Schweiz

Bezirksgericht Zürich verurteilt zwei Hausbesetzer

Das Zürcher Bezirksgericht hat am Mittwoch zwei mutmassliche Hausbesetzer zu bedingten Geldstrafen verurteilt. Die beiden jungen Männer wehrten sich mit Tritten und Schlägen gegen eine Polizei-Kontrolle. Einer der Polizisten war danach vier Tage arbeitsunfähig.

27.04.16, 12:00

Die verurteilten Männer wehrten sich «mit Tritten und Schlägen» gegen die Polizisten. Im Bild das besetzte Koch-Areal in Zürich-Altstetten im Dezember 2014.  Bild: KEYSTONE

Die jungen Männer wurden beide wegen Gewalt und Drohung gegen Beamte schuldig gesprochen. Der 20-jährige Schweizer erhielt eine bedingte Geldstrafe von 90 Tagessätzen zu 10 Franken. Sein 22-jähriger Kollege aus Italien, der noch etwas härter zuschlug und deswegen auch noch wegen Körperverletzung verurteilt wurde, erhielt eine bedingte Geldstrafe von 130 Tagessätzen zu 10 Franken.

Bei beiden beträgt die Probezeit drei Jahre, weil sie bereits vorbestraft sind und die Prognose gemäss Gericht «nur noch ganz knapp als gut bezeichnet werden kann.»

Die Beschuldigten sassen nach ihrer Attacke auf die beiden Stadtpolizisten 19 Tage in Untersuchungshaft. «Wir hoffen, dass nur schon diese Haft Eindruck hinterliess und von weiteren Delikten abhält», sagte der Richter bei der Urteilseröffnung. 

Lebensmittel waren für Hilfswerk bestimmt

Beim Prozess vor einer Woche wollten die Beschuldigten keine Aussagen machen. Es ist deshalb unklar, wie stark sie in der Zürcher Hausbesetzerszene verankert sind. Unterstützer waren im Gerichtssaal keine anwesend.

Erwiesen ist aber, dass sie im Oktober 2015 beim besetzten Koch-Areal von zwei Polizisten angehalten wurden, weil sie morgens um ein Uhr einen Veloanhänger voller Lebensmittel schoben. Die Nahrungsmittel hatten sie bei einer Aldi-Filiale mitgehen lassen.

Was sie offenbar nicht wussten: Die abgelaufenen Produkte waren für das Hilfswerk «Schweizer Tafel» bestimmt und wären Bedürftigen verteilt worden. Vom Vorwurf des Diebstahls wurden die jungen Männer aber freigesprochen, weil sie gemäss Gericht «nicht wissen konnten, dass die Nahrungsmittel nicht für den Abfall bestimmt waren». 

Polizist am Auge verletzt

Schuldig gesprochen wurden sie jedoch für die Rangelei, mit der sie sich der nachfolgenden Kontrolle und der Wegweisung vom Areal entziehen wollten. Die Männer wehrten sich mit Tritten und Schlägen auf Kopf, Oberkörper und Genitalbereich der Polizisten. Einer der Beamten sagte aus, der 20-Jährige sei «förmlich explodiert».

Durch den Radau wurden zudem 30 Besetzer des Koch-Areals angelockt, welche die Polizisten mit Gegenständen bewarfen. Einer der beiden Ordnungshüter erlitt durch den italienischen Beschuldigten eine Verletzung am Auge und war vier Tage arbeitsunfähig. Der 22-Jährige muss ihm deswegen nun 500 Franken Genugtuung zahlen.

Das Urteil des Zürcher Bezirksgerichts fiel mit bedingten Geldstrafen vergleichsweise mild aus. Der Staatsanwalt hatte eine unbedingte Freiheitsstrafe von acht Monaten verlangt. (aargauerzeitung.ch)

Das könnte dich auch interessieren:

Foto-Fail! Diese 16 Bilder zeigen, warum wir Selfies erfunden haben

Bahn frei für Federer? Der mögliche Halbfinal-Gegner heisst Sandgren oder Chung

Kaufst du auch alle zwei Jahre ein neues Handy? Das soll sich jetzt ändern

20 (!!!) Jahre nach «Charmed – Zauberhafte Hexen» – das ist aus den Darstellern geworden

Hol dir die App!

Yanik Freudiger, 23.2.2017
Die App ist vom Auftreten und vom Inhalt her die innovativste auf dem Markt. Sehr erfrischend und absolut top.
Abonniere unseren NewsletterNewsletter-Abo
7
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
7Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • AL:BM 27.04.2016 12:29
    Highlight Einen vorbestraften Täter bei KÖRPERVERLETZUNG bedingt zu verurteilen finde ich doch relativ lasch.
    Ich verteidige die CH Justiz ja häufig aber das ist nun wirklich ein übles Zeichen.
    G. und D. gegen Beamte wird ja von vielen Richtern gerne bagatellisiert...
    19 3 Melden
    • Alex_Steiner 27.04.2016 15:00
      Highlight Wir kennen ja auch nicht die Hintergründe. Vielleicht haben sie sich entschuldigt. Vielleicht ist die Polizei die am Koch-Areal Leuten auflauert nicht besonders sanft mit den zwei fälschlicherweise des Diebstahls beschuldigten Männern umgegangen. Ein Übles Zeichen würde ich es wohl nicht nennen.
      7 17 Melden
    • AL:BM 27.04.2016 17:26
      Highlight Und wieder versuchen Sie einfach den Spiess um zu drehen.
      Es ist definitiv ein übles Zeichen und der 'erzieherische Aspekt' der Strafe ist kaum vorhanden.
      12 5 Melden
    • Gelöschter Benutzer 27.04.2016 19:25
      Highlight Ist es nicht eher so, dass in der Schweiz Menschen die Opfer von übergriffigen Polizisten beinahe null Chancen auf Genugtuung haben? Damit rechnen müssen wenn sie den Polizisten anzeigen gleich eine Gegenanzeige einzuhandeln?
      Das rechtfertigt keine Gewalt gegen Polizisten, klar. Aber es ist Unsinn zu behaupten die Polizisten würden von Justiz und Politik im Stich gelassen.
      Und speziell bei der Stapo Zürich gilt halt auch ein wenig das Motto "Wie man in den Wald ruft..."
      3 5 Melden
    • AL:BM 27.04.2016 21:03
      Highlight Auch wenn sie eine beliebige Person anzeigen müssen sie mit einer Gegenanzeige rechnen. Dies raten einem sogar Juristen, die darauf hoffen die Anzeigerstatter liessen so von ihrer Anzeige ab.
      Was sie nicht bedenken (evtl. weil sie es gar nicht wissen können) Polizisten werden ständig angezeigt. Dies weil sich jeder ungerecht behandelt fühlt. Hätte man da gar keinen Schutzmechanismus, würden sie gar keine Polizisten mehr auf den Strassen antreffen.
      Ich beziehe mich mit meinem
      ursprünglichen Kommentar übrigens hauptsächlich auf allg. Kötperverletzung. G.&D. habe ich nur am Rand erwähnt.

      4 2 Melden
    • Gelöschter Benutzer 28.04.2016 13:32
      Highlight Darum reisst man Radfahrer vom Fahrzeug und setzt diesen schwersten Verletzungsgefahren aus?
      Und das obwohl man ja selber verbotenerweise auf dem Busstreifen gefahren ist...Alles im Video zu sehen...Kein Mitleid mit solchen Gewalttätern
      1 2 Melden
    • AL:BM 28.04.2016 14:36
      Highlight Klären Sie doch zuerst mal ab, ob es der Polizei tatsächlich nicht gestattet ist, die Busspur zu verwenden. Da könnten Sie sich nämlich irren.
      Ich glaube nicht, dass dadurch 'Verletzungsgefahren' entstanden sind.
      Hören Sie doch auf diese Leute ständig in Schutz zu nehmen. Man geht bei diesen Personen mit gewissen Methoden vor, weil sie ständig gewalttätig reagieren, ja gar Polizisten grundlos angreifen.

      Aber Sie haben sich ein Feindbild geschaffen und hauen drauf rum. Scheuklappen auf und vorwärts marsch....
      2 2 Melden

Untersuchung gegen Jürg Jegge eingestellt – alle Fälle sexuellen Missbrauchs sind verjährt

Die Staatsanwaltschaft des Kantons Zürich hat die Untersuchung gegen den bekannten Reformpädagogen Jürg Jegge eingestellt.

Sein ehemaliger Schüler Markus Zangger hatte in seinem Buch «Jürg Jegges dunkle Seite» publik gemacht, dass er und weitere Schüler von Jegge über Jahre hinweg sexuell missbraucht worden waren. Laut Einstellungsverfügung sind alle bekannten Fälle verjährt.

In der Einstellungsverfügung heisst es, Jürg Jegge habe die sexuellen Kontakte zwischen ihm und Markus Zangger sowie …

Artikel lesen