Gericht gibt grünes Licht für Wanderweg durch «Swiss Grand Canyon»

Im jahrelangen Kampf um einen durchgehenden Wanderweg durch die teilweise geschützte Vorderrheinschlucht haben die Befürworter einen wichtigen Sieg erzielt: Das Bündner Verwaltungsgericht wies eine Beschwerde von Umweltorganisationen gegen den Weg vollumfänglich ab.

Der erbitterte Streit dreht sich um ein knapp drei Kilometer langes Wanderwegstück entlang der Geleise der Rhätischen Bahn auf dem Gebiet der Gemeinde Trin. Es handelt sich um das letzte fehlende Teilstück für einen durchgehenden …

Artikel lesen