Schweiz

«Psychopathen wie er ändern sich nie und sind unheilbar», sagte ein Gutachter über Claude D.. Hier auf einer Gerichtszeichnung mit seiner Verteidigerin.  
Bild: KEYSTONE

Der Mörder von Marie, Claude D., wird lebenslänglich verwahrt

24.03.16, 14:43 24.03.16, 16:25

Der Mörder von Marie, Claude D. ist zu einer lebenslänglichen Freiheitsstrafe und einer lebenslänglichen Verwahrung verurteilt worden. Das Strafgericht in Renens VD verhängte gegen den 39-jährigen Angeklagten und Wiederholungstäter die Höchststrafe.

Das Gericht stellte eine erdrückende Schuld des Angeklagten fest. «Es gibt keine entlastenden Elemente. Der Angeklagte ist voll schuldfähig», sagte der Gerichtspräsident bei der Urteilseröffnung am Donnerstag.

Mit dem Strafmass folgte das Gericht den Anträgen des Waadtländer Oberstaatsanwalts Eric Cottier. Er hatte eine lebenslängliche Freiheitsstrafe und eine lebenslängliche Verwahrung im Sinne der Verwahrungsinitiative gefordert.

Verteidiger wollen Verwahrung anfechten

Die Verteidiger von Claude D. werden das Urteil anfechten. Das Gericht habe ein «inakzeptables und populistisches» Urteil gefällt, sagte der Verteidiger Loïc Parein am Donnerstag beim Verlassen des Gerichtsgebäudes in Renens VD den Medien.

Das Gericht habe sich nicht vom Willen der Öffentlichkeit absetzen können, fügte die Anwältin Yaël Hayat an, die ebenfalls den Verurteilten vertritt. Sie kündigte umgehend einen Weiterzug an, wenn nötig «bis nach Strassburg» an den europäischen Menschenrechtshof.

Der Angeklagte wurde wegen Mordes, sexueller Nötigung, Freiheitsberaubung und Entführung sowie wegen grober Verletzung der Verkehrsregeln schuldig gesprochen. Er hatte am 13. Mai 2013 die 19-jährige Marie in Payerne VD in ein Auto gezerrt und entführt.

In der Nacht auf den 14. Mai erdrosselte er die Frau in einem Wald bei Châtonnaye FR. Nach seiner Festnahme führte er die Polizei selbst zur Leiche. Der Mann verbüsste zum Zeitpunkt der Tat eine Reststrafe im Hausarrest.

Er hatte 1998 seine damalige Ex-Freundin in einem Chalet in La Lécherette VD vergewaltigt und danach erschossen. Dafür wurde er im Alter von 22 Jahren zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt. (rar/sda)

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8Alle Kommentare anzeigen
    Alle Leser-Kommentare
  • elivi 24.03.2016 17:39
    Highlight eindeutiger sexueller wiederholungstäter mit tödlichem ausgang. wie kann man damit noch nach strassburg wollen?
    14 3 Melden
  • Gelöschter Benutzer 24.03.2016 17:13
    Highlight frage an juristen:
    was ist der grund, dass man für einen solchen täter noch weiter kämpft, obwohl seine taten eindeutig nur mit einer verwahrung geahndet werden können?

    geht es um geld, dann woher kommt das?
    geht es um profilierung, was bringt das den anwälten?
    spielt hier ein verstecktes stockholmsyndrom mit bei den verteidigern? (ich weiss dass dieser begriff normalerweise auf der opferseite zur anwendung kommt!)
    11 11 Melden
    • Fee.22 25.03.2016 13:57
      Highlight 1. Auch Schwerverbrecher haben Rechte. Die Aufgabe des Strafverteidigers ist es, zu kontrollieren, dass diese Rechte von den Gerichten (und damit vom Staat) gewahrt werden. Den Anwälten persönlich, denke ich, bringt dies nicht wirklich viel. Aber es ist im Interesse aller Privaten, die dem Staat angehören, dass das Recht korrekt angewendet wird und dass auch jeder die Möglichkeit hat, ein Urteil, das in Rechte eingreift, von einem anderen Gericht überprüfen zu lassen - und zwar auch, wenn ein Erfolg aussichtslos ist bzw. zu sein scheint.
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    • Fee.22 25.03.2016 13:57
      Highlight 2. Ich kann mir auch nicht vorstellen, dass die Verteidiger einen Freispruch bewirken wollen, sondern vielleicht einfach "nur" eine eifache Verwahrung, statt eine lebenslängliche (vgl. Art. 64 Abs. 1 und 1bis StGB).
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  • Hubertus Herbstlaub 24.03.2016 16:54
    Highlight Kann eine lebenslängliche Verwahrung eigentlich aufgehoben werden?
    4 3 Melden
    • plaga versus 24.03.2016 19:02
      Highlight Sie muss, glaub ich zu wissen, alle paar Jahre überprüft werden.
      5 2 Melden
    • Fee.22 25.03.2016 14:25
      Highlight 1. Die lebenslängliche Verwahrung kann nur angeordnet werden, wenn der Täter als dauerhaft nicht therapierbar eingestuft wird (Art. 64 Abs. 1bis lit. c. StGB). Es muss dann immer wieder geprüft werden, "ob neue, wissenschaftliche Erkenntnisse vorliegen, die erwarten lassen, dass der Täter so behandelt werden kann, dass er für die Öffentlichkeit keine Gefahr mehr darstellt" (Art. 64c Abs. 1 StGB). Ist dies der Fall, kann diese Therapie angeordnet werden.
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    • Fee.22 25.03.2016 14:25
      Highlight 2. Erst wenn die Behandlung zeigt, "dass sich die Gefährlichkeit des Täters erheblich verringert hat und so weit verringern lässt, dass er für die Öffentlichkeit keine Gefahr mehr darstellt", hebt das Gericht die lebenslängliche Verwahrung auf und ordnet aber eine stationäre therapeutische Massnahme in einer geschlossenen Einrichtung an (Art. 64c Abs. 3 StGB).
      Ansonsten ist eine bedingte Entlassung möglich, "wenn er (der Täter) infolge hohen Alters, schwerer Krankheit oder aus einem andern Grund für die Öffentlichkeit keine Gefahr mehr darstellt" (Art. 64c Abs. 4 StGB).
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