Schweiz
Belfort Wahrzeichen Löwe

Der Löwe von Belfort. Bild: Wikipedia

Konkurrenz aus Frankreich

Stellen-Poker bei Alstom: Schlägt Baden die Stadt Belfort mit Lebensqualität?

Tausende von Alstom-Stellen drohen ins französische Belfort verlegt zu werden – eine für Spitzenforscher wenig attraktive Stadt, glaubt ein Betriebsrat der Firma.

07.05.14, 06:51 07.05.14, 08:55

Pirmin Kramer / Aargauer Zeitung

Ein Artikel der Aargauer Zeitung

Die ostfranzösische Stadt Belfort ist derzeit täglich in den Schlagzeilen, weil gemutmasst wird, dorthin könnte der Badener Alstom-Sitz verlegt werden. Was für eine Stadt ist Belfort? Sie zählt rund 50'000 Einwohner, ist also etwa dreimal so gross wie Baden, und liegt zwischen der Schweiz und dem Elsass, rund 40 Autominuten vom Flughafen Basel-Mülhausen entfernt.

Obschon die Stadt einwohnermässig nicht zu den Hundert grössten des Landes zählt – genau genommen belegt sie in dieser Rangliste Platz 107 – hat sie nationale Bekanntheit erlangt: Im deutsch-französischen Krieg 1870 lieferte Belfort der preussischen Armee derart harten Widerstand, dass sie nach dem Friedensschluss nicht an das siegreiche Deutschland angegliedert wurde, sondern weiterhin zu Frankreich gehörte.

Die Alstom in der ostfranzösischen Stadt Belfort. Bild: Reuters

Das berühmte Wahrzeichen der Stadt, der rund zehn Meter hohe Löwe von Belfort, der über der Stadt thront, erinnert an den damaligen Widerstandswillen der Belforter.

Etwas mehr Widerstand wünschen sich im Alstom-Geburtsort nun viele Einwohner von ihrem neuen Bürgermeister, Damien Meslot, der das Amt seit Anfang April inne hat. Seine Gegner warfen ihm letzte Woche Passivität vor, wie «Le Monde» schreibt. Er sei ganz einfach vorsichtig, entgegnete Damien Meslot und erklärte weiter, General Electric dürfe man nicht als Feind betrachten.

«Etwas verschlafen»

Ein Redaktor der «TagesWoche» schrieb Anfang April bei einem Besuch in Belfort – noch vor den Wirren um den Übernahmepoker – die Stadt wirke «etwas verschlafen». Die Lebensqualität könnte im Kampf um die Arbeitsplätze möglicherweise eine Rolle spielen.

Denn Jürg Baumgartner, Mitglied im europäischen Alstom-Betriebsrat, sagte gegenüber der «SonntagsZeitung»: «In Belfort sind Lebensqualität und Löhne tiefer. Das Gros der Angestellten, darunter hoch qualifizierte Forscher, würden sich weigern», sagt er. «Denkbar ist, dass Führung und Verwaltung, also rund 100 Stellen, nach Frankreich abgezogen werden.» Dass sämtliche Aktivitäten verschoben würden, hält Jürg Baumgartner für kaum realisierbar.

Hol dir die App!

Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Dümmste Flanke der Fussball-Geschichte kostet Frankreich in letzter Sekunde die WM-Quali

17. November 1993: Die Flüge an die WM in den USA hat der französische Verband wahrscheinlich bereits organisiert, als «Les Bleus» die Qualifikation tatsächlich noch verpassen. Einer Blamage gegen Israel folgt ein 1:2 gegen Bulgarien und ein Streit, der die Franzosen noch heute beschäftigt.

«Mein ganzes Leben wird auf zehn Sekunden reduziert.» David Ginola hadert noch heute mit einer einzigen Szene seiner langen Karriere. Am 17. November 1993, einem kühlen Mittwochabend, steht Frankreich unmittelbar vor der Qualifikation für die WM 1994 in den USA.

Nur noch Sekunden sind gegen Bulgarien zu spielen. Es steht 1:1 und dieser eine Punkt würde den Franzosen reichen.

Was dann geschieht, verfolgt Ginola, die ganze Mannschaft, Trainer Gérard Houiller, die 48'402 Zuschauer im Parc des …

Artikel lesen