Schweiz
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Zum Abendgebet am Mittwoch bleiben die Türen der An'Nur-Moschee geschlossen. Bild: watson

Ex-Präsident der An'Nur-Moschee Sahnoun wieder auf freiem Fuss

Am Abend nach der grossen Razzia bleibt die Tür der Winterthurer An'Nur-Moschee zum Abendgebet verschlossen. Der ehemalige Vereinspräsident Atef Sahnoun befindet sich nach seiner Verhaftung bereits wieder zu Hause. 

03.11.16, 00:18 03.11.16, 12:01


Der nordafrikanisch aussehende Mann in den 40ern spricht schnell und verhaspelt sich mehrmals. Aufgeregt gestikulierend dementiert er gegenüber watson im Dunkel des Parkplatzes vor der Winterthurer An'Nur-Moschee die schweren Vorwürfe gegen seinen Präsidenten und den Imam der Moschee, Shaik Abdurrahman. Dieser wurde am Mittwochmorgen verhaftet. Die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland wirft ihm vor, bei einer Predigt vom 21. Oktober dazu aufgerufen zu haben, nicht betende Muslime zu denunzieren und zu töten.

«Das hat er niemals so gesagt», ruft der Mann. Er stellt sich als neues Mitglied des Vorstands der Moschee vor. Es wolle ja niemand mehr im Vorstand sein, nach all diesen Vorkommnissen, meint er. Seinen Namen will er nicht in der Zeitung lesen. «Niemand will mehr in Zusammenhang mit der Moschee gebracht werden», sagt er, «alle haben Angst». 

Ehemaliger Vereinspräsident Sahnoun verhaftet und wieder freigelassen

Der ehemalige Vereinspräsident Atef Sahnoun war ebenfalls unter den Verhafteten. Am Mittwochnachmittag wurde er wieder entlassen, wie er gegenüber watson bestätigte. Seine Rolle und die der anderen zwei Verhafteten, dem aktuellen Präsidenten und eines weiteren Vorstandsmitglieds sind noch Teil der Ermittlungen. Die Staatsanwaltschaft nannte auch noch keine konkreten Beweise. Gemäss «Tages-Anzeiger» wurden die Wohnungen der drei in Winterthur und Elgg durchsucht. Der Imam soll in der Moschee übernachtet haben. 

Atef Sahnoun: Der Ex-Präsident der An'Nur-Moschee ist wieder auf freiem Fuss. bild: zvg

Über den ins Visier der Oberstaatsanwaltschaft geratenen Prediger Shaik Abdurrahman aus Äthiopien ist wenig bekannt. Als Hassprediger hat er bisher kein Aufsehen erregt. Bei der Vereinigung der Islamischen Organisationen in Zürich ist sein Name nicht bekannt – weder positiv noch negativ. Auch der Islamische Zentralrat Schweiz hörte den Namen am Mittwoch das erste Mal, wie er gegenüber watson erklärt. 

Undercover-Reporter vermutet Vorstand hinter der Hass-Predigt

Der Journalist Shams Ul-Haq hat die Antrittspredigt von Abdurrahman am 7. Oktober mitverfolgt. Sie sei unverdächtig gewesen, sagt er gegenüber watson. Der freischaffende Journalist hat eigenen Angaben zufolge drei Monate lang undercover in mehreren Schweizer Moscheen recherchiert. Am 16. Oktober publizierte die «Sonntags Zeitung» seine Recherchen. In der An'Nur-Moschee würde aufgerufen, die Schweizer Gesetze zu missachten, es würden aggressive und radikalisierende Predigten abgehalten, hiess es da. 

Shams Ul-Haq ist überzeugt: «Es geht nicht unbedingt um Shaik Abdurrahman, es geht um den Vorstand. Der Prediger predigt, was von ihm erwartet wird.» Abdurrahman hätte vom Vorstand den Auftrag erhalten, so zu predigen. «Diese Moschee hätte man längst schliessen müssen», sagt er. Ob Ul-Haq nach seinen Recherchen mit der Polizei zusammen gearbeitet hat, will er nicht kommentieren. 

Aus dem Vorstand der An'Nur ist zu vernehmen, Ul-Haq sei als Schiite nicht neutral gegenüber der sunnitischen Moschee eingestellt. Klar ist: Ul-Haq aus Deutschland ist ein umstrittener Reporter. Seine letzten Schweizer Enthüllungen über das Asylzentrum Kreuzlingen, wo er Misshandlungen an Asylsuchenden beschrieb, stellten sich als falsch heraus

Unbestritten ist jedoch, dass aus dem Umfeld der Winterthurer Moschee bereits mehrere Jugendliche nach Syrien oder in die Türkei zum sogenannten «Islamischen Staat» gereist sind.

Gegen vier der Verhafteten hat die Staatsanwaltschaft Winterthur/Unterland ein Strafverfahren wegen öffentlicher Aufforderung zu Verbrechen oder Gewalttätigkeit eröffnet. Die vier zusätzlich durch die Kantonspolizei verhafteten Personen konnten keine gültige Aufenthaltserlaubnis vorweisen. Die Moschee wird vorerst nicht geschlossen, ihr Vermieter hat allerdings den Mietvertrag, der Ende Jahr ausläuft, nicht verlängert. 

Razzia in Winterthurer Moschee

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.

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29Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Hausmeister krause 03.11.2016 09:34
    Highlight Das Problem ist doch, dass wir nicht wissen wie wir mit diesen Hasspredigern umgehen sollen. Bestrafen kann man die nicht wirklich wenn sie "nur" Hass predigen. Es bleibt also höchstens bei ein oder zwei Tagen U-Haft. Ein Prediger hört nicht auf zu predigen wenn er im Knast sitzt, nein er hat es wohl noch einfacher ein paar Schäfchen zu finden. Zurückschicken wäre auch falsch, er macht dort dann genau gleich weiter. Was also machen wir mit den Typen?
    3 5 Melden
    • Saraina 03.11.2016 20:45
      Highlight Meines Wissens ist der öffentliche Aufruf zu einer Gewalttat schon strafbar. Was das Hass predigen angeht - das findet man ja mittlerweile in jedem Forum und auf jeder Kommentarspalte. Scheint leider salonfähig zu werden. Immerhin ist ein Imam fassbar, weil er mit seiner Person dasteht, nicht nur mit einem Nick.
      0 0 Melden
  • Saraina 03.11.2016 07:18
    Highlight Ou, ich hoffe doch, dass die Untersuchungsbehörden etwas mehr in der Hand haben als Aussagen eines Undercover-Reporters haben, der sich profilieren und sein Scheibchen abschneiden will....
    25 26 Melden
  • Wilhelm Dingo 03.11.2016 06:41
    Highlight Wenn es den Zielen von Allah dient, erlaubt der Islam das Lügfen (z.B. Sahih Al Bukhari No. 270). Welchen gläubigen Muslimen kann man nun glauben? Wie verhält man sich vor diesem Hintergrund als JournalistIn?
    47 15 Melden
    • Saraina 03.11.2016 08:36
      Highlight Das ist keine Quellenangabe. Da die Hadith-Sammlung des Buchari einige Bände umfasst, gibt es einige Hadith Nr. 270. Die, welche ich auf die Kürze gefunden habe, beziehen sich auf Angelegenheiten wie das Bad nach einem Geschlechtsverkehr, wie ein Feind des Propheten getötet wurde (ohne dass er vorjer belogen wurde) oder über wie vorzugehen sei bei unwillkürlich Abgang von Urin. Wo also soll der sunnitische Islam das Lügen erlauben? Und wer butte
      11 22 Melden
    • Monti_Gh 03.11.2016 08:50
      Highlight Hey Wilhem bist du Islamexperte oder hast du dein Wissen vom IZRS?
      16 13 Melden
    • Wilhelm Dingo 03.11.2016 10:09
      Highlight @Saraina: Sorry, es handelt sich im des Buch Nr. 52 zum Jihaad.
      @Monti_Gh: Ich bin weder Islamexperte noch Bibel kenner. Dennoch habe ich sowohl Bibel als auch Koran zum grossen Teil gelesen (ich war schockiert).
      *** Aber gebt mir jetzt doch bitte noch eine Antwort!***
      6 5 Melden
    • Saraina 03.11.2016 12:15
      Highlight Wilhelm Dingo: Danke! Die Hadith behandelt dass Mohamed jemanden beauftragt, einen Mann, der ihm geschadet habe, zu töten. Der Mörder lügt nicht, er kündet aber auch seine Absicht nicht an. Als Aufforderung zur Lüge kann Hadith 271 verstanden werden, denn dort erbittet der Mann vom Propheten die Erlaubnis "zu sagen was ich will" bei diesem Auftrag, und er bekommt sie auch. Die Frage ist nun, inwiefern dieses Hadith 1. normalen Muslimen überhaupt bekannt ist und 2. als Aufforderung für das tägliche Leben genommen werden kann/soll. Ausser den Dschihadisten befindet sich nämlich niemand im Krieg
      2 2 Melden
    • Saraina 03.11.2016 12:24
      Highlight Nachtrag für W. Dingo: meines Erachtens tut man Dschihadisten von Bin Laden bis zum IS einen Gefallen, wenn man ihre Sicht auf den Islam als realannimmt. In Wahrheit sieht keine der 4 traditionellen Rechtsschulen eine Möglichkeit, einfach so einen Dschihad auszurufen, oder in einem Land, in dem die Ausübung der Religion erlaubt ist, Einheimische zu bekämpfen. Auch "Takfir" also andere Muslime als Ungläubige zu deklarieren, ist verboten. Wenn wir die Sichtweise von Dschihadisten übernehmen, legitimitieren wir diese Leute.

      Übrigens: oh, Muslime lügen im Krieg? Na das würden wir ja nie tun...
      1 0 Melden
    • Wilhelm Dingo 03.11.2016 13:22
      Highlight @Saraina: Ich denke auch dass das für 'normale' Muslime wie auch ich sie kenne tatsächlich nicht relevant ist, da bin ich voll mit Dir einverstanden. Wie gehen aber religiös gebildete Imame als sehr Gläubige Muslime mit der Wahrheit um wenn Sie glauben mit Lügen Allah zu dienen? Das ist meine Frage und Deine Antwort dazu würde mich interessieren.
      1 1 Melden
    • Saraina 03.11.2016 17:15
      Highlight Religiös Gebildete gehören normalerweise einer der 4 Rechtsschulen an. Sie werden glauben, dass man Allah mit Gebet, dem Fasten und ev. dem Hadsch dient, sowie mit guten Taten. Allah hat es nicht nötig, die Menschen lügen zu lassen. Natürlich heisst das nicht, dass Muslime nie lügen, aber es gibt dafür keine religiöse Begründung. Auch das Hadith liefert keine solche, es beschreibt nur eine einmalige Situation, deshalb ist es im Abschnitt über Dschihad enthalten. Gem. religiös Gebildeten kann es keinen Dschihad geben, ohne die Vorausbedinungen, die hier und heute nicht gegeben sind.
      1 0 Melden
  • Spooky 03.11.2016 00:29
    Highlight "Ex-Präsident der An'Nur-Moschee Sahnoun wieder auf freiem Fuss"

    Aber natürlich ist Sahnoun wieder auf freiem Fuss. Diese Leute können sich die teuersten und somit besten Rechtsanwälte leisten - im Gegensatz zu den Armen in der Schweiz. Soweit sind wir in der freien Schweiz.
    34 80 Melden
    • URSS 03.11.2016 06:07
      Highlight Das hat mit Anwälten nichts zu tun. Wir sind in der Schweiz nicht in den USA. Offenbar gab es keine Gründe ihn weiter in U-Haft zu belassen.Sonst wäre er nicht gestern entlassen worden.
      71 10 Melden
    • Spooky 03.11.2016 06:25
      Highlight @urs sonderegger
      Lieber Urs.
      Hast du eine Ahnung, was Geld alles bewirken kann! Glaub mir, zuerst kommt das Geld - erst nachher das Recht. Das gilt auch für die Schweiz.

      Und, lieber Urs, glaub jaa nicht, dass ich nicht weiss, wovon ich rede. Irgendwie glaube ich, dass du naiv bist. Aber das ist okay. Ciao, mach's gut!
      15 75 Melden
    • Spooky 03.11.2016 06:29
      Highlight @urs sonderegger
      Hast du eine Ahnung !!!
      Die Schweiz ist ein Geldstaat, nicht ein Rechtsstaat.
      14 57 Melden
    • DerTaran 03.11.2016 07:09
      Highlight In einem Geldstaat, in dem alternde Milliardäre mit viel Geld Zeitungen kaufen und Abstimmungskämpfe finanzieren um mit Angstmacherei und simplen Lösungen den einfachen Mann hinters Licht zu führen.
      41 4 Melden
    • Saraina 03.11.2016 07:23
      Highlight Ja klar, und ausgerechnet die Typen vom Vorstand der An-Nur Moschee sind heimlich reich... Sonderegger hat schon recht, wenn es für die Untersuchungshaft keinen Grund mehr gibt, weil keine Anklage droht oder weder Flucht- noch Verdunkelungsgefahr gegeben sind, lässt man die Leute laufen.
      35 5 Melden
    • lilas 03.11.2016 07:31
      Highlight Lieber Spooky, ich bitte ich Sie , Ihr offensichtlches Insiderwissen zu teilen, ich bin immer froh wenn ich noch dazu lernen kann. Ansonsten bringen Verallgemeinerungen und in die Welt hinausposaunte Behauptungen rein gar nichts
      35 2 Melden
    • Hoppla! 03.11.2016 07:35
      Highlight Ach, Spooky... Natürlich kann Geld etwas bewirken, auch wenn es nicht sollte.

      Aber das ganze "arme Schweizer" Gesülze ist doch irgendwie peinlich und tut so gar nichts zu dieser Sache. Ich höre da nur mimimimimi und sehe ein eifersüchtiges Kind im Sandkasten am "teupelen".
      41 3 Melden
    • lilas 03.11.2016 08:01
      Highlight Wen genau meinen Sie mit "wir verarmten Schweizer" und mit "ihr linken Verräter"?
      Sie nehmen einen grossen Topf und kochen Verallgemeinerungssuppe, ein paar wüste Beschimpfungen, ein paar Behauptungen und zu guter Letzt noch das unsägliche "gnade euch Gott".... und schon steht es da, Ihr Weltbild.
      34 0 Melden
    • Saraina 03.11.2016 08:24
      Highlight Spooky, ungefähr so, mit "aber dann Gnade euch Gott, ihr....." beginnen Hasspredigten.
      20 1 Melden
    • Thomas J. aus B. 03.11.2016 08:54
      Highlight Stimmt, früher ging's den Randständigen, Sozialhilfebezügern, Arbeitslosen u.a. Armen ja enorm viel besser. Daran können nur die "Linken" Schuld sein, die zwar nie die parlamentarische Mehrheit bildeten seit auf der Welt bin. Aber gut hat man ein Feindbild, das die eigene Misere erträglicher macht und Leitfiguren, auf die man Vertrauen kann, oder dies zumindest glaubt. Nur schade wird sich dieses Vertrauen nie auszahlen, da auch beim Gegenpol der Linken primär die eigenen Interessen und Klientel im Vordergrund stehen. Und nein, Arme gehören leider nicht dazu. Warum auch. Kommt nix bei rüber.
      17 0 Melden
    • Raembe 03.11.2016 09:13
      Highlight Immer wieder spannend einen Einblick in Spookys verdrehte Welt zu erhalten.
      12 0 Melden
    • zsalizäme 03.11.2016 09:42
      Highlight @Spooky
      Wenn es in der Schweiz doch ach so schlimm ist und sich alles nur noch ums Geld dreht und sowieso jeder korrupt ist, da zieh doch weg. Ich hab gehört das Schlaraffenland soll noch schön sein.
      8 0 Melden
    • Hoppla! 03.11.2016 10:14
      Highlight Wichtig ist auch immer, dass alle anderen Schuld sind. Und man ist prinzipiell das Opfer. Nämlich!

      So zum Beispiel: http://www.watson.ch/!427083421?utm_source=notification#discussion_427083421
      5 0 Melden

«Ein alter Zopf» – GLP-Politiker will Geschlechter abschaffen

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