Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.
Spion (Symbolbild)

Daniel M. verdient mit dem Verkauf von Bankdaten viel Geld. Bild: nordwestschweiz

Operation «Eiswürfel» – wie die Geheimdienste Daniel M. versenkten

Der Fall Daniel M. gleicht einem Kriminalroman erster Güteklasse. Ein kompliziertes Beziehungsnetz, geheime Filmaufnahmen, Steuerhinterziehung und der Verkauf von Steuerdaten – alles ist dabei.



Die SRF-Sendung «Rundschau» zeigt in einer aufwändigen Recherche, wie es um den in die Schlagzeilen geratenen und derzeit in deutscher Haft sitzenden Schweizer Spion Daniel M. im Detail steht.

Am Ursprung ist der Auftrag, nach welchem der Privatdetektiv Daniel M. agiert. Der frühere Zürcher Polizist und Sicherheitsbeauftragte der Grossbank UBS soll für den Schweizer Geheimdienst deutsche Steuerfahnder ausspionieren. Das Ziel: In Erfahrung bringen, woher die Steuer-CDs mit Schweizer Bankdaten kommen, heisst es im Bericht der «Rundschau».

Mehrere 10'000 Euro in Bar

Sein Anwalt Valentin Landmann lässt sich in der SRF-Sendung folgendermassen zitieren: «Daniel M. ist für mich ein blitzgescheiter Typ. Er weiss, wo Verbindungen zu schaffen sind und wie man diese benutzt. Informationen zu erhalten, das ist sein Business.» 

«Er ist im Gefängnis in Mannheim, aber er ist aufgestellt, guter Dinge, ready for fight. Er wirft nicht einfach die Flinte ins Korn.»

Valentin Landmann verteidigt Daniel M.

Allerdings bleibt es nicht bei den ursprünglich geplanten Tätigkeiten. Daniel M. beginnt nämlich selber, Kundendaten zu verkaufen. Zwar stellen sich die vom Schweizer Spion gelieferten Bankauszüge später als gefälscht heraus, dennoch kassiert Daniel M. dafür mehrere 10'000 Euro bar auf die Hand.

Dummerweise wird Daniel M. bei einem seiner Verkäufe von einer versteckten Kamera gefilmt. Diese installiert hat Wilhelm Dietl, ein ehemaliger Mitarbeiter des deutschen Nachrichtendienstes, heute ist er bekannt als Geheimdienstexperte und Buchautor, er führt im Bayerischen Bad Kötzting einen eigenen Laden. Die «Rundschau» versucht Dietl dort zu kontaktieren, scheitert aber bei diesem Vorhaben.

«Eine hochinteressante Person»

Folgt man der Spur von Wilhelm Dietl, erreicht man Werner Mauss. Ein deutscher Meisterspion, der in den 80er-Jahren im grossen Stil mit zweifelhaften bis illegalen Mitteln auch in Zürich operiert hat und Ende April dieses Jahres wegen Steuerhinterziehung in der Höhe von 15 Millionen Euro vor Gericht stand. Er hat die Treffen zwischen Dietl und Daniel M. organisiert.

Auch zu Mauss äussert sich Valentin Landmann, der Anwalt von Daniel M.: «Werner Mauss ist eine hochinteressante aber völlig undurchsichtige geheimdienstnahe Gestalt in Deutschland. Man weiss, dass er früher viele Geheimdienstaufträge durchgeführt hatte. Er fährt nie einfach, bei ihm muss man immer mit Doppelspurigkeit rechnen. Mindestens.»

epa05556486 Former agent Werner Mauss stands in the courtroom at the start of his trial in the district court in Bochum, Germany, 26 September 2016. The district attorney's office is charging the 76-year-old former secret agent of the Federal Intelligence Service BND (Bundesnachrichtendienst) with posessing millions of funds under pseudonyms and for not paying taxes on their revenues.  EPA/INA FASSBENDER

Werner Mauss vor Gericht. Bild: EPA/DPA

Werner Mauss weiss also Bescheid über Daniel M.s Verkäufe von Bankdaten und gibt die von Wilhelm Dietl aufgezeichneten Informationen wiederum weiter an Oliver Bartholet, den Chefjuristen der UBS. Gemäss der «Rundschau» verbindet diese beiden eine enge Beziehung, dies gab Mauss den Schweizer Behörden zu Protokoll.

Operation «Eiswürfel»

Mauss weist ein mögliches Fehlverhalten in seinem Vorgehen von sich, er wird in der SRF-Sendung folgendermassen zitiert: «Nach jedem Treffen habe ich mich mit dem Rechtsdienst der UBS getroffen und mit ihm abgestimmt.»

Fakt ist, dass die UBS im Januar 2015 gegen Daniel M. Anzeige bei der Schweizer Bundesanwaltschaft erstattet – wegen wirtschaftlichen Nachrichtendienstes. Staatsschutzleiter Carlo Bulletti höchstpersönlich übernimmt den Fall und startet eine Operation unter dem Namen «Eiswürfel». Im Februar 2015 wird Daniel M. unter einem Vorwand in ein Zürcher Restaurant gelockt, auf frischer Tat ertappt und festgenommen.

Etwas mehr als zwei Jahre später geht Daniel M. auch den deutschen Behörden ins Netz. Valentin Landmann sagt diesbezüglich: «Wir gehen davon aus, dass es eine Racheaktion gewesen ist für das Aufdecken der deutschen Spione. Man wusste nämlich, dass Daniel M. da mitgewirkt hat, hatte aber keinerlei Beweise. Was macht man da im Geheimdienst? Man versenkt jemanden.»

Dass Daniel M. nicht nur selbstlos gehandelt hat, gibt auch Landmann zu: «Er hat zweifellos den Köder geschluckt. Das hat schliesslich zum Verfahren geführt. Dass es aber eine reine Versenkungsaktion gegenüber einem unliebsamen Agenten ist, das zeigt sich in den Akten überdeutlich.»

Daniel M. ist derzeit in der Justizvollzugsanstalt Mannheim inhaftiert. (rst)

Chronologie: Die teuersten Bussen der UBS

Das könnte dich auch interessieren:

Nach SBI-Niederlage: Jetzt beginnt der nächste Streit in der Aussenpolitik

Link to Article

Diese 13 Bilder zeigen, wieso «Doppeladler» völlig zu Recht das Wort des Jahres ist

Link to Article

So läuft das Weihnachtsessen mit den Arbeitskollegen ab. Immer. Jedes Jahr. Die Timeline

präsentiert vonBrand Logo
Link to Article

Warum die Chinesen die Amerikaner im KI-Wettrennen schlagen werden

Link to Article

Die Weihnachtswünsche dieser alten Leute sind so bescheiden, dass es dir das Herz bricht

Link to Article

Doch noch geeinigt! 30 Minuten vor Ablauf der Deadline rief Nylander in Toronto an

Link to Article

Wutbürger nehmen Grossrätin wegen Baby ins Visier– und so reagiert der Grossvater 

Link to Article

Queen Ariana Grande singt sich mit neuem Song auf den YouTube-Thron 👀

Link to Article

11 Dinge, die du schon immer von einem orthodoxen Juden wissen wolltest

Link to Article

Der Super-Beau, der in weniger als 15 Minuten alles verkackt!

Link to Article

7 Duschmomente, die uns (vermutlich) allen bekannt vorkommen 

Link to Article

Über Zürich fliegen jetzt die Viren-Drohnen

Link to Article

«Meine 20 Jahre ältere Affäre erniedrigt mich»

Link to Article

In diesem Land wohnt nur ein einziger Schweizer. Wir haben mit ihm gesprochen

Link to Article

Knatsch im Bundesrat? Das zähe Ringen um die Schlüsseldepartemente

Link to Article

Brennende Leichen und blühender Aberglaube – ein Besuch in Indiens heiligster Stadt

Link to Article

Das Sexismus-Dinner des FC Basel sorgt weltweit für Schlagzeilen

Link to Article

7 ausgefallene Punsch-Rezepte, die du diesen Winter unbedingt ausprobieren solltest!

präsentiert vonBrand Logo
Link to Article

Netflix killt die nächste Superhelden-Serie

Link to Article

Du regst dich über die Migros-Suppe auf? Dann kennst du diese Gender-Produkte noch nicht!

Link to Article

Miet-Weihnachtsbäume sind in Hipster-Hochburgen in – doch die Sache hat einen Haken

Link to Article

Führerscheinentzug nach 49 Minuten – so witzelt die Polizei über den «Tagesschnellsten»

Link to Article

Viva la nonna! – weshalb ich mega Fan vom neuen Jamie-Oliver-Buch bin (dazu 5 Rezepte)

Link to Article

Welche dieser absolut dämlichen Studien gibt es tatsächlich?

Link to Article

Ade Pelz: Schweizer zeigen Canada Goose die kalte Schulter

Link to Article

Jetzt ist es da! Das geilste Polizeiauto der Schweiz

Link to Article

Herzschmerz pur! 15 Leute erzählen, wie sie vom Seitensprung ihres Partners erfuhren

Link to Article

«Es war alles ein verdammter Fake»: Schweizer Adoptiveltern packen aus

Link to Article
Alle Artikel anzeigen

Abonniere unseren Newsletter

Themen
0
Bubble Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 48 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
0Alle Kommentare anzeigen

Gipser geht gegen Halbierung der IV-Rente vor – das ging gründlich in die Hose

Zum Verhängnis werden einem Aargauer IV-Bezüger ein anonymer Anruf – und seine juristische Gegenwehr, obwohl er gewarnt worden war, dass der Entscheid zu seinen Ungunsten ausfallen könnte. Eingliederungsmassnahmen erhält der Mann keine, da der Wille zur Eingliederung fehle.

Der Hinweis ging anonym ein: Am Telefon teilte eine Person mit, sie wisse von einem Mann, der Leistungen der Invalidenversicherung (IV) beziehe, obwohl es ihm gesundheitlich gut gehe. Die Zuständigen bei der Aargauer IV-Stelle nahmen den Anruf ernst und liessen den früheren Gipser zwischen Herbst 2015 und Frühling 2016 observieren, an acht Tagen von einem Privatdetektiv. Und was dabei herauskam, erhärtete den Verdacht. Nach einer erneuten Begutachtung durch einen Psychiater wurde die Rente …

Artikel lesen
Link to Article