Schweiz

Coop-Rauswurf zeigt Wirkung: Jetzt werden die Preise für ausländische Heftli neu verhandelt

Schweizer Konsumenten zahlen bis zu 90 Prozent mehr für internationale Zeitschriften. Nun kommt Bewegung in den Preisstreit: Zwischenhändler wollen mit den Verlagen über tiefere Preise diskutieren.

17.03.15, 17:17 17.03.15, 17:46

watson-Blattmacher Olaf Kunz liest gerne die deutsche Computermagazine. Am Sonntag wollte er sich die «c't» am Kiosk kaufen und stellte empört fest: Jene Zeitung, die in Deutschland für 9.90 Euro (10.50 Franken) über die Theke geht, kostet in der Schweiz satte sieben Franken mehr. 

Wie die «Schweiz am Sonntag» berichtet, haben diese überhöhten Preise bei internationalen Magazinen System. So kostet die «Micky Mouse» rund 90 Prozent mehr, selbst für Schweizer Blätter wie die «Weltwoche» müssen Leser in Deutschland weniger zahlen. Der Detailhändler Coop hat von dieser Diskriminierung genug und nahm Anfang Woche ein gutes Duzend ausländischer Magazine aus dem Sortiment. 

Nun kommt noch mehr Bewegung in den Preisstreit hinein: Recherchen von watson haben ergeben, dass die Zwischenhändler die Preise für Schweizer Konsumenten neu mit den Verlagen diskutieren wollen. Wie es aus dem Umfeld von Zwischenhändlern heisst, sollen dabei die höheren Preisunterschiede nach der Aufhebung der Euro-Franken-Untergrenze neu diskutiert werden.

Zwischenhändler als Preismacher?

Sogenannte Distributoren verhandeln zwischen Kioske, Detailhändler und den Verlagen und organisieren die Belieferung von internationalen Blättern. Quasimonopole in diesem Bereich sind die Firmen 7Days für die Deutschschweiz und das Tessin sowie Naville für die Romandie.

Umfrage

Verlangen ausländische Verlage zu hohe Preise in der Schweiz?

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972 Votes zu: Verlangen ausländische Verlage zu hohe Preise in der Schweiz?

  • 97%Ja, das ist pure Abzocke
  • 2%Nein, sie müssen ja höhere Kosten in der Schweiz zahlen
  • 1%Weiss nicht

7Days wurde 2014 vom Schweizer Unternehmen Valora, welches europaweit Kioske wie «k kiosk» betreibt, an die deutsche Presse-Vertriebs-Gesellschaft (PVG) verkauft. Heute vertreibt sie rund 6000 Pressetitel an über 12'500 Verkaufsstellen. Ihre Konkurrenz, die Westschweizer Naville Presse, importiert 3000 Pressetitel in die Schweiz.

Die für die Deutschschweiz verantwortliche 7Days schreibt in ihrer Medienmitteilung, sie verhalte sich neutral zwischen Kunden und Verlegern. Stimmen innerhalb der Zwischenhändler-Brachen überraschen deshalb. Sie überraschen zudem, weil Verlage wie jener vom Promi-Magazin «Gala» auch nach dem Coop-Rauswurf bei den Aussagen bleiben, wonach die höheren Preise wegen Transport- und Vertriebskosten legitim seien.

Politik wird aktiv

Auch Reto Föllmi, Professor am Schweizerischen Institut für Aussenwirtschaft und Angewandte Wirtschaftsforschung der Universität St.Gallen, sieht bald eine Einigung zwischen Verlegern und Zeitungsverkäufern kommen. «Ich denke, wir werden bald Preisanpassungen bei ausländischen Zeitschriften sehen», erklärt er im Gespräch mit 20 Minuten

Sollte diese Einigung nicht kommen, so können die Konsumenten zumindest auf die Politik hoffen. Im April wird die Wirtschaftskommission des Nationalrates einen Vorstoss diskutieren, der «marktmächtige Unternehmen» ebenfalls unter das Kartellgesetz stellen will. In der Ständeratskommission stiess der Vorstoss von FDP-Ständerat Hans Altherr bereits auf Zustimmung.

«Es wäre eine kleine, aber wichtige Änderung», sagt Sara Stalder, Geschäftsleiterin des Schweizerischen Konsumentenschutz. Die Aktion von Coop bezeichnete sie zwar als «geschickte PR-Aktion», sie habe jedoch Potential, etwas im Preisstreit zu bewirken.

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
Tolle Artikel jenseits des Mainstreams. Meine Hauptinformations- und Unterhaltungsquelle.
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    Alle Leser-Kommentare
  • Wilhelm Dingo 18.03.2015 06:58
    Highlight Die Politik schützt die Lieferanten, sowohl die Ausländischen als auch die Inländischen. Das verschärfte Kartellgesetz wurde im Herbst vom Parlament versenkt. Hier wäre ein Volksinitiative mal wirklich angebracht, den Titel hätte ich schon parat: "Brecht die brandgefährliche Lieferantenmacht". Wer hat weitere Vorschläge?
    6 0 Melden
    • Gelöschter Benutzer 18.03.2015 12:37
      Highlight Wie geschrieben: Eine Kartellgesetzänderung liegt momentan bei den Kommissionen parat, die diese Situation ein wenig entschärfen könnte.
      2 0 Melden
  • zappeli 17.03.2015 21:53
    Highlight Ist bei Büchern auch nicht besser!
    6 1 Melden
    • keplan 17.03.2015 22:18
      Highlight Kaufen sie ebooks kosten in etwa die hälfte als das buch und ich merke beim lesen keinen Unterschied (ausser dass der Akku ab und zu geladen werden muss)
      7 7 Melden
    • Jarekk82 18.03.2015 07:55
      Highlight Was E-Books anbelangt: Als ich bei Thalia reklamiert habe, dass ich per Mail immer nur Rabatte auf gedruckte Bücher erhalte und keine auf E-Books, wurde mir mitgeteilt, dass sie bei E-Books an die Preise, welche die Verlage vorgeben, gebunden seien. Meiner Meinung eine riesige Frechheit. Hab mich beim Preisüberwacher beschwert (wegen Buchpreisbindung), der hat meine Anfrage an die Wettbewerbskomission weitergeleitet. Vor über einem Jahr... tl;dr: Auch bei E-Books ist noch nicht alles im Reinen. Auch wenn sie günstiger als die gedruckten Bücher sind.
      4 0 Melden
  • oliole 17.03.2015 21:33
    Highlight meine zeitschrift kostet am kiosk chf 11.70, in deutschland € 6.00
    ich habe sie nun direkt vom verlag in deutschland abonniert. zweijahresaabo mit 24 heften kostet mich € 86.00 frei haus geliefert.....
    würde gerne mein in der schweiz verdientes geld auch in der schweiz ausgeben, aber nicht unter solchen bedingungen.....
    19 1 Melden
    • The Writer Formerly Known as Peter 17.03.2015 22:36
      Highlight Bei den Heften schaffen Sie auch keine Arbeitsplätze in der Schweiz. Besser Sie kaufen beim nächsten mal auch in der Schweiz ein und nicht in Konstanz. Doch für blöd verkaufen lassen sollte man sich auf keinen Fall!
      4 4 Melden
  • PepepPepita 17.03.2015 21:04
    Highlight wird mal Zeit, dass sich da was ändert.
    7 0 Melden
    • Waly 18.03.2015 05:25
      Highlight Dann müsste die schweizer Wirtschaft Regulierungen zulassen. Das schweizer Volk wird wie in keinem anderen Land massiv reguliert, die Wirtschaft nicht.
      4 0 Melden
  • marblemomo 17.03.2015 20:02
    Highlight Ich kaufe monatlich und treu die GamesAktuell. Deutschland: 3.90€, Schweiz: 7.80.-
    Wäre wirklich schön, wenn sich da was tun würde, dann könnte ich mich vielleicht endlich zu einem Abo entschliessen ;-)
    6 0 Melden
  • Bowell 17.03.2015 18:32
    Highlight Jaja, "höheren Preise wegen Transport- und Vertriebskosten legitim" ... wie lange wollen die uns eigentlich noch einen Bären aufbinden? Die Transportwege innerhalb Deutschlands sind etwa 10 mal länger als von Deutschland in die Schweiz und die paar Rappen Importzoll fallen ja wohl auch nicht ins Gewicht.
    36 0 Melden
    • The Writer Formerly Known as Peter 17.03.2015 22:40
      Highlight Na ja, nicht der Zoll aber diverse weitere Gebühren die sich die Spediteure einfallen lassen. Dafür sind Sie sehr kreativ. Ausserdem werden der Zoll und die MWST keineswegs gratis erhoben. Dafür fallen weitere Gebühren an. Dies schlägt natürlich alles auf den Preis...
      6 0 Melden
  • Nothingtodisplay 17.03.2015 17:29
    Highlight Könnte man bei den Klamotten/Schuhen etc. auch gleich machen!
    28 0 Melden

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