Schweiz

Bild: AP/AP

Nach Zürich nun auch im Baselbiet: Schuldspruch gegen Uber-Pop-Fahrer

07.11.17, 19:02

Ein Uber-Pop-Fahrer ist am Dienstag vom Baselbieter Strafgericht zu einer Busse und einer bedingten Strafe verurteilt worden. Er hatte 2016 innert neun Monaten auf gut 13'000 Kilometern mit bezahlenden Fahrgästen fast 32'000 Franken eingenommen.

Das US-Fahrdienstunternehmen Uber ist mit drei Angeboten per Mobiltelefon-Vermittlungs-App auf dem Markt: Uber Black mit Edellimousinen und Profi-Fahrern als teuerstes, Uber X mit Profis sowie Uber Pop mit Privatfahrern als billigstes. Gestritten wird um Pop, da die anderen übliche Regeln einhalten. In der Schweiz ist Uber primär in den Städten Basel, Genf, Lausanne und Zürich tätig.

Nach einem Teil-Schuldspruch vor dem Bezirksgericht in Dietikon ZH Ende Juli dieses Jahres war der Fall vor dem der Baselbieter Strafgericht erst der zweite Uber-Prozess in der Schweiz. Die Baselbieter Staatsanwaltschaft hatte ohne Strafbefehl direkt Anklage erhoben: Sie habe mit einem Weiterzug gerechnet und rechtliche Fragen klären wollen, sagte der Staatsanwalt vor Gericht.

Der Einzelrichter folgte der Anklage in allen Punkten. Die vielen Uber-Fahrten des 40-jährigen Bosniers im Privatauto seien angesichts der Einnahmen und der Kosten klar gewerbsmässig gewesen, und dazu fehlte die nach Bundesrecht erforderliche Bewilligung. Auch fehlten die kantonal nötige Taxibewilligung sowie der Fahrtenschreiber.

Bedingte Geldstrafe

Das Strafgericht brummte dem Mann in erster Instanz eine auf zwei Jahre bedingte Strafe von 60 Tagessätzen zu je 70 Franken und eine Busse von 500 Franken auf. Über einen Weiterzug wird laut Verteidiger erst anhand des schriftlichen Urteils entscheiden. Vor Gericht verweigerte der Angeklagte selber jede Aussage.

Der Verteidiger argumentierte formaljuristisch, wegen einer Gesetzeslücke sei berufsmässiger Personentransport ohne Bewilligung nicht verboten, also auch nicht strafbar. Zudem habe die Anklage die Berufsmässigkeit der Uber-Fahrten nicht wie erforderlich bewiesen, sondern nur mittels einer unangemessenen Pauschale errechnet.

Da die von Uber zur Verfügung gestellten Fahrdaten zeigten aber nur die bezahlten Strecken, nicht Anfahrten und Rückwege, namentlich bei Fahrten nach Zürich oder Lausanne. Real habe sein Mandant kaum etwas verdient, und dies bewusst: Er habe als Vorbereitung für die Taxiprüfung nämlich mit Uber nur Lernfahrten gemacht. Und mit den Uber-Daten sei faktisch ja auch ein Fahrtenschreiber gelaufen.

Für der Richter waren jedoch die Kalkulationen der Anklage zulässig und realistisch - selbst mit der doppelten Strecke hätte ein Gewinn resultiert, begründete er die Gewerbsmässigkeit. Der Mann hätte nach Medienberichten zu Uber halt die Legalität erfragen müssen. Und Taxi-Lernfahrten nach Lausanne oder Zürich seien unglaubwürdig.

Straf- und Arbeitsrechts-Fragen

Während beim Baselbieter Fall die Frage der Fahrberechtigung im strafrechtlichen Fokus stand, ist separat auch die arbeitsrechtliche Frage der Selbständigkeit von Uber-Fahrern zu klären. Das Unternehmen betrachtet seine Fahrer als selbständige Partner, nicht Angestellte.

Ist die Tätigkeit der Uber-Fahrer hingegen eine unselbständige Erwerbstätigkeit - wie dies ein Rechtsgutachten der Gewerkschaft Unia von 2016 darstellt - sind auch die gesetzlichen Arbeitnehmer- und Arbeitgeberbeiträge für AHV, IV, EO etc. von Uber geschuldet. Dies hätte wohl Folgen für das Geschäftsmodell.

Die Unfallversicherung Suva hatte im Januar entschieden, dass Uber-Fahrer als Angestellte zu betrachten sind und das Unternehmen als Arbeitgeber. Nächste Instanz ist hier das Zürcher Sozialversicherungsgericht. - Im Kanton Zürich bietet Uber inzwischen den Pop-Dienst nicht mehr an.

Uber-Konflikt auf der Strasse

Die digitale Konkurrenz bringt das klassische Taxigewerbe auf die Palme, weil es sich durch strenge Vorschriften benachteiligt sieht. In verschiedenen Städten hatten bereits Protestveranstaltungen deswegen stattgefunden. Diverse politische Bestrebungen, die neuen Angebote zu regeln, laufen auf Bundesebene und der von Kantonen.

Nach heftiger Kritik von Gewerkschaften hatte die SBB im Juni mitgeteilt, dass sie vorerst davon absehe, Uber wir ursprünglich vorgesehen in ihre Reiseplaner-App zu integrieren. Bei der Post hingegen war Uber über die bestehende Mobilitäts-App «NordwestMobil» bei einem diesjährigen Pilotversuch im Grossraum Basel eingebunden.

Uber Pop ist in verschiedenen Ländern verboten, darunter Frankreich und Spanien. Auch der Generalanwalt des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) hat Uber als Taxiunternehmen im Visier, das alle normalen Pflichten zu erfüllen habe. Der EuGH als Adressat dieser Einschätzung hat noch nicht über die spanische Klage entschieden. (cma/sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Der Kicker, der nie kickte – die bizarre Geschichte von Fake-Fussballer Carlos Kaiser 

Neue Umfrage zeigt: Die Gegner der No-Billag-Initiative liegen vorne – und zwar deutlich

Türkei greift Stellungen in Syrien an

US-Kongress findet Kompromiss gegen «Shutdown» – die grössere Hürde kommt aber noch

Das sind die Rekordtorschützen in Europas Top-Ligen

Mord an Ex-YB-Spieler Andrés Escobar: Mutmasslicher Auftraggeber wurde verhaftet

Kein Plastikmüll mehr bis 2030: Mit diesen 3 Massnahmen will es die EU schaffen

Apple knickt ein – neues Feature gibt iPhone-Usern (endlich) die Wahl

Alle Artikel anzeigen

Aktuell: Binge-Eating: Mädchen stellt ihre Anfälle auf YouTube

45s

Binge-Eating: Mädchen stellt ihre Anfälle auf YouTube

Video: srf

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
0
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Basler Sexualkundeunterricht verletzt keine Grundrechte

Mit der nicht gewährten Befreiung vom Sexualkundeunterricht im Kindergarten und in den Primarschulklassen im Kanton Basel-Stadt haben die Schweizer Behörden die Grundrechte einer Familie nicht verletzt. Dies hat der EGMR entschieden.

Die an den Europäischen Gerichtshof für Menschenrechte (EGMR) in Strassburg gelangte Familie hatte 2011 für ihre damals siebenjährige Tochter eine Dispensation vom Sexualkundeunterricht bis zur zweiten Primarschulklasse beantragt.

Alle Instanzen stützten jedoch den …

Artikel lesen