Schweiz

Liebt er es mehr als die Gemeinde? Andreas Glarners Laptop im Bundeshaus. Bild: KEYSTONE

In Glarners Gemeinde formiert sich Widerstand: Ein Verein will eine neue Dorfpolitik

In Aargaus reichster Gemeinde formiert sich ein Verein, der eine neue Dorfpolitik machen will.

16.02.17, 01:57 16.02.17, 10:34

Rolf Cavalli / Aargauer Zeitung

Siegfried Renggli, 46-jährig, ist Biobauer und lebt seit 17 Jahren in Oberwil-Lieli. Er ist das Aushängeschild des Vereins «Lebenswertes Oberwil-Lieli», der in diesen Tagen gegründet wird und unter anderen Leute rekrutiert, die sich in der IG Solidarität für die Aufnahme von Flüchtlingen einsetzt.

Vereinsziel ist es nach eigenen Angaben, sich für eine «aufbauende, faire, vielfältige und nachhaltige Politik» in Oberwil-Lieli einzusetzen. Der Verein will für «erschwinglichen Wohnraum» und eine «ausgewogene Durchmischung der Bevölkerung» sorgen und stehe allen offen, die sich «zukunftsorientiert und konstruktiv» im Dorf einsetzen wollten.

Der Name Glarner fällt zwar kein einziges Mal im Communiqué und Renggli betont: «Wir wollen keine Gegenbewegung sein, sondern eine Vorwärts-Bewegung.»

Doch in jeder Silbe der Gründungsmitteilung liest man mit: Die Leute von «Lebenswertes Oberwil-Lieli» wollen das Gegenteil sein von all dem, was Gemeindeammann Andreas Glarner aus ihrer Sicht verkörpert: Intoleranz, destruktive Politik, einer, der aus Oberwil-Lieli ein Dorf nur für Reiche machen wolle.

Es gebe hervorragende Köpfe in Oberwil-Lieli, die etwas bewegen wollten, sagt Renggli. Wie häufig in kleineren Gemeinden spreche Parteipolitik aber nicht alle an. «Mit unserem parteiunabhängigen Verein möchten wir diese Kräfte bündeln.»

Tritt Glarner überhaupt an?

Renggli spricht nicht gern über Andreas Glarner. Das sei genau das Problem in der Gemeinde, dass sich alles nur noch um den Ammann drehe.

Klar ist aber: Der Verein «Lebenswertes Oberwil-Lieli» will im Herbst an den Gemeinderatswahlen eine Rolle spielen. «Viele Leute im Dorf sind aufgrund der Ereignisse der letzten Monate angespornt, anzutreten.»

Das unausgesprochene Ziel ist klar: Glarner soll als Gemeindeammann abgelöst werden. Was sagt der umstrittene SVP-Politiker zur neuen Konkurrenz?

SVP-Nationalrat und Gemeindeammann von Oberwil-Lieli, Andreas Glarner. Bild: KEYSTONE

«In einer Demokratie kann selbstverständlich jeder antreten», meint Glarner auf Anfrage, um gleich gewohnt spitzzüngig anzumerken: «Wer dann aber auch bereit ist, für einen so tiefen Tarif für die Gemeinde zu arbeiten, ist eine andere Frage.»

In Oberwil-Lieli erhält der Ammann eine Jahresentschädigung von 24'000 Franken, ein normaler Gemeinderat 14'000 Franken. Glarner wehrt sich vehement gegen eine höhere Entlöhnung. Umso mehr steht Glarner dazu, das Dorf für Reiche attraktiv zu machen: «Wir haben in meiner Amtszeit viele gute Steuerzahler in die Gemeinde geholt.»

Ob SVP-Nationalrat und Unternehmer Glarner überhaupt nochmals als Ammann antritt, ist noch offen. Wenn ja, wird er kaum im Schlafwagen wiedergewählt. Schon vor vier Jahren war sein Wahlresultat eher bescheiden, erhielt er doch die wenigsten Stimmen aller fünf gewählten Gemeinderäte.

Glarner dazu: «Das ist normal.» Der Ammann sei der, der alles unterschreiben müsse und sich so nicht bei allen beliebt mache.

400'000 Franken für Flüchtlinge

Einwohner von Oberwil-Lieli spenden der Hilfsorganisation «Schwizerchrüz» 400'000 Franken. Die Organisation hilft Flüchtlingen in Griechenland und der Türkei. Ammann Andreas Glarner hatte sie letztes Jahr besucht. Die Summe ist überraschend hoch. An der Gemeindeversammlung wurden letzten November 50'000 Franken als Spende gesprochen. In der Zwischenzeit sind nochmals 350'000 Franken dazugekommen, wie aus den jüngsten Gemeindenachrichten hervorgeht. Ein einzelner Spender alleine hat offenbar 250'000 Franken beigesteuert, bestäigt Andreas Glarner. Kritiker monieren, die Aktion sei vor allem eine PR-Aktion, die Gemeinde betont: «Es sind Taten, die zählen!»

Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
16
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
16Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gelöschter Benutzer 16.02.2017 11:00
    Highlight Glarner soll abgetaucht sein...

    38 7 Melden
  • Gelöschter Benutzer 16.02.2017 10:02
    Highlight Weisst ihr woran man merkt dass keine jungen Leute in diesem Verein sind? Dene wäre aufgefallen dass die Abkürzung "LOL" ist. ;)
    20 5 Melden
  • piedone lo sbirro 16.02.2017 10:02
    Highlight stellen sie sich vor sie fahren ins wochenende oder in die ferien, und auf die frage woher sie kommen, müssen sie mit oberwil-lieli antworten...

    oberwil-lieli? an wen die leute da wohl denken... :-(
    wenn ich mich in den ferien derart schämen müsste, würde ich wohl auch einen entsprechenden verein gründen...
    18 9 Melden
    • Genital Motors 16.02.2017 11:24
      Highlight Falls man nicht der Meinung von Glarner ist, Gibt bestimmt viele, welche auch stolz darauf sind. :-)
      5 3 Melden
  • Gelöschter Benutzer 16.02.2017 09:26
    Highlight "Das könnte dich acuh interessieren:"

    Kleiner Korrekturvorschlag ;)
    2 4 Melden
    • Laurent 16.02.2017 10:34
      Highlight @Aron777: Vorschlag angenommen, danke :)
      6 3 Melden
  • Pafeld 16.02.2017 08:46
    Highlight Auf den Terminus "viele gute Steuerzahler" stellt sich mir immer die Frage, ob diese Leute mit Ausnahme von Geld sonst nichts zur Gemeinde beitragen können und ob sie wissen, dass sich der Lokalpolitiker ausschliesslich nur für ihr Geld interessiert. Und meistens sind es dann auch noch solche, welche den zunehmenden Verlust des Nachbarschaftsgefühls beklagen.
    24 2 Melden
  • Midnight 16.02.2017 08:15
    Highlight Wow, ein edles Ziel, das da angestrebt wird. Respekt!
    10 6 Melden
  • Posersalami 16.02.2017 07:47
    Highlight "Glarner dazu: «Das ist normal.» Der Ammann sei der, der alles unterschreiben müsse und sich so nicht bei allen beliebt mache."
    Ja Herr Glarner, genau nur aus diesem Grund mag man sie nicht mehr. Hat sicher nichts zu tun mit ihrer "Politik".
    36 6 Melden
  • oXiVanisher 16.02.2017 07:46
    Highlight "It's better to burn out than to fade away!"
    Zum glück scheint Glarner ein Nirvana fan zu sein. ;)
    7 5 Melden
    • Tooto 16.02.2017 11:16
      Highlight Eigentlich ein Neil Young Zitat :D
      Aber schön gesagt
      7 1 Melden
    • oXiVanisher 16.02.2017 15:16
      Highlight Jo ich weiss, aber Nirvana passte einfach viel besser ;D
      2 1 Melden
  • N. Y. P. 16.02.2017 07:26
    Highlight Die Leute von «Lebenswertes Oberwil-Lieli» wollen das Gegenteil sein von all dem, was Gemeindeammann Andreas Glarner aus ihrer Sicht verkörpert: Intoleranz, destruktive Politik, einer, der aus Oberwil-Lieli ein Dorf nur für Reiche machen wolle.

    Es gibt also noch Hoffnung. Ich dachte mir immer, dass es einfach nicht sein kann, dass ganz Oberwil-Lieli gleich tickt wie der ehrenwerte Herr Glarner.
    19 8 Melden
  • Genital Motors 16.02.2017 07:18
    Highlight Andreas Glarner: Gibt sich, macht und hat Mühe.
    aber 400`000 Stutz. Chappeau.
    8 3 Melden
  • Gelöschter Benutzer 16.02.2017 02:54
    Highlight "Der Ammann sei der, der alles unterschreiben müsse und sich so nicht bei allen beliebt mache."
    Endlich verstehe ich, warum sich Glarner so ... verhält: Er tut sich NICHT BELIEBT MACHEN!😯
    138 20 Melden
    • pamayer 16.02.2017 06:15
      Highlight 😂😂😂
      61 11 Melden

Fertig gepafft auf dem Perron? SBB prüfen schweizweit komplett rauchfreie Bahnhöfe 

In etwas mehr als einem Jahr könnte es auch vorbei sein mit Rauchen in Bahnhöfen: Gemäss einem unpublizierten SBB-Papier könnten mit dem Fahrplanwechsel im Dezember 2018 sämtliche Bahnhöfe in der ganzen Schweiz rauchfrei werden. Dies berichtet die NZZ.

Im Rahmen einer Testphase sollen ab dem nächsten Fahplanwechsel vom 8. Dezember 2017 drei verschiedene Nichtraucherregelungen während eines Jahres geprüft werden.

Gemäss dem Papier will die SBB-Konzernleitung im zweiten Quartal 2018 definitiv …

Artikel lesen