Schweiz

SVP-Nationalrat Alfred Heer: «Von mir aus kann man alle Drogen freigeben»

08.11.15, 15:32

Umdenken in der Drogenpolitik: Das Areal des ehemaligen Bahnhof Letten mitten in Zürich wurde vor mehr als 20 Jahren, am 14. Februar 1995 von der Polizei geräumt und geschlossen.  
Bild: KEYSTONE

Ein Artikel von Schweiz am Sonntag

Seit die Schweiz die kontrollierte Heroin-Abgabe eingeführt hat, ist die Zahl der Drogentoten von jährlich 419 in neunziger Jahre auf heute 120 gesunken. Das zeigen Recherchen der Zeitung «Schweiz am Sonntag».

Die Schweiz war mit ihrer Drogenpolitik weltweit Vorreiterin, doch diese Rolle verliert sie zunehmend – besonders, was die Legalisierung von Cannabis angeht. So können beispielsweise in Uruguay Konsumenten mit einem Cannabis-Ausweis in der Apotheke monatlich 40 Gramm beziehen. Auch einzelne Staaten in den USA oder Holland, Spanien und Portugal regeln den Cannabiskonsum liberaler. Unter anderem ist dort der Konsum straffrei.

«Beim Thema Heroin ist die Schweiz vorn mit dabei, doch im Umgang mit Cannabis stagniert die Schweizer Drogenpolitik.»

Felix Gutzwiler (FDP)

Expo-Cannabis in Montevideo: Uruguay ist weltweiter Vorreiter der liberalen Cannabis-Politik. 
Bild: ANDRES STAPFF/REUTERS

Felix Gutzwiller, Zürcher FDP-Ständerat, hatte sich über Jahre für eine progressive Drogenpolitik stark gemacht und ist überzeugt: «Beim Thema Heroin ist die Schweiz vorn mit dabei, doch im Umgang mit Cannabis stagniert die Schweizer Drogenpolitik.» Nachdem das Parlament im Jahr 2003 eine Änderung des Betäubungsmittelgesetzes bachab schickte, seien die Fronten unverändert. «Dabei gibt es nur diesen Weg aus der Illegalität.»

Felix Gutzwiler (FDP): Nur ein Weg aus der Illegalität.
Bild: KEYSTONE

Gleich sieht es Alfred Heer, Zürcher SVP-Nationalrat, der lange gegen jegliche Liberalisierung gewesen war. «Von mir aus könnte man alle Drogen freigeben. Konsequenterweise müssten die Konsumenten dann aber für die gesundheitlichen Folgen selbst aufkommen und nicht der Staat», sagt Heer.

Alfred Heer (SVP): Liberalisierung ja, Solidarität nein.
Bild: KEYSTONE

Bis es so weit ist, wird es wohl dauern. Es fehle der Druck, sagt Frank Zobel von SuchtSchweiz. «Die Bilder der offenen Drogenszene haben damals alle wachgerüttelt. Es ging um Leben oder Tod», die Legalisierung von Cannabis sei mehr eine Gesellschaftsfrage. (schweiz am sonntag/wst)

Dir gefällt diese Story? Dann teile sie bitte auf Facebook. Dankeschön!👍💕🐥

Von Quartierbahnhof über Drogenhölle zu Hipstermeile: Der Letten in Vorher-nachher-Bildern

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
Themen
14
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
14Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Captain Downtown 08.11.2015 19:52
    Highlight Dachte ich mir schon, dass diese Aussage von Heer nicht so gemeint sein kann, wie es der Titel verspricht. Die Forderung nach Verursacherregelung der Krankenkosten ist ein fadenscheiniges Anhängsel, um auszudrücken, dass die Legalisierungspolitik von asozialen Utopisten formuliert wird. Dabei wäre die konsequente Anwendung seiner Forderung, der Ausschluss von Alkoholtrinker, Raucher, Wurstesser usw. aus der Krankenkasse. Seine Wähler fänden das sicher super.
    30 5 Melden
  • trio 08.11.2015 19:48
    Highlight Wie stellt sich Alfred Heer das mit den Gesundheitskosten selber übernehmen vor? Das ist wieder so eine Furzidee, hinten und vorne nicht zu Ende gedacht...
    28 2 Melden
  • TanookiStormtrooper 08.11.2015 19:46
    Highlight Die Canabis Legalisierung könnte gerade für den Tourismus eine Goldgrube sein. Die Schweiz ist Teuer? Scheissegal da kann man kiffen! Der Staat bekommt einen schönen Batzen von den Steuereinnahmen, die Bauern haben was anzubauen und der Kunde musst sich nicht Ware aus zwielichtiger Herkunft konsumieren. Den Dealer interesierts nicht ob das Zeug mit Schwermetallen belastet oder in einem Schimmligen Keller gezüchtet wird. Zu guter letzt steigt auch die Kriminalität nicht an. Die Schweiz wäre eine Insel der Glückseligen (mit gelegentlichem Kifferhunger).
    28 3 Melden
    • Mafi 08.11.2015 20:14
      Highlight Ausserdem werden keine gestreckten Drogen umhergehen, da es Qualitäts-kontrollen geben könnte.
      14 2 Melden
  • atomschlaf 08.11.2015 18:09
    Highlight Die Drogenprohibition funktioniert hinten und vorne nicht sichert hauptsächlich dem organisierten Verbrechen obszöne Gewinne.
    Es ist höchste Zeit, diesen Unsinn zu stoppen.
    31 0 Melden
  • EvilBetty 08.11.2015 17:07
    Highlight Der Staat bezahlt meine Krankenkasse? Geilo!
    32 3 Melden
  • Angelo C. 08.11.2015 16:27
    Highlight Es wird wie beim Frauenstimmrecht ablaufen - wir werden als eines der letzten Länder das Cannabis legalisiert, die unübersehbare Lachnummer weltweiter Realos sein 😟!
    55 9 Melden
  • Schuhmeister Flaig 08.11.2015 16:07
    Highlight Die Freigabe von Cannabis ist längst überfällig. Ich wünschte mir, dass progressive Kantone/Städte (z.B. Zürich, Genf oder Basel) das Kiffen im Alleingang legalisieren würden.
    52 8 Melden
    • Luca Brasi 08.11.2015 16:35
      Highlight Auch im Hinblick darauf, dass sich einige Leute am illegalen Handel mit Drogen eine goldene Nase verdienen und unsere jungen Leute mit gestrecktem Zeug versorgen. Der Drogenhandel ist ein richtig schmutziges Geschäft.
      41 4 Melden
    • Gelöschter Benutzer 08.11.2015 16:42
      Highlight ich weiss dann aber nicht, ob der dann eintretende "canabis-tourismus" aus den anderen gebieten, nicht zu einem gröberen problem wird?
      wenn schon alle oder keiner.
      5 28 Melden
    • Schuhmeister Flaig 08.11.2015 17:00
      Highlight @thotha: Es ist zu erwarten, dass die rückständigen
      Kantone ein Problem mit dem Liberalismus von Zürich, Genf, Basel usw. haben werden, aber wie lange wollen wir uns das Kiffen von diesen Hinterwäldlern noch verbieten lassen?
      32 9 Melden
    • kurt3 08.11.2015 18:47
      Highlight @thota , Du meinst ,Einkaufstourismus mit Seitenwechsel könnte ein Problem sein ? Man hätte ja wenigstens die Möglichkeit , ein paar Mio zu Kompensieren .
      11 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 08.11.2015 19:57
      Highlight nein, ich frage mich nur so, wie die liebralen orte/kantone und die sturen/strengen sich verhalten werden würden, wenn bei einer canabisfreigabe ein konsumtourismus stattfindet. das wird er auf sicher!
      4 2 Melden
    • Hanjo 08.11.2015 23:58
      Highlight die zurückgebliebenen werden nachziehen, weil sie das geld riechen auch touristen wollen.

      hatten ja hierzulande in den späten 90er und frühen nuller-jahren auch einige kiffer-touris...
      6 2 Melden

Die Schweiz im Cannabis-light-Rausch: So professionell läuft das CBD-Geschäft

Ist die Legalisierung des CBD-Grases der grosse Türöffner für eine komplette Hanf-Legalisierung? Die Produzenten sind auf jeden Fall schon in Lauerstellung. Und es könnte schneller gehen, als viele glauben. 

Die Altstadt von Zürich sieht aus wie ein Kiffer-Paradies. In gefühlt jedem zweiten Schaufenster wird Werbung für Hanf gemacht. Schweizer Hanf. Das selbe Bild auch in Genf, Basel, Bern und an vielen Orten mehr. Sogar die ersten Schweizer Coffee-Shops haben ihre Tore geöffnet. Und neuerdings gibt es Hanf auch ganz legal im Denner und im Spar zu kaufen.

In der einen oder anderen Schweizer Fussgängerzone wähnt man sich schon fast im legendären Sündenviertel rund um den Amsterdamer …

Artikel lesen