Schweiz

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Mami mit 12 Jahren: Wie gefährlich wird es, wenn ein Kind ein Kind zur Welt bringt?

In Biel erwartet eine 12-Jährige ein Kind von ihrem 17-jährigen Freund. Eine Gynäkologin erklärt, was auf das Mädchen zukommt.

05.08.17, 16:10 06.08.17, 06:34

Samuel Schumacher / Schweiz am Wochenende

Mutter mit zwölf Jahren, das ist – je nach Perspektive – tragisch oder einfach nur unglaublich. Aussergewöhnlich ist der Fall der schwangeren 12-jährigen Bielerin, der diese Woche bekannt wurde, aber auf jeden Fall. Im Zentrum stehen Fragen wie jene, ob sich der 17-jährige werdende Vater strafbar gemacht hat oder ob eine 12-Jährige überhaupt schon Verantwortung für ein Kind übernehmen kann.

Irène Hösli, Chefärztin für Geburtshilfe und Schwangerschaftsmedizin am Unispital Basel, stellt sich eine andere Frage: Ist eine 12-Jährige in der Lage, ohne grössere Komplikationen zu gebären? Oder wird es gefährlich, wenn ein Kind ein Kind zur Welt bringt?

Diese Fragen, sagt Irène Hösli, würden in der Fachwelt kontrovers diskutiert. Ein Risikofaktor sei die physiologische Unreife des mütterlichen Körpers. «Demgegenüber stehen die deutlich grössere Elastizität des Bindegewebes und die effektivere Wehentätigkeit», sagt die Gynäkologin.

Andere Risikofaktoren, die bei sogenannten Adoleszentenschwangerschaften überdurchschnittlich häufig eine Rolle spielten, seien etwa ungenügende Vitaminzufuhr wegen falscher Ernährung, zu wenige Schwangerschaftskontrollen, soziale und finanzielle Schwierigkeiten und damit einhergehende emotionale Stressbelastungen, sagt Irène Hösli. Kinder von extrem jungen Müttern würden nicht zuletzt deshalb oft zu früh geboren und hätten nicht selten ein verlangsamtes Wachstum.

Kind kriegt Kind

Ein 12-jähriges Mädchen aus der Region Biel erwartet ein Baby von einem 17-Jährigen. Ist das überhaupt erlaubt? Und wie sieht der Fall rechtlich aus? Video: © TeleM1

Nirgendwo seltener als hier

Grundsätzlich sind Schwangerschaften wie jene der 12-jährigen Bielerin aus medizinischer Sicht also höchst unerwünscht. Weltweit gibt es jährlich geschätzte 16 Millionen schwangere Frauen unter 19. Die unter 15-Jährigen machen nur rund ein Prozent aus. «Die Schweiz hat die tiefste Rate an Adoleszentenschwangerschaften von allen Ländern», sagt Hösli. Gründe dafür seien die gute Schulbildung und die Sexualaufklärung, der niederschwellige Zugang zu Verhütungsmitteln und die kulturellen Vorstellungen hinsichtlich der Rolle der Frau.

Zum Fall der 12-Jährigen sagt die Gynäkologin: «Es ist dieser jungen Frau sehr hoch anzurechnen, dass sie das Kind zur Welt bringen will und keinen Schwangerschaftsabbruch durchführen liess.» Wichtig sei für sie jetzt eine professionelle Begleitung durch die Familie, durch Gynäkologen und Psychologen. «Es sollte das Ziel unserer Gesellschaft sein, dass diese jungen Mütter nach der Geburt ihren schulischen oder beruflichen Werdegang fortsetzen können und alle Unterstützung erhalten, die sie benötigen.» (aargauerzeitung.ch)

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    Alle Leser-Kommentare
  • meine senf 06.08.2017 12:08
    Highlight Sex sells und alle stürzen sich wie die Schmeissfliegen auf DAS Boulevard-Ereigniss dieses Monats. Dieses Mädchen tut mir echt leid, wie sie von den Medien ausgeschlachtet wird.
    7 2 Melden
  • Pana 05.08.2017 21:50
    Highlight Gynäkologin Dr. Hösli. Hihi.
    66 3 Melden
  • EnteEnteEnte 05.08.2017 18:26
    Highlight Liebe Medien,
    Wir haben es alle gelesen. Wir sind alle schockiert/überrascht/besorgt. Ihr habt euer Ziel erreicht. Fertig jetzt. Lasst das Mädchen nun in Ruhe. Sie wird betreut, alles ist geregelt. Nächstes Thema. Etwas öber Narwale wäre toll. Danke schön.
    122 3 Melden
  • Brummbaer76 05.08.2017 18:11
    Highlight Manchmal verstehe ich die Medien nicht. Ein Artikel vllt. zwei hätten zu diesem Thema gereicht. Ich denke sie hat mit der Schwangerschaft schon genug Probleme. Muss man das dann Medial Ausschlachten.
    Ich weiss das Watson auch Boulvard ist, aber muss man dann wirklich alles Bringen? Wenn ja dann Bitte hört auch andere Medien zu kritisieren?
    Ich erinnere an den Bericht von Hansi Voigt über Jolande Spiess-Hegglin. Das hier geht in die gleiche Richtung.
    Eine Medienkampagne auf Kosten einer 12 Jährigen.
    Man kann das Thema Teenager Schwangerschaft auch ohne Bezug auf eine Person bringen.
    127 6 Melden
    • trio 05.08.2017 19:28
      Highlight Hier ist die 12 jährige jedoch anonym, nicht ganz das gleiche.
      17 13 Melden
  • Scaros_2 05.08.2017 17:53
    Highlight Mein gott. Das glaub ketzt der 8. artikel von watson, 20.min und co.
    70 5 Melden
  • oliversum 05.08.2017 17:12
    Highlight Im Mittelalter war es vollkommen normal, dass man mit 12 Mutter wurde.
    18 58 Melden
    • Ylene 05.08.2017 17:52
      Highlight Wird schwierig, wenn die erst mit so 14 Jahren die erste Mens hatten... https://www.bustle.com/articles/114490-the-average-age-women-got-their-first-period-throughout-history Mädchen durften mit 12 heiraten, Jungs mit 14. Allerdings haben nur die Reichen so früh geheiratet. Besonders Männer, welche in relativ arme Verhältnisse geboren wurden, mussten zuerst mal versuchen, zu ein bisschen Geld zu kommen und haben - falls überhaupt - erst ca. Ende 20 geheiratet. Frauen haben mit so 17-20 geheiratet, ausser sie waren wirklich arm. Da waren die auch zuerst am arbeiten als Bedienstete, etc.
      51 2 Melden
    • roger_dodger 05.08.2017 19:25
      Highlight Dann schaut Euch mal ein paar Drittweltländer an, dort ist das nichts aussergewöhnliches.
      Ausserdem glaube ich nicht, dass die Natur den Menschen in diesem Alter zEugungsfähig gemacht hätte wenn die Geburt medizinisch nicht möglich wäre.
      12 28 Melden
    • bilbo 06.08.2017 10:17
      Highlight @ roger:
      Ja, aber schau dir doch auch die Müttersterblichkeit in den Drittweltländern an. Dass die hoch ist liegt nicht zuletzt daran, dass die Mütter manchmal sehr jung sind.
      3 0 Melden
  • Charlie Brown 05.08.2017 17:05
    Highlight Spannend: "«Die Schweiz hat die tiefste Rate an Adoleszentenschwangerschaften von allen Ländern», sagt Hösli. Gründe dafür seien die gute Schulbildung und die Sexualaufklärung, der niederschwellige Zugang zu Verhütungsmitteln und die kulturellen Vorstellungen hinsichtlich der Rolle der Frau."

    Welche Partei setzt schon wieder alles daran, all diese Faktoren zu verschlechtern? 🤔
    75 23 Melden
    • senfmayo 05.08.2017 17:51
      Highlight Die EVP?
      52 6 Melden
    • Charlie Brown 05.08.2017 18:49
      Highlight Ist die EVP bildungskritisch?
      6 6 Melden
    • seventhinkingsteps 05.08.2017 20:00
      Highlight Nein, nein, du verstehst das falsch. Das sollte man alles privatisieren weil kann der 👏👏👏 MARKT 👏👏👏 das regeln.
      16 6 Melden
    • senfmayo 06.08.2017 07:28
      Highlight @Charlie: Nein, die Evolutionstheorie ist halt einfach falsch weil sie der Bibel widerspricht
      5 0 Melden
    • Mia_san_mia 06.08.2017 08:25
      Highlight Welche Partei?
      1 1 Melden
    • roterriese {gender fluid; AH-64} 06.08.2017 11:52
      Highlight die SP? Unglaublich wie einige versuchen bei fast jedem Artikel Stimmung gegen eine bestimmte Partei zu machen.
      4 4 Melden
    • Charlie Brown 06.08.2017 20:12
      Highlight @roterriese: Ich versuche nicht Stimmung zu machen. Schon gar nicht bei jedem Artikel (ganz im Gegensatz zu dir punkto JuSo, welche ich auch nicht unterstütze).

      Ich stelle nur nüchtern fest, dass rechtsaussen all diese Errungenschaften blöd findet.
      3 5 Melden
  • nor 05.08.2017 16:31
    Highlight Und was genau muss man dem Mädchen hoch anrechnen? Ihren Mut? Ihre naivität? Verstehe diese Aussage nicht.
    75 28 Melden
    • Fountain Pen 05.08.2017 17:20
      Highlight Sie gibt dem Menschenkind eine Chance. Sie entscheidet sich dafür, einem Menschen das Leben zu geben.
      35 52 Melden
    • Ylene 05.08.2017 17:57
      Highlight Geht mir gleich... Da ist die Gynäkologin aber null neutral. Ich weiss nicht, was daran höher anzurechnen ist als an einer Abtreibung. Auch bei sorgfältiger Verhütung kann was schief laufen, und wenn man entweder kein Kind will oder sich nicht dazu in der Lage sieht, es auf zu ziehen Am Schluss werden wahrscheinlich doch eh die Grosseltern das Kind gross ziehen.
      59 9 Melden
    • Ylene 05.08.2017 18:05
      Highlight Ach manno, zu früh auf abschicken geklickt... Besonders wenn man kein Kind will, bei mangelnder Unterstützung oder schlicht und einfach, wenn der eigene Körper keine Schwangerschaft durch hält, ist es jeder hoch anzurechnen, wenn sie abtreibt. Und zu wenig Menschen gibt es auf dieser Welt definitiv nicht, kümmern wir uns besser mal besser um die, welche schon da sind. @Fountain Pen: kann man so sehen. Konsequenterweise darf man dann aber auch nicht über Dichtestress, Stau und zunehmende (Im)Migration jammern, gell.
      42 17 Melden
    • nor 05.08.2017 18:15
      Highlight Welch hochachtungswürdige Entscheidung eines,man bedenke, Kindes... äxgüsi,aber ihre hochpathetische Ansicht versteh ich genau so wenig.
      26 5 Melden
    • Rendel 05.08.2017 18:50
      Highlight Das Mädchen ist schwanger und sie entscheidet und das ist gut so. Und wenn sie unterstützt wird umso besser. Das geht sonst keinen was an. Wer das Mädchen und die Familie nicht kennt, kann sich auch gar kein Urteil bilden.
      31 4 Melden
    • trio 05.08.2017 19:32
      Highlight @Ylene
      Das Grosseltern die Kinder zum grossen Teil das Kind gross ziehen ist jetzt nicht so selten. Das hat nichts mit einer jungen Mutter zu tun, eher mit alleinstehenden Müttern. Ist ja auch nichts schlechtes.
      18 4 Melden

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