Schweiz

So sah die Liebe der Zürcher Promi-Schwulen Röbi Rapp und Ernst Ostertag zu Beginn aus. Sven Schelker (l.) und Matthias Hungerbühler in «Der Kreis». Bild: ascot elite

Ein Treffen mit Shooting Star Sven Schelker

Hejo drno! Ein junger Basler berührt das Berlinale-Publikum

Seine Hauptrolle in «Der Kreis» hat Sven Schelker unter die zehn besten Jungstars von Europa katapultiert. 

07.02.15, 14:57 12.05.15, 18:13

Im Koffer liegen drei Millionen Euro. In Diamantschmuck. Natürlich ist der nicht für alle, sondern nur für die sechs jungen Frauen unter den zehn Shooting Stars. Der Fotoshooting-Schmuck. Der Rote-Teppich-Schmuck. In einem Koffer in Zimmer 226 des 25 Hours Hotel am Berliner Zoo. Bewacht von vier Chinesinnen. «Bestimmt kann jede von denen eine andere, supergefährliche Kampfsportart», sagt die schwer schwangere Stylistin. Es ist ein ganz normaler Samstag an der Berlinale.

Der Schmuck kommt vom chinesischen Berlinale-Sponsor Tesiro und würde mit all seinem Geglitzer dem Zürcher Travestie-Künstler Röbi Rapp ganz gewiss auch gefallen. Röbi Rapp, der dafür gesorgt hat, dass der Basler Schauspieler Sven Schelker jetzt einer der zehn Shooting Stars ist. Also einer der zehn heissesten Nachwuchsstars Europas. Seit 18 Jahren gibt es die Shooting Stars, manchmal sind Schweizer dabei, 2008 etwa der damals 18-jährige Joel Basman. Alle in Berlin schwärmen von ihm, er sei der netteste Jungstar überhaupt und so irrsinnig engagiert, und jetzt läuft der Sven hier wahrscheinlich dem Joel den Rang ab. 

Nur nicht zu überschwänglich werden!

Sven Schelker. Bild: www.luckypunch-berlin.de

Sven, der in «Der Kreis» Röbi Rapp in den 50er-Jahren spielt und dafür auch für einen Schweizer Filmpreis nominiert ist. Gerade war er deswegen noch in Solothurn, total «wohltuend», sei das dort gewesen. Und jetzt also Berlinale. Mit grossen Partys, grossen Agenten- und Presseterminen. Ein Festival voller Weltstars. Die Binoche war schon hier. Und die Kidman. Anke Engelke begrüsste James Franco mit: «Hi, I'm Helene Fischer.» Audrey Tautou sagte: «Mit dem Rauchen habe ich nicht aufgehört, aber damit, Kritiken zu lesen.» Druck oder eine künstliche Aufgeregtheit spürt Sven keine. 

Auch hier fragen alle den 25-Jährigen, wie es war, eine schwule Liebesgeschichte zu spielen. «Ganz normal ist es natürlich nicht, aber auch weniger speziell, als man sich das vorstellt. Man spielt einfach eine liebende Person. Und Intimität ist für mich Intimität, egal zwischen wem. Ich habe viel mehr Redebedarf, wenn’s drum geht, mich nackt zu zeigen. Ich bin kein Exhibitionist. Es gibt ja sehr viele Schauspieler, die sich wahnsinnig gerne ausziehen.»

Berlinale 2015: Grosse Damen in grossen Roben

Liebe ist also einfach Liebe. Und Sven ist Sven. Gross, blond, hellblaue Augen, eine Kraft, eine Jugend, er steche heraus aus der Gruppe, heisst es hinter den Kulissen der Shooting Stars. Er und Maisie Williams, die 17-jährige Engländerin. Seit 2011 ist sie der junge Star der Mittelalter-Fantasy-Serie «Game of Thrones», die Arya Stark, die kämpfen kann und gern mal jemanden erdolcht. Sven weiss, wenn er auf Maisie trifft, muss er sich zusammenreissen: «Ich bin im Moment mitten im ‹Game of Thrones›-Fieber, ich finde ihre Rolle megastark, deshalb muss ich mich anstrengen, dass ich nicht zu überschwänglich werde.» 

Maisie Williams als Arya Stark. Bild: HBO

Im Zimmer 216, ein paar Türen vom Diamantenkoffer entfernt, werden die Shooting Stars am Samstag zum ersten Mal geshootet. «Give me the look, perfect», sagt der Fotograf, oder «whatever you do, it’s lovely» oder «with your flirty little smile». Es sollen «so cineastische Szenen, cool, aber auch fashionable» werden, obwohl es sich ja um eine «limitierte Location» handelt. Im echten Leben sieht Sven leicht verwegen aus. Beim Shooting ist er wieder der herzzerreissend süsse Röbi in Anzug und Lackschuhen. Vor dem Fenster liegt der Zoo. Die Affen frieren.

«Dr Rhy het au e Magie.»

Der Basler Sven Schelker über Basel.

Der Trailer von «Der Kreis».  video: youtube/european movie trailers

Sven Schelker kam um Weihnachten 1989 in Reinach bei Basel zur Welt, er hatte «im familiären Rahmen immer Spass daran, das Kalb zu machen». Mit fünf lernte er Geige, wollte Sportlehrer werden und Meeresbiologe, «ich hab auch tauchen gelernt, war mit Delphinen tauchen und so». Vor gut zehn Jahren dann beschloss er, mit seinem besten Freund im Gymi das Freifach Theater zu belegen. Er spielte Büchners «Woyzeck», und plötzlich war nicht mehr Sven, das Kalb, gefragt, sondern eine ernste Auseinandersetzung mit einem grossen Text und einer reichen Rolle.

Erst nach der Matur kam er überhaupt auf die Idee, dass es Schauspielschulen gibt. Er bewarb sich in München an der Otto-Falckenberg-Schule, die wollte ihn. Dann erhielt er ein Studien-Stipendium des Migros Kulturprozent, für das seine Eltern äusserst dankbar waren, in der Kulturprozent-Jury sass der Regisseur Jan Bosse und der holte Sven direkt aus der Schule nach Hamburg ans Thalia Theater. 

Die beiden Röbi Rapps, der Schauspieler und das Original. Bild: swiss films

Den Schauspielschul-Abschluss holte er später nach, irgendwann möchte er vielleicht an einer Hochschule unterrichten und dazu braucht er ein Diplom. «Die Arbeit mit jungen Leuten ist etwas, was mich total interessiert, da ist noch sowas komplett Unverbrauchtes, eine pure Spiellust.» Sagt einer, der selbst durch seine Unverbrauchtheit überzeugte. Einer, der sich im «Kreis», seinem ersten Film überhaupt, so vorbehaltlos und ganz und gar in die Liebe fallen lässt, dass seinetwegen in den Kinos alle Augen übergingen.

«Saustark, wild und alternativ»

Zum «Kreis» kam er durch ein ganz normales Casting. Und dann sprach ihm der Zürcher Regisseur Stefan Haupt erst einmal die Texte aufs Handy, damit der Basler Schelker sich umgewöhnen konnte. Denn das Baseldeutsch liegt ihm ausserhalb von Deutschland immer noch breit im Mund. Und die Heimat seines Herzens ist immer noch Basel, gerade wegen der Jugendszene, die sei «saustark, wild und alternativ», die gebe der Stadt ein ganzjährliches Flair von Musse. «Und dr Rhy het au e Magie. Hejo.» 

Jetzt kann er sich noch ein bisschen in die Hängematte legen, die vor seinem Hotelfenster auf den Zoo hinaus hängt. Und dann gehts ab im Promi-Shuttle auf den ersten roten Teppich. Mit Maisie, ihren Diamanten und acht andern jungen Sternen. Es ist ein ganz gewöhnlicher Samstag an der Berlinale. Hejo drno.

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Von wegen Käse, Schokolade und Uhren: Die Schweiz ist Vizeweltmeister im Waffenhandel

Laut einer neuen US-Studie liefert pro Kopf kaum ein Land mehr Waffen an Entwicklungsländer als wir Schweizer.

Die Schweiz ist ein Top-Exportland. Nicht nur bei Waren wie Käse, Schokolade und Uhren. Sondern auch bei Waffen. Vor allem bei Waffen an Entwicklungsländer.

Zu diesem Schluss kommt eine neue Studie des US-amerikanischen Congressional Research Service (CRS). Demnach war die Schweiz 2015 der weltweit siebentgrösste Rüstungslieferant an Entwicklungsländer: Sie lieferte Rüstungsgüter im Wert von 700 Millionen Dollar an sogenannte «developing nations».

Pro Kopf umgerechnet, belegt die neutrale Schweiz …

Artikel lesen