Schweiz
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Der Basler Kriminalkommissär Markus Melzl hat fast das ganze Berufsleben bei der Polizei verbracht, in den letzten 16 Jahren als Mediensprecher der Staatsanwaltschaft. Bild: KEYSTONE

Kriminalkommissär zu Rupperswil: «Es ist gut möglich, dass es sich um einen Serientäter handelt»

Der ehemalige Basler Kriminalkommissär Markus Melzl ist überzeugt, dass im Fall Rupperswil das sexuelle Motiv im Vordergrund stand. Ein Gespräch über Adoleszenz-Pädophile, DNA-Spurensuche und Serientäter. 



Herr Melzl, die Polizei nannte am Freitag zum Vierfachmörder von Rupperswil zwei Tatmotive: ein finanzielles und ein sexuelles. Scheint Ihnen das schlüssig? 
Markus Melzl: Ich frage mich, ob die Reihenfolge richtig ist. Da bin ich mir nicht ganz sicher. Was es sicher schon gegeben hat, waren Gruppenvergewaltigungen, die aus dem Ruder liefen und bei denen die Täter am Ende noch die Handtasche mitlaufen liessen. Die Verknüpfung von Vergewaltigung mit Raub kommt also vor. Aber so wie diese Tat geschildert wurde, steht eindeutig die sexuelle Motivation im Vordergrund.

Warum?
Ich gehe davon aus, dass der Täter den 13-jährigen Sohn der Familie Schauer beobachtet und aufgrund dessen zugeschlagen hat. Das Geld war nicht ausschlaggebend, sonst hätte er andere Möglichkeiten ausgekundschaftet. Das Ganze hat aber den Anfang beim Bub genommen.

Also ist der Täter pädophil? Die Polizei wollte sich dazu nicht äussern. 
Natürlich ist er pädophil. Wir hatten immer wieder Fälle von Leuten, die ihr sexuelles Verlangen auf adoleszente Kinder ausrichteten, also Teenies Anfang Pubertät. Das kam bei Knaben und Mädchen vor. 

«Täter wie dieser steigern sich. Vielleicht war der Vierfachmord in Rupperswil eine Kumulation von bisherigen Taten.»

Markus Melzl

Glauben Sie, es könnte sich um einen Serientäter gehandelt haben?
Bei solchen Fällen muss man natürlich im Rahmen der Ermittlungen Geschichtsforschung betreiben: Gibt es Dokumentationen über ähnliche Fälle, die noch nicht aufgeklärt sind? Die Staatsanwaltschaft muss schweizweit Rechtshilfeersuchen einreichen und alle Kantone abklappern. Vielleicht gibt es offene Fälle, für die dieser Mann als Täter in Frage kommt. 

Wie gross ist die Chance, dass man auf diese Weise einen Treffer landet? 
Da dieser Täter zwar nicht polizeibekannt war, aber man nun über Fingerabdrücke und DNA verfügt, hat man vielleicht Glück. Es könnte möglich sein, ihm mittels Spuren alte Fälle zuzuordnen. Auch die sichergestellte Armeepistole könnte Hinweise liefern. Sie wird im Labor beschossen. Aus den Einschusslöchern kann man schliessen, ob diese Waffe bereits bei einem anderen Delikt eingesetzt worden ist. Das ist gut möglich.

Warum ist das gut möglich?
Täter wie dieser steigern sich. Vielleicht war der Vierfachmord in Rupperswil eine Kumulation von Tatbeständen, die dieser Täter zuvor jeweils einzeln erfüllt hat. Interessant ist ja, dass der Täter einen Rucksack vorbereitete, um seine Tat zu wiederholen. Er hat eine ganze Menge Kabelbinder vorbereitet, das heisst, er rechnete nicht damit, auf nur ein Opfer zu treffen. Daher kann es sehr wohl ein Serientäter sein.

«Der Täter hat offensichtlich einen rechten Kick aus dieser Tat gezogen.»

Markus Melzl

Er hätte den nächsten Mehrfachmord begangen? 
Das kann man nicht sagen, aber solche Fälle erleben eine Steigerung in der Brutalität und dann auch in der Kadenz. Dieser Mann wird forensisch-psychiatrisch intensiv begutachtet werden müssen. Er hat offensichtlich einen rechten Kick aus dieser Tat gezogen.

Hatte er seine nächsten Opfer womöglich schon im Visier?
Ein nächster Fall ist ja glücklicherweise verhindert worden. Aber das ist mit Sicherheit Bestandteil der Ermittlungen: Wie hat der Mann die Opfer ausgewählt? Wie hat er den Jungen gefunden? Wir hatten mal den Fall eines sexuellen Missbrauchs in einem Judo-Club. Der Täter war der Hilfsabwart dort, solche Fälle gibt es auch.

Haben Sie schon jemals einen solchen Fall erlebt? 
Ich habe viele brutale Fälle miterlebt. Aber in dieser Kumulation wie in Rupperswil habe ich das noch nie gesehen. Diese Tat bringt jegliches Fehlen von Empathie zum Ausdruck. 

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6Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Dreiländereck 14.05.2016 14:46
    Highlight Highlight Ich denke mal Herr Melzl verfügt über das nötige Fachwissen, also muss es der Journalist falsch verstanden haben:
    Beim Beschiessen geht es in erster Linie um die Spuren an Hülse und Geschoss.
    Mit dem Einschussloch lässt sich ziemlich wenig anfangen.
    32 3 Melden
  • Kobler 14.05.2016 12:35
    Highlight Highlight Und jetzt vergleichen Sie mal die Analyse von Psychiater Thomas Knecht mit der von Komissär Melzl. Während Dr. Knecht wissenschaftlich und mit guter Menschenkenntnis den Täter weitsichtig und effizient profiliert, bürokratisiert Komissär Melzl hölzern mit ein paar unmotivierten, unfundierten Viellecht-Floskeln oder übersteigerten Natürlich-Vorurteilen herum.
    27 33 Melden
  • yellowastra 14.05.2016 12:26
    Highlight Highlight Irgendwie hat der Herr Melzl etwas falsch verstanden. Fingerabdrücke und DNA wurden am Tatort sichergestellt. Es wurde bereits nach Verhaftung kurze Zeit später eine Übereinstimmung der Fingerabdrücke festgestellt wenig später ebenfalls der DNA.
    An der PK wurde ja gesagt das die gefundenen Fingerabdrücke und DNA spuren am Tatort zu keiner Übereinstimmung in der Datenbank geführt hatten.
    Also folglich kann da auch kein Verbrechen vorhanden gewesen sein, weil sonst wäre zumindest aufgeklärt worden an PK über ungeklärte Straftaten im Vorfeld dieser tat.
    10 36 Melden
    • Datsyuk * 14.05.2016 12:47
      Highlight Highlight Man kann Spuren auch verwischen oder nicht hinterlassen. Handschuhe..?
      29 4 Melden
  • UHauser 14.05.2016 09:58
    Highlight Highlight @wurst: bei diesem horrendem thema auf moegliche schreibfehler hinzuweisen und dies auch noch zu posten....? Echt jetzt?
    37 17 Melden
  • Boerchen 14.05.2016 09:39
    Highlight Highlight @watson: Was soll dieser Titel? Das wurde so vom Befragten nicht geäussert, und ist auch im Kontext nur mit der Gegenfrage des Reporters abzuleiten. Der Fall ist an sich schon spektakulär genug, ist diese Art reisserische Berichterstattung wirklich nötig?
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