Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Blick auf das Logo des Buendner Fleischhandelsunternehmens Carna Grischa AG, am Montag, 24. November 2014, in Landquart. Wie der Sonntags Blick schreibt, soll das Unternehmen ueber Jahre hinweg falsch deklariertes Fleisch verkauft haben. Der Verwaltungsratspraesident der Carna Grischa AG spricht von Einzelfaellen. Die Buendner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Der grösste Fleischskandal der Schweiz: Carna Grischa im Zwielicht. Bild: KEYSTONE

Machenschaften beim Bündner Fleischhändler

Fleischskandal Carna Grischa: Informant packt aus 

30.11.14, 08:22 30.11.14, 09:23

Der 30-jährige Koch B. N. hat mit seinen Enthüllungen über den Bündner Fleischhändler Carna Grischa den grössten Fleischskandal der Schweiz aufgedeckt. Er arbeitete nur fünf Monate beim Fleischhersteller. Im Interview mit «SonntagsBlick» erzählt er über die Machenschaften bei Carna Grischa. Die Frage, ob er ein Agent der Konkurrenz sei, wie ihm das vorgeworfen worden sei, verneint er. Er komme aus der Gastronomie, sei ein Quereinsteiger. Er wollte bei den Machenschaften von Carna Grischa nicht mehr mitmachen.

Wie sahen die Machenschaften aus? «Es wurde sicher seit zehn Jahren betrogen, das zeigen interne Dokumente. Und es wurde immer schlimmer. Teilweise wurden die Kunden richtiggehend verhöhnt, nachdem man ihnen etwas Falsches verkauft hatte», sagt der Informant.

Klima der Angst

Er habe selber gesehen, dass der Geschäftsführer über die Fälschungen von Deklarationen Bescheid wusste. In der Firma habe ein Klima der Angst geherrscht: «Die Angestellten hatten Angst, den Job zu verlieren. Darum haben fast alle mitgemacht.» Besonders bei Poulet und Rindfleisch sei betrogen worden. «Patriotische Küchenchefs, die nur Schweizer Fleisch wollen», seien besonders häufig übers Ohr gehauen worden.

«Es wurde sicher seit zehn Jahren betrogen, das zeigen interne Dokumente. Und es wurde immer schlimmer. Teilweise wurden die Kunden richtiggehend verhöhnt, nachdem man ihnen etwas Falsches verkauft hatte.»

«SonntagsBlick» vorliegende Dokumente zeigen, dass Carna Grischa weit häufiger betrogen hat, als Verwaltungsratspräsident Ettore Weilenmann (55) zugibt. Die Firma hat in mindestens 116 Fällen billiges Importfleisch als teures Schweizer Fleisch verkauft, Verfallsdaten gefälscht, aufgetaute Ware als Frischfleisch verramscht und Pferdefleisch als Rindfleisch deklariert. Hinzu kommen Hunderte von Verdachtsfällen – bis weit in den Oktober hinein. 

Ettore Weilenmann, Verwaltungsratspraesident des Buendner Fleischhandelsunternehmens Carna Grischa AG, gibt einer Fernsehstation ein Interview nach einer Medienkonferenz, am Mittwoch, 26. November 2014, in Landquart. Wie der Sonntags Blick schreibt, soll das Unternehmen ueber Jahre hinweg falsch deklariertes Fleisch verkauft haben. Der Verwaltungsratspraesident der Carna Grischa AG spricht von Einzelfaellen. Die Buendner Staatsanwaltschaft hat Ermittlungen aufgenommen. (KEYSTONE/Gian Ehrenzeller)

Ettore Weilenmann, Verwaltungsratspräsident des Bündner Fleischhandelsunternehmens Carna Grischa AG. Bild: KEYSTONE

Carna Grischa bringt die ganze Fleischbranche ins Zwielicht. «Der Vorfall macht mich stinksauer», wettert Ruedi Hadorn, Direkor des Schweizer Fleisch-Fachverbandes (SFF). «Jahrelange Aufbauarbeit wird kaputt gemacht.»

Laut einem Bericht der «SonntagsZeitung» sollen zwei langjährige, mittlerweile freigestellte Verkäufer verantwortlich für den Betrug sein. Es handle sich um einen Metzger und seinen Sohn aus dem Kanton Schwyz. Gegenüber der «SonntagsZeitung» wollten die beiden keine Stellung nehmen. (kub)



Hol dir die App!

Brikne, 20.7.2017
Neutrale Infos, Gepfefferte Meinungen. Diese Mischung gefällt mir.

Abonniere unseren Daily Newsletter

4
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
4Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • sewi 30.11.2014 10:44
    Highlight Also haben die "Schnäuze" gelogen. Zur Strafe( ihr kennt ja meine Kreativität) schlage ich vor dass die Chefs jeweils ein Jahr auf einer Brasilianischen Rinderfarm arbeiten müssen. Die gleiche Arbeit wie die Einheimischen und denselben Lohn.
    8 0 Melden
  • Adonis 30.11.2014 09:58
    Highlight Guten Morgen "gfc" Ich kann es nicht lassen "Merket dir öppis"`Dieses Verhalten ist "KULTUR" vom Fleisch bis zu den Knochen oder auch: "von den Banken bis zum Metzger und verhöhnen wird identisch, dass kennen wir seit kurzem von den Banken. Also "gfc", schnallst du es jetzt?!
    0 0 Melden

Und jetzt rate mal, wie viel Platz ein Schwein in einem EU-Stall hat

Geht es nach den Grünen, soll Import-Fleisch künftig höhere Tierwohl-Standards erfüllen. Der watson-Vergleich zeigt, wie es heute um die Tierhaltung in den verschiedenen Ländern steht. 

«Tierwohl statt Tierfabrik»: Mit diesem Slogan ziehen die Fair-Food-Initianten in den Abstimmungskampf. Ihr Ziel: Der Bund soll Regeln aufstellen, damit Lebensmittel umweltschonend, tierfreundlich und fair produziert werden. Produkte, die aus dem Ausland importiert werden, müssten ebenso gewisse Nachhaltigkeitsstandards erfüllen wie Lebensmittel aus dem Inland. Import-Fleisch müsste also grundsätzlich aus artgerechter Tierhaltung stammen. 

Doch wie stark unterscheiden sich die Zustände in …

Artikel lesen