Schweiz

Atomaufsichtsbehörde ENSI gibt AKW Leibstadt grünes Licht

16.02.17, 17:17

Darf wieder ans Netz: Das AKW Leibstadt. Bild: KEYSTONE

Das seit Anfang August 2016 stillstehende AKW Leibstadt AG kann wieder ans Netz gehen. Die Atomaufsichtsbehörde ENSI hat am Donnerstag die Freigabe erteilt. Das ENSI verfügte jedoch eine Leistungsreduktion.

Es seien auch zusätzliche Überwachungs- und Sicherheitsmassnahmen angeordnet worden, teilte das Eidgenössische Nuklearsicherheitsinspektorat (ENSI) auf seiner Website mit. Ein sicherer Betrieb ohne Gefährdung von Mensch und Umwelt sei gewährleistet.

Um kritische Siedezustände (Dryouts) künftig zu verhindern, ordnete das ENSI eine Leistungabsenkung an. Die thermische Leistung des Reaktors in Leibstadt werde zu Beginn des Betriebszyklus bei maximal 95 Prozent liegen und bis zum Zyklusende Mitte September auf rund 88 Prozent sinken.

Sicherheitsmassnahmen

Sollte es während des kommenden Betriebszyklus' trotz der Massnahmen zu einem Brennstabschaden und einem Auswaschen radioaktiver Stoffe in das Kühlmittel kommen, würde dies sofort von den Messsystemen registriert werden.

Als Auflage für die Freigabe zum Leistungsbetrieb legte das ENSI weiter fest, dass das AKW Leibstadt sofort herunterfahren werden muss, wenn ein Anstieg von radioaktiven Abgasen festgestellt wird.

Diese würden gemäss der Aufsichtsbehörde auf einen Brennstabschaden hindeuten - unabhängig von der Ursache für den Schaden. Alle Brennelemente, die im Kern seien, müssten dann auf Dichtheit überprüft werden.

«Geringfügige» Bedeutung

Normalerweise werde ein AKW wegen der geringfügigen sicherheitstechnischen Bedeutung nicht wegen eines Brennstabschadens heruntergefahren. Bei der nächsten Jahresrevision würden die Brennelemente wieder einer erweiterten Inspektion unterzogen.

Die Ursachenforschung zeige «ein klares und plausibles Muster bei den relevanten Einflussgrössen», wird Ralph Schulz, Leiter des Fachbereichs Sicherheitsanalysen des ENSI, zitiert. Aus diesem Muster habe der AKW-Betreiber Massnahmen abgeleitet, die ein erneutes Auftreten von Dryouts verhindern sollten.

Das ENSI prüfte diese Massnahmen und beurteilte sie als «anforderungsgerecht». Das heisse, dass die Auslegung und der Betrieb des Reaktorkerns nun so gestaltet seien, dass die Bedingungen, die in den letzten Betriebszyklen zu lokalen Dryout-Befunden geführt hätten, nicht mehr auftreten würden.

Das AKW Leibstadt werde «in den nächsten Tagen» nach erfolgreicher Durchführung aller Sicherheitstests den Leistungsbetrieb wieder aufnehmen, teilte die Kernkraftwerk Leibstadt AG mit. (sda)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Str ant (Darkling) 18.02.2017 14:34
    Highlight Unsere achso unabhängige ENSI
    0 0 Melden
  • karl_e 16.02.2017 23:05
    Highlight Wir können weiterhin ruhig schlafen, denn wir haben ja unsere Iod-Tabletten.
    16 6 Melden
  • rolf.iller 16.02.2017 21:47
    Highlight "kritische Siedezustände (Dryouts)" tönt so fachmännisch. Was war: Die oberen Enden der Brennstäbe lagen rot glühend ungekühlt frei, weil es zu wenig Wasser hatte.

    Da fragt sich der Leihe, zu wenig Wasser? Haben die da nicht irgend so einen Schwimmer, der den Wasserstand misst, so was wie es in meinem Benzintank vom Auto auch hat?

    Nun, offenbar ist der Druck in dem Bottich zu gross, als dass man solche Messanlagen darin installieren kann.

    Aber alles kein Problem, denn ein Computermodell, berechnet laufend den Wasserstand. Also so theoretisch, was er sein sollte, täte das Modell stimmen.
    14 14 Melden
    • _kokolorix 16.02.2017 22:13
      Highlight So einfach ist das nicht. Es war nicht zu wenig Wasser, um die Brennstäbe bildeten sich Dampfblasen und dort oxydierte das Material. Die Zirkulationsgeschwindigkeit ist offensichtlich nicht gross genug um die Hitze abzutransportieren. Aber die Leistung des Kraftwerks wurde noch während des Baus von 600MW auf 900MW erhöht, zudem wurden billigere Brennstäbe beschafft. Da ist die Situation schon nicht mehr so verwunderlich
      14 2 Melden
    • 7immi 16.02.2017 22:22
      Highlight ein dryout bedeutet nicht, dass die brennstäbe rot glühen oder ähnlich, auch eine überhitzung ist nicht das problem, es geht um das abreissen des schützenden wasserfilms und die dadurch entstehende oxidation. eine gewisse oxidation ist normal, diese ist hier aber stärker. daher drosselt man die leistung, um diesen film stabiler zu halten. würden die reaktorstäbe rot glühen, würden wir nicht mehr zuhause sitzen und kommentare schreiben. ich bin auch kein fan von atomkraftwerken, übertreiben muss man deshalb nicht. solche schäden machen mir keine sorgen,da sie bemerkt wurden und sichtbar sind...
      20 5 Melden
    • rolf.iller 17.02.2017 10:58
      Highlight Mein Kommentar ist wohl etwas plakativ, wurde aber Inhaltlich genau so in der Rundschau berichtet (inklusive in welcher Farbe die Spitzen der Brennstäbe da wohl geglüht haben):
      http://www.srf.ch/sendungen/rundschau/black-box-leibstadt-mueller-altermatt-raketen-debakel-bannon

      Ebenso wurde berichtet, dass dieser Befund international in der Atomszene Besorgnis erregt hat, weil dieses Phänomen keinenfalls auftreten sollte.

      Der Rundschaubericht mag wohl spekulativ gewesen sein.

      Würde mich interessieren, welche Quellen ihr habt 7immi, _kokolorix.
      2 2 Melden
    • 7immi 17.02.2017 12:05
      Highlight ich beziehe mein wissen einerseits aus diesem bericht: https://www.ensi.ch/de/2017/02/16/ensi-erteilt-kernkraftwerk-leibstadt-freigabe-zum-wiederanfahren-unter-auflagen/

      und auf mein technisches wissen bezüglich therodynamischer systeme sowie meinungen von kollegen des PSI.
      demnach traten diese oxidationschäden nur bei entsprechend angeströmten stäben statt und nur bei hoher leistung, was diese leistungsreduktion sinnvoll erscheinen lässt. dennoch ist es gut, dass die sache 2019 vom netz geht.
      ich finde es schade, dass das SRF nicht sachlich berichten kann...
      3 0 Melden
  • pamayer 16.02.2017 20:33
    Highlight Wenn Senioren ab einem bestimmten Alter aus Sicherheitsgründen besser nicht mehr Auto fahren dürfen... ... leben wir im Verkehr wesentlich sicherer als als Stromkunden.
    12 9 Melden
  • amore 16.02.2017 20:05
    Highlight Kann man die Verantwortlichen des KKW und des ENSI eigentlich strafrechtlich belangen betreffend vorsätzliche Inkaufnahme von Toten, Krebskranken und unbewohnbarer Landstriche?
    19 11 Melden
    • rolf.iller 16.02.2017 21:36
      Highlight Ja kann man, will man aber nicht wollen. Weil wenn man dann kann, dann haben wir Tote, Krebskranke und unbewohnbare Landstriche.
      10 3 Melden
    • Polybertarian 17.02.2017 11:27
      Highlight Und wie genau soll das passieren? Haltet mit der Hysterie auf!
      1 4 Melden
  • Spiegelfabrik 16.02.2017 18:47
    Highlight "Ein sicherer Betrieb ohne Gefährdung von Mensch und Umwelt sei gewährleistet." Trotzdem nur leistungsreduziert laufen lassen? Ich hoffe die Auflage sofort abzuschalten beim Austritt radioaktiver Abgase gilt sowieso?? Oder dürfen die anderen AKWs bei einem solchen Fall weiterlaufen?? Zudem müssen zusätliche Überwachungs- und Sicherheitsmassnahmen getroffen werden, auch wenn der Betrieb "sicher" ist? Ich find das sieht nach eherem unsichern Verhalten aus.
    19 8 Melden
    • Polybertarian 17.02.2017 11:29
      Highlight Bei allen KKW werden kleine Mengen radioaktiven Abgasen freigesetzt, es ist normal und genehmigt. Passiert auch wenn du ein BBQ machst.

      Die Leistungsreduzierung sollte die Dryouts verhindern. Macht es kein Sinn nicht weiter wie vorher zu laufen?
      0 3 Melden
  • ast1 16.02.2017 18:37
    Highlight Das ENSI kann ich schon lange nicht mehr ernst nehmen.
    26 12 Melden
    • Polybertarian 17.02.2017 11:30
      Highlight Leider ist das ENSI viel kompetenter als Sie!
      1 6 Melden
  • R. Peter 16.02.2017 17:52
    Highlight Klingt für mich vernünftig.
    20 22 Melden
    • _kokolorix 16.02.2017 21:04
      Highlight Kann ich mich nur anschliessen. Man baut ein AKW im Wissen, dass es niemals rentieren wird, man erhöht seine Leistung und kauft billigere Brennstäbe um die Verluste zu verringern, man outsourced die Wartungsarbeiten und verlängert die Laufzeit und wenns dann knallt hat es keiner voraussehen können, eine Verkettung unglücklicher Zufälle muss es gewesen sein...
      20 10 Melden
    • rolf.iller 16.02.2017 21:39
      Highlight Ohhh, man könnte doch noch die Software, die das AKW betreibt noch als Cloud-Lösung betreiben und bei Amazon hosten oder vielleicht doch lieber Azure...
      16 2 Melden
    • Mix Master Mike 17.02.2017 08:13
      Highlight @rolf.iller Sehr gute Idee. Dann könnte man auch das ganze Betriebsteam nach Indien auslagern. Dann braucht es nur noch zwei oder drei Techniker in der Schweiz.
      5 1 Melden
    • R. Peter 17.02.2017 08:57
      Highlight Find ich echt. Wenn die Leistung tiefer ist wirds weniger heiss und das Risisko, dass das Kühlwasser zu stark verdunstet sinkt. Sollte es trotz der Massnahme zum Auswaschen radioaktiver Stoffe kommen, muss sofort abgeschaltet werden. Was ist daran zu unsicher?
      0 1 Melden
    • rolf.iller 17.02.2017 11:02
      Highlight Indien wäre sehr gut. Das würde auch die Entscheidungsfindung vereinfachen.

      Techniker 1: "Sollen wir noch vor der Kaffeepause prüfen warum das Lämpchen rot blinkt?", Techniker 2: "Ja klar, oder willst Du, dass uns der Laden hier um die Ohren fliegt?".

      Das Team in Indien könnte so eine Sache ungleich entspannter angehen.
      4 0 Melden
    • rolf.iller 17.02.2017 11:07
      Highlight @R. Peter: Offenbar hat ja Leibstadt während Wochen nicht gemerkt, dass der Wasserstand ein Problem ist. Die können den Wasserstand nicht einmal "messen". Sondern "errechnen" den Wasserstand anhand eines Computermodelles, was meistens stimmt, manchmal - offenbar - halt aber auch nicht.

      Die wissen also, dass ihr Modell falsch ist. Und der Fix: Wir drücken weniger aufs Gas, dann hält die Karre wohl schon noch.
      2 0 Melden
    • Polybertarian 17.02.2017 11:35
      Highlight Immer wieder diejenigen, die denken, sie wissen worum es geht...

      Es hat nicht mit Wasserstand zu tun. Dryout kann mit einem Wasserspiegel der den Kern bedeckt passieren. Wenn der lokalen kritischen Wärmefluss überschreitet ist, gibt es keinen Wasserfilm auf den Brennstab mehr, obwohl das Wasserniveau weit über den Brennstab liegt.
      2 0 Melden
    • rolf.iller 17.02.2017 14:52
      Highlight @Polybertarian: Wie kann man Nuclear-Fanboy sein und sich gleichzeitig Libertär nennen?

      Das ist eine Energieform, die nur bestehen kann, weil die Haftungsgrenze vom Staat auf einen lächerlich kleinen Betrag reduziert wurde und von der man ausgehen muss, dass die Industrie nie selber in der Lage sein wird, für Rückbau und Endlagerung aufzukommen.

      Diese Industrie schiebt die Verantwortung auf Staat, Gesellschaft und zukünftige Generationen ab. Ist nicht Eigenverantwortung ein libertärer Kernwert?
      4 1 Melden

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