Schweiz
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Liebe, Sex und Hass – junger Schweizer Film zoomt auf Generation Y

08.03.15, 17:02 29.04.15, 13:25

Ein 25 Jahre alter Filmemacher schreibt über die Gefühle junger Frauen und wird seine Geschichte im Herbst in Basel verfilmen. watson traf Kim Culetto und die 20-jährige Produzentin, Sina Bauer, um über Jugend, die damit verbundenen Probleme, den Schweizer Film und Bahama Sunrise zu sprechen.

Kim Culetto, worum dreht sich «Bahama Sunrise»?
Es geht um die Generation Y. Das Zielpublikum ist 15 bis 29 Jahre alt, dessen Themen möchten wir gerne aufgreifen.

Was zeichnet diese Generation aus, was sind ihre Probleme? 
Was ich deutlich ansprechen will, ist die Quarterlife Crisis: Kernpunkte sind Liebe, Sex und Hass. Das sind die Themen, um die sich um die 20 herum alles dreht. Es geht darum, dass die Leute keine 16 mehr sind, aber sie sind auch noch nicht bereit, erwachsen zu sein. Sie haben keine Lust auf die Verantwortung, die man mit 30 trägt. Wir glauben, dass dadurch starke Konflikte entstehen. 

Der Concept-Teaser von «Bahama Sunrise». video: youtube/kim culetto

Hast du diese Probleme selbst erfahren?
Die Geschichte, die ich geschrieben habe, basiert sehr auf meinem eigenen Leben. Sie ist zum Teil autobiografisch, aber ich habe die Erlebnisse aus Sicht einer Frau geschrieben. Meine Hauptfigur ist weiblich und ich habe versucht, meine Erfahrungen in sie hineinzupacken.

Das Produzenten-Team von «Bahama Sunrise»: (von links) Kevin Sohn, Sina Bauer, Kim Culetto, Micha Gasser. bild: ECHOPARK PICTURES

Wieso hast du dich für das andere Geschlecht entschieden? 
Ich schreibe sehr gerne über Frauen und verkehre praktisch nur mit ihnen. Mein Freundeskreis besteht praktisch nur aus Frauen. Und: Ich habe es ehrlich gesagt spannender gefunden, als über einen Mann zu schreiben. Bei einem Film, in dem es vor allem um die Emotionen geht, macht es auch mehr Sinn, die weibliche Perspektive zu wählen. Ich finde, dass der Fokus ohnehin zu sehr auf Männern liegt. Deshalb mag ich Quentin Tarantino sehr, weil er mit Filmen wie «Kill Bill» Frauen in den Vordergrund stellt.

Hast du denn keine Angst, dass du dich exponierst, wenn deine Geschichte erzählt wird? 
Doch, aber ich bin ein offenes Buch, was meine Erfahrungen angeht. Ausserdem ist ja auch nicht alles eins zu eins übertragbar. Es wird sich nie jemand wiedererkennen, die Story ist sehr entfremdet.

Uma Thurman in «Kill Bill». bild: miramax



Wer wird die Hauptrolle übernehmen? 
Das ist die Andrea Gomringer. Die Person, die ich beschreibe, ist der Andrea sehr nahe. Sie ist 22 und versteht sehr gut, was die Figur durchmacht.

Andrea Gomringer übernimmt die Hauptrolle. bild: andrea gomringer

Was ist einem denn in diesem Alter am wichtigsten? 
Ich glaube fest, dass es Liebe, Sex und Hass sind, weshalb das auch der Leitsatz des Films ist. Ich glaube auch, dass die Menschen im Alter zwischen 18 und 23 ausprobieren wollen: In den Ausgang gehen, One-Night-Stands, Leute abschleppen oder eine Beziehung suchen. Die Ausbildung und Ähnliches sind für viele meiner Meinung nach nebensächlich in dieser Phase. So nach dem Motto: Ich muss eigentlich lernen, aber es nervt mich und ich warte eigentlich nur darauf, dass wieder Wochenende ist und ich die Sau rauslassen kann. Diesen Spirit möchte ich aufgreifen.

Ich habe den Eindruck, wenn sich ein Schweizer Film mal um Jugendliche dreht, wird das Ganze gerne mal zum Klamauk ... 
Ich versuche genau das zu machen, was mir in der Schweiz fehlt. Ich habe aber auch das Gefühl, dass ein bisschen Bewegung in die Filmszene gekommen ist, weil die Leute ihre Independent-Produktionen heutzutage einfach durchziehen. Sie sagen: Es fehlen die Genre-Filme für unsere Generation. Filme, die sich auch mal ein bisschen was trauen. Es gibt ja nur zwei grosse Schweizer Streifen pro Jahr – und das sind Familienfilme. 

Lebensfindung im Film: der Trailer von «Oh Boy» (BRD, 2012). video: youtube/xverleih

Spürt ihr, dass es eine grössere Nachfrage nach Schweizer Filmen gibt, die Schweizer Themen behandeln? 
Ja, und ich probiere das Projekt auch deshalb durchzusetzen.

Sina Bauer, du bist die Produzentin – und eine Frau. Was hat dich angesprochen an dem Projekt? 
Ich bin 20 und das Drehbuch hatte für mich einen hohen Wiedererkennungswert. Ich stecke auch in dieser Selbstfindungsphase: Wo will ich hin? Wir suchen alle nach der Liebe, wir sind alle im Ausgang – ich habe nicht nur mich, sondern auch meine Generation darin gesehen. 

Es braucht also dieses Projekt?
Sina: Es ist einfach ein Film, der fehlt. Jugendliche brauchen etwas, womit sie sich identifizieren können. Auch wenn das etwas nicht Perfektes wie eine Miley Cyrus ist.
Kim: Es soll ein ehrlicher Film sein und ich kann mich leider mit amerikanischen Filmen besser identifizieren als mit Schweizer. Warum schaffen die es, dass ich den Film schaue und denke: Jawoll, so ist es! Und bei den Schweizern kommt mir in den Sinn: Nein, wir leben nicht alle in den Bergen und essen den ganzen Tag Schoggi. Gerade wir Städter haben auch andere Leben.

Und es stinkt auch mal, wenn man aufs Klo geht ... 
Kim: Eben, meine Eltern identifizieren sich mit dem Schweizer Film, und das ist super. Aber mir fehlt da die Brücke und die will ich schlagen.

Miley-Cyrus-Konzert im Mai 2014 in Köln.  Bild: EPA/DPA

Führt ein «junger Erwachsener» heute eigentlich ein anderes Leben als vor 20 Jahren? 
Kim: Ich glaube sehr stark, dass es Veränderungen gegeben hat und der Druck auf die Folge-Generationen immer grösser wird. Den deutlichsten Unterschied macht heute die Technologie aus: Social Media, Facebook, Instagram, watson – das ist alles etwas, das diese Generation prägt.

Ist das positiv? Negativ? Weder noch? 
Kim: Sowohl als auch. Ich finde es toll, wie viele Informationen heute zugänglich sind: Wenn man etwas wissen will, findet man es irgendwo. Auf der anderen Seite gilt natürlich heutzutage auch: Je mehr Likes du hast, desto mehr bist du wert. Das ist einerseits cool, aber andererseits gehen traditionelle Werte auch verloren. Da vermisse ich ein wenig die Zwischenmenschlichkeit.
Sina: Das ist vielleicht auch ein Grund dafür, dass unsere Generation mehr in den Ausgang geht. Einerseits suchen wir wieder mehr nach dem Zwischenmenschlichen, aber wollen uns auf der anderen Seite dann wieder nicht binden. So nach dem Motto: Es kommt ja vielleicht noch etwas Besseres.

Erfolg ist alles: Leonardo DiCaprio in «The Wolf of Wall Street». Bild: AP Paramount Pictures

Früher hat man sich ja beispielsweise auch noch fest verabredet, während man sich heute nicht so gerne auf etwas festlegen will ... 
Kim: Man will sich alle Möglichkeiten offenhalten, genau!
Sina: Eine andere Seite ist aber auch, dass man heute ja mit 25 am besten schon einen Bachelor und sieben Jahre Berufserfahrung haben muss. Und darum sind wir ja auch so unter Druck. Man merkt es selber, wenn man sich bewirbt oder Praktika machen will. Plus Auslandsemester, plus Fremdsprachen. Man muss alles liefern, hat aber keine Zeit, alles zu schaffen. Und wir wollen ja auch Karriere machen, damit wir uns nachher ein schönes Loft in der Altstadt leisten können.  

Warum der Hass?
Sina: Man ist auf der Suche nach Liebe, aber weil man sich vielleicht auch zu schnell auf sie einlässt, hasst man sich dann auch.
Kim: Es geht auch um Selbsthass, das Borderlinemässige. Ich liebe dich über alles, dann geht was schief und ich hasse dich voll. Da wird nicht mehr gekämpft wie noch bei den Eltern. In unserem Alter bist du zwei, drei Monate zusammen und liebst, und dann hasst du dich. Es gibt kein Durchhaltevermögen.
Sina: Es kommt ja eh «etwas Besseres». Dann ziehst du halt weiter oder gehst in eine andere Stadt.
Kim: Das kann dich depressiv machen und du fragst dich: Was ist nicht in Ordnung mit mir? Und fängst an, dich selbst zu hinterfragen und zu hassen – obwohl du einfach nur das Falsche suchst. 

Gibt es nicht eine Diskrepanz zwischen dem Nicht-Festlegen-Wollen und der Sehnsucht nach Beständigkeit?
Sina: Eben weil du als Jugendlicher unter Druck stehst, willst du abends ja auch heimkommen und in den Arm genommen werden. Das wünschen wir uns alle.
Kim: Aber dann willst du wieder keine Kompromisse eingehen dafür und dein eigenes Leben leben. Und das ist die Welt, in der meine Story spielt.

Die letzte Frage: Wie finanziert ihr das Projekt? 
Kim: Wir haben bisher Stiftungen angeschrieben und haben von der Jugendkulturpauschale und GGG Kulturkick positives Feedback bekommen. Wir sind auch mit anderen Filmförderern im Gespräch. In einer letzten Phase während des Drehs oder vielleicht sogar erst danach ist es denkbar, noch eine Crowdfunding-Kampagne zu starten. Beginnen wollen wir den Dreh im Herbst und die Veröffentlichung ist für 2016 geplant.

Kim Culetto stellt das Projekt im Video vor. video: youtube/kim culetto

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