Schweiz

Partystimmung fast wie bei den Anhängern des französischen Front National. Video: 20minutes/mkm

«On est chez nous» – Darum skandierten die Sieger in Moutier Front-National-Parolen

Moutier spaltet sich von Bern ab und wird jurassisch. Bei der grossen Feier nach der historischen Abstimmung fielen die Neu-Jurassier auch mit einem besonderen Siegesschrei auf. 

19.06.17, 19:59 20.06.17, 11:39

Nach dem gestrigen «Mouxit» wurde im heute noch bernjurassischen Städtchen Moutier rege gefeiert. Die Autonomisten schwangen die jurassische Fahne, sangen die offizielle Jura-Hymne – und sie grölten: «On est chez nous» (Wir sind hier zu Hause).

Dieser Satz, oft rhythmisch mehrmals nacheinander gebrüllt, kommt wohl vielen bekannt vor. Denn: «On est chez nous» ist der Slogan von Marine Le Pen und ihren nationalistischen Anhängern.

Twitter Lucien christen

Das «Zuhause» Kanton Jura

Der Sprecher des Pro-Komitees «Moutier Ville Jurassienne», André Montavon, erklärt: «‹On es chez nous› war nicht ein offizieller Wahlspruch von uns. Den Satz haben gestern gewisse Pro-Jurassier ausserhalb unseres Komitees ertönen lassen.»

Er sei aber überzeugt, dass dahinter keine Anlehnung an den Front National stecke. Viel eher hätten die Menschen damit wohl ausdrücken wollen, dass sie glücklich sind, endlich «nach Hause» in den Kanton Jura zu gehen. 

«Die Nähe zum identitären Diskus ist nicht gegeben»

Der Politologe Marc Bühlmann sieht das ähnlich: «Die Nähe zwischen dem identitären Diskurs von Marine Le Pen und den Autonomisten ist hier nicht gegeben.» Die Pro-Jurassier würde er auch nicht als rechtskonservativ oder gar nationalistisch bezeichnen. «Es geht hier um eine ganz andere Geschichte, das ist nicht vergleichbar.»

Der Slogan «On est chez nous» habe es in der Region ausserdem schon lange vor Le Pen gegeben, so Bühlmann. Er werde besonders im Sport rege genutzt. Dass die Pro-Jurassier den Satz nun auch am gestrigen, historischen Tag in der Politik vor sich hin johlten, ohne an die mögliche Konnotation zu denken, sei wohl ein bisschen ungeschickt, aber: «Im Freudentaumel überlegt man nicht immer so viel.»

Beim westschweizer Fernsehsender RTS hat man den Slogan auch bemerkt

Video: streamable

Trennungsgelüste überall: Wer es Moutier gleichtun könnte

Das könnte dich auch interessieren:

Der Kicker, der nie kickte – die bizarre Geschichte von Fake-Fussballer Carlos Kaiser 

Apple knickt ein – neues Feature gibt iPhone-Usern (endlich) die Wahl

Das sind die Rekordtorschützen in Europas Top-Ligen

Kein Plastikmüll mehr bis 2030: Mit diesen 3 Massnahmen will es die EU schaffen

US-Kongress findet Kompromiss gegen «Shutdown» – die grössere Hürde kommt aber noch

Dortmund gegen Hertha nur mit unentschieden

Mord an Ex-YB-Spieler Andrés Escobar: Mutmasslicher Auftraggeber wurde verhaftet

Neue Umfrage zeigt: Die Gegner der No-Billag-Initiative liegen vorne – und zwar deutlich

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
11
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
11Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Luca Brasi 20.06.2017 10:29
    Highlight Peinlicher Artikel. Wenn jemand sich erklären müsste, dann ja wohl der Front national.
    "Oh, die Faschisten singen jetzt das Lied, das wir seit Jahrzehnten singen? Ja dann dürfen wir es nicht mehr singen und überlassen es denen."
    Was ist denn das für eine krude Logik?
    Das grenzt schon an Rufmord gegen die Pro-Jurassier.
    Moutier hat sich demokratisch entschieden den Zustand, der seit dem Wiener Kongress 1815 bestand zu ändern wie übrigens Laufen, etc. auch. Aber damals gab es eben keine Boulevard-Wörter wie Mouxit.
    29 4 Melden
  • Mia_san_mia 20.06.2017 06:13
    Highlight Das wird glaub ich bei den Welschen auch beim Hockey und so weiter gesungen...
    35 1 Melden
  • Fairness_3 20.06.2017 01:33
    Highlight Sorry aber hier wurde wieder mal versucht eine Gruppierung mit einer rechtsextremen Partei zusammen zu bringen. Dieser Artikel ist mehr als unnötig.
    43 8 Melden
    • Olaf! Team #JaBillag 20.06.2017 09:21
      Highlight Falls du ihn gelesen hättest, würdest du wissen, dass es im Artikel darum geht, dass es eben gerade nicht so ist.
      8 6 Melden
    • meine senf 20.06.2017 12:09
      Highlight Olaf: Naja, so halber. Es wird zwar schon erklärt, dass der Spruch nicht im Sinne des Front National gemeint ist. Es wird aber immer noch suggeriert, dass der Spruch vom Front National stamme und von den (tendenziell meist eher linken) Jura-Aktivisten "unbedachterweise" übernommen wurde.

      Dabei gab es diesen Spruch schon lange vorher und in anderen Zusammenhängen.

      Zumindest ein Politologe sollte das doch wissen
      Stattdessen "schenkt" er so diesen Spruch geradezu den Rechtsextremen.

      (Vorurteil meinerseits: Politologen besuchen selten Hockey-Spiele)
      12 2 Melden
  • Hypnos350 20.06.2017 01:31
    Highlight Da hat wohl jemand was gesucht aber nichts gefunden?
    Nicht alles was politisch unkorrekt klingt ist auch politisch Unkorrekt! 😒
    29 4 Melden
  • The Origin Gra 19.06.2017 23:08
    Highlight Ich hoffe das Pro Berner jetzt nicht Ausgegrenzt und Diskriminiert werden, bei einigen Hardcore Jurasiern bin ich da nicht sicher ☹
    23 6 Melden
  • HansDampf 19.06.2017 20:30
    Highlight Wird bei jedem Heimsieg in Eishockey- und Fussballstadien in der gesamten Westschweiz seit Jahren resp. Jahrzehnten skandiert. Absolut kein Bezug zum Front National.
    138 7 Melden
    • andre63 19.06.2017 20:39
      Highlight also bei auswärtssiegen noch fast schöner zu singen 🤗
      57 3 Melden
    • Dan Rifter 20.06.2017 22:53
      Highlight Jep, das Lied dient vor allem dazu, als Auswärtsfans das Heimpublikum zu verhöhnen
      2 0 Melden
  • andre63 19.06.2017 20:16
    Highlight on est chez nous....
    wird im welschen sprachgebrauch schon lange verwendet.
    eine parallele zu le pen herzuleiten, ist weit hergeholt.
    134 5 Melden

«Auf rätoromanische Sendungen kann man verzichten»: Wie ein Politiker die Bündner erzürnt

«Völliger Humbug.» Warum sich Politiker und Twitter-User über 17 Sekunden in der Nachrichten-Sendung «10vor10» aufregen.

Der Abstimmungskampf zur No-Billag-Initiative kommt in die entscheidende Phase. Immer mehr Parteien bestimmen ihre Parole. In rund einer Woche steht die spannendste Delegiertenversammlung auf der Agenda. Dann entscheidet sich, wie sich die SVP Schweiz positioniert.

Um den Puls der SVP-Anhänger zu spüren, besuchte die SRF-Nachrichten-Sendung «10vor10» die Delegiertenversammlung der Berner Kantonalpartei. Eine klare Mehrheit war dabei für ein Ja, obwohl der Vorstand sich für eine Ablehnung …

Artikel lesen