Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Die Bundesraetin Doris Leuthard, rechts, und der SBB CEO Andreas Meyer, links, feiern mit vielen geladenen Gaesten genau 1 Jahr vor der Eroeffnung des Gotthard-Basistunnels den Contdown

Leistet er, SBB-Chef Andreas Meyer, ihr, Bundesrätin Doris Leuthard, mit einem Energiesparprojekt vor allem Schützenhilfe zur Energiewende? Die Lokführer vermuten es. Bild: KEYSTONE

Widerstand im Führerstand: Lokführer kritisieren Energiesparprojekt der SBB als PR-Stunt



Mit Tablets im Führerstand will die SBB ihre Lokführer zu energiesparendem Fahren anleiten. Nur: Die Lokführer kritisieren das medial zelebrierte Projekt zur Energiewende. Es bringe nichts und sei nichts als Schützenhilfe für Verkehrsministerin Doris Leuthard. Das berichtet die «Basler Zeitung» am Donnerstag.

Das kritisierte Konzept heisst «adaptive Lenkung» und soll eine energiesparende Fahrweise fördern. Konkret erhalten die Lokführer «Geschwindigkeitsempfehlungen» auf ihr Tablet im Cockpit, mit denen sie stromsparender fahren können. Tieferes Tempo vor einem absehbaren roten Signal soll beispielsweise einen Stopp verhindern. Der SBB soll es helfen, das grüne Image zu pflegen – bis 2025 wollen die Bundesbahnen komplett mit erneuerbarer Energie unterwegs sein. 

Die Lokführer kommentieren das Projekt, das laut BAZ 34 Millionen Franken gekostet hat, als unausgereift und deshalb nicht umsetzbar. So steht es im offiziellen Organ des Verbandes Schweizerischer Lokomotivführer, LocoFolio, auf das sich die Zeitung bezieht. Der Verdacht der Lokführer: Die «elektronische Spielerei» existiere wohl, «um dem für die SBB zuständigen Umwelt- und Verkehrs­departement Schützenhilfe zu leisten bei der Umsetzung der Energiewende».

Die SBB verteidigen das System laut der «Basler Zeitung» als ausgeklügelte Technik, mit der jährlich zehn Millionen Franken an Energiekosten eingespart werden könnten. (trs) 

Abonniere unseren Newsletter

9
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
9Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • 7immi 20.08.2015 10:38
    Highlight Highlight das system gibts schon einige zeit. früher wurde es dem lokführer per funk mitgeteilt und der lokführer passte die geschwindigkeit nach gutdünken an. dann kam das neue system. es lässt die lokführer zum teil irrsinnige geschwindigkeiten fahren und verschlimmert verspätungen von 5 auf 20 min und ähnliches. es ist also nicht die torschlusspanik der lokführer o.ä. es ist simpel und einfach ein unausgereiftes system, das hochgejubelt wurde.
  • sterpfi 20.08.2015 09:02
    Highlight Highlight Kein Wunder sind die Lokführer dagegen. Sie wissen genau, dass es ihren Job in Zukunft nicht mehr geben wird. Die Tablet-Unterstützung ist ein erster Schritt zur vollständigen Automatisierung.
  • Kronrod 20.08.2015 08:28
    Highlight Highlight Das Energiesparen geht mir manchmal auf die Nerven. Dann nämlich, wenn implizit davon ausgegangen wird, dass meine Zeit nichts wert ist. Zum Beispiel begrenzt die EU-Norm für Staubsauger die Leistung für Haushaltsgeräte. So spare ich zwar jedesmal beim Staubsaugen ein zwei Rappen Energie, dafür brauche ich aber auch ein zwei Minuten länger. Ein weiteres Beispiel sind diese modernen "wassersparenden" WC-Spülungen, wo man bis zu vier mal spülen muss, wenn man wiedermal einen "Unsinkbaren" produziert hat. So braucht man am Ende nicht nur mehr Wasser, sondern vertrödelt auch unnötig Zeit.
  • Charlie Brown 20.08.2015 08:21
    Highlight Highlight Das System macht das, was es auch tun würde, wenn der Führerstand komplett automatisiert respektive zentral ferngesteuert wäre. Insofern ist das sicher nicht schlecht. Die zentrale Steuerung verfügt schliesslich über mehr Informationen als der individuelle Lokführer. Es erhöht im Idealfall sogar die Pünktlichkeit. Wenn ein Zug anstatt vor einem geschlossenen Signal halten und wieder anfahren muss davor langsamer fährt und bereits in Fahrt den Wechsel auf freie Fahrt erlebt, verkürzt sich die Fahrdauer. Also: Win für Umwelt, win für Fahrgast.
    • zettie94 20.08.2015 09:56
      Highlight Highlight Das System SOLLTE das machen, tut es aber (noch) nicht wirklich. Es kommt vor, dass man eine Empfehlung für eine tiefere Vmax bekommt, dann wird die Empfehlung aufgehoben, man beschleunigt und das nächste Signal zeigt trotzdem Warnung -> wieder bremsen. Oder es gibt eine Empfehlung für eine tiefere Vmax, obwohl die Strecke komplett frei ist, was nur zu Verspätungen führt. Zum Glück verlassen sich die meisten Lokführer mehr auf ihre Erfahrung, denn damit liegen sie wenn alles nach Plan läuft zu 99% richtig.
    • Charlie Brown 20.08.2015 14:01
      Highlight Highlight @zettie94: OK, dann sind wir wohl noch nicht da, wo wir sein sollten, technisch. Aber im Grundsatz müsste es ja schon zu einer Optimierung führen, oder?
  • atomschlaf 20.08.2015 08:14
    Highlight Highlight Für mich klingt das Konzept eigentlich sehr vernünftig.
    Bemerkenswert finde ich allerdings, dass man bei der Bahn versucht, unnötige Stopps und Wiederanfahrten zu vermeiden, während im Strassenverkehr Stop-and-Go von vielen Verkehrsplanern, Städten und Gemeinden geradezu zelebriert wird! Double standards?
  • Zeit_Genosse 20.08.2015 08:01
    Highlight Highlight Piloten und Lokführer werden vom technischen Fortschritt eingeholt. Technisch wird es beide bald nicht mehr brauchen. Für die subjektive Sicherheit schon. Geht noch eine Weile, doch die Vorboten sind da.
  • dracului 20.08.2015 06:27
    Highlight Highlight Die Lokführer fühlen sich letztlich in ihrer Kompetenz eingeschränkt durch die fortschreitende Computerisierung des Führerstands. Diese Entwicklung ist jedoch vergleichbar mit der Flugindustrie und ist unaufhaltsam. Dass unnötiges Bremsen und Anfahren Energie kostet, kennt jeder Autofahrer im Stadtverkehr und ist unbestritten. In der SBB haben die Lokführer eine mächtige Lobby, die nicht davor zurückscheut ihre Eigeninteressen medial in Szene zu setzen.

Die SBB wollen Hyperloop-Teststrecke im Wallis bauen

Gemeinsam mit Eurotube wollen die SBB eine drei Kilometer lange Forschungsanlage und Teststrecke für Hochgeschwindigkeitstransporte im Vakuum bauen.

Hyperloop – so werden Hochgeschwindigkeitstransporte von Kapseln in Vakuumröhren genannt. Optisch hat dieses Transportsystem eine gewisse Ähnlichkeit mit einer überdimensionalen Rohrpost. Allerdings gibt es auch grosse Unterschiede zur guten alten Rohrpost, denn Hyperloops sind auf Geschwindigkeiten von bis zu rund 1100 Kilometer pro Stunde ausgelegt.

Neben ihrem schieren Tempo weisen Hyperloops gegenüber heute gängigen Transportarten – ob am Boden, in der Luft oder im Wasser – einen …

Artikel lesen
Link to Article