Schweiz
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U.S. President Bill Clinton meets with Swiss President Adolf Ogi at the Belvedere Hotel in Davos, Saturday, January 29, 2000. Businessmen, scholars and world leaders are gathering in this exclusive Swiss ski resort to debate economics in the 21st century. (KEYSTONE/AP PHOTO/Joe Marquette)   === ELECTRONIC IMAGE ===

Adolf Ogi (r.) im Jahr 2000 im Gespräch mit dem damaligen US-Präsidenten Bill Clinton.  Bild: AP

Adolf Ogi: «Ich gehe davon aus, dass Trump die Schweiz schlecht kennt»

Mit Bill Clinton besuchte bislang erst ein einziger US-Präsident das WEF in Davos. Der damalige Bundespräsident Adolf Ogi (SVP) erinnert sich genau an das Treffen mit ihm. Im Interview spricht er über die Wirkung des gemeinsamen Trinkens und die Macht der Davoser Natur.



Adolf Ogi, wenn Sie früher hochrangige Politiker trafen, schenkten Sie dem einen oder anderen einen Bergkristall, um das Eis zu brechen. Bekäme Donald Trump auch einen Kristall von Ihnen?
Adolf Ogi:
Sicher nicht gleich am Anfang. Ich würde das vom Ausgang der Diskussion abhängig machen. Ich habe die Kristalle sehr zurückhaltend verschenkt. Bill Clinton bekam einen, der Papst ebenso. George W. Bush und Barack Obama hingegen nicht – schliesslich statteten sie der Schweiz nie einen Besuch ab. Dass Donald Trump nun gleich in seinem ersten Amtsjahr ans WEF kommt, ist eine grosse Chance für die Schweiz. Ich finde es falsch, wenn nun gleich wieder aus allen Ecken gezetert und kritisiert wird.

Inwiefern profitiert die Schweiz von seinem Besuch?
Ich gehe jetzt einmal davon aus, dass Trump die Schweiz schlecht kennt. Wenn sich unser Bundesrat geschickt anstellt, kann er beim US-Präsidenten einen bleibenden Eindruck hinterlassen. Er kann zeigen, über welche Wirtschaftskraft und politische Stabilität wir verfügen, wie unsere direkte Demokratie funktioniert und wie tief die Arbeitslosenquote bei uns ist. Bundesrat Johann Schneider-Ammann hat bei seiner Begegnung mit Trumps Tochter Ivanka bereits wertvolle Vorarbeit geleistet. Darauf lässt sich aufbauen. Nachdem ich mich im Jahr 2000 am WEF mit Bill Clinton ausgetauscht hatte, konnte ich ihn jederzeit anrufen. Das war viel wert.

«Als ich mich verabschieden wollte, sagte Bill: ‹Dolfi, please stay.›»

Wie haben Sie das Vertrauen von Clinton gewonnen?
Ich hatte den Vorteil, dass ich Bill Clinton schon im Jahr davor an einer Konferenz mit anschliessendem Nachtessen getroffen hatte. Ich war damals lediglich Vizepräsident, protokollarisch der Rangniedrigste aller Teilnehmer. Daher kam auch das Auto, das mich ins Hotel zurückbringen sollte, ganz am Schluss. Als ich mich verabschieden wollte, sagte Bill: «Dolfi, please stay». Dann haben wir noch ein paar Gläser gemeinsam getrunken. Das war eine gute Basis für das Gespräch in Davos. Wir begegneten uns absolut auf Augenhöhe.

«Da Donald Trump eine gewisse Unberechenbarkeit nachgesagt wird, dürfte das allerdings nicht einfach werden.»

Was würden Sie Donald Trump sagen, wenn Sie ihn am WEF treffen würden?
Wichtig ist, dass man in einer solchen Situation die Aufmerksamkeit des Gesprächspartners sehr rasch gewinnt. Wie man auf Englisch sagt: «Catch the speaker’s eye.» Wenn sich das Gegenüber nach einer Minute langweilt, hat man schon verloren. Der richtige Gesprächseinstieg ist entscheidend, genauso wie Mimik und Gestik. Da Donald Trump eine gewisse Unberechenbarkeit nachgesagt wird, dürfte das allerdings nicht einfach werden.

SP-Vertreter haben bereits die Hoffnung geäussert, dass Bundespräsident Alain Berset bei einem allfälligen Treffen mit Trump «kritische Dinge wie das Versagen der USA beim Klimaschutz und die Diskriminierung der Muslime mit dem Einreisebann» anspricht. Halten Sie das für realistisch?
Das muss er natürlich tun, aber es ist ein heikles Unterfangen. Man muss wissen, wann und wie man ein solches Thema anspricht, damit der Schuss nicht hinten losgeht. Bekanntlich wäre uns der damalige chinesische Präsident Jiang Zemin 1999 fast davongerannt, weil meine Kollegin Ruth Dreifuss bezüglich des Menschenrechts-Themas nicht locker liess. Ich konnte ihn mit Mühe und Not davon abhalten. Auch damals spielte ein Bergkristall eine Rolle.

Chinese President Jiang Zemin, left, greets Swiss President Adolf Ogi at Zhongnanhai in Beijing Wednesday, Sept. 13, 2000.  Ogi arrived at Beijing on Tuesday for a three-day visit to China. (KEYSTONE/AP Photo/Guang Niu, Pool)

Beinahe hätte der damalige chinesische Präsident Jiang Zemin seinen Staatsbesuch frühzeitig abgebrochen. Bild: KEYSTONE REUTERS POOL

«Die Teilnehmer lassen sich von der Natur ergreifen, vom Schnee zähmen.»

Der Vorzeige-Protektionist Trump im «Epizentrum der Globalisierung»: Ist das Konfliktpotenzial da nicht ohnehin ziemlich gross?
Wichtig ist, dass die Schweiz sich minutiös darauf vorbereitet und sich keine Fehler erlaubt. Ab der Sekunde des Empfangs will alles genau geplant sein, jedes Glied der Kette muss halten. Zum Glück haben wir in Davos einen Joker: Die Natur. Ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Leute in diesem Umfeld ganz anders verhalten als in einem geheizten Sitzungszimmer in Washington oder London. Die Teilnehmer lassen sich von der Natur ergreifen, vom Schnee zähmen.

Adolf Ogi (75)

Adolf Ogi wurde 1942 in Kandersteg geboren. Von 1987 bis 2000 sass er für die SVP im Bundesrat. Von 2001 bis 2007 war er Sonderberater für Sport im Dienste von Entwicklung und Frieden im Auftrag der UNO.

In den Schweizer Bergen soll Hitzkopf Trump also zum sanftmütigen Wesen mutieren?
Das werden wir dann sehen. Klar ist, dass Trump in Davos seine Ideen vortragen will, Stichwort «America first». Er hat gesehen, wie Chinas Präsident Xi Jinping diese Bühne vergangenes Jahr nutzen konnte.

«Wir müssen jene mitnehmen, die müde sind, die Angst haben, denen es schwindelt. Niemand darf zurückgelassen werden.»

Sie hielten im Jahr 2000 sogar die Eröffnungsrede am WEF. Darin sagten Sie: «Es geht nicht darum, wer zuerst auf dem Gipfel ist, sondern dass alle dort oben ankommen.» Wenn Sie die weltweite Situation heute betrachten: Wie gut haben ihnen die Mächtigen damals zugehört?
Wichtig ist nicht nur, dass man gemeinsam hochgeht, sondern dass man auch den Weg ins Tal gemeinsam meistert. Wir müssen jene mitnehmen, die müde sind, die Angst haben, denen es schwindelt. Niemand darf zurückgelassen werden. Ich finde meine Rede von damals immer noch gelungen. Sie hat heute noch mindestens genauso viel Relevanz wie damals.

Händeschütteln mit Donald Trump

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Video: watson

Menschen und Höhepunkte am WEF 2016

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    Alle Leser-Kommentare
  • Jokerf4ce 11.01.2018 10:17
    Highlight Highlight Finde ich super wie distanziert und unvoreingenommen Ogi das nimmt, ein wahrer Staatsmann.
    Nicht wie Frau Merkel die direkt Konflikte anfängt ( wenn ich das richtig mitbekommen habe )


  • Spooky 11.01.2018 04:57
    Highlight Highlight Und was meint Philipp Löpfe dazu? 😂
  • 2fel 11.01.2018 00:37
    Highlight Highlight guter mann.
  • Jörg K. 10.01.2018 22:01
    Highlight Highlight Ogi sagt es. Man muss sich darauf genauestens vorbereiten, wie auf die entscheidende Verkaufsverhandlung. Den der Bundesrat verkauft ja die Interessen und Anliegen der Schweiz und nicht seine persönlichen. Ogi war natürlich immer schon ein Verkaufstalent. Umso besser muss jetz die Vorbereitung sein. Diese Chance kommt nicht wieder.
  • Maya Eldorado 10.01.2018 20:48
    Highlight Highlight An Adolf Ogi kann man ermessen, wie sich die SVP seit den Zeiten Ogis verändert hat.
    Diese Partei ist nicht wiederzuerkennen und ist nur noch ein Abklatsch dessen, was sie einmal war.
    Ich denke, Blocher und Trump würden sich sicher gut verstehen.
  • äti 10.01.2018 20:45
    Highlight Highlight Wegen Schnee-Risiko wird das WEF nach Mexiko verlegt.
  • Spooky 10.01.2018 20:40
    Highlight Highlight Ich denke, Adolf Ogi wäre der richtige Mann für Donald Trump. Er würde Trump mit seinem Kristall um den Finger wickeln.

    Könnte man das nicht arrangieren?
    • Maya Eldorado 10.01.2018 22:06
      Highlight Highlight Wie würdest Du das mit Blocher sehen.
      Ich denke die beiden sind eher vom gleichen Format.
    • Spooky 10.01.2018 23:19
      Highlight Highlight Maya Eldorado
      @Adolf Ogi und Christoph Blocher sind nicht vom gleichen Formt. Jeder Mensch ist anders.

      Jede Schneeflocke ist anders, übrigens.

      (Das Eldorado hätte ich übrigens gerne gefunden ;-)
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 10.01.2018 20:11
    Highlight Highlight Das es mal Zeiten gab, in denen die SVP Politiker wie Ogi hervorbrachte, erschtaunt leider je länger je mehr.
    • Mia_san_mia 11.01.2018 00:30
      Highlight Highlight Ja das habe ich mir auch gedacht...
  • Martello 10.01.2018 19:47
    Highlight Highlight Wer sich die Rede beim Polenbesuch angetan hat, weiss, dass wir uns auf eine wunderbare Geschichtsstunde freuen dürften, in der wir mit der furiosen Geschichte unseres Landes gebauchpinselt werden.
  • ATHENA 10.01.2018 19:12
    Highlight Highlight Ein gutes Interview. Ich bin angenehm überrascht, dass Adolf Ogi eine distanzierte Betrachtung vornimmt. Denn beide Extreme "Strahlen vor Freude" und "Zetern vor Wut" finde ich unangemessen. Das ist eigentlich so der Journalismus, den ich mir wünsche - eine gelungene "neutrale" Diskussion über ein Thema, unabhängig von der Parteizugehörigkeit.
  • Maya Eldorado 10.01.2018 19:11
    Highlight Highlight Hauptsache er verwechselt die Schweiz nicht mit Schweden.
  • Nelson Muntz 10.01.2018 19:09
    Highlight Highlight Schön, das sich Dölf-National wieder mal ins Rampenlicht manövriert! Freude herrscht!
  • hektor7 10.01.2018 19:02
    Highlight Highlight Schlecht kennt? Der bucht wahrscheinlich einen Flug nach Stockholm...
    • barbablabla 10.01.2018 20:38
      Highlight Highlight Made my day😂
  • Corahund 10.01.2018 18:47
    Highlight Highlight Ach bin ich froh; ich habe so sehnsüchtignauf die Meinung von alt BR Ogi gewartet. Nun bin ich erleichtert und glücklich.
    • Fichtenknick 10.01.2018 20:34
      Highlight Highlight Nicht so sehr, wie wir auf deine gewartet haben. Danke, dass du uns erlöst hast.
    • MacB 10.01.2018 21:36
      Highlight Highlight Musst es weder lesen noch kommentieren...
  • pumpkin42 10.01.2018 18:43
    Highlight Highlight Man mag von Ogi halten was man will, aber hier spricht ein geerdeten Staatsmann. Wir bräuchten heute mehr von diesen!
  • Mia_san_mia 10.01.2018 18:41
    Highlight Highlight Schade haben wir keinen Bundesrat mehr wie Ogi.
  • simiimi 10.01.2018 18:40
    Highlight Highlight Danke Adolf Ogi! Das Trump nach Davos kommt ist eine riesige Chance, für Davos, die Schweiz und die ganze Welt. Der Mann ist nunmal Präsident und scheint America First durchzuziehen, ob es einem passt oder nicht. Da scheint es mir vernünftiger ihm zuzuhören als den Kopf in den Sand zu stecken.
  • TanookiStormtrooper 10.01.2018 18:25
    Highlight Highlight «Die Teilnehmer lassen sich von der Natur ergreifen, vom Schnee zähmen.» Trump hat nur schon oft bewiesen, dass ihm die Natur am Arsch vorbei geht. Was er braucht ist eine goldene Kloschüssel, ein BigMac und eine Glotze.
    • A7-903 10.01.2018 19:50
      Highlight Highlight Oder auch...
      www.golfdavos.ch
      Vielleicht sind die ja auf während des wef.
    • Hanjo 10.01.2018 20:17
      Highlight Highlight Sollte alles auch in Davos vorhanden sein - wir sind gerettet!
    • Mia_san_mia 11.01.2018 00:33
      Highlight Highlight Oh Taanoki, Du weisst ja genau was er braucht... Wenigstens hast Du mit dem kindischen Lina Zeugs aufgehört 👍
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«Trump wird die Macht teilen müssen – und dann sterben»

Eine politische Analyse der etwas anderen Art: Martin Zoller kann anhand der Analyse der Aura eines Menschen seine Zukunft sehen. So hat er die Wahl von Donald Trump richtig vorausgesagt. Jetzt allerdings scheint sich das Blatt zu wenden: Die Demokraten werden gemäss Zoller die Midterms gewinnen – und Trump wird noch vor Ablauf seiner ersten Amtszeit sterben.

Sie haben die Wahl von Donald Trump vorausgesagt. Wie ist Ihnen das gelungen? Schon 2014 wusste ich, dass Hillary Clinton keine Chance haben wird. Ich sah im Sommer dieses Jahres einen Mann als kommenden Präsidenten. Als Trump von den Republikanern zum Präsidentschaftskandidat erkoren wurde, war mir klar, dass er auch gewählt werden wird. Ich habe das damals schon in verschiedenen TV-Interviews ausgeführt.

Wie kommen Sie zu solchen Aussagen? Machen Sie politische Analysen und verbinden diese …

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