Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Das selbstfahrende Auto wird ohnehin alles verändern

Der Wochenkommentar von «Nordwestschweiz»-Chefredaktor Christian Dorer über den Streit um Strassenfinanzierung und Benzinpreise.

Christian Dorer / Nordwestschweiz



Des voitures circulent sur trois pistes dont la bande d'arret d'urgence, BAU, sur l' autoroute Geneve - Lausanne, A1, au niveau de la sortie Morges-Est sous les panneaux prevus a cet effet ce jeudi 23 octobre 2014 a Morges, Vaud. L'utilisation pour le trafic de la bande d'arret d'urgence sur l'A1 entre Morges (VD) et Ecublens est efficace, mais pourrait etre encore amelioree, selon une evaluation de l'EPFL. (KEYSTONE/Laurent Gillieron)

Stau auf der Autobahn: In jedem anderen industrialisierten Land wäre eine solche Hauptverkehrsader längst ausgebaut worden.
Bild: KEYSTONE

Es geht zu und her wie auf einem orientalischen Basar: National- und Ständeräte streiten derzeit darüber, wie der Strassenverkehr künftig finanziert werden soll.

Weitgehend einig sind sich die Politiker bloss darin, dass sie einen «Nationalstrassen- und Agglomerationsverkehrs-Fonds» (NAF) schaffen wollen, einen Geldtopf also, aus dem Sanierungen und Ausbauten bezahlt werden.

Streit jedoch herrscht über die Frage, woher das Geld kommen soll. 15, 6 oder 4 Rappen mehr für Diesel und Benzin?

Das sind die Werte, die bisher herumgeboten wurden. Oder soll künftig mehr Geld aus der bisherigen Mineralölsteuer in den Strassenverkehr fliessen statt in die allgemeine Bundeskasse? Heute ist es halb-halb.

Oder sollen gar sämtliche Einnahmen aus dieser Steuer dem Strassenverkehr zugute kommen? Dies verlangt die «Milchkuh-Initiative», die am 5. Juni zur Abstimmung kommt.

Das Positive an der Diskussion ist die Erkenntnis, dass auch die Strasse ausgebaut werden muss.

Der Verkehr hat sich seit 1990 verdoppelt, ohne dass das Netz substanziell erweitert worden wäre; vielerorts herrscht zudem dringender Sanierungsbedarf.

Die Linke sagt gern: «Wer Strassen baut, wird Verkehr ernten.» Man könnte entgegnen: «Wer keine Strassen baut, wird Stau ernten.»

Jedenfalls mutet der aktuelle Streit um Kassen, Rappen und Milliarden eigenartig an. Das bürgerlich dominierte Parlament könnte sich auch fragen, warum es den Ausbau und Erhalt der Infrastruktur über Jahrzehnte verschlafen hat.

Dass der Verkehr stark zunehmen würde, war absehbar. Unter Stau leiden alle: die Wirtschaft, die Umwelt und vor allem die Menschen, die so ihre Zeit vergeuden.

In jedem anderen industrialisierten Land wäre eine Hauptverkehrsader wie die A1 längst auf mindestens sechs Spuren ausgebaut und eine Stadt wie Basel durch eine durchgehend achtspurige Tangente entlastet worden.

Die Verkehrsprobleme haben sich nun sogar auf die Bewertung der Schweiz im neusten «Global Innovation Index» (GII) niedergeschlagen: Unser Land steht international an der Spitze – bloss bei der Infrastruktur sind wir nicht unter den Top-10.

In alten Denkmustern verhaftet

Das Negative an den Diskussionen ist die Tatsache, dass sie sich im alten Denkmuster bewegt und die Veränderungen nicht berücksichtigt, die anstehen.

Und die kann man gar nicht hoch genug einschätzen. Audi-Chef Rupert Stalder sagte kürzlich am Automobil-Salon in Genf über seine Branche: «Das selbstfahrende Auto ist der grösste Umbruch des Jahrhunderts und vergleichbar nur mit dem Zeitpunkt, als die Pferdekutschen in den Städten von den ersten Fahrzeugen mit Verbrennungsmotor verdrängt wurden.»

In der Tat: Kapazitäten werden vervielfacht, wenn Autos Stossstange an Stossstange und in gleichem Tempo fahren.

Unterwegs verliert der Passagier keine Zeit; er kann schlafen, Zeitung lesen oder bereits arbeiten.

Auch das Auto – oder die fahrbare Kapsel, das es wohl eher wäre – muss andere Anforderungen erfüllen: Ein passendes Interieur wird wichtiger, die Anzahl PS spielt keine Rolle mehr.

Ohnehin braucht man kein eigenes Fahrzeug mehr: Man kann eines bestellen, wenn man es braucht, womit gleich noch ein Grossteil der Parkplätze überflüssig würde.

Klar, die Technik ist noch nicht ausgereift und es gibt Knacknüsse: Wer haftet bei einem Unfall?

Wie entscheidet der Algorithmus: Fussgänger überfahren oder Frontalkollision verursachen, wenn es nur diese beiden Optionen gibt?

Aber der Fortschritt wird sich durchsetzen, wie überall:

Handy? Ist viel zu schwer (es wog 25 Kilo).

Digitalkameras? Menschen wollen Fotos nicht am Bildschirm anschauen (sagten die Kodak-Chefs).

Das iPhone? Keine Chance, niemand zahle 500 Dollar zusätzlich, bloss um ein Apfel-Logo drauf zu haben (sagte Microsoft-Chef Steve Ballmer).

Nespresso? Brauchen wir nicht, sagten die Nestlé-Chefs ihren Entwicklern und liessen das Kapseln 20 Jahre lang ruhen.

Politiker verkennen Wandel

Das selbstfahrende Auto wird früher oder später die Regel – wer gerne mal aufs Gas drückt, kann am Wochenende zum Beispiel über den Passwang fahren. Das macht Spass.

Aber täglich im Stau will bestimmt niemand mehr stehen. Die Schweiz als überschaubares, hoch motorisiertes und wohlhabendes Land könnte eine Vorreiterrolle spielen beim Wandel der Mobilität.

Nun aber droht unser Land, das zu machen, was es vor Jahrzehnten hätte tun sollen – Strassen ausbauen – und das zu verschlafen, was die Zeichen der Zeit dieses Mal ebenso dringend verlangen: zu planen, wie der Verkehr in Zukunft bewältigt wird und in neue Technologien zu investieren.

Die meisten Politiker jedoch haben noch nicht erkannt, welcher Wandel bevorsteht. Sie halten es mit Wilhelm II., deutscher Kaiser von 1888 bis 1918, der sagte: «Ich glaube an das Pferd. Das Automobil ist eine vorübergehende Erscheinung.» (aargauerzeitung.ch)

Auto-Design: Früher war die Zukunft besser

Abonniere unseren Newsletter

Abonniere unseren Newsletter

19
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
19Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • malu 64 22.03.2016 03:29
    Highlight Highlight a.zollet/ Es ist klar, dass nicht jeder Misthaufen eine Posthaltestelle hat. Aber vielleicht
    könnte man zur nächsten Haltestelle mit dem Fahrrad fahren oder mit dem Auto zum
    nächsten Bahnhof. Ist ein bisschen
    zeitaufwendiger. Hilft aber der Entspannung und dem Intellekt.
    Man kann ein Buch lesen, oder
    einfach chillen. Im Stau stehen
    ist absolute Zeitverschwendung!
    2 1 Melden
  • Paraflüger 20.03.2016 22:37
    Highlight Highlight ich wäre dafür, die Strassen komplett unter den Boden zu legen. Klar das würde etwas kosten. Aber stellt euch vor wie entspannend es wäre, kein Strassenlärm mehr zu haben und wie sich das Landschaftsbild zum positiven verändern würde. Die autonom fahrenden Fahrzeuge würden diese Entwicklung sogar noch fördern.
    8 2 Melden
  • malu 64 20.03.2016 09:16
    Highlight Highlight Es ist reine Bequemlichkeit und
    Egoismus nicht mit den ÖV zu fahren. Wünschenswert wären
    gleitende Arbeitszeiten wo
    möglich. Damit in den Stosszeiten
    mehr Platz zur Verfügung steht.
    Mehr Strassen zerstören Land,
    mehr Strassen fördert den Verkehr, mehr Strassen verursachen mehr Staus und
    mehr Unfälle. Viele Fahrten sind
    Leerlauf. In der Welt von Video-
    konferenzen, könnte, viel Zeit
    gespart und viel Verkehr vermieden werden.
    17 29 Melden
    • Hand-Solo 21.03.2016 14:11
      Highlight Highlight Wieder ein Stadtmensch, welcher nicht begriffen hat, dass A: nicht überall ein Poschi hinfährt und B: Es weder ökologisch noch ökonomisch Sinn macht, dass jede Ecke der Schweiz, zu jeder Zeit, per ÖV erreichbar ist.
      2 3 Melden
  • Schneider Alex 20.03.2016 06:25
    Highlight Highlight Soll jetzt die stringente Zuweisung der Mittel aus der Strassenkasse in den Strassenbau dazu dienen, dieses Mobilitätswachstum via Kapazitätsausbau der Strassen noch anzukurbeln und die Zuwanderung noch mehr zu erleichtern?
    5 15 Melden
    • dF 20.03.2016 09:46
      Highlight Highlight was hat dies nun mit Erleichterung der Zuwanderung zu tun?
      15 2 Melden
    • Schneider Alex 21.03.2016 06:02
      Highlight Highlight Der Ausbau der Infrastrukturkapazitäten in der Schweiz schafft Platz für noch mehr Zuwanderung.
      1 5 Melden
  • Schneider Alex 20.03.2016 06:25
    Highlight Highlight Kapazitätsausbau der Verkehrsanlagen erleichtert Mobilität und Zuwanderung

    Die auf die bestehenden und die zu erwartenden Kapazitätsengpässe gestützten Ausbaubegehren bei den Nationalstrassen und der Bahninfrastruktur sind die Quittung für das ungehinderte Mobilitätswachstum in der Schweiz. Dieses wird verursacht durch die wegen der PFZ übergrosse Zuwanderung, die zu tiefen Mobilitätskosten und den hohen Wohlstand in der Schweiz.
    5 12 Melden
  • Gigi,Gigi 19.03.2016 14:47
    Highlight Highlight Das mag ja alles richtig sein, aber eines wird nicht stimmen. Das selbstfahrende Auto wird viel, viel mehr Verkehr generieren. Wieso? Ich muss die Kinder nicht mehr selber in die Schule fahren, auch nicht ins Training, auch die kranke Mutter nicht zum Arzt, die kaputte Kaffeemaschine nicht zur Reparatur und den Hund nicht zum Hundecoiffeur. Kann alles das selbstfahrende Auto erledigen. Und Harass Bier kann das Auto auch noch selber holen! Sinnvoll? Natürlich nicht, aber es wird gemacht werden, von allen, die es sich leisten können. Fazit: Erneut Verkehrskollaps.
    26 12 Melden
    • Gigi,Gigi 20.03.2016 18:08
      Highlight Highlight Von wegen Blödsinn. Irrsinn! Nein, stimmt nicht, denn die Mutter hat vielleich noch mehr Kinder, die alle mit dem selbstfahrenden Auto unterwegs sind. Eines ins Training, das andere zum Geigenunterricht und sie selber zum Shopping. Denn jetzt muss sie ja nicht mehr die Kinder rumkutschieren.
      5 4 Melden
  • Altweibersommer 19.03.2016 11:49
    Highlight Highlight "Eine Stadt wie Basel" hat notabene nur 170 000 Einwohner, das grössere Freiburg im Breisgau ist ja schliesslich auch nicht mit einer 8-spurigen Autobahn umringt. Diese Denkensweise ist alles andere als modern, widerspiegelt sie doch die Philosophie der 70er-Jahre. Ein Blick nach Zürich lohnt sich: Dort gibt es zwar auch öfters Stau, jedoch ist dort der ÖV so gut ausgebaut, dass ein gewisser Vorsatz bei den Stau-Teilnehmern nicht abzustreiten ist. Ebenso am Gotthard zur Ferienzeit.
    28 12 Melden
  • whatthepuck 19.03.2016 10:52
    Highlight Highlight Bedenkt man, dass dieser Kommentar aus dem Autokanton Aargau kommt, erstaunt er nicht.

    Wo ich ihm aber recht gebe ist, dass wir uns in der Schweiz ernsthaft Gedanken über unsere Infrastruktur machen sollten. Für ein derart reiches Land tun wir uns - nach persönlichem Empfinden - erstaunlich schwer damit, über den Erhalt bzw. Ausbau unserer Infrastrukturen zu befinden.

    Die Milliarden für den neuen Gotthardtunnel wären andernorts halt eben doch sinnvoller eingesetzt gewesen.
    34 14 Melden
  • Cabonga 19.03.2016 10:24
    Highlight Highlight Wir sollten unseren Nachfahren nicht die Zukunft verbauen. Aber was heisst das auf einem Planeten mit endlichen Recoursen?
    Ich glaube nicht ans selbstfahrende Auto und auch nicht an eine Zukunft ohne Abstriche. Das selbstfahrende Auto setzt auf den Status Quo des Individualverkehrs und solche Sturheit ist nicht Zielführend.
    Ja man soll Infrastruktur moderat ausbauen und nicht mit physischen Hindernissen lenken.
    Das Potential sehe ich aber im Handeln der Menschen, denn der Verzicht auf Verbrauch von Recourcen ist gratis und genau da können neue vernetzte Technologien ansetzen und immenses bwrkn
    10 12 Melden
  • trio 19.03.2016 10:12
    Highlight Highlight Schade ist diese Erkenntnis nicht schon bei der Gotthard - Abstimmung zur Geltung gekommen.
    15 11 Melden
  • Mesuax 19.03.2016 09:37
    Highlight Highlight Ich bezweifle, dass wir bald kein eigenes auto mehr besitzen. Viel eher wird es eine erweiterung des wohnzimmers (wohnzimmer, arbeitsraum für unterwegs) und wer teilt da schon gerne?
    26 6 Melden
    • trio 19.03.2016 10:10
      Highlight Highlight Es gibt heute schon Mobility, immer weniger Menschen besitzen ein Auto. Auch in Zukunft bleibe ich nicht länger in einem Auto als unbedingt nötig. Da kann man gut teilen.
      18 15 Melden
    • Tomlate 19.03.2016 10:31
      Highlight Highlight Die günstige Variante wird das Teilen sein. Für den, der mehr bezahlt, wird es das eigene selbstfahrende Dingsbums sein. Auf der Express Spur.
      13 4 Melden
  • Stefan von Siegenthal 19.03.2016 08:50
    Highlight Highlight Guter Artikel. Hier benötigt es definitiv auch einen Wandel in der Politik. Die heutigen Politiker scheinen durchs Band sehr illiterat zu sein, was Technologie anbelangt. Selbst die eher jüngeren Politiker brillieren nicht gerade mit Kompetenz über die momentanen Entwicklungen. Bei solch einer Ausgangslage ist die Diskussion über Zukunftsthemen, wie der Strasseninfrastruktur, bedingungsloses Grundeinkommen, AHV Alter etc. sehr schwierig, da veraltete Vorstellungen das ganze Verzerren.
    36 7 Melden
    • philosophund 19.03.2016 13:46
      Highlight Highlight Stimmt so. Wir bringen nicht mal sauber getrennte und für Velofahrer sichere Velowege hin wie es die skand. Länder vormachen. Zudem sind wir auch geistig nicht dafür bereit, wenn ich nur an alltägliche “Reissverschluss“ Situationen denke und einige sich so verhalten als würde man ihnen das kind wegnehmen.
      15 4 Melden

Samsung kündigt «revolutionäres» Display an – die Klapphandys kehren zurück

Uns stehen Jahre der faltbaren Bildschirme bevor. Tech-Gigant Samsung will die Massenproduktion «in den kommenden Monaten» starten.

Update 12. Nov.: Lancierungsdatum und Preis könnten geleakt sein, wie The Verge berichtet. Demnächst soll Samsungs faltbares Smartphone, Galaxy F genannt, im März 2019 präsentiert werden und über 1700 Dollar kosten.

Damit zur ursprünglichen Story:

Nun ist es offiziell: Samsung lanciert 2019 sein erstes faltbares Smartphone.

Die Technologie dazu, die sich noch im Prototypen-Status befindet, nennen die Südkoreaner «Infinity Flex Display».

Zusammengeklappt ist es so gross wie ein gewöhnliches …

Artikel lesen
Link to Article