Schweiz
Geri Mueller anlaesslich einer Medienkonferenz am Dienstag, 19. August 2014, in Zuerich. Die Badener Stadtregierung hatte am Sonntagabend entschieden, dass der wegen Nackt-Selfies in die Schlagzeilen geratene Gruenen-Politiker seine Fuehrungs- und Repraesentativaufgaben als Stadtammann von Baden vorlaeufig abgeben muss. (KEYSTONE/Ennio Leanza)

Geri Müller vor der Presse: Die Nackt-Selfie-Affäre weitet sich aus. Bild: KEYSTONE

Affäre um Geri Müller

Auch Christoph Blocher wusste von den Nackt-Selfies. Und: Es gab Morddrohungen

Schon vor der Publikation der Selfie-Affäre um Geri Müller waren die fragwürdigen Bilder einem erstaunlich grossen Kreis von Personen bekannt gewesen. Auch Christoph Blocher wusste davon. Und: Es gab Morddrohungen.

24.08.14, 08:17 24.08.14, 13:47

Ein Artikel der

Schon vor der Publikation der Selfie-Affäre um Geri Müller waren die fragwürdigen Bilder einem erstaunlich grossen Kreis von Personen bekannt gewesen. Jetzt kommt aus: Auch Christoph Blocher wusste davon. Gegenüber der Zeitung «Schweiz am Sonntag» sagt der SVP-Vizepräsident, er sei darüber in Kenntnis gesetzt worden, nachdem die sogenannte «Nackt-Selfie-Affäre im Bundeshaus» von der NZZ aufgedeckt worden war.

Christoph Blocher und Geri Müller 2007 im Nationalrat. Bild: KEYSTONE

Blocher sagt: «Danach erzählte mir jemand, Geri Müller sei auch einer, der ‹so etwas› mache.» Wer ihm das mitgeteilt habe, sagt Blocher nicht. «Mehr weiss ich nicht, und es interessierte mich auch nicht.»

Wollte der Überbringer der Nachricht die Geschichte via Blocher in die Medien bringen? «Das weiss ich nicht», sagt der SVP-Politiker.

«Danach erzählte mir jemand, Geri Müller sei auch einer, der ‹so etwas› mache.» 

Christoph Blocher

Auch Christoph Blocher wusste um die Nackt-Selfies.   Bild: RUBEN SPRICH/REUTERS

Blocher ist nicht der erste Politiker, der schon vor der Publikation der Affäre am letzten Sonntag davon wusste.

SVP-Fraktion in Baden will Klarheit über Polizeieinsatz

Die SVP-Fraktion im Grossen Rat in Aarau will Klarheit zur Polizeiaktion. Die Grossräte fordern mehr Infos dazu: In einer Interpellation, die sie voraussichtlich am Dienstag einreichen wird, fordert sie deshalb vom Regierungsrat Antworten auf 13 Fragen zu den Hintergründen des Polizeieinsatzes, wie «Schweiz am Sonntag» schreibt.

Auch Roger Huber, Badener FDP-Stadtrat und Geri Müllers Konkurrent bei der Stadtammannwahl, wurde «belastendes Material» angeboten – von Geri Müllers Chat-Partnerin selbst. Darauf informierte er seinen Kollegen Müller über ein Telefonat. Das war am 2. Mai.

Und auch der Zuger CVP-Nationalrat Gerhard Pfister hatte durch ein Treffen mit der Chat-Partnerin Kenntnis von den Chats.

Morddrohungen – Badener Synagoge würde «in die Luft gesprengt»

Zwei Personen, denen in den Medien vorgeworfen wurde, sie hätten in der Affäre um Geri Müller die Fäden gezogen, haben Morddrohungen erhalten. Dies berichtet die Zeitung «Schweiz am Sonntag».

Der Anwalt Josef Bollag, Präsident der Israelitischen Kultusgemeinde Baden, bekam einen Brief, in dem ihm am Freitagmorgen Unbekannte mit dem Tod drohten und darüber hinaus warnten, die Badener Synagoge würde in die Luft gesprengt. Bollag hat die Kantonspolizei in Baden alarmiert. Die Sicherheitsvorkehrungen bei der Synagoge wurden verschärft.

Auch PR-Berater Sacha Wigdorovits erhielt am Freitag eine Morddrohung – per Telefonanruf, den seine Partnerin entgegennahm. Er hat in Zürich die Polizei eingeschaltet. Wigdorovits und Bollag kamen in die Schlagzeilen, weil sie den Medien «belastendes Material» über den Badener Stadtammann und Grünen-Nationalrat Geri Müller angeboten haben sollen.

Beide wiesen dies zurück, bestätigen aber, mit Müllers Chat-Partnerin Kontakt gehabt zu haben. (nch/Nordwestschweiz)  

Rytz sieht Ansehen der Grünen durch Affäre Müller nicht beschädigt

Grünen-Co-Präsidentin Regula Rytz glaubt nicht, dass ihre Partei durch die Affäre um Geri Müller Schaden nehmen wird. «Wir werden an unserer Politik gemessen», sagte sie im Interview mit dem «SonntagsBlick». Aus Sicht der Grünen gebe es auch keinen Grund, dass Müller zurücktreten müsse. Der Badener Stadtammann und Nationalrat habe sich für sein Verhalten entschuldigt. «Das war für uns wichtig.» Die gravierenden Vorwürfe der Nötigung und des Amtsmissbrauchs gegen Müller, die noch Anfang Woche gemacht worden seien, «sind allesamt vom Tisch». Für die Grünen sei «die Geschichte abgeschlossen», sagte Rytz. «Nun stehen medienethische Fragen im Raum. Wir verurteilen klar die Veröffentlichung von privaten Bildern und Texten ohne Einwilligung», sagte die Berner Nationalrätin weiter. (sda)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Vladtepes 26.08.2014 13:47
    Highlight Wenn man das so liegst, was diese bewusst auf gespielt naiv machende redselige Frau Rytz da so von sich gibt: "Für die Grünen sei «die Geschichte abgeschlossen», sagte Rytz. «Nun stehen medienethische Fragen im Raum. Wir verurteilen klar die Veröffentlichung von privaten Bildern und Texten ohne Einwilligung», sagte die Berner Nationalrätin weiter." Fakt ist, dass Geri Müller die Aufnahmen seines eregierten Penis im Amtsbüro machte und auch von dort versandte - keine Rede also von "reiner Privatsache"! Und gerade deshalb, Medien hin, unterstelltes Komplott her, muss (und wird) er in Kürze zurücktreten. Man muss sich mal vorstellen, was Frau Rytz gesagt hätte, wenn Christoph Blocher solche Selfies von sich aus dem NR versandt hätte ;-))! Unvorstellbar, der Klamauk....
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  • smoe 24.08.2014 20:15
    Highlight Hach, es ist schon schön aus dem Ausland ab und zu Schweizer News zu lesen und immer wieder zu sehen, dass das Land keinerlei ernsthaften Probleme zu haben scheint.
    2 0 Melden
  • papparazzi 24.08.2014 16:02
    Highlight Seit Geri Gate wissen wir, was mit dem Begriff "sexgüsi" gemeint ist...

    Herr Müller hat eine unverzeihliche Handlung gemacht, egal wie man es dreht oder argumentiert. Das Stimmvolk ist nicht dumm und weiss das auch!

    Der Schaden für die Grüne Partei wird dementsprechend hoch sein, wie Herr Müller als Person ein Aushängeschild für dieselbe war!

    Herr Müller hätte die Sache noch retten können mit einem sofortigen, klaren und konsequenten Rücktritt von seinem Stadtammannposten.

    Vertrauen und Integrität ist das höchste Gut, in der Politik.
    2 1 Melden
  • Zeit_Genosse 24.08.2014 11:05
    Highlight Die Medien haben die Kuh aufs Eis geführt und gemolken. Jetzt wo etwas auf sie zurückfällt, weil sie sich verrannt haben, suchen sie den Ausstieg. Eigentlich wollen alle nicht mehr. Was kaputt gehen konnte ist kaputt. Es gibt nichts mehr zu holen.
    17 4 Melden
    • sewi 24.08.2014 12:26
      Highlight Der Vorwurf des Amtsmissbrauchs ist nicht vom Tisch. Verrannt haben sich nicht die Medien sondern die Unterstützer Herrn Müllers
      10 20 Melden
  • Gelöschter Benutzer 24.08.2014 10:37
    Highlight Es ist doch einfach so; Herr Müller ist das Opfer eines grossen politischen Komplottes. Da haben sich einige Leute zusammen getan, die Baden wieder "bürgerlich" machen wollen. Die AZ nimmt dabei das Ruder in die Hand, als Medienportal zu fungieren und die Wende einzuläuten. Gewiss, G. Müller ist auf den inszenierten Putsch hereingefallen, jedoch werden weitere Enthüllungen eher für ihn sprechen und die Putschisten entlarven. Es ist eine Veramerikanisierung unseres Politsystems, bei der man die Schwächen derer medial ausbreitet, die man loshaben möchte. Das Volk in Baden hat zum Entsetzen einiger, sich für einen grünen Politiker als Chef im Stadthaus entschieden. Wie kann man dies wieder rückgängig machen? Geld regiert die Welt und kaufen kann man damit auch Menschen, die dafür so einiges zu tun gewillt sind.
    21 11 Melden
    • Vladtepes 26.08.2014 13:54
      Highlight Neutron: das sind alles nur letztlich völlig unerheblich Nebenerwägungen! Ob jemand Interesse an Müllers Selfies aus politischen Gründen (IM NACHHINEIN, nota bene) empfand, ist völlig sekundär. Müller hat seinen eregierten Penis aus seiner Amtsstube nicht auf Verlangen seiner Gegener verschickt, sondern völlig EIGENVERANTWORTLICH. Und da der Steuerzahler die 260'000 Franken für Müllers Jahreslohn nicht prioritär für dessen nackten Selbstdarstellungen einsetzt. Auch seine Sekretärin hat er desavouiert, indem er ihr in seinem SMS an die Chatpartnernin etwas von seinem "guten Stück" anbieten wollte. Und so Einer soll Stadtammann von Baden bleiben? Können vor lachen....
      2 0 Melden
  • Adonis 24.08.2014 10:32
    Highlight Können Sie sich vorstellen, dass man mit einer iPhone/internet- Gesellschaft das Zusammenleben in einem Volk langsam zerstören kann? Ja, ich schon.
    9 7 Melden
  • Gelöschter Benutzer 24.08.2014 09:19
    Highlight Wie war das noch? Hatte nicht die Weltwoche gesagt, dass Sie sich erst dafür interessierten nachdem die Sekretärin in Bern aufflog. Vielleicht weiss es der Vize von ..... von der Weltwoche. Wenn ich meine Fantasie einschalte so komme ich da auf ganz strube Gedanken. Vielleicht wurde die Frau auf den Stadtamman von Baden angesetzt und alles inszeniert. Wer weiss?
    16 9 Melden
    • Romeo 24.08.2014 11:11
      Highlight Inszeniert? Ein Paradigmenwechsel? Wenn, dann kommt's sicher heraus, hoffentlich.
      2 0 Melden
  • fiodra 24.08.2014 09:14
    Highlight Diese Frau hat offenbar ihre Informationen sehr weit gestreut, um Geri Müller zu schaden. Sie führt ihren gestörten Rachefeldzug über die instrumentalisierte Presse und bleibt selber in der Anonymität. Ich finde, ihr Name sollte publiziert werden, damit sie die selben beruflichen Schwierigkeiten hat wie Herr Müller - Berufsschwierigkeiten.
    21 7 Melden
    • sewi 24.08.2014 10:38
      Highlight Sie wurde gewarnt. Sagte nicht Müller: die Chance das Du das Handy bald nicht mehr hast ist gross? Wurde nicht alles versucht, Herrn Müllers 400000 Fr/ Jahr zu retten? Macht ein 54 jähriger so etwas zum ersten Mal? Ein ehem. Psychiatriepfleger?
      4 17 Melden
    • Gelöschter Benutzer 24.08.2014 10:38
      Highlight Und wem wäre damit gedient ausser der voyeuristischen Presse und Leser?
      8 4 Melden
    • sewi 24.08.2014 12:24
      Highlight @braveheart: zukünftige Opfer können vermieden werden.
      2 1 Melden
  • sewi 24.08.2014 08:30
    Highlight Nun hört der Spass aber endgültig auf. Wenn jetzt schon mit Anschlägen gedroht wird ist es Zeit aufzuhören.
    5 15 Melden

#Gerigate

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