Schweiz

Das Bundesverwaltungsgericht in St.Gallen. Bild: KEYSTONE

Sexuell belästigte SBB-Mitarbeiterin verlor ihren Job – und läuft vor Gericht auf

Eine SBB-Mitarbeiterin ist an ihrem Arbeitsort in der Region Genf/Nyon von Kollegen sexuell belästigt worden, das hatte eine externe Untersuchung ergeben. Die Frau wollte am gleichen Ort weiterarbeiten – doch sie durfte nicht: Eine Reorganisation durchkreuzte ihr Anliegen. Sie ging vor Gericht – und verlor.

11.09.17, 16:33 11.09.17, 17:15

Eine externe Untersuchung war im Mai 2015 zum Schluss gekommen, dass eine SBB-Angestellte in einer Abteilung in der Region Genf/Nyon am Arbeitsplatz sexuell belästigt worden war. Kollegen hatten sexistische Äusserungen ihr gegenüber gemacht. Mobbing habe es keins gegeben, hielt der Bericht weiter fest. Der Vorgesetzte habe Fehler bei der Klärung der Situation gemacht. Dennoch riet der Bericht, dass die Frau nicht weiter in der gleichen Abteilung arbeiten sollte.

Die Betroffene verlangte eine Verfügung und ging vor Bundesverwaltungsgericht. Sie forderte ihre Reintegration an ihrem früheren Arbeitsplatz und die Feststellung, dass sie gemobbt worden sei. Zudem verlangte sie eine Entschädigung gemäss Gleichstellungsgesetz. Die SBB hatte ihr einen Monatslohn zugesprochen. Dieser Fall ist nun beim Verwaltungsgericht hängig.

Neue Bewerbung bei altem Chef

Im September 2016, während des laufenden Verfahrens, kam die Reorganisation. Die 120 Mitarbeitenden der bisherigen Abteilung der Frau sollten sich auf die neu nur noch 70 Arbeitsstellen bewerben. Unter den Angestellten befand sich auch die Beschwerdeführerin. Nun sollte sich die Frau bei ihrem bisherigen Chef um ihre alte Stelle bewerben, wenn sie in der gleichen Region tätig bleiben wollte. Das tat sie. Sie kündigte gleichzeitig an, mit ihm kein Bewerbungsgespräch führen zu wollen.

Zu einem solchen Gespräch wurde sie auch nicht eingeladen. Im November 2016 wurde die Frau darüber informiert, dass sie ihre Stelle per Ende Februar 2017 verliere. Im gleichen Schreiben wurde erläutert, wie das weitere Verfahren hinsichtlich der Unterstützung bei der Stellensuche aussehen werde. Bereits zuvor war die Frau darauf hingewiesen worden, dass sie sich auch in anderen Regionen für den gleichen Job bewerben könne. Dies hatte sie nicht getan.

Zwei verschiedene rechtliche Fragen

Während die Betroffene das Schreiben vom November 2016 als Absage auf ihren Wunsch zur Reintegration an ihren bisherigen Arbeitsplatz verstand, sieht dies das Bundesverwaltungsgericht anders. Es hat die Vereinigung des Verfahrens bezüglich der sexuellen Belästigung und der Bewerbung auf die bisherige Stelle abgelehnt. Es gehe dabei um zwei verschiedene rechtliche Fragen, schreibt das Gericht. Zudem ist es auf diese zweite Beschwerde nicht eingetreten, weil es sich nicht um einen Endentscheid handelt.

Nun muss die Betroffene warten, wie das Bundesverwaltungsgericht im Fall der sexuellen Belästigung entscheidet.

Hilfe gegen sexuelle Übergriffe in Klubs

1m 0s

Hilfe gegen sexuelle Übergriffe in Klubs

Video: srf

(Urteil A-142/2017 vom 05.09.2017)

(dwi/sda)

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Markus Wüthrich, 5.5.2017
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    Alle Leser-Kommentare
  • Masche 11.09.2017 22:12
    Highlight Die bedauernswerte Dame hätte besser auf den Rat der externen Untersuchung gehört und nicht den zwecklosen Versuch unternommen, über ein gerichtliches Verfahren und ohne Bewerbung die Stelle zu bekommen. Selbst wenn sie recht bekommen hätte, hätte sie höchstens ein paar Monatslöhne Abfindung erhalten, weil man bei der aktuellen Rechtslage in der Schweiz keine Anstellung erzwingen kann.
    5 1 Melden
  • Dogbone 11.09.2017 19:09
    Highlight Geht irgendwie gar nicht, dass ein Betrieb wie die SBB es soweit hat kommen lassen und die Sache nicht rechtzeitig gütlich geregelt hat. Ein weiterer Grund auf dem grossen Haufen der negativen Punkte.
    Der Fisch stinkt vom Kopf her und es wird immer schlimmer. Weshalb man den ganzen Laden nicht mal von oben herab reorganisiert, ist mir schleierhaft.
    21 55 Melden
    • andrew1 11.09.2017 19:34
      Highlight Wir wissen ja nicht wie schlimm die ausdrücke sind. Vielleicht gabs ja nur 2-3 mal eine harmlose anspielung und es wurde etwas überreagiert.
      13 30 Melden
    • Datsyuk 11.09.2017 22:32
      Highlight Was wäre deiner Meinung nach eine harmlose Anspielung? Und wie weisst du, dass die Betroffene das auch so verstehen würde?
      8 7 Melden
    • danmaster333 12.09.2017 05:11
      Highlight Bei der SBB gibt es die sog. "Anonyme Meldestelle", bei der kann man z. B. solche Fälle melden, wenn man dies nicht bei seinem Vorgesetzten will. Sexuelle Belästigung gibt es auch bei anderen Betrieben, nicht nur bei der SBB. Ich sehe auch nicht ein, dass sie wegen diesem Vorfall ein höheres Recht auf die Arbeitsstelle haben sollte als andere, das sind ja dann zwei verschiedene Angelegenheiten (sie war ja nicht mal bereit ein Bewerbungsgespräch zu führen).
      8 0 Melden
  • Bruno Wüthrich 11.09.2017 18:35
    Highlight Die verbale sexuelle Belästigung und die Reorganisation der Abteilung haben nichts miteinander zu tun. Dass das Eine das Andere beeinflussen kann, steht jedoch ausser Frage. Und so ist es denn wohl auch, wobei die Frau durch die Verweigerung des Bewerbungsgesprächs da wacker selbst mit an der Schraube dreht.

    Es ist doch völlig klar, dass es nicht gut gehen kann, wenn sie mit ihrem Chef nicht sprechen will. Dies färbt dann auf die ganze Abteilung ab. So leid es mir für die Frau tut, und so ungerecht dies erscheinen mag: ich würde sie in dieser Abteilung auch nicht weiter beschäftigen.
    66 7 Melden
    • andrew1 11.09.2017 19:36
      Highlight Ich habe auch noch nie gehort das jemand das bewerbungsgespräch verweigert hat obwohl ein grosses Interesse an der stelle da war geschweige denn noch die stelle bekommen hat. Geschweige denn noch den entscheid vor gericht angefechtet. Etwas suspekt das ganze.
      19 3 Melden
    • dä dingsbums 11.09.2017 20:02
      Highlight Ich hätte den Chef auch gleich rausgeschmissen, sehr fähig in Sachen Personalführung scheint er ja nicht zu sein.
      34 7 Melden
  • dracului 11.09.2017 18:12
    Highlight Zwar sagt man der SBB nach, dass man Jobs auf Lebzeiten hat, aber dem ist längst nicht mehr so. Die GAV-Mitarbeitenden kann man nur abbauen durch eine Reorganisation. Darum wird laufend reorganisiert. Es gibt wohl kaum eine Firma in der Schweiz, wo sich Chefs noch patiarchalisch ausleben können. Mitarbeiter lassen viel über sich ergehen für ihren Job. Das HR fördert das Verhalten, reorganiseren sie sich doch selber laufend neu. Die Sozialpartner interessieren sich nur um bahnnahe Jobs. Sexismus ist leider weit verbreitet und ist strukturell schwer zu bekämpfen in der aktuellen SBB-Kultur.
    55 6 Melden
    • axantas 11.09.2017 18:32
      Highlight Die Kultur und Wertschätzung für Mitabeitende hat Herr Meyer erfolgreich beerdigt.
      Du hast die richtige Position in einer guten Seilschaft oder du bist verloren, bzw. kannst auf die nächste Reorganisation warten, der du zum Opfer fällst. HR lässt dringende Geschäfte liegen, wenn sie es für nicht relevant empfinden. Chefs auf der oberen Ebenen stecken sich ihre Pfründe an 'wichtigen' Sitzungen ab und sind kaum da. Schein ist alles...

      Böse? Vielleicht. Frustriert? Nein. Ich kenne es von innen und bin mit einem lachenden und weinenden Auge nicht mehr dort dabei. Schade um unsere SBB.
      38 0 Melden
  • SuicidalSheep 11.09.2017 17:43
    Highlight Als Aussenstehende ist es schwer die Situation zu verurteilen.

    Der Entscheid, ihr die Stelle nicht zu geben, scheint laut Text aber damit zu tun, dass sie ein Bewerbungsgespräch verweigerte? Da versteh ich die Absage natürlich.
    61 7 Melden
  • Rendel 11.09.2017 17:42
    Highlight Nicht wirklich zum Thema, ich finde diese neu Bewerbungen, obwohl man bei der Firma schon angestellt ist, total daneben. Aber offenbar haben sich schon viele daran gewöhnt.
    112 2 Melden
    • andrew1 11.09.2017 19:39
      Highlight Früher hat man einfach den ungeeigneten gekündigt und dann jemand neues gesucht. Aber gerade allen kündigen und neu bewerben ist schon sehr krass. Was sind wohl die vorteile dieses vorgehen? Captain?
      13 0 Melden
    • Masche 11.09.2017 22:05
      Highlight Ich finde es zu tiefst entwürdigend, wenn man sich bei einer Reorganisation nach vielen Jahren treuen Diensten und Einsatz in der Firma wieder bewerben muss. Aber es ist halt viel einfacher, statt hinzustehen und zu sagen, dass man sich leider von einer Person trennen muss, zu verkünden, dass die Person die ausgeschriebene Stelle nicht bekommt. Wenn man zudem den immensen Aufwand bedenkt, dass 120 Personen sich neu bewerben müssen, nur weil man den Mut nicht hat, hinter seinem Entscheid zu stehen, der vermutlich schon vorher getroffen war, kann man nur noch den Kopf schütten.
      15 1 Melden
    • Datsyuk 11.09.2017 22:33
      Highlight Tiefere Löhne? Ich weiss es nicht. Ich rate jetzt nur.
      6 0 Melden
  • 2sel 11.09.2017 17:32
    Highlight "Kollegen hatten sexistische Äusserungen ihr gegenüber gemacht."

    Was waren das für Äusserungen? Solange wir diese nicht kennen, können wir auch nicht darüber urteilen.
    47 38 Melden
    • trio 11.09.2017 17:51
      Highlight Wie brauchen auch nicht zu urteilen, dafür gibt es Richter 😉
      97 7 Melden
    • burton85 11.09.2017 18:06
      Highlight Vielleicht sollten Sie Antrag auf Einsicht in die Akten stellen, damit Sie darüber urteilen können.
      51 3 Melden
  • pamayer 11.09.2017 17:28
    Highlight Wirst belästigt und nachher so eine Geschichte.
    So stellt man Opfer ruhig. Und alles geht seinen selbstgerechten Weg.
    Eine saubere Gesellschaft ist das ja.
    38 81 Melden
    • Dogbone 11.09.2017 19:02
      Highlight Eine saubere SBB vor allem...
      11 18 Melden
  • T0815 11.09.2017 17:27
    Highlight Heikles Thema, bin ja gespannt auf den Entscheid des Bundesverwaltungsgerichts.
    29 1 Melden
  • Agakami 11.09.2017 17:12
    Highlight Wenn ich das richtig verstehe, hat der Jobverlust nichts mit der sexuellen Belästigung zu tun, dass ich auch in jedem fall verurteile, sondern damit dass sie in 1. Linie das Bewerbungsgespräch verweigert?
    Wenn das "kein" beim Bewerbungsgespräch sich nicht aussversehen eingeschlichen hat sieht es, für mich, so au als ob die Gute denkt, dass sie jetzt aufgrund der sexuellen Belästigung eine Vorzugs/Spezialbehandlung verdient.
    72 11 Melden
    • dä dingsbums 11.09.2017 20:05
      Highlight Sie wäre ja gar nicht in die engere Auswahl und zu einem Bewerbungsgespräch gekommen. Was für eine Überraschung...
      3 7 Melden
    • Corto Maltese 11.09.2017 20:06
      Highlight Es ist wohl nicht ganz einfach mit der Person,von der man belästigt worden ist, ein Bewerbungsgespräch zu machen.
      12 4 Melden
    • Masche 11.09.2017 21:52
      Highlight @Corto Maltese: Es war ja nicht der Chef, der sie sexuell belästigt hatte.
      4 0 Melden

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