Schweiz
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ARCHIVBILD ZUM MOEGLICHEN STELLENABBAU BEIM BUND -- Folders on shelves at the Swiss Federal Tax Administration (SFTA) office in Berne, Switzerland, on March 3, 2015. (KEYSTONE/Gaetan Bally)

Bundesordner im IT-Zeitalter: Bei der Nutzung neuer Technologien in der Verwaltung hinkt die Schweiz hinterher. Bild: KEYSTONE

Mehr Innovation für die Verwaltung: Die Schweiz bekommt ein Staatslabor

Die immer komplexere Welt ist eine Herausforderung für die öffentlichen Verwaltungen. In der Schweiz fehlte bislang eine Innovationsplattform, wie sie in anderen Ländern existiert. Diese Lücke wird nun geschlossen.



Man kennt das Klischee: Beamte sind «faule Säcke», die «Dienst nach Vorschrift» schieben und Neuerungen skeptisch bis feindselig begegnen. Die Realität ist weniger simpel. Viele Staatsangestellte sind offen für neue Technologien und ihre Anwendung. Häufig fehlen jedoch der Zugang und das Knowhow. In der Schweiz herrscht diesbezüglich eine Lücke.

Das wirkt erstaunlich, denn in den globalen Innovationsrankings ist die Schweiz regelmässig top. Bei der Nutzung neuer Technologien in der Verwaltung aber hinkt sie hinterher. Andere Länder haben Innovationsstellen gegründet, die teilweise in die nationalen Regierungen integriert sind. Beispiele sind das MindLab in Dänemark, das österreichische GovLab und das Behavioural Insights Team, das von der britischen Regierung gegründet wurde.

Joerg De Bernardi, Delegierter fuer Konfederale Beziehungen des SECO, posiert am Mittwoch 24. November 2010 in Bern. (KEYSTONE/Peter Schneider)

Vizekanzler Jörg de Bernardi wirkt als «Geburtshelfer» des Staatslabors. Bild: KEYSTONE

In der Schweiz gab es bislang nichts Gleichwertiges. Nun wird diese Lücke mit einer neuen Einrichtung geschlossen, dem Staatslabor. Es wird am Montag in Bern offiziell lanciert. «Wir verstehen uns als Knowhow-Plattform», sagt Mitgründer Maximilian Stern. Man wolle die öffentliche Verwaltung beim Zugang zu innovativen Lösungen unterstützen, wie sie von Firmen und NGOs bereits angewendet werden. Das Staatslabor stelle ein entsprechendes Netzwerk zur Verfügung.

Angesprochen werden alle Ebenen, also Gemeinden, Kantone und Bundesverwaltung. Die Resonanz sei sehr positiv, sagt Stern. «Viele Verwaltungsleute sind sehr offen, sie denken innovativ. Ihnen fehlte bislang jedoch eine Testumgebung.» An der Lancierung am Montag wird mit Vizekanzler Jörg de Bernardi einer der höchsten «Verwaltungsbeamten» des Landes teilnehmen – ein Indiz für den Goodwill, den die «Laboranten» bei den staatlichen Stellen geniessen.

Gemeinnütziger Verein

Als Beispiele für Projekte, die das Labor unterstützen könnte, nennt Stern die Verwendung der Blockchain oder von künstlicher Intelligenz. Man könne auch Tests auf Gemeindeebene durchführen, etwa mit einer neuen Sozialpolitik. Oder Ideen entwickeln für eine bessere politische Einbindung jener 25 Prozent der Bevölkerung, die nicht über das Stimm- und Wahlrecht verfügen.

Organisiert ist das Staatslabor als gemeinnütziger Verein mit einer Geschäftsführerin. Der Sitz befindet sich am neuen Impact Hub in Bern, der auch zu den Innovationspartnern des Staatslabors gehört, neben dem Förderfonds Engagement Migros sowie dem Centre for Public Impact, einer Stiftung, die von der Boston Consulting Group gegründet wurde.

Zwei mögliche Hürden

Das Staatslabor dürfte einem Bedürfnis entsprechen. In der Vergangenheit hat die Schweiz oft abgewartet, ob sich eine Idee durchsetzt. Beispiele sind das Frauenstimmrecht oder die AHV. In der schnelllebigen und komplexen Welt von heute ist diese Strategie nicht sonderlich ratsam. Eine offene Frage bleibt vorerst, ob die innovativen Projekte jene Hürden überwinden können, die hierzulande neuen Ideen oft im Wege stehen: der Föderalismus und das liebe Geld.

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    Alle Leser-Kommentare
  • G. Schmidt 28.01.2017 14:54
    Highlight Highlight Bürokratie 2.0!

    Einführung von gemeinen Captchas bei Formularen...
  • Homes8 24.01.2017 10:39
    Highlight Highlight Ein Verein der sich "Staatslabor" nennt, geht das?
  • Denk nach 23.01.2017 19:43
    Highlight Highlight Ich denke es macht grundsätzlich wenig Sinn in einigen Bereichen 26 Lösungen bei den Kantonen oder noch besser 2000 Lösungen bei Gemeinden zu haben. Hier könnte man als einheitlicher Einkäufer von Systemen massiv Geld sparen. Für das braucht es aber Kontakte und Know-how! Meines Erachtens also einen Versuch wert!
  • Theor 23.01.2017 18:20
    Highlight Highlight Vermutlich werden wir von der Einrichtung erst wieder in den Nachrichten lesen, wenn Verfahren wegen Korruptionsverdacht und unter der Hand vergebene Mega-Aufträge bekannt werden...

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