Schweiz
Wir verwenden Cookies und Analysetools, um die Nutzerfreundlichkeit der Internetseite zu verbessern und passende Werbung von watson und unseren Werbepartnern anzuzeigen. Weitere Infos findest Du in unserer Datenschutzerklärung.

Prostituierte «ausgequetscht wie eine Zitrone» – Ex-Polizist verurteilt

24.02.17, 15:43 28.02.17, 22:36


Ein ehemaliger Zürcher Stadtpolizist hat sich der mehrfachen Vorteilsannahme schuldig gemacht, als er von einer Prostituierten Geschenke und Sex annahm. Der Einzelrichter am Bezirksgericht Zürich verurteilte ihn am Freitag zu einer bedingten Geldstrafe und einer Busse.

Das Obergericht des Kantons Zuerich anlaesslich dem Berufungsprozess im Fall um den Raubmord im Alterszentrum Kilchberg ZH, aufgenommen am Mittwoch, 7. Dezember 2016. Beschuldigt sind eine heute 31-jaehrige Gesundheits-Fachfrau und eine 26-jaehrige Kioskverkaeuferin. Die beiden Frauen wurden in erster Instanz vom Bezirksgericht Horgen wegen Raubmords an einer betagten Frau zu 13 beziehungsweise 10,5 Jahren Freiheitsentzug verurteilt worden. Eine der Verurteilten hat Berufung eingelegt. Die Staatsanwaltschaft zog beide Urteile weiter. Gemaess Horgener Urteil haben sie am 10. November 2013 in einer Wohnung des Alterszentrums Kilchberg ZH die 88-jaehrige Bewohnerin im Bett erstickt und sie dann beraubt. (KEYSTONE/Siggi Bucher)

Das Obergericht Zürich.  Bild: KEYSTONE

Die bedingte Geldstrafe beträgt 100 Tagessätzen zu 100 Franken bei einer Probezeit von 2 Jahren. Die zudem verhängte Busse von 1000 Franken ist nicht bedingt - der Beschuldigte muss sie entrichten. Er hat zudem die Verfahrenskosten zu tragen.

Berufung bereits angekündigt

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig. Die Verteidigerin hat bereits Berufung angemeldet. Sie hatte auf Freispruch plädiert und für den Beschuldigten eine Genugtuung von 20'000 Franken gefordert.

Der Richter folgte mit dem Schuldspruch dem Antrag der Anklage und blieb mit dem Strafmass nur wenig darunter: Der Staatsanwalt hatte ausser der Busse eine bedingte Geldstrafe von 120 Tagessätzen zu 100 Franken beantragt. Das Gesetz sieht für «Vorteilsannahme» Strafen von bis zu drei Jahren Freiheitsentzug vor.

«Vorteilsannahme» setzt im Unterschied zur Bestechung nicht eine konkrete Gegenleistung voraus, wie der Richter erklärte. Es gehe um das Schaffen von «Goodwill». Für städtische Angestellte und speziell für Mitglieder der Stadtpolizei gelten bezüglich allfälliger Geschenke klare Regelungen.

Skrupelloses Ausnutzen

Der Staatsanwalt schilderte den Beschuldigten als einen Mann, der zusammen mit einem Polizeikollegen, dessen Prozess noch aussteht, skrupellos eine Prostituierte ausnutzte, ja, sie «ausquetschte wie eine Zitrone». Dabei seien die beiden Männer gemeinsam vorgegangen.

Bei den Geschenken ging es laut Ankläger «nicht um einen Kaffee nach Dienstschluss, und nicht um eine Weihnachtsschoggi». Der Beschuldigte liess sich Kleider, Parfums, Elektronikartikel, Flüge und Hotelaufenthalte zahlen und bezog auch sexuelle Dienste.

Belegt werden konnte das Vorgehen nicht zuletzt durch den regen Austausch elektronischer Nachrichten zwischen den beiden Männern und der betroffenen Frau. Die Texte, aus denen vor Gericht zitiert wurde, zeugen von einer grossen Verachtung für die Frau. Laut Richter geht zudem daraus hervor, dass sich der Beschuldigte durchaus bewusst war, etwas Unzulässiges zu tun.

«Ein gefährliches Spiel»

Das Verschulden des Ex-Polizisten beurteilte er als «nicht mehr leicht». Er habe vorsätzlich und aus egoistischen, finanziellen Gründen nach einem «gewissen System» gehandelt. Die Geschenke seien «von beträchtlichem Wert» gewesen. Der Beschuldigte habe sich «auf ein gefährliches Spiel eingelassen und Gefallen daran gefunden».

Gemäss Verteidigung ging es dagegen um nichts Dienstliches, sondern um eine rein private Freundschaft, bei der gegenseitig Geschenke gemacht worden seien. Zudem habe nicht ihr Mandant bei der Frau Sex gesucht, sondern umgekehrt habe die Frau mit ihm Sex haben wollen.

Für den Richter waren das «reine Schutzbehauptungen». Ebensowenig folgte er dem Verteidigungs-Argument, der Beschuldigte sei beruflich gar nicht für die Frau zuständig gewesen.

Er sei zwar nicht Mitglied der Fachgruppe Milieu-/Sexualdelikte (MSD) der Stadtpolizei Zürich gewesen, sei von dieser aber mehrmals als «Schein-Freier» beigezogen worden. Er habe also durchaus auch mit der Aufklärung von Sex-Delikten zu tun gehabt.

Wie im ganzen Verfahren machte der Beschuldigte auch vor Gericht von seinem Recht zur Aussageverweigerung Gebrauch. Seine einzigen Aussagen hatte er in der ersten Hafteinvernahme gemacht – er anerkannte damals die Vorwürfe und zog diese Aussagen nie zurück. Als Folge des Strafverfahrens verlor er seine Polizistenstelle. Er ist heute in einer andern Branche tätig.

(sda)

Das könnte dich auch interessieren:

Migros und Coop sind im Fitnessfieber – und die kleinen Studios leiden

So will eine deutsche Architektin das Meer von Plastik-Müll befreien

1 Hanfsamen provoziert ein Gerichtsverfahren – eine Amtsschimmel-Komödie in 3 Akten

Wenn ich noch einen alten Kerl mit einer jungen Frau vögeln sehe ...

«Die Frage ist nur noch: Wann haben wir die Schmerzgrenze erreicht?»

So (böse) freuen sich Eltern, dass die Kinder wieder in die Schule müssen

In Liverpool muss Schnäppchen-Shaqiri beweisen, dass er der Königstransfer ist

Blutgräfin Báthory, die ungarische Serienmörderin

Aufgepasst, Männer! So vermeidet ihr «mansplaining»

Ronaldo verzückt die neuen Teamkollegen: «Es ist gar nicht möglich, mit ihm mitzuhalten»

Bauern wie zu Gotthelfs Zeiten? Per Initiative ins landwirtschaftliche Idyll

Nach Rausschmiss von «Guardians of the Galaxy»-Regisseur: Darsteller droht Disney

Blochers Zeitungsimperium druckt seinen eigenen Artikel gegen «fremde Richter»

Hipster-Bärte bedrohen die Rasierklingen-Industrie

Wie die Migros das Label-Chaos beseitigen will – und dafür kritisiert wird

So viel Geld macht Ferrari pro Auto – und so viel legt Tesla drauf

Die Erde ist bei Google Maps keine flache Scheibe mehr – das ist wichtiger, als du denkst

18 lustige Fails, die dich alles um dich herum vergessen lassen

Scheidungen sind out – und das hat seine Gründe

«Ich habe keine devote Ausstrahlung»: Tonia Maria Zindel über MeToo, Tod und Rätoromanisch

Wie das Geschwür am Hintern des Sonnenkönigs zum Trend wurde

Das sagt Osama Bin Ladens Mutter über ihren Sohn, den Terrorfürsten

Sie waren vor 10 Jahren unsere grössten Hoffnungen – das wurde aus ihnen

Die 8 grössten Kraftwerke zeigen das riesige Potential von erneuerbaren Energien

7 Mehrtageswanderungen, die sich richtig lohnen 

präsentiert von

Endlich «Weltklasse»: Wie Schalkes Max Meyer bei Crystal Palace statt Barça landete

Bruthitze und Megadürre –  Die Katastrophe von 1540 war schlimmer als der Hitzesommer 2003

Die Frau, die weltbekannt wurde, ohne es zu wissen

Alle Artikel anzeigen

Hol dir die App!

Zeno Hirt, 25.6.2017
Immer wieder mal schmunzeln und sich freuen an dem, was da weltweit alles passiert! Genial!

Abonniere unseren Daily Newsletter

8
Weil wir die Kommentar-Debatten weiterhin persönlich moderieren möchten, sehen wir uns gezwungen, die Kommentarfunktion 72 Stunden nach Publikation einer Story zu schliessen. Vielen Dank für dein Verständnis!
8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • Herbert Ashe 28.02.2017 21:29
    Highlight Auf dem Bild im Artikel ist meiner Ansicht nach das Obergericht und nicht das Bezirksgericht zu sehen.
    0 0 Melden
  • dä dingsbums 25.02.2017 00:40
    Highlight Eine bedingte Geldstrafe und eine Busse von 1000 Franken.

    Schon mal auf der Autobahn rechts überholt? Die Strafe dafür ist wesentlich härter.

    5 1 Melden
  • Marco Rohr 24.02.2017 19:40
    Highlight Und womit genau haben die beiden Polizisten die Frau erpresst?
    2 4 Melden
  • elivi 24.02.2017 19:22
    Highlight Also mir is nicht gaaanz klar wer wen für was bestecht wurde. Es scheint so als hätte die frau für hotels, flüge etc bezahlen müssen aber für was? Hat dieser ex poli gedroht sie zu verhaften basierend auf erfundenen sachen oder so?
    Und wie? Sie soll sex gewollt haben? Wer lässt sich ausnehmen und will dann noch sex vom täter? Lachhafte argumentation, das hätte sein anwalt erst gar nicht bringen sollen vorallem da das gericht den ganzen nachrichtenverkehr hat.
    6 1 Melden
  • Hierundjetzt 24.02.2017 17:57
    Highlight Somit ist klar, dass unser Justizsystem auch bei kleineren Delikten einwandfrei funktioniert und das der Staat rigoros gegen diesen Übeltäter vorging. Ich hoffe, dass der Ex-Polizist das Ganze ans Obergericht weiterzieht. Für mich ist die Strafe viel zu tief angesetzt und ich hoffe, das Obergericht korrigiert diesen Umstand.
    21 1 Melden
    • flausch 24.02.2017 19:47
      Highlight "Einwandfrei" und "Strafe viel zu tief" sind widersprüche!
      Ja die Strafe ist viel zu tief und das hat System wenn es um Anzeigen gegen Polizisten geht.
      Also nicht einwandfrei!
      5 1 Melden
  • gnp286 24.02.2017 17:53
    Highlight Hmmm... Schein-Freier... Traumjob? :D
    3 9 Melden

1 Hanfsamen provoziert ein Gerichtsverfahren – eine Amtsschimmel-Komödie in 3 Akten

Die Geschichte über ein Strafverfahren wegen eines einzelnen THC-haltigen Hanfsamens.

schreibt Rico Daniel watson. Seine Nachricht trieft vor Schadenfreude. Er hat soeben in einem Verfahren vor Obergericht gegen das Statthalteramt des Bezirks Bülach einen Sieg errungen. Gegen jene Behörde, die vor rund einem Jahr gegen ihn ein Strafverfahren eröffnet hat. Wegen einem einzelnen Hanfsamen. 

findet Rico Daniel, der die amtlichen Dokumente auf seinem Online-Portal bundesmaus.ch veröffentlicht hat. Darunter das Urteil des Obergerichts vom 31. Juli, den forensischen Bericht über …

Artikel lesen