Schweiz

Lohnungleichheit in der Schweiz

Frauen verdienen im Durchschnitt 20 Prozent weniger als Männer – jetzt ergreift der Bundesrat Massnahmen

Nach dem Scheitern des freiwilligen Lohngleichheitsdialogs ergreift der Bundesrat staatliche Massnahmen gegen die Lohndiskriminierung von Frauen. Hauptpunkt des Bundesratsbeschluss stellen regelmässige Lohnanalysen und deren Kontrolle durch externe Stellen dar.

22.10.14, 15:22

Der Grundsatz der Lohngleichheit für Frau und Mann ist sowohl in der Bundesverfassung als auch im Gleichstellungsgesetz verankert. Trotzdem verdienen Frauen in der Schweiz durchschnittlich 20 Prozent weniger als Männer. Fast die Hälfte dieser Differenz basiert auf diskriminierendem Verhalten.

Lohngleichheitsdialog gescheitert

In der Hoffnung, die Lohnungleichheit zwischen Frauen und Männer in der Schweiz freiwillig zu überwinden, setzte der Bundesrat anfangs 2009 auf den Lohngleichheitsdialog. Unternehmen sollten freiwillig überprüfen, ob ihre Löhne dem Grundsatz der Lohngleichheit entsprachen. Getragen wurde der Dialog vom Arbeitsgeberverband, vom Gewerbeverband, vom Gewerkschaftsbund und von Travail.Suisse. Nach fünf Jahren blieb der Erfolg aus: 51 Unternehmen mit 230'000 Beschäftigten beteiligten sich daran. Es fehlten jedoch ganze Branchen, etwa der Detailhandel, die Banken oder die Versicherungen. (sda)

Nach dem Willen des Bundesrates sollen Unternehmen nun dazu verpflichtet werden, regelmässig Lohnanalysen zu machen und diese von Dritten kontrollieren zu lassen. Die betriebsinterne Pflicht soll für Unternehmen mit 50 und mehr Arbeitnehmenden gelten.

Die Kontrollen sollen wahlweise von Sozialpartnern, einer Revisionsstelle oder einer staatlich anerkannten Prüfungsorganisation durchgeführt werden. Das Resultat soll im Jahresbericht erwähnt werden.

Der tatsächliche Lohnunterschied soll jedoch nicht transparent gemacht werden müssen. Im Falle von Lohndiskriminierungen, die von den Arbeitgebern nicht angegangen werden, sollen Arbeitnehmende wie heute die Lohngleichheit gerichtlich einfordern können.

Das Eidg. Justiz- und Polizeidepartement (EJPD) wird zusammen mit dem Innendepartement (EDI) und dem Wirtschaftsdepartement (WBF) bis Mitte nächstes Jahr eine Vernehmlassungsvorlage ausarbeiten, wie das Bundesamt für Justiz am Mittwoch mitteilte.

Recht auf Lohngleichheit in Verfassung festgeschrieben

Der Bundesrat prüft zudem, ob eine subsidiäre Meldepflicht für die Revisionsstellen respektive die staatlich anerkannten Prüfungsorganisationen eingeführt werden sollen, falls die Unternehmen die Empfehlungen nicht umsetzen.

Getragen wurde der Dialog vom Arbeitsgeberverband, vom Gewerbeverband, vom Gewerkschaftsbund und von Travail.Suisse. Nach fünf Jahren blieb der Erfolg aus: 51 Unternehmen mit 230'000 Beschäftigten beteiligten sich daran. Es fehlten jedoch ganze Branchen, etwa der Detailhandel, die Banken oder die Versicherungen. (wst/sda)

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
5
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
5Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Zeit_Genosse 23.10.2014 20:49
    Highlight Unternehmen führen mehrheitlich über die Lohnmasse und weniger über die Headcounts. Die Lohnmasse wird nicht steigen bei Durchsetzung von Gleichstellungen. Also werden weniger Leute beschäftigt, oder Löhne nach oben und unten angeglichen. Wichtig finde ich die Betrachtung nicht nach Geschlecht, sondern nach 1. und 2. Verdienern pro Haushalt mit Kindern. Die Erst-/Hauptverdiener sollen nicht für Zweit-/Nebenverdiennern entlassen werden (Qualifikationen berücksichtigt) oder im Lohn bestraft werden. Habe dafür keine Idee für ein gerechtes System, sondern nur ein Gefühl, dass wir den Familien sorge tragen müssen, weil sie die Zukunft bedeuten und Nachwuchs in diesem reichen Land aufziehen können sollten und wir nicht nur karriereorientierte Expats und Einwanderer berücksichtigen sollten. Etwas idealistisch, ich weiss....
    0 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 22.10.2014 17:23
    Highlight Die Männer müssen dafür Erwerbsersatz bezahlen!! Dies gleicht das Ganze wieder aus!!
    1 1 Melden
    • ⚡ ⚡ ⚡☢❗andre ☢ ⚡⚡ 22.10.2014 18:24
      Highlight Die Ausgleichkasse zahlt dem Arbeitgeber Erwerbsersatz für die Zeit in der der Arbeitnehmer im Militär/Zivilschutz ist. Meinst du vielleicht Wehrpflichtersatz?
      1 0 Melden
  • klugundweise 22.10.2014 16:49
    Highlight Wir warten auf die Durchsetzungsinitiative "gleicher Lohn für gleiche Arbeit". Das Volk hat dies doch beschlossen!
    7 3 Melden
  • Der Tom 22.10.2014 15:39
    Highlight Das ist ja ein riesiges Sparpotential!! Jetzt kann man die Löhne vieler Männer nach unten korrigieren.
    9 2 Melden

Fertig gepafft auf dem Perron? SBB prüfen schweizweit komplett rauchfreie Bahnhöfe 

In etwas mehr als einem Jahr könnte es auch vorbei sein mit Rauchen in Bahnhöfen: Gemäss einem unpublizierten SBB-Papier könnten mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 sämtliche Bahnhöfe in der ganzen Schweiz rauchfrei werden. Dies berichtet die NZZ.

Im Rahmen einer Testphase sollen ab dem nächsten Fahplanwechsel vom 8. Dezember 2017 drei verschiedene Nichtraucherregelungen während eines Jahres geprüft werden.

Gemäss dem Papier will die SBB-Konzernleitung im zweiten Quartal 2018 definitiv …

Artikel lesen