Schweiz

Eine Jugendliche drohte einer Gleichaltrigen per Video, sie werde sterben wie zuvor eine 13-Jährige. Auf der Illustration sind 8 von 100 Kommentaren abgebildet. Die Mobberin wurde zur Gemobbten.  Bild: Schweiz am Wochenende

«Du wirst genauso sterben wie Sabrina»: Neues Drohvideo nach Suizid einer 13-Jährigen

Ein 13-jähriges Mädchen brachte sich in Spreitenbach um – nun ermittelt die Jugendanwaltschaft wegen Drohungen im Internet.

07.10.17, 15:26

Andreas Maurer / Schweiz am Wochenende

Ein schockierendes Video hat sich auf der Online-Plattform Instagram zum Klickhit entwickelt. Es zeigt die Videobotschaft einer Jugendlichen aus Dietikon ZH an eine Gleichaltrige. Sie blickt in die Kamera ihres Smartphones und sagt zu ihr: «Also du kleine Nutte. Wir finden dich schon. Du wirst genauso sterben wie Sabrina*.»

Hilfe bei Suizidgedanken

Diese Stellen sind rund um die Uhr für Menschen in suizidalen Krisen und ihr Umfeld da, vertraulich und gratis:

Die Dargebotene Hand: Gespräch und Beratung per Telefon, Mail und Chat auf www.143.ch und Kurzwahlnummer 143.

Beratung + Hilfe 147: Beratung für Kinder und Jugendliche von Pro Juventute über Telefon, SMS, Chat und Mail auf www.147.ch und Kurzwahlnummer 147.

Weitere Adressen: www.reden-kann-retten.ch für Beratungsangebote in allen Kantonen und www.trauernetz.ch für Hinterbliebene nach einem Suizid.

Gemeint ist ein 13-jähriges Mädchen aus Spreitenbach AG, das sich Ende August das Leben genommen hat. Die Tat hat in den sozialen Medien ein grosses Echo ausgelöst und wurde von Jugendlichen schweizweit diskutiert. Viele Kommentare drückten Mitgefühl aus, einige fielen aber gehässig aus.

Jemand schrieb: «Bring dich doch selber um.» Mit dem nun aufgetauchten Video teilt die Jugendliche mit, dass sie Sabrina mit Mobbing zur Verzweiflung gebrachte habe und ihrem neuen Opfer dasselbe Schicksal drohe.

Auch dieses Video wurde schweizweit geteilt. Jugendliche verbreiteten es zuerst auf privaten Kanälen von Snapchat, Instagram und Whatsapp, wo es nur von «Freunden» gesehen werden kann. Dann stellte es jemand auf eine öffentliche «Unterhaltungsseite» von Instagram, wo es für alle Nutzer einsehbar ist.

Mit einem Klick wurde die Täterin zum Opfer und geriet in einen Shitstorm. In einer Woche wurde das Video 8500-mal aufgerufen und 100-mal kommentiert. Mit derselben Brutalität, mit der die Mobberin ihr Opfer angriff, wird sie in den Kommentaren selber attackiert. Die Chats geben einen Einblick in einen Alltag, zu dem die meisten Eltern und Lehrer keinen Zugang haben (siehe Illustration).

Eine Jugendliche drohte einer Gleichaltrigen per Video, sie werde sterben wie zuvor eine 13-Jährige. Auf der Illustration sind 8 von 100 Kommentaren abgebildet. Die Mobberin wurde zur Gemobbten.

Nun ermittelt die Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis gegen die Verfasserin der Videonachricht. Sprecherin Sarah Reimann sagt: «Wir können bestätigen, dass die Jugendanwaltschaft Limmattal/Albis eine Strafuntersuchung betreffend Drohung gegen eine Jugendliche führt. Die strafrechtlichen Untersuchungen laufen, es gilt die Unschuldsvermutung.»

Mehr Delikte finden online statt

Früher beleidigten sich Jugendliche auf dem Schulweg und auf dem Pausenplatz – heute tun sie es auf Snapchat und Instagram. Jede dritte Ehrverletzung, die bei der Zürcher Jugendanwaltschaft angezeigt wird, fand im Internet statt. Dazu gehören Jugendliche, die sich in sozialen Netzwerken beschimpfen, Fake-Profile erstellen oder verleumderische Aussagen posten.

Die physische Gewalt unter Jugendlichen ist zwar rückläufig – nicht aber die psychische. Die Jugendstrafurteilsstatistik verzeichnete 2015 so wenige kriminelle Jugendliche wie nie zuvor seit Beginn der Auswertungen im Jahr 1999. Das hängt mit einem veränderten Freizeitverhalten zusammen. Jugendliche begehen die meisten Straftaten abends und nachts, wenn sie sich auf öffentlichen Plätzen treffen und in den Ausgang gehen.

Inzwischen findet der soziale Austausch seltener auf Partymeilen und häufiger auf Online-Plattformen statt. Snapchat statt Saufgelage. Das hat positive Folgen: Die Jugendgewalt ging zurück. Ob der Trend anhält, ist allerdings unklar. 2016 wurde erstmals wieder eine leichte Zunahme verzeichnet.

Das neue Freizeitverhalten hat aber auch negative Folgen: Die Zahl der Verurteilungen wegen Ehrverletzungen, Drohungen und Nötigungen hat in den vergangenen Jahren zugenommen. Es handelt sich um Delikte, die vor allem online begangen werden. Die Verurteilungen wegen Pornografie haben sich seit 2010 sogar verdreifacht. Auch das ist ein klassisches Online-Delikt. Stellt ein Jugendlicher zum Beispiel einen Porno in einen Klassenchat mit unter 16-Jährigen, macht er sich strafbar.

Die Online-Delikte nehmen in der Statistik auch aus einem anderen Grund zu. Das Smartphone eignet sich nicht nur als Tatwerkzeug, sondern auch als Beweismittel. Auf dem Pausenplatz ausgesprochene Drohungen sind kaum belegbar, auf Video aufgenommene hingegen schon. Das macht beiden Seiten das Leben schwer: Täter werden einfacher überführt, Opfer sind stärker betroffen. Die Beleidigungen werden nicht nur auf dem Pausenplatz verbreitet, sondern im World Wide Web, und oft für immer gespeichert.

Mädchen mobben, Buben prügeln

Die Täterprofile verändern sich ebenfalls. Es sind überdurchschnittlich oft Mädchen, die Cybermobbing betreiben. Während Buben weiterhin auf altmodische Art ihre Fäuste sprechen lassen, nutzen Mädchen vermehrt die neuen Medien für psychische Gewalt.

Die Jugendliche aus Dietikon, welche die Todesdrohung in die Kamera sprach, hat ihre Lehre aus dem Shitstorm gezogen. Sie löschte ihre digitale Identität und schaltete ihre Accounts ab. Zu spät: Ihr Video wird weiterhin geteilt und kommentiert.

Sabrina bleibt ebenfalls in digitaler Erinnerung. Sogar Teenager, die ihr nie begegnet waren, posteten auf ihren Profilen «R.I.P. my Angel». Eine Freundin fragte an der Beerdigung mehrere Gäste, woher sie die Verstorbene kennen würden. Die Antwort: «von Instagram».

* Name geändert

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Saraina 08.10.2017 18:05
    Highlight Kranke Gesellschaft.
    16 0 Melden
  • Gelöschter Benutzer 07.10.2017 22:58
    Highlight Die Mobberin wird gemobbt? Es gibt also noch Karma. Finde es zwar sehr hart aber auf irgend eine Art hat es das Mädchen, das ejne andere in den Suizid getrieben hat auvh verdient.
    46 1 Melden
    • Lululuichmagäpfelmehralsdu 08.10.2017 13:21
      Highlight Ja nicht nur das verdient es. Auch Heim oder Besserungsanstalt wäre schön.
      25 0 Melden
  • Verifiable Truth 07.10.2017 17:17
    Highlight Es läuft in Dietikon einiges mehr schief als Jugendliche verprügeln.
    Ist dort nicht das grösste Migranten Getto in der CH? Leute mögen nicht dass in Öffentlichkeit fotografiert wird, Nachbarschaften gespaltet durch kulturelle "Diversität", selten einer spricht deutsch. Aber Glocken der Kirche läuten was das Zeug hält an Feiertagen, nur selten einer weiss warum..oder warum die Kirche überhpt da ist.
    DerOrt nur 15 min von ZH entfernt wirkt fremd, fremde Sitten, fremde Musik.
    Migration erfordert viel Arbeit mit jedem Migrant so für die 20 bis 30 Jahre, das Verständnis dafür fehlt komplett.
    64 217 Melden
    • dF 07.10.2017 18:04
      Highlight @pondering

      Was hat das von dir gesagte nun mit Mobbing und Cybermobbing zu tun? Oder willst du nur Populismus machen und Verachtung schüren? Und damit dem Kernthema dieses Artikel bzw. dessen Problematik weiter schüren?

      Oder versuchtst du ernsthaft ein Thema, das zu solchem Mobbing führen kann, anzusprechen? Wenn ja, dann wähle bitte deine Worte weiser. Danke.
      101 16 Melden
    • Datsyuk 07.10.2017 18:07
      Highlight Echt? Das fällt dir ein zu einem Artikel über Mobbing?
      85 13 Melden
    • Gelöschter Benutzer 07.10.2017 18:15
      Highlight Links-grün sollte dort ihre Kinder zur Schule schicken und die Vorzüge des Multikultis geniessen.
      42 122 Melden
    • Tschaesu 07.10.2017 18:17
      Highlight Mein Velo wurde dort geklaut - Dietikon muss durch und durch schlecht sein!

      •ironie off•
      79 16 Melden
    • Kimbolone 07.10.2017 18:21
      Highlight Hab bei “Migranten Getto“ [sic!] aufgehört zu lesen. Sorry, du hast keinen Plan und gibst irgendwas wieder, was dir einer mal vorgelabert hat. Früher genoss Spreitenbach diesen Ruf, heute ist es Dietikon.

      86 12 Melden
    • sheep 07.10.2017 18:28
      Highlight Ich weiss ja nicht in welchen Ecken von Dietikon du dich so rumtreibst, aber ich erlebe das ziemlich anders...
      65 8 Melden
    • Jazzdaughter 07.10.2017 18:46
      Highlight Wtf
      "Selten einer spricht Deutsch", was für ein überdramatisierter Schwachsinn. Ich bin in Dietikon aufgewachsen und glauben Sie mir, die Leute auf der Strasse verstehen Deutsch, bin noch nie jemandem begegnet der es nicht tat, ich weiss nicht in welchem seltsamen Paralleluniversum Sie leben.
      Und die Kirchen, ja die sind vermutlich da, weil die kath. & ref. Gemeinden zusammen mit 48,1% die grösste Religionsgruppe bilden? Nur eine Annahme.
      Unserem kulturellen Leben geht es auch gut, ausser sie sehen "Eiertätschen" zu Ostern, Weihnachtsmärkte und Samichlausumzüge als Auswüche fremder Sitten.
      104 8 Melden
    • shthfckup 07.10.2017 18:58
      Highlight Ja genau. Schweizer sind die besseren mobber nur zum sagen. Ich würde den ball schön flach halten.
      30 22 Melden
    • Nonvemberbal 07.10.2017 18:59
      Highlight Ah und Menschen mit Migrationshintergrund gehen nicht in die Kirche ?
      54 10 Melden
    • äti 07.10.2017 20:40
      Highlight @nyssa, meinst du nicht 'oben-rosa'?
      16 2 Melden
    • dF 07.10.2017 20:53
      Highlight @Nyssa

      Was hat Mobbing nun mit Links-Grün oder sonst irgendwelcher politischer Gesinnung zu tun? Erklär mir das bitte. Danke im voraus.
      55 6 Melden
    • Oban 07.10.2017 21:21
      Highlight @Nonvemberbal
      Nein Migranten können nur Muslime sein, was anderes kann es nach der auffassung des gemeinen Schweizer unmöglich sein.
      Und natürlich sind alle Muslime abgrundtief Böse, wollen uns alle Töten und liegen uns nur auf der Tasche.
      59 9 Melden
    • jjjj 07.10.2017 22:10
      Highlight Lol

      5 Jahre in Dietikon gearbeitet. Alles easy da!
      39 6 Melden
    • Charlie Brown 07.10.2017 22:56
      Highlight @nyssa, formerly known as stipps: Immer noch die selbe Taktik? Und Inhalt kommt auch mal noch?
      15 3 Melden
    • Domsh 08.10.2017 00:02
      Highlight Vom Troll nichts neues
      17 4 Melden
    • Fabio74 08.10.2017 00:23
      Highlight @nyssa kennst Dietikon? Vermutlich auch zu dem Thema ahnungslos.
      12 2 Melden
    • Verifiable Truth 08.10.2017 10:11
      Highlight Mein Kommentar bezieht sich auf das gesamte soziale Umfeld in Dietikon. Mobbing in sozialen Netzen ist ein Symptom nicht Ursache in dieser von Migration geplagten Gegend. Ist es von ungefähr dass vor einpaar Jahren dort gebombt wurde.
      Es ist sehr leicht für hier aufgewachsene , zu übersehen wie stark der Ort sich schleichend demographisch und kulturell verändert hat.
      Schweizer die kein ÖV benutzen, im eigenen Haus Leben sind absolut nicht im Bilde.
      Nicht von ungefähr gibt es bei SBB ständige Patrullie auf der Strecke ZH -Dietikon .Bahnhofvortplatz ähnelt einem Pariser vorort.
      3 35 Melden
    • Gelöschter Benutzer 08.10.2017 11:50
      Highlight @Sozis:

      Dietikon? Die Gemeinde mit der höchsten Sozialhilfequote in ZH?

      Ne, alles guuuut! Voll!

      @brauner charly: Biete keine kostenlose Bildungsnachhilfe - das hättet ihr im Heimatland beziehen müssen.
      @Fabio: kennst du goolge? Vermutlich ahnungslos.

      https://www.nzz.ch/zuerich/region/gefangen-im-netz-des-sozialstaates-1.18391903
      1 20 Melden
    • B-Arche 08.10.2017 16:12
      Highlight Schon wieder an RT und Sputnik-Kreml-Propaganda wie beim Artikel über Gewalt gegen Homosexuelle?

      In Dietikon ist kein "Migrantenghetto" sondern die Stadt ist eine mit einer eher pulsierenden Wirtschaft aber einer falschen Beton-Stadtplanung. Aber mit diesem Artikel hat das alles nichts zu tun.

      Deine Vorbilder in der Propagandazentrale in St Petersburg können das besser :-)

      Dass eine Mutter ihr Kind umbringt hat nun wirklich nichts mit Migration zu tun. Das kommt leider in allen Schichten und allen Nationalitäten vor. Ihr Versuch das gegen Einwanderung zu missbrauchen ist schändlich.
      14 2 Melden
  • The Origin Gra 07.10.2017 16:16
    Highlight Scheisse, haben Mobber eigentlich nichts anderes zu tun?
    Mir wird schlecht bei alledem 😔
    137 5 Melden
    • Verifiable Truth 08.10.2017 10:13
      Highlight Richtig, Mobbing entsteht auch aus Langeweile. In die Kirche oder ein Verein möchte man nicht, Eltern sprechen fremde sprache, wollen dass ich auch nur mit meinen Landsleuten rumhängt. Schweizer mögen unsere äußerliche Erscheinung nicht, und ich mag keine Schweizer Musik.
      Und so sitzen wir im auto solange uns die böse weisse Oma nicht mit Polizei gedroht hat, und machen diesen cybermobbing . Oder wir sitzen einfach beim Coop Pronto und machen hübsche Mädchen an. Die Mädchen sind hochnasig , , geben uns nicht mal ein lächeln...
      3 28 Melden

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