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Prostituierte «ausgequetscht wie eine Zitrone» – Ex-Polizist verurteilt

24.02.17, 15:43 28.02.17, 22:36


Ein ehemaliger Zürcher Stadtpolizist hat sich der mehrfachen Vorteilsannahme schuldig gemacht, als er von einer Prostituierten Geschenke und Sex annahm. Der Einzelrichter am Bezirksgericht Zürich verurteilte ihn am Freitag zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse.

Das Obergericht Zürich.  Bild: KEYSTONE

Die bedingte Geldstrafe beträgt 100 Tagessätzen zu 100 Franken bei einer Probezeit von 2 Jahren. Die zudem verhängte Busse von 1000 Franken ist nicht bedingt - der Beschuldigte muss sie entrichten. Er hat zudem die Verfahrenskosten zu tragen.

Berufung bereits angekündigt

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigerin hat bereits Berufung angemeldet. Sie hatte auf Freispruch plädiert und für den Beschuldigten eine Genugtuung von 20'000 Franken gefordert.

Der Richter folgte mit dem Schuldspruch dem Antrag der Anklage und blieb mit dem Strafmass nur wenig darunter: Der Staatsanwalt hatte ausser der Busse eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 100 Franken beantragt. Das Gesetz sieht für «Vorteilsannahme» Strafen von bis zu drei Jahren Freiheitsentzug vor.

«Vorteilsannahme» setzt im Unterschied zur Bestechung nicht eine konkrete Gegenleistung voraus, wie der Richter erklärte. Es gehe um das Schaffen von «Goodwill». Für städtische Angestellte und speziell für Mitglieder der Stadtpolizei gelten bezüglich allfälliger Geschenke klare Regelungen.

Skrupelloses Ausnutzen

Der Staatsanwalt schilderte den Beschuldigten als einen Mann, der zusammen mit einem Polizeikollegen, dessen Prozess noch aussteht, skrupellos eine Prostituierte ausnutzte, ja, sie «ausquetschte wie eine Zitrone». Dabei seien die beiden Männer gemeinsam vorgegangen.

Bei den Geschenken ging es laut Ankläger «nicht um einen Kaffee nach Dienstschluss, und nicht um eine Weihnachtsschoggi». Der Beschuldigte liess sich Kleider, Parfums, Elektronikartikel, Flüge und Hotelaufenthalte zahlen und bezog auch sexuelle Dienste.

Belegt werden konnte das Vorgehen nicht zuletzt durch den regen Austausch elektronischer Nachrichten zwischen den beiden Männern und der betroffenen Frau. Die Texte, aus denen vor Gericht zitiert wurde, zeugen von einer grossen Verachtung für die Frau. Laut Richter geht zudem daraus hervor, dass sich der Beschuldigte durchaus bewusst war, etwas Unzulässiges zu tun.

«Ein gefährliches Spiel»

Das Verschulden des Ex-Polizisten beurteilte er als «nicht mehr leicht». Er habe vorsätzlich und aus egoistischen, finanziellen Gründen nach einem «gewissen System» gehandelt. Die Geschenke seien «von beträchtlichem Wert» gewesen. Der Beschuldigte habe sich «auf ein gefährliches Spiel eingelassen und Gefallen daran gefunden».

Gemäss Verteidigung ging es dagegen um nichts Dienstliches, sondern um eine rein private Freundschaft, bei der gegenseitig Geschenke gemacht worden seien. Zudem habe nicht ihr Mandant bei der Frau Sex gesucht, sondern umgekehrt habe die Frau mit ihm Sex haben wollen.

Für den Richter waren das «reine Schutzbehauptungen». Ebensowenig folgte er dem Verteidigungs-Argument, der Beschuldigte sei beruflich gar nicht für die Frau zuständig gewesen.

Er sei zwar nicht Mitglied der Fachgruppe Milieu-/Sexualdelikte (MSD) der Stadtpolizei Zürich gewesen, sei von dieser aber mehrmals als «Schein-Freier» beigezogen worden. Er habe also durchaus auch mit der Aufklärung von Sex-Delikten zu tun gehabt.

Wie im ganzen Verfahren machte der Beschuldigte auch vor Gericht von seinem Recht zur Aussageverweigerung Gebrauch. Seine einzigen Aussagen hatte er in der ersten Hafteinvernahme gemacht – er anerkannte damals die Vorwürfe und zog diese Aussagen nie zurück. Als Folge des Strafverfahrens verlor er seine Polizistenstelle. Er ist heute in einer andern Branche tätig.

(sda)

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Charly Otherman, 5.5.2017
Watson kann nicht nur lustig! Auch für Deutsche (wie mich) ein Muss, obwohl ich das schweizerische nicht immer verstehe.
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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Herbert Ashe 28.02.2017 21:29
    Highlight Auf dem Bild im Artikel ist meiner Ansicht nach das Obergericht und nicht das Bezirksgericht zu sehen.
    0 0 Melden
  • dä dingsbums 25.02.2017 00:40
    Highlight Eine bedingte Geldstrafe und eine Busse von 1000 Franken.

    Schon mal auf der Autobahn rechts überholt? Die Strafe dafür ist wesentlich härter.

    5 1 Melden
  • Marco Rohr 24.02.2017 19:40
    Highlight Und womit genau haben die beiden Polizisten die Frau erpresst?
    2 4 Melden
  • elivi 24.02.2017 19:22
    Highlight Also mir is nicht gaaanz klar wer wen für was bestecht wurde. Es scheint so als hätte die frau für hotels, flüge etc bezahlen müssen aber für was? Hat dieser ex poli gedroht sie zu verhaften basierend auf erfundenen sachen oder so?
    Und wie? Sie soll sex gewollt haben? Wer lässt sich ausnehmen und will dann noch sex vom täter? Lachhafte argumentation, das hätte sein anwalt erst gar nicht bringen sollen vorallem da das gericht den ganzen nachrichtenverkehr hat.
    6 1 Melden
  • Hierundjetzt 24.02.2017 17:57
    Highlight Somit ist klar, dass unser Justizsystem auch bei kleineren Delikten einwandfrei funktioniert und das der Staat rigoros gegen diesen Übeltäter vorging. Ich hoffe, dass der Ex-Polizist das Ganze ans Obergericht weiterzieht. Für mich ist die Strafe viel zu tief angesetzt und ich hoffe, das Obergericht korrigiert diesen Umstand.
    21 1 Melden
    • flausch 24.02.2017 19:47
      Highlight "Einwandfrei" und "Strafe viel zu tief" sind widersprüche!
      Ja die Strafe ist viel zu tief und das hat System wenn es um Anzeigen gegen Polizisten geht.
      Also nicht einwandfrei!
      5 1 Melden
  • gnp286 24.02.2017 17:53
    Highlight Hmmm... Schein-Freier... Traumjob? :D
    3 9 Melden

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