Schweiz

Agassiz-Streit kommt vor Kommission gegen Rassismus

08.09.17, 11:47 08.09.17, 14:23

Louis Agassiz.

Das Komitee Démonter Louis Agassiz ist erzürnt über den Entscheid des Schweizer Alpenclubs SAC, dem Glaziologen und Rassentheoretiker Louis Agassiz die Ehrenmitgliedschaft nicht abzusprechen. Nun soll die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus und die Fachstelle für Rassismusbekämpfung Stellung beziehen.

«In der Antwort auf unsere Forderung hat der SAC den Rassenhetzer Louis Agassiz derart banalisiert, wenn nicht gar verteidigt, dass wir uns entschlossen haben, an die Eidgenössische Kommission gegen Rassismus EKR sowie an die Fachstelle für Rassismusbekämpfung des Eidgenössischen Departements des Innern EDI zu gelangen», teilten Hans Fässler und Hans Barth im Namen des Komitees «Démonter Louis Agassiz» am Freitag mit.

In ihrem Schreiben fordern sie eine Stellungnahme der beiden Bundesinstitutionen zur Erklärung des SAC. Dieser argumentierte Ende August, dass die Ehrenmitgliedschaft mit Agassiz' Tod im Jahr 1873 ohnehin erloschen sei. Man könne Agassiz nicht etwas absprechen, das gar nicht mehr existiere.

Zudem sei Agassiz als Glaziologe Mitbegründer und wichtiger Vertreter der Eiszeittheorie gewesen. Das Komitee stört sich besonders an folgender Aussage des SAC: Agassiz sei zwar aus heutiger Sicht Rassist gewesen, damals sei sein radikales Gedankengut aber in vielen Kreisen üblich gewesen.

Nicht erster Versuch

«Dies ist eine grobe Geschichtsklitterung und eine Verharmlosung der damaligen Rassenhetze und Verbrechen gegen die Menschheit», schreibt das Komitee an den Bund. Die SAC-Stellungnahme sei schwerwiegend und unverantwortlich.

Das Komitee «Démonter Louis Agassiz» war schon 2010 mit einer Petition gescheitert, die forderte, das Agassizhorn anders zu benennen. Die drei Gemeinden Grindelwald BE, Guttannen BE und Fieschertal VS haben eine Petition zur Umbenennung des Gipfels abgelehnt.

Louis Agassiz kam 1807 in Môtier FR zur Welt und wanderte später in die USA aus. 2007 verurteilte der Bundesrat in einer Antwort auf eine Interpellation das «rassistische Denken» des Zoologen und Glaziologen, sah aber keinen Grund, den nach ihm benannten Berg umzutaufen. (sda)

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Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!
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    Alle Leser-Kommentare
  • Rendel 08.09.2017 17:00
    Highlight Ich fände es gut den Berg umzubenennen, das ist zu viel der Ehre für einen Rassisten, der viel zu Leid beigetragen hat.

    Dass er Ehrenmitglied beim SAC war, ist nun mal so. Er war es. Heut ist er es nicht mehr.

    Man kann ja einen Hinweis auf die unrühmliche Vergangenheit machen, vom SAC der damals nicht hinschaute oder auch rassistisch war und diesem Herrn, ergänzend dazu, dass er ein rühmlicher Glaziologe war.




    9 11 Melden
    • Liselote Meier 08.09.2017 18:04
      Highlight Ein nicht hinauschauen gewiss nicht. Der SAC war bis in die 60er ein Hort der Reaktionären.

      Frauen, Linke und Juden unerwünscht.

      Beim Landesstreik waren sie massgablich bei der Gründung von reaktionären Bürgerwehren beteiligt "Vaterländische Verbände" und Streikbrechern.

      In den 20er, 30er, 40er durchzogen von Schweizer Nationalsozialisten aka Frontisten welche sich aus den Verbänden entwickelten.


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    • Rendel 08.09.2017 19:43
      Highlight Ich schrieb ja, oder auch rassistisch war, Liselote.
      6 1 Melden
    • Liselote Meier 08.09.2017 20:33
      Highlight War ja auch kein Vorwurf an dich Persönlich. Sorry wenn Falsch verstanden.

      Wollte damit nur erläutern, dass der SAC heute (gute Sache, non poltic) nicht der selbe Verein ist wie bis in die 60er war.

      Wenn in den 30er im Verein warst und Vorgeschlagen hättest in von der Liste zu streichen, wärst als "Linker Lump" rausgeprügelt worden.
      4 3 Melden
    • Rendel 08.09.2017 22:23
      Highlight Ist halt immer schwer sich in kurzen Zeilen, schriftlich zu verstehen, ist alles ok Liselote. Danke, auch für Deine ergänzenden Informationen.
      3 0 Melden
  • raues Endoplasmatisches Retikulum 08.09.2017 14:08
    Highlight Persönlich kann ich dieser Vorderung wenig Verständnis entgegenbringen.
    Die diversen Würdigungen, die der Herr in seinem Nachleben erfahren hat, beziehen sich ja nicht auf seine rassistischen Ansichtem zu Weissen und Schwarzen, sondern auf seine bahnbrechenden Arbeiten zur Glaziologie. (https://de.m.wikipedia.org/wiki/Louis_Agassiz)
    Blick in die USA: Lee-Statuen werden heruntergeholt, weil seine wichtigste Handlung die Bekämpfung der Union und die Verteidigung der Sklaveri war. Jefferson hatte auch Sklaven, doch er schrieb die Unabhängigkeitserklärung, und dafür wird er verehrt.
    15 5 Melden
  • Gelöschter Benutzer 08.09.2017 13:47
    Highlight Im Gegenteil: "grobe Geschichtsklitterung" wäre es, wenn der SAC nachträglich die Liste der Ehrenmitglieder manipuliert.
    16 5 Melden
  • CasRas 08.09.2017 12:56
    Highlight Alles was dieses "Komitee" mit dieser Kampagne gegen den SAC und Agassiz erreicht, ist den tatsächlich immer noch existierenden Rassismus zu banalisieren und berechtigte Beschwerden/Proteste gegen Diskriminierung in ihren Dunstkreis zu ziehen und damit lächerlich und unglaubwürdig zu machen.
    10 5 Melden
  • Rotbeisser 08.09.2017 12:12
    Highlight Démontez le démonteurs!
    10 9 Melden
    • Spooky 08.09.2017 22:26
      Highlight Tamisiech, Rotbeisser, die Orthographie! 😱
      6 0 Melden

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