Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
A 3D-printed Facebook logo is seen in front of the logo of the European Union in this file picture illustration made in Zenica, Bosnia and Herzegovina, May 15, 2015. The European Court of Justice (ECJ) is expected this week to rule on the continued legality of the Safe Harbour agreement, which is used by companies such as Facebook and MasterCard. The Safe Harbour framework agreement was established 15 years ago to enable companies to easily transfer personal data to the United States without having to seek prior approval, a potentially lengthy and costly process. REUTERS/Dado Ruvic/Files GLOBAL BUSINESS WEEK AHEAD PACKAGE - SEARCH

Der Europäische Gerichtshof hat entschieden, dass 
Bild: DADO RUVIC/REUTERS

Nach Urteil gegen Facebook-Abkommen «Safe Harbor»: Jetzt wittern Schweizer Netzaktivisten ihre Chance 

Die Ungültigkeitserklärung des «Safe Harbor»-Abkommens sei ein Zeichen, beim Datenschutz nun endlich vorwärtszumachen, sagen Netzpolitiker und Konsumentenschützer.

07.10.15, 06:31

Remo Hess / Aargauer Zeitung



Die Ungültigkeitserklärung des «Safe Harbor»-Abkommens durch den Europäischen Gerichtshof (EuGh) hat auch Auswirkungen auf die Schweiz. Das hierzulande gültige Abkommen orientiert sich stark an jenem der Europäischen Union. Also komme auch das Schweizer Abkommen unter Druck, sagte Francis Meier, Informationsbeauftragter des Schweizerischen Datenschützers Hanspeter Thür auf Anfrage.

Das heisst, dass auch für die Übermittlung von personenbezogenen Daten von der Schweiz in die USA wohl künftig neue Kriterien gefunden werden müssen. Das solle in enger Zusammenarbeit mit der EU geschehen, so Meier.

Safe Harbor

Die «Safe Harbor»-Regelung, die den Rechtsrahmen für Datentransfers zwischen der EU und den USA festlegt, ist ungültig. Das hat der Europäische Gerichtshof entschieden. Private Daten sind in den USA nicht ausreichend vor dem Zugriff der Behörden und Geheimdienste geschützt.

Dass nun in Sachen Datenschutz «endlich etwas geht», findet Grüne-Nationalrat und Netzpolitiker Balthasar Glättli sehr gut. «Ich warte schon seit vier Jahren darauf», sagt Glättli. Doch er sei realistisch und wisse, dass sensible Daten von Schweizer Nutzern – auch mit einer Angleichung von «Safe Harbor» – weiterhin in den USA gespeichert werden können. Und so seien sie dem willkürlichen Zugriff der Behörden unvermindert ausgeliefert. «Wir brauchen endlich Kriterien, die diesen Zugriff einschränken», so Glättli.

ZU DEN EIDGENOESSISCHEN WAHLEN VOM 18. OKTOBER 2015 STELLEN WIR IHNEN AUS UNSERER PORTRAITSERIE

Netzpolitiker Glättli.
Bild: KEYSTONE

«Die Amerikaner denken, mit «Safe Harbor» hätten sie sich der lästigen Verantwortung rund um den Datenschutz entledigt. Die Europäer denken, mit «Safe Harbor» ist eine effektive Kontrolle gewährleistet.»

Simon Schlauri

Ein politisches Signal

Dass der Entscheid des Europäischen Gerichtshof lediglich ein erster Schritt in Richtung verstärkter Datenschutz ist, bestätigt auch Simon Schlauri, Rechtsanwalt mit Spezialgebiet Internet. «Die meisten Unternehmen werden erst mal abwarten», so Schlauri, Die Kündigung von «Safe-Harbor» sei in erster Linie ein politisches Signal. Schlauri: «Die Europäer sagen den Amerikanern: «Ihr habt euch an unsere Gesetze zu halten.» Ob das etwas bringe, sei dahingestellt.

Eine handfeste juristische Konsequenz sei, dass bei amerikanischen Internet-Unternehmen der Datenschutz nun offiziell nicht mehr gewährleistet sei. Dass heisst, dass sich Rechtsansprüche bei den nationalen Datenschützern einfacher anbringen lassen, da sich diese nicht mehr auf das «Safe-Harbor»-Abkommen berufen können.

Allgemein weist Schlauri auf einen Mentalitätsunterschied beim Datenschutz beziehungsweise auf ein Missverständnis in der Wahrnehmung von «Safe-Harbor» zwischen Europa und den USA hin. Schlauri: «Die Amerikaner denken, mit «Safe Harbor» hätten sie sich der lästigen Verantwortung rund um den Datenschutz entledigt. Die Europäer denken, mit «Safe Harbor» ist eine effektive Kontrolle gewährleistet.»

«Gerade im Hinblick auf das neue Nachrichtendienstgesetz bringt es dann auch nichts, wenn die Daten nun in der Schweiz statt im Ausland gelagert werden. Der Zugriff ist beinahe uneingeschränkt möglich.»

Martin Steiger

Trotzdem freut der Etappensieg die Schweizer Netzaktivisten. «Es ist gut, dass der Datenschutz wieder thematisiert wird», sagt Martin Steiger von der Digitalen Gesellschaft Schweiz, die sich für die Rechte von Internetnutzern einsetzt. Ähnlich sieht es die Stiftung für Konsumentenschutz: «Es zeigt, dass endlich versucht wird, dem grenzenlosen Herumreichen von persönlichen Daten Einhalt zu gewähren», so Geschäftsleiterin Sara Stalder.

Profitieren Schweizer Anbieter

Wenn dieses «Herumreichen» eingeschränkt würde und Daten vermehrt lokal gespeichert werden müssten, käme das Schweizer Anbietern von Server-Dienstleistungen gelegen. Für sie ergäbe das Speichern von Datenmengen wie Facebook schöne Geschäftsaussichten: «Der Entscheid des Europäischen Gerichtshof ist positiv. Er zeigt, dass wir im Vergleich zu ausländischen Server-Anbietern einen Wettbewerbsvorteil haben», sagt Susanne Felice von Green.ch. Damit meint sie, dass die Daten ihrer Kunden ausschliesslich in der Schweiz gespeichert würden. Sie seien somit «sicher» und eine Zweckentfremdung aus Sicht der Nutzer weniger wahrscheinlich.

Für Martin Steiger von der Digitalen Gesellschaft bringt aber auch dieser «Daten-Nationalismus» nichts. Denn auch wenn der Stellenwert des Datenschutzes mit dem Urteil des EuGh tendenziell eine Aufwertung erhalten habe, so ändere dies nichts an der «Massenüberwachung», wie sie bereits praktiziert werde. Steiger: «Was in Sachen Überwachung möglich ist, wird gemacht. Und zwar weltweit.»

Und weiter: «Gerade im Hinblick auf das neue Nachrichtendienstgesetz bringt es dann auch nichts, wenn die Daten nun in der Schweiz statt im Ausland gelagert werden. Der Zugriff ist beinahe uneingeschränkt möglich.» Deshalb, sagten Steiger und Glättli deckungsgleich, sei es umso dringender, dass der Bundesrat die Revision des Datenschutzgesetzes (DSG), welche schon seit einigen Jahren nicht recht vorwärtskomme, endlich entschieden in Angriff nehme.

Keine Lust Facebook noch mehr Daten zu liefern? – Hier sind 6 Alternativen zu WhatsApp

Hol dir die App!

Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

Abonniere unseren Daily Newsletter

1
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
1Kommentar anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Gantii 07.10.2015 10:55
    Highlight Unterschreibt das für das Referendum gegen das NDG!
    6 0 Melden

Tierschützer Kessler knöpft sich Facebook und Wikipedia vor – und gewinnt

Tierschützer und Prozessprofi Erwin Kessler hat in den letzten Jahren unzählige Klagen angestrengt. Jetzt hat er Facebook und Wikipedia vor den Kadi gezogen. Erfolgreich.

Wahrscheinlich gibt es kaum einen Verlag in der Schweiz, der nicht schon einmal die Juristenkeule von Erwin Kessler zu spüren bekommen hat. Sobald der extreme Tierschützer aus der Ostschweiz als Rassist oder Antisemit bezeichnet wird, setzt er sich sofort mit einer Klage zur Wehr. Nun haben auch die amerikanischen Gesellschaften Facebook und Wikimedia Foundation Erwin Kessler kennengelernt.

Der VGT-Präsident war bis vor ein paar Tagen auf der Online-Enzyklopädie Wikipedia auf einer Liste von …

Artikel lesen