Schweiz
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Ein holländischer und ein britischer Dschihadist in Syrien. Bild:International Centre for the Study of Radicalisation

Nachrichtendienst-Lagebericht 2014

Muss die Schweiz nun wirklich auf Anschläge heimgekehrter Syrien-Abenteurer gefasst sein?

In seinem aktuellen Lagebericht zieht der Nachrichtendienst des Bundes (NDB) ein positives Fazit: «Langfristig gesehen und im Unterschied zu sehr vielen anderen Ländern befindet sich die Schweiz in einer sehr stabilen und ruhigen sicherheitspolitischen Situation», heisst es zu Beginn.

Anlass zur Sorge geben aber drei Themenfelder: Spionage ausländischer Geheimdienste auf Schweizer Boden (Snowden-Affäre), geopolitische Herausforderungen wie etwa die Ukraine-Krise sowie dschihadistische Gewalt- oder Terrorakte. Konkret wird es im Kapitel «hausgemachter Terrorismus», wo sich folgende beunruhigende Einschätzung findet: 

Die Zahl der Dschihadreisenden aus Europa und aus der Schweiz in Syrien wird weiter zunehmen und damit auch die Anzahl potenzieller Rückkehrer. Kehren Dschihadreisende ideologisch indoktriniert und kampferprobt zurück, erhöht sich die Wahrscheinlichkeit, dass sie zum Beispiel Anschläge in Europa verüben.

Kurz: Immer mehr Schweizer Dschihadisten zieht es nach Syrien. Kehren sie zurück, steigt die Wahrscheinlichkeit, dass sie auch den Terror mit nach Hause bringen. Der NDB steht mit dieser Warnung nicht allein da. Geheimdienste in den USA, Grossbritannien und Deutschland äussern sich ähnlich.

Muss die Schweiz nun Anschläge heimgekehrter Syrien-Abenteurer gewärtigen?

Kein Fall aus Syrien

Seit drei Jahren wütet der Syrien-Konflikt, tausende Europäer sind als Gewalttouristen in die Region gereist, um in den Reihen der Rebellen zu kämpfen. Trotzdem ist bisher kein einziger Fall eines Syrien-Heimkehrers bekannt geworden, der zurück zu Hause einen Terroranschlag verübte. Nicht in der Schweiz und auch nicht anderswo.

Switzerland's federal intelligence service NDB director Markus Seiler speaks to media during a news conference in Bern May 5, 2014. REUTERS/Ruben Sprich (SWITZERLAND - Tags: POLITICS HEADSHOT)

NDB-Direktor Markus Seiler. Bild: Reuters

Der NDB präsentiert in seinem Bericht eine Liste mit zehn Beispielen von hausgemachtem Terrorismus in Europa und den USA. Zwei davon wurden von Tätern verübt, die Reisen nach Pakistan/Afghanistan unternommen hatten. Doch von diesen Heimkehrern auf Syrien-Dschihadisten zu schliessen, ist problematisch.

Während in Afghanistan, Pakistan, Jemen und Somalia der Westen als Feindbild herhält, ist dies in Syrien nicht der Fall. Der Bürgerkrieg ist eine innermuslimische Angelegenheit. Der Westen bekämpft die Rebellen nicht, sondern lässt ihnen in begrenztem Ausmass sogar Hilfe zukommen. Mit Iran und der libanesischen Hisbollah-Miliz, gegen deren Kämpfer die Dschihadisten antreten, steht der Westen ebenfalls im Clinch.

«Bedrohungspotenzial antizipieren»

Warum der NDB trotzdem von einer «höheren Wahrscheinlichkeit eines Anschlags» ausgeht, bleibt sein Geheimnis: «Nachrichtendienst ist keine exakte Wissenschaft im engeren Sinne», erklärt Kommunikationschef Felix Endrich auf Anfrage. «Gott sei Dank hatten wir bis jetzt noch keinen Rückkehrer oder radikalisierten Einzeltäter, der in der Schweiz Schaden angerichtet hat. Und wir hoffen alle, dass das nie eintreten wird. Aber unsere Aufgabe ist es, das Bedrohungspotenzial zu antizipieren.» 

Was bisher von Syrien-Heimkehrern bekannt wurde, lässt auf ein eher begrenztes Bedrohungspotenzial schliessen. Ein 30-jähriger Walliser, der im Frühjahr aus Syrien zurückgekehrt war und von den Schweizer Behörden wegen Beteiligung an einer terroristischen Organisation strafrechtlich verfolgt wird, hinterliess in einem Interview mit dem Westschweizer Fernsehen einen eher desillusionierten Eindruck.

Vielleicht hält es der NDB mit dem ehemaligen US-Verteidigungsminister Donald Rumsfeld: Das Fehlen von Massenvernichtungswaffen im Irak hatte dieser wie folgt erklärt: «The Absence of Evidence ist not Evidence of Absence» («Das Fehlen von Beweisen ist in sich kein Beweis»).



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    Alle Leser-Kommentare
  • zombie1969 07.05.2014 11:03
    Highlight Highlight Der Krieg in Syrien ist ein Stellvertreterkrieg zwischen Katar, Saudi Arabien, der Türkei und dem Iran, um eine gute Ausgangslage für den Sturm auf Jerusalem zu haben und somit zu klären, wer durch die Befreiung der Heiligen Stadt die Führungsrolle im Islam endgültig inne hat. Europa darf sich, nach Aussagen diverser Geheimdienste, weiterhin mit fanatisierten Islamisten rumschlagen, die in Europa weiterhin ihre eigene Parallelgesellschaft installieren.
  • Adonis 06.05.2014 19:24
    Highlight Highlight Nähme mich wunder: Hat man Geld für Gripen's, muss es auch Geld für eine gute Polizei/Geheimdienst etc. haben. Wir bezahlen ja Steuern wie wahnsinnig und nicht mal die Chaoten können dingfest gemacht werden. Wann pflücken wir Bananen in unserer Republik?
    • goschi 06.05.2014 20:15
      Highlight Highlight "Steuern wie wahnsinnig"?
      Die Schweiz hat, auch und gerade für die Mittelschicht, eine der tiefsten Steuerbelastungen überhaupt...
  • goschi 06.05.2014 18:46
    Highlight Highlight "Der Bürgerkrieg ist eine innermuslimische Angelegenheit."

    Ahja, was sagen denn die syrischen Christen dazu, die gerade von den radikalen Gruppen wie ISIS oder Al-Nusra-Front verfolgt werden?
    Und genau zu den Gruppierungen zieht es die europäische Dschihadisten.

    Es ist die Aufgabe des Nachrichtendienstes vor potentiellen Gefahren zu warnen, dies tut er, gänzlich unaufgeregt und sehr sachlich und begründet, ganz entgegen der Behauptung im Titel...
    • Patrick 06.05.2014 19:51
      Highlight Highlight Der Titel ist als Frage formuliert und somit keine Behauptung.
    • goschi 06.05.2014 20:31
      Highlight Highlight Der Titel wurde abgeändert ;-)
    • goschi 06.05.2014 21:30
      Highlight Highlight Der Titel wurde zwischenzeitlich abgeändert und auch in einer Frage kann eine Behauptung beinhaltet sein.
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