Schweiz
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FCB-Fans auf dem Weg zum Spiel.
Bild: TI-PRESS

St.Galler Polizei veröffentlicht im Internet falsches Foto von FCB-Fan – «Das Problem ist, dass sich alle gefahndeten Personen ähnlich sehen» 

Die Justiz publizierte am Montag unverpixelte Bilder der gesuchten FCB-Fans, die am 15. März in St. Gallen randaliert hatten. Dabei veröffentlichten sie versehentlich auch das Foto eines Beschuldigten, der sich schon längst gestellt hatte.

29.09.15, 09:12 02.10.15, 11:13
Benjamin Rosch
Benjamin Rosch

Der Internetpranger bleibt ein umstrittenes Instrument der Fahndung. Datenschützer kritisieren schon lange: Die Öffentlichkeitsfahndung im Internet kann dazu führen, dass Beschuldigte vor aller Augen vorverurteilt werden – und dass die Bilder auch nach einer allfälligen Verurteilung im Netz verbleiben, die sozialen Konsequenzen also in gewissen Fällen die Sanktionen der Justiz übersteigen können. Der neuste Fall dürfte nun weiter Wasser auf die Mühlen dieser Kritiker treiben.

Am Montag veröffentlichte die St. Galler Kantonspolizei unverpixelte Bilder von sieben Personen, die im Zusammenhang mit dem Fussballspiel zwischen dem FC St. Gallen und dem FC Basel vom 15. März im Umfeld der AFG Arena randaliert haben sollen. Am 21. September hatte die Polizei zehn verpixelte Bilder auf ihrer Website publiziert. Einer der Betroffenen stellte sich, sein Bild wurde nun nicht gezeigt. Ein anderer hat Beschwerde dagegen eingereicht, diese Person wurde auch gestern nur verpixelt gezeigt.

Screenshot des Aufrufs vom 21.9.15.

Ein Dritter hat sich ebenfalls erkannt und sich bei der Polizei gemeldet. Es war das dritte Bild auf der Liste (siehe Screenshot oben). Das Bild trug die Bezeichnung «004_02.jpg». Ein Platz weiter oben stand das Bild «003_10.jpg», also an zweiter Position. Das führte zu einem Missverständnis zwischen der Person, die sich stellen wollte und der Polizei. Mit verheerenden Folgen: Das falsche Bild wurde gelöscht, das andere gestern unverpixelt veröffentlicht. Mindestens eine Zeitung übernahm den Fehler und sorgte für eine rasche Verbreitung des Fotos einer Person, die sich eigentlich gestellt hatte. Dabei hatte derjenige sogar noch zusätzliche Fotos von sich eingeschickt, von vorne und im Profil.

Bei der Polizei weiss man vom Missgeschick: «Der Betroffene hat uns nach der Veröffentlichung kontaktiert und wir haben sofort reagiert», sagt Staatsanwaltschafts-Sprecher Roman Dobler. Das Foto wurde vom Server genommen und dafür das andere wieder hochgeladen. Warum es trotz Fotobeweis zur Verwechslung kommen konnte, kann er nicht genau sagen: «Das Problem ist auch, dass sich alle gefahndeten Personen ähnlich sehen», sagt Dobler.

Nicht die erste Panne

Im November 2011 veröffentlichte die Zürcher Stadtpolizei die Bilder zweier Männer, die sich an Krawallen in der Innenstadt beteiligt hatten. Dumm nur: Die beiden jungen Männer waren bereits juristisch zur Verantwortung gezogen worden – einer der beiden, ein 18-Jähriger, hatte bereits eine Geldstrafe in der Höhe von über 12'000 Franken berappt. Die Stadtpolizei Zürich will sich öffentlich nicht entschuldigen. Die Basler Staatsanwaltschaft publizierte im August 2010 Bilder von gesuchten FCZ-Fans unter anderem auch auf der Foto-Plattform Flickr. Obwohl sich mehrere der gesuchten Zürcher Anhänger postwendend mit den Basler Behörden in Verbindung setzten, konnten die Bilder noch stundenlang auf Flickr betrachtet werden. (tat)

Dennoch scheint sich die Justiz des Fehlers bewusst: «Wir sind bestrebt, alles daran zu setzen, dass ein solches Missverständnis nicht mehr geschehen kann», so Dobler. Intern würde der Fall überprüft.

Unschuldig am Pranger

Bereits 2012 hatte der «Tages-Anzeiger» den Fall eines FCB-Fans publik gemacht, der von der Zürcher Justiz an den Internetpranger gestellt worden war. Auch damals lautete der Vorwurf: Randale. Ein Gericht sprach den damals 32-Jährigen allerdings frei, auf den Bildern war nichts von diesem Vorwurf zu erkennen. Auch er hatte persönlich interveniert, als er sein Bild im Netz erkannte. Eine Genugtuung erhielt er dafür nicht, stattdessen folgte ein Eintrag in die Hooligan-Datenbank und ein Stadionverbot.

In Zürich bewegt sich nun auch die Politik. Die Kantonsräte Markus Bischoff und Manuel Sahli fordern in einer schriftlichen Anfrage vom Regierungsrat Antworten darauf, wie und wann der Internetpranger eingesetzt wird und ob diese etwaigen Richtlinien der Justiz öffentlich gemacht werden.

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    Alle Leser-Kommentare
  • Flint 30.09.2015 16:56
    Highlight @Satyros, ich bin sicher, dass die Beweislast erdückend genug gewesen sein wird, damit die Polizei solch eine Fahndung durchführt. Ich habe bei solchen Artikeln häufig den Eindruck, dass mit der Kritik Täterschutz betrieben wird.
    Dass überhaupt eine Online-Fahndung nötig ist haben sich die "Fans“ / Chaoten selber zuzuschreiben. Warum ist man nicht einfach friedlich und hält sich an die Regeln? Dann passiert auch nichts. Falsch beschuldigten steht ja auch gegen den Staat der Rechtsweg offen (ggf. Verleumdung).
    Dass die Polizei ihre eigenen Regeln einhalten muss versteht sich von selbst.
    1 6 Melden
    • satyros 02.10.2015 08:24
      Highlight "ich bin sicher, dass die Beweislast erdrückend genug gewesen sein wird"
      Die Vorverurteilung durch die Polizei funktioniert. q.e.d.
      4 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 29.09.2015 14:12
    Highlight Einmal mehr kann ich den unfähigen Behörden nur hämmisch Beifall klatschen!
    31 2 Melden
  • TanookiStormtrooper 29.09.2015 14:07
    Highlight Ich habe vor vielen Jahren selbst sehr schlechte Erfahrungen mit den Hooligans vom FCB gemacht und wurde damals als Teenie von einem gut 20 Jahre älterem Mann massiv bedroht, weil ich das "falsche" Shirt anhatte. Mein Mitleid hält sich also in Grenzen. Wie man hört, lässt man sich ja auch beim FCB selbst von diesen Individuen einschüchtern, in den gut 20 Jahren ist offenbar nichts passiert. Scheint mir als sei in Basel keiner gewillt, mit der Staatsanwaltschaft SG zusammen zu arbeiten, sonst müsste man nur mal dort die Fotos rumzeigen, die kennen die Typen bestimmt.
    4 40 Melden
    • 's all good, man! 29.09.2015 15:33
      Highlight Ui, da machst du es dir aber etwas einfach, wenn du von einem Erlebnis von vor vielen Jahren auf alle anderen schliesst. Und was bitteschön hat das mit dem Internetpranger als solchem zu tun? Hätte ja jeden anderen treffen können, ob Fan eines anderen Clubs oder ein Vergewaltiger.

      Und dass beim FCB so viel wie wohl sonst nirgends in der Schweiz für die Fanarbeit getan wird, hast du auch schon mitbekommen (bin da seit Jahren nicht mehr dran an der Szene, aber das habe selbst ich knapp mitgeschnitten)?

      Sorry, sonst mag ich deine Kommentare ja meistens, aber hier greifst du etwas daneben. 😉
      22 0 Melden
    • TanookiStormtrooper 29.09.2015 17:28
      Highlight Ist vielleicht ein bisschen falsch rübergekommen, aber ich finde den Pranger auch dämlich. Ich nehme jetzt aber nicht an, dass man als erstes mal ein paar Bilder online stellt, da wird ja wohl auch vorher noch ein bisschen ermittelt, hoffe ich zumindest. Die Fotos werden doch sicherlich erstmal der Polizei in Basel gezeigt. Es wird ja nicht jede Woche ein neuer Hooligan geboren, es sind doch mehr oder weniger die selben. Irgendwer muss schon wissen wer da im Stadion gewütet hat.
      Ich selbst habe nur gehört, dass sich der FCB nicht traut Stadionverbote gegen einzelne Exponenten auszusprechen.
      1 7 Melden
  • #Tonilöffeltsaus 29.09.2015 11:47
    Highlight Autsch, liebe St. Galler, da habt ihr euch aber einen schönen Fauxpas geleistet. Ihr könnt bei der Identifikation natürlich schon nicht nur auf die identischen Outfits achten. Da ist mehr als nur eine Entschuldigung angebracht. Toni schickt dem Betroffenen gerne in eurem Namen ein paar schöne Wunderkerzen als Wiedergutmachung. Einverstanden? #Tonilöffeltsaus
    37 4 Melden
  • The fine Laird 29.09.2015 11:41
    Highlight Es wird immer wieder behauptet der Fussballfan kann sich alles erlauben und wir dabei nicht verurteilt. Nun ich glaube es ist andersrum. Einfach nur Traurig was für ein Ausmass es angenommen hat.
    55 5 Melden
  • herschweizer 29.09.2015 11:41
    Highlight Wer sich in in optisch in die randalierenden "Fussballfans" einfügt muss leider damit rechnen das ihm die optischen Symathiebekundungen zum Verhängnis werden können. Und ja ich finde auch das sich diese "Fans" dieses Clubs was die Randale betrifft weit übertrieben verhalten und dadurch die Aufklärungsarbeit dabei voll legitim ist
    6 77 Melden
    • NonplusUltra 29.09.2015 12:37
      Highlight Was soll das für ein vorwurf sein? Muss man nun herumlaufen wie globi man könnte mit einem Randalierer verwechslet werden... Hoffe es passiert ihnen mal so etwas... Jnfassbaere haltung
      28 3 Melden
    • Gringoooo 29.09.2015 12:42
      Highlight Sie öffnen mir die Augen!
      Ich hätte nie gedacht dass man es sich so einfach machen kann!

      Alle mit Burkas gehören angeprangert da es schliesslich auch Terroristen gibt welche Bukas tragen. Da sind alle Anderen selber schuld welche einen tragen.

      (Ich hoffe stark, dass niemand denkt das wäre wirklich meine Ansicht- ich wills nur noch klargestellt haben)
      25 2 Melden
    • Tornado 29.09.2015 13:11
      Highlight Leute wie dir wünscht man, dass sie einmal zur falschen Zeit am falschen Ort sind, denn der Zweck heiligt die Mittel.
      28 0 Melden
  • Mate 29.09.2015 10:55
    Highlight Das habe ich schon befürchtet, als ich die Bilder sah. Es passieren leider viel zu viele Fehler mit dem Pranger, die einem das Leben zerstören können. Das ist schlussendlich nicht verhältnissmässig und soll gestoppt werden!
    61 2 Melden
  • pun 29.09.2015 10:39
    45 1 Melden
    • Gringoooo 29.09.2015 11:07
      Highlight Ich habs kommen sehen und zwar ganz ohne Kaffeesatz, Kristallkugel oder Karten zu legen.
      Ich muss ein hellseherisches Talent haben. 😯
      #shivaapproved
      33 1 Melden
    • 's all good, man! 29.09.2015 11:49
      Highlight Mein erster Gedanke, als ich vorhin den Push gesehen habe: Ach. Du. Scheisse. Genau diese Befürchtungen wurden doch grad kürzlich in einem watson-Artikel geäussert und diskutiert. Et voilà. 😡

      Fehler passieren (beim Sachbearbeiter zum Beispiel). Ihm/ ihr selber kein Vorwurf. Aber es zeigt den grossen Fehler dieses Systems. War ja klar, dass so etwas früher oder später passieren wird. Es bleibt nur zu hoffen, dass dieser Vorfall hilft, dass man diesen Pranger schnell wieder aufgibt.
      29 2 Melden
  • SomeoneElse 29.09.2015 10:18
    Highlight Thomas Hansjakob ist längst untragbar geworden! Er hat so manchen Blödsinn zu verantworten und sollte endlich zurücktreten oder von seinem Amt enthoben werden! Das die SP einen solchen Typen in den eigenen Reihen zulässt, ist auch sehr befremdlich!
    71 4 Melden
  • Paul_Partisan 29.09.2015 10:13
    Highlight "Ein Gericht sprach den damals 32-Jährigen allerdings frei, auf den Bildern war nichts von diesem Vorwurf zu erkennen. Auch er hatte persönlich interveniert, als er sein Bild im Netz erkannte. Eine Genugtuung erhielt er dafür nicht, stattdessen folgte ein Eintrag in die Hooligan-Datenbank und ein Stadionverbot." ... da fehlen mir schlichtweg die Worte...
    104 3 Melden
  • The_Doctor 29.09.2015 10:13
    Highlight Auf den ersten (populistischen) Blick vielleicht eine gute Idee. Nach fünf Sekunden nachdenken müsste aber eigentlich jedem klar werden, dass so ein Pranger ein Rückfall ins Mittelalter ist.
    90 4 Melden
  • xlt 29.09.2015 10:03
    Highlight Schön auch die Einsprache gegen das Veröffentlichen des unverpixelten Fotos. Dadurch wird die Internetfahndung endlich wieder einmal von einem oberen Gericht auf die Rechtmässigkeit geprüft.
    66 2 Melden
  • amade.ch 29.09.2015 09:55
    Highlight Irgendwie überrascht mich das ja nicht. Hauptsache, man gibt dem schreienden Volk, was es will. (Ist glaub das gleiche Volk, das immer findet, es sei alles so überreguliert und man habe zu viele Gesetze...)
    79 3 Melden
  • Olmabrotwurst 29.09.2015 09:30
    Highlight typisch st.gallen.....
    55 20 Melden
  • Gringoooo 29.09.2015 09:27
    Highlight Da soll mir noch jemand kommen vonwegen die machen ihre Arbeit schon gut.
    Ein solcher Fehler kann vernichtend sein für die Person!!
    Auch nimmt dieser Fehler die ganze Legitimation von wegen Stufenweise, nicht so schlimm, arbeiten präzise blablablabla

    Spätestens hier hört jegliches Verständniss auf!
    118 5 Melden
    • Flint 29.09.2015 10:11
      Highlight Der Mann wurde trotz Verwechslung aber auch nicht grundlos per Internetfahndung gesucht. Er beging offenbar eine Straftat! Warum begeht man zuerst eine Straftat und wundert sich danach, dass sein Leben zerstört wird? Warum sind diese Herren nicht einfach friedlich und lassen sich nichts zu Schulden kommen? Die Internetfahndung sollte ja auch abschreckend wirken.
      13 109 Melden
    • Olmabrotwurst 29.09.2015 10:23
      Highlight er hat sich freiwillig gestellt... da muss die kapo handeln.. und sein bild entfernen aber wie schon gesagt typisch st.gallen... polizei stadt mit teilweise polizisten die nicht wirklich alles auf die reihe kriegen wie sie es sollten...
      43 4 Melden
    • Xeno 29.09.2015 10:24
      Highlight Nein, Fahndung dient einzig dazu Verdächtige (nicht einmal Verurteilte!) zu finden. Sie dient überhaupt nicht zur "Abschreckung".
      62 2 Melden
    • Gringoooo 29.09.2015 10:47
      Highlight @Flint
      Auf so eine (dumme, populistische, unrechtsstaatliche) Diskussion lasse ich micht sicherlich nicht ein. 🔚
      43 4 Melden
    • herschweizer 29.09.2015 11:46
      Highlight jaja die basler polizei hätte es besser gemacht ;-) FCB ;-) sie hätte sich nicht getraut ihre "fanverbundenheit" zu strapazieren... hhh
      2 24 Melden
    • Gringoooo 29.09.2015 12:03
      Highlight Hhh?
      Es geht hier überhaupt nicht um Basel oder StG! Genau das selbe könnte auch der Basler Stawa passieren. Und genau die Basler Stawa hatt konkret schon eklatante Fehler in diesem Bereich gemacht.
      Sie verstehen den Kern der Sache wohl nicht ganz.
      25 1 Melden
    • satyros 29.09.2015 12:53
      Highlight @Flint:
      Er wird offenbar verdächtigt, eine Straftat begangen zu haben. Ob es denn tatsächlich so war, entscheidest weder Du noch ich, noch der online Mob, noch die St. Galler Polizei/Staatsanwaltschaft. Dafür gibt's Gerichte.

      Wie schwer die angeblich begangene Straftat war, steht dann nochmal auf einem anderen Blatt. Ein Verstoss gegen das Sprengstoffgesetz (Pyro) oder eine Drohung gegen einen Beamten, steht etwa auf der gleichen Stufe, wie das Überfahren eines Rotlichts. Immer noch einverstanden, dass das Leben zerstört wird.?
      14 0 Melden

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