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Paul lernte seinen mutmasslichen Entführer im Internet kennen – 5 Fragen und Antworten zu den Gefahren von Chatrooms

Paul spielte intensiv Internetgames, am liebsten Minecraft. Deshalb war bei den Ermittlungen zum Verschwinden des 12-Jährigen rasch ein Mann im Visier, der über das Spiel den Jungen kontaktierte. Welchen Gefahren sind Kinder in Chaträumen ausgesetzt? Und wie können sie sich schützen? Die wichtigsten Fragen und Antworten.



Wie rasselte Paul in die «Chat-Falle»?

Viel Konkretes darüber, wie und warum Paul und sein mutmasslicher Entführer in Kontakt gekommen sind, ist noch nicht bekannt. Worüber haben die beiden geredet? Was haben sie abgemacht? Hat sich der 35-jährige Mann als jemand anderes ausgegeben? Diese Fragen sind Gegenstand der Ermittlungen.

Sicher ist: Über ein Internetgame oder ein spielspezifisches Chatforum kontaktierte der Mann Paul. Gut möglich, dass es sich dabei um Minecraft handelt – das Game, das Paul am intensivsten spielte. Im Minecraft-Forum ist Paul mit den Angaben zu seinem Alter und seinem Wohnort vertreten.

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Pauls Avatar und Profil auf Minecraft. bild: blick.ch

Sharmila Egger von Zischtig, der Verein «für Sicherheit und Medienkompetenz» sagt, der mutmassliche Entführer könnte sich «als verständnisvoller, cooler Minecrafter» ausgegeben haben. Aus irgendeinem Grund habe der Junge den Mann treffen wollen. «Vielleicht war Paul fasziniert, weil er spezielle Hacks kannte.»

Wie funktionieren die Chats?

Bei Minecraft baut man sich Welten auf und versucht, darin zu überleben. Über eigenes WLAN kann man Spieler in die eigene Welt einladen. Oder man spielt über andere Server, die über Minecraft-Foren bekannt gegeben werden. Chats sind bei Minecraft nicht direkt integriert. Meist läuft der Austausch unter Spielern über andere bekannte Foren für Minecrafter.

Weil es nicht wirklich darum gehe, gegeneinander zu spielen, sondern vielmehr, in einer Spielwelt zu überleben, Dinge zu bauen und kreativ zu sein, sei es üblich, dass sich die Spieler vernetzen würden, erklärt Egger. Vor allem neuere Spieler seien oft auf Hilfeleistungen von erfahrenen Minecraftern angewiesen. Unter Primarschülern ist es zurzeit das beliebteste Spiel.

Welche Gefahr geht von Web-Chats aus?

Die meisten Internetgames verfügen über Chatfunktionen, die es den Nutzern ermöglichen, miteinander zu kommunizieren. Chats, die in Spiele, Apps oder Communities integriert sind, haben selten einen erkennbaren Betreiber. Sie unterliegen keinerlei Kontrolle und keinerlei Schutz. 

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Screenshot eines Minecraft-Games
bild: play.google.com

Wenn es keine oder keine ausreichende Moderation gibt und sich Chatter zu einem Gespräch «unter vier Augen» zurückziehen, kann es zu sexuellen Belästigungen kommen.

Selbst wenn Kinder nicht direkte Opfer von Belästigungen werden, können sie in Chats Diskussionen mitverfolgen oder auf Seiten gelenkt werden, die nicht für sie geeignet sind. Teilweise kann auch der rüde Ton in Chats oder eine sexuell gefärbte Sprache Kinder verunsichern und verstören. 

Warum ist die Privatsphäre der Kinder nicht geschützt?

Egger sagt, das Hauptproblem liege darin, dass Kinder nicht wissen, dass sie ihre Privatsphäre schützen müssen und wie sie das tun können. Es sei heikel, wenn in den Chats nach persönlichen Informationen wie Wohnort, Geschwister, Alter und Hobbies gefragt werde. Egger: «Damit geben die Kinder Informationen preis, die missbräuchlich verwendet werden könnten.»

Gerade bei Spielen wie Minecraft, die ein junges Publikum ansprechen würden, täten sich problematische Begegnungsmöglichkeiten zwischen Kindern und Erwachsenen auf.

«Kinder machen immer den einen kapitalen Denkfehler: Angenommen, Lisa chattet mit Anna123, die behauptet, die Anna aus der gleichen Schulklasse zu sein. Wie überprüft Lisa, dass es wirklich ihre Schulkollegin ist? Die Antwort der Kinder auf diese Frage ist immer dieselbe: Ich frage sie nach Alter, Wohnort und Hobbies», sagt Egger. Genau das seien aber Informationen, die die Kinder im Internet nicht preisgeben sollten und deshalb von anderen nicht verlangt werden dürfen. Egger: «Es gibt eine Privatsphäre-Grenze, die sie einhalten müssen.» 

Wie können Kinder geschützt werden?

Egger empfiehlt Eltern, ihre Kinder beim Gamen zu begleiten und sich das Spiel erklären zu lassen. «In der Primarschule spielt praktisch ein Drittel der Kinder Minecraft. Das Game als Eltern zu verbieten, wäre falsch», sagt Egger.

Es helfe, die Faszination von Minecraft verstehen zu wollen und mit dem Kind ein Gespräch anzuregen. «Eltern sollten die Kinder fragen, wie sie mit dem Spiel umgehen, mit wem sie chatten, und über was», empfiehlt Egger. Internetgames seien überhaupt nicht gefährlich per se, Kinder müssten nur lernen, wie sie sich in Chats zu verhalten hätten.

Ausserdem solle man dem Kind immer wieder erklären, dass es in Chats nie wissen kann, wer sein Gegenüber in Wirklichkeit ist. Und das deshalb Vorsicht angebracht ist. Egger: «Wenn sie das im Griff hätten, wäre gamen in dieser Hinsicht kein Problem.»

Mehr Tipps zum Schutz vor Übergriffen im Netz >>

(dwi)

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    Alle Leser-Kommentare
  • Commi 27.06.2016 07:26
    Highlight Highlight Ausserdem finde ich, dass in diesem Gebiet nur sinnvoll Prävention betrieben werden kann wenn Eltern, Lehrer usw. auch verstehen worum es geht. Und lernen sollten sie dies am besten von jungen Minecraftern oder von solchen die es selber schon in der Jugendzeit gespielt haben und sich mit der Marterie auskennen.
    • Sharmila Egger 28.06.2016 14:28
      Highlight Highlight Genau aus diesem Grund bieten wir Freizeitkurse für Eltern & Kinder an, in denen ihnen die Kinder zeigen, wie Minecraft funktioniert, was das Spannende ist. Und Eltern wird so ein entspanntes Umfeld geboten, um ihre Bedenken zu äussern - wobei sich diese bisher stark in Grenzen hielten. Vielmehr freuten sie sich, gemeinsam mit den Kindern in diese Welt einzutauchen und zu erkunden.
      Ich bin gespannt, inwieweit kritische Fragen von Eltern und Lehrern aufgrund dieses Falls vermehrt aufkommen werden.
  • Commi 27.06.2016 07:25
    Highlight Highlight Die Berichterstattung über Minecraft ist in diesem Artikel und wahrscheinlich auch in deren anderer Newsanbieter viel zu ungenau und liefert ein falsches Bild über Minecraft. Erstens gibt es in Minecraft unglaublich viele Spielmodis in denen durchaus auch gegeneinander gespielt wird. Und Zweitens ist auch eine Chatfunktion integriert. Ich verstehe durchaus das nicht auf jeden einzelnen Spielmodus eingegangen wird, doch auf die Existenz dieser einzugehen ist wichtig.
  • Pointer 26.06.2016 22:35
    Highlight Highlight Minecraft gehört aus meiner Sicht nicht zur Sorte Internetgames. Denn es wird auf dem Rechner installiert und kann auch ohne Internetverbindung gespielt werden. Internetgames sind Games, die direkt via Browser gespielt werden.
    • Sharmila Egger 26.06.2016 23:10
      Highlight Highlight Da es auch ohne Internet gespielt werden kann, ist es umso beliebter. Auch in der Pocketversion möglich. Spannend ist es gegen andere zu spielen. Anderen zeigen können, was man sich erbaut hat. Dafür kann man sich gemeinsam an ein Gerät setzen oder eben übers Internet sich austauschen.
  • ChrisThePilot 26.06.2016 21:19
    Highlight Highlight Klingt einfach. Dennoch: meiner Einschätzung nach wird ein Kind die Eltern nicht genau in die Chatverläufe einweihen. Schon gar nicht wenn es so persönliche Chats wären wie mit einem "Übeltäter", da das Kind eigentlich weiss, das es das nicht machen darf.
    • Sharmila Egger 26.06.2016 21:28
      Highlight Highlight Deshalb sind pauschale Verbote so kontraproduktiv. Kinder sollen erzählen dürfen und auch berichten, wenn Leute komische Frage stellen. Dann ist der Moment da um eben auch wieder zu thematisieren, dass es Privates gibt, dass in Foren und Chats keinen Platz hat.
    • Pointer 26.06.2016 22:39
      Highlight Highlight Kinder müssen ihren Eltern nicht sagen, worüber sie chatten. Kinder müssen aber wissen, wie sie sich in Chats verhalten sollten und wissen, wann es gefährlich werden könnte.
  • Atomic_Luke 26.06.2016 21:11
    Highlight Highlight Minecraft ohne integrierten Chat? Das wäre mir aber neu, der Chat ist in allen Versionen standardmässig vorhanden (ob PC-, Konsolen- oder Pocket Version.)
    • Sharmila Egger 26.06.2016 21:30
      Highlight Highlight Man hat in der Pocketversion auch die Möglichkeit zu chatten, wenn man eben auf entsprechenden Servern mit anderen spielt, ja.
  • S.Fischer 26.06.2016 21:08
    Highlight Highlight Guter Artikel, aber eine ein wenig bessere Recherche über Minecraft wäre doch möglich gewesen.

    -Im Spiel ist ein Chat integriert (mit Plug-ins sogar Privatchats auf Servern)

    -Minecrafter, nicht Mindcrafter

    -Im Spiel geht es auch um das kämpfen gegen einander, nicht nur ums bauen.

    Ich sehe dieses Problem des Öfteren, wenn es um Games geht und habe das Gefühl, dass, gerade von den Medien und Laien auf diesem Gebiet, oftmals Fehlschlüsse zum Sachverhalt getätigt werden.
    • Maon 26.06.2016 21:49
      Highlight Highlight Auch die erwähnten "Hacks" sind etwas, das es in dieser Form bei Minecraft nicht gibt bzw. braucht.
    • Aufblasbare Antonio Banderas Liebespuppe 26.06.2016 22:11
      Highlight Highlight Maon

      Wie bitte? In Minecraft gäbe es keine Hacks? Und wie es die gibt, und es ist leider viel zu leicht an die zu kommem, so kann jedes kind anderen den spass verderben.
    • Sharmila Egger 26.06.2016 22:15
      Highlight Highlight Hacks werden umgangssprachlich weit gefasst. Für Kinder ist es ein toller "Hack" sich über ein CAD-Programm einen Drachenkopf zu zeichnen und diesen in die eigene Minecraft-Welt einzubauen. Und so bleibt bei Minecraft wohl nur die Grenzen der 128 Blöcke in der Bauhöhe.

      Grundsätzlich sollte es aber vorallem darum gehen, das Spiel nicht pauschal schlecht machen zu wollen. Wichtig ist, dass Kinder lernen, worauf sie in Chats achten müssen. Wenn sie das im Griff haben, kann Minecraft nicht nur Spass machen sondern auch richtig kognitiv herausfordern, z.B. Schaltkreise selber bauen.
  • Angelo Hediger 26.06.2016 21:05
    Highlight Highlight Über eigenes Wlan? Versucht mich Watson hier zu Trollen, oder wissen die wirklich nicht das man Minecraft auf Servern spielt?
    • Sharmila Egger 26.06.2016 21:33
      Highlight Highlight Absolut richtig. Daher kennen Kinder überhaupt das Wort "Server". Wer keinen eigenen Server nutzt oder in anderen mitspielt hat einfach auch die Möglichkeit dies über eigenes Netzwerk mit Freunden zu spielen.
    • Maragia 26.06.2016 23:29
      Highlight Highlight Vorallem nur über WLAN und nicht über LAN :P
    • n3utrino 27.06.2016 06:38
      Highlight Highlight Ich danke es ging hier um ein VLAN (virtual lan), da easum das Einladen auf den eigenen Server geht.
  • Bijouxly 26.06.2016 21:00
    Highlight Highlight «Eltern sollten die Kinder fragen, wie sie mit dem Spiel umgehen, mit wem sie chatten, und über was»
    - Also ich hätte das meinen Eltern auch nicht gesagt, "chunsch eh nöd drus". Finde das irgendwie einen naiven Tipp, v.a. Für Kinder im Pubertätsalter. Besser die Internetzeit begrenzen, dann ist man sowieso gezwungen, nur "das Wesentliche" zu tun...
    • one0one 26.06.2016 21:25
      Highlight Highlight Repression in welcher Form auch immer fuehrt nie zum Ziel!
    • Sharmila Egger 26.06.2016 21:41
      Highlight Highlight Natürlich kämpft man als Erziehende von Kindern in der Pubertät mit ganz anderen Problemen. Das WLAN über Nacht auszuschalten ist sinnvoll, auch Erwachsenen täte es übrigens gut, dass Handy nicht mit ins Bett zu nehmen. Mit zunehmenden Datenabos und Gratis-WLAN (oder Passwort vom Nachbar-WLAN) bringt diese Massnahme nicht den gewünschten Erfolg.
      Medienfreie Zeiten für die ganze Familie können helfen. Oder Apps die einem die eigene Smartphonenutzung spiegeln und man sich in der Familie gegenseitig herausforden kann, können durchaus Anreiz bieten, sich zu reduzieren.
    • Bijouxly 26.06.2016 22:17
      Highlight Highlight @one0one: also bei mir hat das wunderbar funktioniert. Ich war ein ziemlich bockiger Teenager und meine Geschwister und ich hatten ab 13 eine Stunde Internetzugang, mit jedem Jahr 15 Minuten mehr. Es war für alle gleich und es gab deshalb auch keine Diskussionen, weil nach der abgelaufenen Zeit die Internetverbindung einfach nicht mehr funktionierte. Klar ist das heute mit den Smartphones schwieriger, aber das war in diesem Fall ja nicht das Problem.
    Weitere Antworten anzeigen
  • acvodad 26.06.2016 21:00
    Highlight Highlight War das ganze denn überhaupt sexuell motiviert?

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In Deutschland betreut eine Hebamme im Schnitt 90 Geburten pro Jahr. Zu viel, sagen die Verantwortlichen. Auch in der Schweiz zeichnet sich ein Hebammenmangel ab. Und das, obwohl die Hochschulen mit Interessentinnen überrannt werden.

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